Eine frohe Botschaft – Ostern und Yoga,

An Ostern wird im christlichen Glauben dem Tod durch Kreuzigung und der anschließenden Auferstehung Jesus Christus gedacht. Jesus als Mensch stirbt hierbei und wird als Christus – der gesalbte, der das ewige Leben besitzt, wiedergeboren. Diese Symbolik – Tod und Wiederauferstehung, ist sehr alt und war und ist natürlich in vielen Kulturen und Traditionen bekannt. Es ist eines der zentralen Themen des Yoga. Während in  der christlichen Lesart vor allem das Leiden und die Mühsal betont wurde die Jesus auf sich genommen hat um die Menschheit von ihren Sünden zu befreien, ist es in der Interpretation des Yoga eine psychologisch Innere und vor allem exstatische Reise zur Befreiung.

Ganz grundlegend spricht diese Symbolik von der Möglichkeit der Transformation des Bewusstseins. Eine schlussendlich psychisch-spirituelle Transformation von der Gebundenheit und Begrenztheit des Egoverstandes hin zu einer Realisierung der allem Leben zugrundeliegenden Einheit und inneren Freiheit.

Während die offizielle christliche Auslegung diese Möglichkeit auf Jesus Christus beschränkt – theistisch ausgedrückt als Einheit mit dem Göttlichen Vater – und nur durch den Glauben an Jesus auch der übrigen Menschheit zumindest die Möglichkeit einer Beziehung zum Göttlichen offensteht, spricht die Yoga Tradition von der potenziellen Möglichkeit die jedem Menschen innewohnt.
Die Möglichkeit der Realisierung der Identität mit dem „Göttlichen“

Man könnte sagen, das ist die wahre frohe Botschaft!

Die Yogatradition ist reich an Methoden und Praktiken um das zu erreichen und hat viele Wege diesbezüglich formuliert. Der eindrücklichste ist vielleicht das Konzept der Chakren, in der Befreiung als ein vertikal aufsteigender Weg der Öffnung und Integration von verschiedenen Bewusstseinsebenen (eben den Chakren) dargestellt wird.

folgende Punkte tauchen, je nach Tradition verschieden formuliert, auf:

*Versöhnung mit dem Schatten (Judas) und Integration: All die Seiten die wir nicht an uns sehen wollen, ablehnen und nach außen projizieren müssen wieder in unser Bewusstsein integriert werden. Das braucht Mut und die Bereitschaft der Introspektion, durch welche alles was von Moment zu Moment in uns vor sich geht vorbehaltlos anerkannt wird. Diese radikale Offenheit ist sozusagen die Hebamme der Kreuzigung.

*Kreuzigung: das Alte muss sterben damit Neues entstehen kann. „Das gilt es also zu begreifen: Der alte Mensch, der wir früher waren, ist mit Christus am Kreuz gestorben…(Römer 6.6)
Jede Veränderung bedeutet auf gewisse Weise zuerst Leiden und Schmerzen. Es braucht eigene Anstrengung (Tapas) und die Bereitschaft loszulassen!  Ohne Hingabe ist Transformation nicht möglich.  Es gibt eine Phase der Verwirrung, der Unsicherheit und des Nichtwissens aus der das Neue entsteht

*Wiederauferstehung: die zweite Geburt (Dvija) ein neues Licht wird geboren. Die Versöhnung und Vereinigung der horizontalen (Raum/Zeit, Materie) Ebene mit der vertikalen (Geist, Spirit) resultiert in der Geburt eines neuen Bewusstseins. Etwas profaner ausgedrückt ist es eine Wiedergeburt jenseits unserer alten Muster und Gewohnheiten und die Erfahrung eines Lebens aus einem ganzheitlichen Zentrum heraus. Oft wird dieses Zentrum als das Herz bezeichnet (das spirituelle Herz, nicht das Herzchakra) – die Balken vom Kreuz treffen sich auf Herzhöhe.

So wird aus dieser Perspektive die Kreuzigung und Ostern ein Ereignis der Freude und des ewigen Lebens. Eines Lebens, das alle Möglichkeiten in sich trägt und sich immer wieder neu erzeugt und hervorbringt – nicht im Jenseits oder vor 2000 Jahren, sondern Hier und Jetzt in jedem von uns.
Nicht umsonst wird Ostern im Frühling gefeiert wenn die Natur wiederaufersteht und die Lebenskraft anfängt zu fließen.

The Fountain of Life:
Zentrales Bild eines Tryptychons aus dem Mittelalter (Jean Bellegambe, 1520): die weibliche Gestalt rechts mit dem kleinen Topf repräsentiert Hoffnung, die weibliche Gestalt auf der linken Seite Liebe.

„Ich versichere dir, Nikodemus: Wer nicht neu geboren wird, kann Gottes Reich nicht sehen und erleben.«  Verständnislos fragte der Pharisäer: »Wie kann jemand neu geboren werden, wenn er schon alt ist? Er kann doch nicht wieder in den Mutterleib zurück und noch einmal auf die Welt kommen!«
 »Ich versichere dir«, entgegnete Jesus, »nur wer durch Wasser und durch Gottes Geist neu geboren wird, kann in Gottes Reich kommen!  (Johannes 3:3-5)

Shiva/Shakti:
Wasser ist ein altes Symbol für das schöpferische Lebensprinzip und wird im Yoga oft mit dem weiblichen Prinzip bzw. Shakti assoziert – Gottes Geist ist Shiva (unkonditioniertes Bewusstsein)