Wie kann man sein Immunsystem stärken? Entdecke die 10 besten Tipps der Yogis

von Apr 8, 2021Artikel, in der zeitschrift yoga aktuell, Inspiration5 Kommentare

WIE KANN MAN SEIN IMMUNSYSTEM STÄRKEN?

Originaler Text

Die gegenwärtige Corona Krise zeigt deutlich die Notwendigkeit und Dringlichkeit in vielen Bereichen umzudenken und neue alternative Wege der Prävention und Gesundheit zu gehen. Obwohl immer noch viele Menschen daran glauben, dass eine wissenschaftlich hochtechnologisierte Medizin uns retten wird, werden die Grenzen dessen und auch die Gefahren und Probleme, die damit einhergehen immer deutlicher. Vielen von uns wird bewusst, dass wir selber Wege finden müssen unsere Gesundheit und vor allem das Immunsystem zu stärken und das dafür eine alternative Sicht-und Denkweise nötig ist.

Yoga und Ayurveda können uns da viele wertvolle Tipps und Hinweise geben. Ganz allgemein entsteht Gesundheit, wenn wir in Harmonie mit unserer inneren und äußeren Natur leben und die Verbundenheit und das eingewoben sein in das organische Lebensgewebe erkennen. Das geht nur wenn wir mit den Kräften der Natur arbeiten, – d.h. mit unserem Körper und unserem Geist – und nicht gegen sie. Yoga und Ayurveda fordern uns zu einer ganzheitlichen und auch spirituellen Sicht auf den Menschen und was Gesundheit bedeutet auf. So ist Gesundheit nicht nur eine Frage von optimalen biochemischen Abläufen des Körpers, sondern inwieweit wir Balance, Harmonie und Integration von Körper, Geist, Emotionen, Seele und unserer Umwelt und sogar dem Kosmos erfahren.

Das erfordert unsere aktive Partizipation, den Willen zur Veränderung, Verantwortung und Einsatz. Nur eine Pille zu nehmen oder sich impfen zu lassen, um wieder „normal“ zu funktionieren reicht leider nicht.
Mehr Bewusstsein und Achtsamkeit für sich selbst ist oft die Voraussetzung, um langsam Veränderungen im eigenen Leben anzugehen, anstatt darauf zu warten das es andere für uns tun.

 

Ojas

Das optimale Funktionieren des Immunsystems ist abhängig von unserer Lebenskraft, der Kapazität für physische und mentale Ausdauer und Widerstandskraft und, sehr wichtig, die Freude, Fülle und Zufriedenheit, die wir im Leben erfahren. In der Terminologie des Yoga wird das auch Ojas genannt. Ojas ist die sublimierte, feinste Form des Wasser Elements und Basis für die Bildung aller Körpergewebe und des Nervensystems. Es ist sozusagen die gespeicherte vitale Kraft des ganzen Körpers aus der Essenz aller verdauten Nahrung, dem Wasser, der Luft, den Impressionen und Gedanken.

Prana, Tejas & Ojas
Ojas ist Teil einer Dreiheit subtiler Energien von Prana, Tejas und Ojas. Tejas ist die innere vitale Wärme und Strahlkraft die subtile Form des Feuer Elements welche Ojas als deren Brennstoff braucht.  Prana ist die vitale bewegliche Lebenskraft, die subtile Form der Luft und verantwortlich für Bewegung und Zirkulation welche nötig ist, um Ojas zu verteilen. Gleichzeitig braucht Prana als tiefere Grundlage die Stabilität und Verwurzelung von Ojas. Haben wir wenig Ojas fühlen wir uns ausgebrannt, kraftlos, nervös, erschöpft, negativ, ohne Antrieb und die Immunabwehr ist schlecht. Alles was wir Essen, fühlen, denken und tun kann Ojas stärken oder verringern. Ojas ist die Grundlage, das Lagerhaus und Ressource, die wir brauchen damit wir die Kapazität haben durch Schwierigkeiten und Herausforderungen hindurchzugehen und unser ganzes Wesen und Potenzial zu entfalten und auszudrücken. Haben wir genug Ojas besitzen wir innere Stabilität, Zufriedenheit, Kraft und Durchhaltevermögen. Wir sind wenig krank, positiv und erfahren das Leben als freudvoll und erfüllend.

