„O Goddess, who lives within everything in the form of power,
Reverence to you!
O Goddess, who lives within everything in the form of awareness,
Reverence to you!”


Anfang Oktober wird in Indien Navaratri gefeiert, ein farbenfrohes Festival in dem die Schöpfungskraft als weibliche spirituelle Kraft verehrt wird. In Form von Gottheiten wie Durga, Lakshmi und Sarasvati ist es die Energie – Shakti – der Göttin selbst, die auf allen Ebenen erlaubt, das sich diese Manifestation entfalten kann. Es ist die heilige Kraft hinter allem was erfahren, gedacht, gefühlt, erkannt und realisiert wird.

Der Begriff Shakti bedeutet zuerst einmal einfach Kraft, oder Energie. Auf der äußeren Ebene ist es die Kraft die das Universum hervorgebracht hat, mit all seinen verschiedenen Energien, Atomen, Quanten, schwarzen Löchern, Spiralnebeln, Wurmlöchern, Planeten und Galaxien – Jagad Ambe – die Mutter des Universums.
Als Bhumi Devi ist sie die Mutter Natur – sie ist die Mutter die all Ihre Kinder versorgt und sie durch Ihren Körper ernährt und beschützt.
Das Tao Te Ching, einer der ältesten und profundesten spirituellen Texte sagt:

„infinite. eternally present.
It is the mother of the universe“

Seit den Anfängen des Menschseins wird das weibliche als Quelle des Lebens unter vielen Namen erkannt und verehrt, nicht nur in Indien sondern überall auf der Welt. Das weibliche verkörpert nicht nur die Quelle des Lebens sondern das Mysterium und das heilige des Lebens als solches.
Es reflektiert Ganzheit, die ewigen Kreisläufe von entstehen, Dasein und vergehen als die immerwährenden Zyklen der Natur.

Die Göttin ist die Schöpfung:

Sie ist die Geburt, Sarasvati, die fließende, die Inspiration und Kraft des schöpferischen Wortes. Ihre Farbe ist Weiß,
Sie ist  die Fülle des Daseins als Lakshmi, Göttin der Fülle und Schönheit, der Balance  und des Entzückens – Farbe rot
sowie die Kraft die Leben nimmt und zerstört in Form von Kali, der schwarzen Göttin der Zeit.
Es sind alles Aspekte, Qualitäten und Formen der einen Göttin, der einen Kraft.
In unserem Kulturkreis tauchte sie ebenfalls unter verschiedenen Namen auf,
z.B. als Dana, Brigid und Anu bei den Kelten.

In vielen Mythologien ist  sie die Totalität des Lebens – eine Lebenskraft die sich durch unterschiedliche Formen ausdrückt – und jeder von uns ist ein individueller Ausdruck dieser Ganzheit.
in diesem Zusammenhang ist eine einfache aber sehr effektive Übung, sich wieder bewusst mit der Natur und ihren Kräften auseinanderzusetzen und zu verbinden. Die Kreisläufe des Lebens zu erkennen, zu würdigen, zu bewundern und sich mit Ihnen zu Synchronisieren ist allein schon die beste Gesundheitsvorsorge. Ayurveda ist die ganzheitliche Naturmedizin die sich auf dieser Grundlage entwickelt hat.

Shakti ist Bewusstseinskraft in Form

Im traditionellen Yoga, vor allem in seiner Tantrischen und Bhakti orientierten Ausrichtung haben Gottheiten, ihre Formen und Figuren oft eine wichtige Bedeutung. Durch die äußere Form werden innere Realitäten und Bewusstseinsebenen abgebildet und diese zugänglich gemacht. Die expliziten Formen, Farben und Gesten erschaffen eine symbolische Ausdrucksform, die auf innere Realitäten verweisen.
Durch Meditation, Kontemplation und Gebet mit und über diese Form werden innere Kräfte erweckt und zu einer erfahrbaren Realität.
Die äußere Gottheit, die Form, wird ein Mittel zur Kommunikation mit unserem eigenen tieferen Wesenskern, der weit über kulturelle und persönliche Begrenzungen hinausreicht.
Jedoch: Obwohl die Form eine gewisse Wichtigkeit besitzt ist sie nicht das wichtigste. Am letzten Tag von Navaratri wird die Statue von Durga im Wasser versenkt und aufgelöst.  Die Form als solche ist nicht das Entscheidende, es ist die Kraft die diese Form hervorgebracht hat aber nicht an diese gebunden ist.