Mentale Immunität
Während viele sich der Notwendigkeit der Körperlichen Fitness, Gesundheit und Resilienz bewusst sind ist aus yogischer Perspektive die mentale Immunität, unser geistiges Ojas fast noch wichtiger. Körperliche und geistige Immunität bedingen sich und sollten beide entwickelt werden. Aber wenn der Geist nicht von alten Mustern und Gedanken loslassen kann, getrübt ist von negativen Emotionen wie Angst, Groll und Schuld haben wir keine oder wenig mentale Abwehrkraft. Wir haben keine Resilienz gegen das Auf und Ab des Lebens und sind innerlich verwirrt und unklar. Unser Geist ist unfokussiert, leicht zu irritieren, überstimuliert und gefangen in unreflektierten Reaktionen. Wir werden unter Umständen leichter Opfer äußerer mentaler Pathogene in Form von extremen Meinungen, Ideologien, Verschwörungtheorien, existenziellen Zweifeln, Nihilismus oder sonstigen toxischen Einflüssen.

Hier ein paar Tipps und Gedanken für mehr körperliches und mentales Ojas

 

1. Viel an die frische Luft, Bewegung und Workout

Der Körper braucht Bewegung. Am besten in der Natur. Wir sind Natur und unser Organismus braucht die Verbindung zu den Elementen, der Erde, den Pflanzen, der Luft. Das erste was ich im Moment jeden Morgen mache ist ein kurzer Lauf. Das muss nicht lange sein. 10-20 min. Ein flotter Spaziergang funktioniert genauso. Angemessener Workout: Yogahaltungen, Tai-Chi, Qi Gong oder andere Bewegungsformen angemessen an die körperliche Verfassung. Die Körperarbeit des Yoga öffnet durch Dehnungen Blockaden in der Muskulatur und dem Faszialen Gewebe und bringt die Energie wieder ins Fließen. Ebenso kräftigt Yoga die Muskulatur, idealerweise ohne zu überfordern. Um die Resilienz des Körpers zu stärken braucht er Herausforderung und möglichst eine Auseinandersetzung mit vielen verschiedenen Reizen. Rückzug, die Entfremdung von der Natur, das Leben in klimatisierten Räumen, das Vermeiden von Keimen und Bakterien schwächen den Organismus. (Bitte beachten: Das ist keine Ermunterung ohne Maske herumzulaufen 😉

Aber wichtig: wenn man sowieso schon erschöpft, überreizt und ausgebrannt ist kann ein zu intensiver Workout – oder zu intensives Yoga – das noch verschlimmern. Hier braucht es oft zuerst tonisierende und stärkende Methoden, um die Energiereserven zu füllen oder sanfte Yogarichtungen wie Yin Yoga. Dann kann man anfangen leicht zu reinigen um dann Ojas, die Immunkraft gut aufzubauen. Dieser Hinweis ist auch in Bezug auf Pranayama (siehe unten) wichtig).  Yoga in Form einer täglichen Körperpraxis ist generell eine gute Form der Reinigung und viele Menschen kennen die wohltuende stressreduzierende und balancierende Wirkung am Ende eines Tages oder gehen einmal die Woche in einen (online-) Kurs. Gut ist es eine eigene regelmässige Praxis zu etablieren. Das muss nicht unbedingt lange sein. Ein paar Runden Sonnengruss am Morgen kann schon helfen den Tag besser zu starten.

Von den Asanas (Haltungen) entsteht
Stabilität in Körper und Geist,
Freiheit von Krankheiten und Leichtigkeit
 

Hatha Yoga Pradipika

In der Hatha Yoga Pradipika, ein Hatha Yoga Text aus dem vermutlich 14 Jhdt wird empfohlen zuerst den Körper durch sogenannte Kriyas (Reinigungshandlungen) zu reinigen, um Schlacken und Toxine aus den Geweben zu lösen (ähnlich wie Pancha Karma des Ayurveda). So wird der Körper und das Nervensystem fit, kräftig und flexibel gemacht für Asanas, Pranayama und Meditation. Obwohl manche der Praktiken zu intensiv und nicht leicht umzusetzen sind (und auch nicht empfehlenswert ohne kompetente Begleitung und den richtigen Kontext) können manche angepasst werden und haben eine gesundheitsfördernde und Immunstärkende Wirkung
Sehr gut, um die inneren Organe wie den Darm, die Leber und die Nieren zu stimulieren und zu reinigen sind z.b Nauli und Agni Sara, sowie Uddhiyana Bandha. Sie alle geben eine Art innerer Massage und lösen das fasziale Bindegewebe um und zwischen den Organen.

Ein Praxisvideo dafür seht ihr hier:

2. Richtig essen: natürlich und möglichst vegetarisch

Essen ist unser Hauptenergielieferant. Es ist die Basis für das Leben und wandelt die Nahrung in Energie um. Im Ayurveda ist die richtige Ernährung die wichtigste Medizin. Erst danach folgen andere Behandlungsformen.
Die Ernährung sollte möglichst nahrhaft, natürlich, leicht, gut verdaulich und angepasst an die jeweilige Konstitution sein. Möglichst wenig verarbeitet und idealerweise aus biologischem Anbau. Die vielleicht wichtigste Regel ist, nicht zuviel zu Essen. Ein Viertel des Magens sollten frei bleiben. Auch zu spätes Essen vor dem Schlafengehen ist nicht ideal.

Ziel ist ein ausgeglichenes Verdauungsfeuer, Agni. Wenn unsere Verdauung optimal funktioniert, alle Nährstoffe absorbiert und die Abfallstoffe gut eliminiert werden erfreuen wir uns normalerweise guter Gesundheit. Dabei wird nicht nur auf die Wirkung der Nahrung auf den Körper geachtet, sondern auch auf die Herkunft, die Verarbeitung und die Präsentation. Nahrung, die mit Liebe und Achtsamkeit gekocht wurde, ist immer zu bevorzugen! Die Farben und Gerüche des Essens sollten uns erfreuen und innerlich erheben. Am besten im Sitzen und in Stille und mit Fokus essen, ohne Ablenkung. Auf die Emotionen achten: Essen mit Stress oder negativen Emotionen ist schwer verdaulich und sollte vermieden werden. Außerdem sollte die Nahrung möglichst wenig Leid anderen Lebewesen und der Umwelt zufügen, weshalb grundlegend eine fleischlose Ernährung bevorzugt wird. Im yogischen Verständnis hat Fleisch eine träge machende, schwere Energie und verhindert den Fluss durch die feinstofflichen Energiekanäle (Nadis)

Gutes Wasser trinken:
Wichtig ist auch den Körper ausreichend mit hochwertigem Wasser zu versorgen. Ojas ist die feinstoffliche Essenz von Wasser. Und der Körper besteht zu 70% daraus! Softdrinks, Alkohol, zuviel Kaffee und Schwarztee besser vermeiden.

Kräuter und Gewürze
Sie sind voller Heilkräfte und können helfen subtilere Energien und Prozesse zu unterstützen. Kräuter und Gewürze müssen nicht unbedingt aus Indien kommen damit sie „ayurvedisch“ sind. Wichtig ist die Heilraft und Wirkung. Auch wir haben wunderbare Heilkräuter und ein altes Wissen darüber. Hier eine kleine Auswahl mit ayurvedischen und heimischen Kräutern:

Kräuter, um Ojas und das Immunsystem zu stärken: Amalaki, Shatavari, Ashwagandha, Bala, Süssholz, Koriander, Kamille, Petersilie, Kurkuma…
Kräuter für Zirkulation und Energie, Prana: Engelwurz, Guggul, Ingwer, Pfeffer, Ginseng
Kräuter zur Reinigung: Brennessel, Bärlauch, Aloe, Guduchi, Brahmi, Chlorella (Alge)

Mein Lieblingsgetränk abends ist eine wohltuende warme Reis- oder Mandelmilch mit einer Gewürzmischung aus Kardamon, Zimt und Ingwer im Verhältnis 1:2:2 Man kann auch etwas Kurkuma oder Ghee hineingeben. Sehr beruhigend und nährend! Wer sich mehr für Ernährung und den ayurvedischen Lebensstil interessiert dem sei unser Ayurveda Essentials Kurs empfohlen!