Shiva und Shakti

Als innere Kraft ist sie die Kraft des Bewusstseins selbst, welche erlaubt daß das Universum auf allen Ebenen – bis hin zu seinem Ursprung im Absoluten (Shiva) –  erfahren und realisiert werden kann. Hier ist sie eins mit dem Höchsten, dem Absoluten und Transzendenten als Mahadevi oder Mahashakti. Maha bedeutet „groß“

In der indischen tantrischen Tradition werden diese Prinzipien als Shiva / Shakti ausgedrückt:

*Shiva steht hier für das Absolute und transzendente Bewusstseinsprinzip
*Shakti ist die Kraft des Bewusstseins, die Energie und Vibration aller Manifestation.

In ihrer Essenz sind die Beiden nicht getrennt, sie sind Eins:
Shiva ist Shakti, Shakti ist Shiva.
Sie sind frei, reines Sein, und voller Glückseligkeit.
Shiva/Shakti sind wir!

Jetzt

Diese 2 Prinzipien sind keine fremden Konzepte einer fremden Religion. Sie sind nicht an einen bestimmten Namen, einer Tradition oder Kultur gebunden. Sie sind jetzt in diesem Moment als Bewusstsein und Energie aktiv – Jetzt, als du und ich!
Ist das nicht aufregend?
Das Bewusstseinsprinzip reflektiert sich in uns als die Fähigkeit des Beobachtens, des reinen Gewahrseins, des „Zeugen“ – nicht nur der Außenwelt sondern auch aller inneren Phänomene. Dieses „Zeugenbewusstsein“ erlaubt ein Beenden der Identifikation mit unserem Denken und konditionierten Selbst
Das Shaktiprinzip wiederum zeigt sich in allem was sich bewegt, verändert und in diesem Bewusstseinsfeld auftaucht inklusive aller mentaler und emotionaler Bewegung.

Im Zuge dessen erfahren wir uns selbst nicht mehr als kleine abgeschottete Individuen eingeengt durch negative Mentale und emotionale Muster sondern als Ausdruck kosmischer Kräfte. Es ist ein Zusammenführen – verbinden –  des Individuellen mit dem Kosmischen.

Das ist die Bedeutung von Yoga in seiner fundamentalen Form: Yoga als die praktische Wissenschaft zur Realisierung unserer eigenen inneren Essenz und damit zugleich die Realisierung der Einheit allen Seins mit seiner Quelle.
Es ist schlussendlich eine Realisierung das es nichts Getrenntes gibt. Alles ist eins in Bewusstsein, es ist die Auflösung der Trennung und des Leids und das Erblühen von Liebe und Mitgefühl.

Rein, nicht raus

In der Tantrischen, Shakti orientierten Ausprägung des Yoga ist der Schlüssel dazu eben Shakti – d.h. die Energien, Bewegungen in Körper und Geist.
Ganz praktisch: tief hinein spüren in den Körper, die Emotionen und Gedanken auf allen Ebenen spüren, wahrnehmen und akzeptieren und sie als das erkennen was sie sind: Ausdruck der kosmischen Shakti
Das bedarf ausreichender Bewusstseinskraft
Damit das möglich wird ist oft eine Vorbereitung nötig. Das nennen die Yogis „Sadhana“, die spirituelle Praxis.
Es sind Übungen und Praktiken – abgestimmt auf die Persönlichen Bedürfnisse – um zuerst mental-emotionale Energien zu balancieren und innere Anhaftungen zu lösen um so Zugang zu einer größeren Bewusstseinskraft, der Yoga Shakti, zu schaffen. Es ist dann diese Kraft, nicht mehr unsere „persönliche“ Anstrengung und Kompetenz die unser Bewusstsein ausdehnt und transformatorische Prozesse in Gang setzt.

Einige Praktische Hinweise zur Persönlichen Anstrengung

  • Intentionen setzen: wonach sehnt sich meine Seele?
  • Beziehung zu den Naturkräften aufbauen, Naturkreisläufe und Energien erfahren.
  • Versöhnung und Heilung der Beziehung zu den Eltern, speziell der Mutter: Dankbarkeit für die persönliche Mutter als Ausdruck der Kosmischen Mutter
  • Versöhnung und Heilung der Beziehung mit sich selbst; innere Verletzungen, Traumas etc. heilen.
  • Sein eigenes Leben als einzigartiges kosmisches Geschehen realisieren – durch erkennen und auflösen von einengenden und leidvollen mentalen Identifikationen und Konditionierungen
  • Regelmäßige Spirituelle Praxis wie Gebet, Meditation, Chanting, Yoga etc.

Die Liste ist natürlich unvollständig und nur zu Inspiration gedacht!
Jai ma guru

 

 

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