 

3. Richtig atmen – Atemübungen und bewusstes Atmen

Ojas ist die Grundlage auf der sich die bewegliche vitale Energie, Prana, entfalten und ausdehnen kann. Prana ist die vitale Kraft welche Bewegung und Ausdruck erlaubt. Prana nehmen wir durch Nahrung, Atem und die Sinne auf. Ein gewahr sein dafür, durch was wir Energie gewinnen oder verlieren und von welcher Qualität die verschiedenen „Energiequellen“ sind ist eine der nötigen Kompetenzen auf dem inneren Weg des Yoga. Einer der wichtigsten Träger von Prana ist unser Atem. Durch ihn haben wir das vielleicht wichtigste Werkzeug zur Heilung und zur Regulierung und Kontrolle der Energien und des Geistes. Atemübungen, Pranayamas, helfen, Stagnationen aufzulösen, den mental-emotionalen Körper zu reinigen und frische Energie (Prana) in unser System zu bringen. Der Atem ist außerdem das Bindeglied zwischen Körper und Geist. Achtsamkeit für den Atem entwickelt Achtsamkeit, Fokus und Präsenz, was heißt, der Geist wird wieder mit dem Körper verbunden und stabilisiert. So ist Pranayama im Yoga eines der Mittel, um Geist und Sinne zu beruhigen und auf die Meditation vorzubereiten.

Prana Vidya
Yoga ist die Wissenschaft von Prana Vidya, dem Wissen über Energie und wie ich sie kontrollieren und ausdehnen kann. Die 2 Hauptbewegungen von Ein-und Ausatem sind die 2 grundlegenden dualen Komponenten eines jeden Energiekreislaufs: Aufnehmen und Abgeben. Ähnlich wie beim Verdauen von Nahrung sollten beide in Balance sein. Frische Luft und Sauerstoff, frisches Prana wird aufgenommen, zu den Organen und in den ganzen Körper transportiert, verdaut, in Energie umgewandelt. Verbrauchtes, und Co2 wird abgegeben. Die Atemübungen arbeiten mit dem Atem, um bestimmte energetische Resultate zu erzielen: z.b. um zu reinigen, zu stimulieren und zu aktivieren, um zu beruhigen und zu kühlen oder um auszugleichen.

Kapalbhati ist eine schnelle aktive Atmung, die reinigt und stimuliert. Der Fokus ist auf dem Ausatmen.  Besonders gut morgens. Außerdem aktiviert es die inneren Organe und erzeugt einen Massageeffekt auf die Bauchorgane.

Die Wechselatmung balanciert und harmonisiert und hat einen ausgleichenden Effekt. Je nach persönlicher Konstitution kann man diese Atmung auch abends noch machen.

Bewusst atmen durch die Nase!
Das wichtigste ist vielleicht immer wieder den Atem bewusst zu vertiefen, und in den Bauch zu atmen. Das hat einen ausgleichenden Effekt auf das Nervensystem. Die Nasenatmung ist hierbei wichtig als ein Filter für Bakterien und andere Erreger. In einer wissenschaftlichen Studie wurde festgestellt das 11 Minuten langsame gleichmäßige Nasenatmung schon messbare positive Resultate erbringt: Dann startet der Organismus eine Art Wartungsprogramm. Beim Umschalten auf den Parasympathikus setzen biologische Reparaturmechanismen ein, es werden Zellschäden behoben und Energiereserven bereitgestellt. Die Ratio, die die Wissenschaftler empfehlen ist ca 4 Sekunden einatmen und 6 Sekunden ausatmen, eine geläufige Frequenz, die man in der Wechselatmung praktiziert.

Hier ein Pranayama Praxisvideo dazu zum Zuhause üben.  Am besten morgens, bevor man in den Tag geht!

4. Mentale immunität – die Kraft der Aufmerksamkeit!

Genauso wie der Körper braucht auch der Geist geeignete, gut zu verdauende Nahrung. Zu laute Musik, zu grelle Farben und zu viele künstliche Stimulierungen stören und irritieren den Geist. Auch der Geist braucht das richtige Training und immer wieder kleine Trainingspausen der Erholung und Regeneration. Durch das Internet und den Massenmedien nehmen wir ständig neue Informationen, auf die wir nicht mehr verdauen können, welche gleichzeitig aber eine Abhängigkeit erzeugen. Das Resultat ist ein Gefühl der Erschöpfung und Leere bis hin zu Depression. Polarisierungen und Spannungen nehmen auf kollektiver Ebene immer mehr zu und soziale Medien spielen eine erhebliche Rolle darin, auch wenn sie mehr das Symptom sind als die wirkliche Ursache. Die Ursache ist ein abgespaltenes entfremdetes Bewusstsein ohne Verbindung zur Gesamtheit.
(Hier ein Artikel von mir über dieses Thema)

Wir lassen zu, dass andere Menschen bestimmen was wir sehen, hören und schlussendlich denken. Wir werden zu einem Spielball politischer, sozialer und gesellschaftlicher Kräfte mit ihren eigenen Interessen und versteckten Intentionen. Unser Geist ist ständig aktiv, leicht abzulenken und wir lassen die Gedanken unreflektiert Amok laufen, ohne Kontrolle darüber zu haben. Wir sind leicht irritierbar und immer weniger fähig Kritik oder Konflikt auszuhalten und verlieren leicht die innere Ruhe und Zentriertheit.
Unsere Aufmerksamkeit ist unsere wichtigste Kraft. Das worauf wir unsere Aufmerksamkeit legen bekommt auch Energie. Mit was wir uns innerlich beschäftigen bestimmt unsere Lebenserfahrung. Welche Gedanken tragen wir im Kopf herum? Was haben sie für eine Wirkung? Sind es unsere eigenen? Oder doch die vom letzten YouTube Video oder Facebook Post. Sind die Gedanken und Emotionen die ich auf täglicher Ebene erfahre und kultiviere positiv und aufbauend oder schwer verdaulich und negativ?
Alles was wir über die Sinne aufnehmen hat eine Wirkung und erschafft unsere Realität. Bewusstheit über die Kraft unserer Aufmerksamkeit und was wir in uns hinein lassen schafft mehr Wahlfreiheit. Uns mit natürlichen Eindrücken, Farben, Gerüchen und Geräuschen zu umgeben sind das beste Erholungsprogramm für Sinne und Geist.

Digitales Fasten,

In unserer Zeit von Social Media und zunehmender Digitalisierung ist es essentiell immer wieder auszuschalten und den Geist wieder leer werden zu lassen und mit möglichst natürlichen Eindrücken zu füttern. Auch wenn es durch die Pandemie noch schwerer fällt, oder beruflich schwierig ist auf das Internet zu verzichten.
Wir haben vor kurzem das für 3 Tage gemacht: Kein Internet, Computer oder Handy. Es war sehr aufschlussreich. Ein kleiner Bericht darüber und die Erkenntnisse hier von Daisy!

Wir planen das auch jeden Sonntag zu machen und morgens und abends zu meditieren. Wer beim digitalen Sonntagsfasten mit dabei sein möchte kann sich melden unter info@somayoga-freiburg.de und ihr bekommt weiter Infos

 

5. Meditation!

Ojas ist eine Kraft, die aus der Stille entsteht. Stille und Raum haben die größte Heilkraft. Der Geist ist in seiner Essenz still und weit. Meditation hilft uns diese natürliche Stille wiederzuentdecken. Durch Achtsamkeitsmeditation trainieren wir den Geist zu beobachten, ohne gleich impulsiv zu reagieren. Wir schaffen ein größeres Gewahrsein in dem jeder Impuls, jeder Gedanke, jede Emotion Platz bekommt. Aber wir beobachten nur, ohne einzugreifen, ohne zu bewerten. Und wenn wir bewerten bemerken wir das auch…und lassen wieder los. Durch Visualisierungen oder Mantra Meditation trainieren wir den Geist und fangen an eine gewisse Kontrolle zu bekommen welche Gedankenformen wir zulassen und welche nicht. Unser Geist wird flexibler und wir werden unabhängiger von den Gedanken, Meinungen und Sichtweisen anderer und lernen unseren eigenen direkten Erfahrungen und Wahrnehmungen zu vertrauen. Am besten ist es langsam eine eigene Praxis Zuhause etablieren. Morgens und abends ca 20 Minuten. Auch geführte Meditationen über MP3 (hier zum Beispiel) oder Gruppenmeditationen sind hilfreich. Aber auch immer wieder Raum schaffen, um nichts zu tun. Den Atem spüren, die Langeweile und die Stille. Beobachten und es aushalten, wenn nichts mehr flimmert und den Geist zu einer Reaktion stimuliert.

 

6. in Beziehung gehen, aber richtig!

Alles besteht in und aus Beziehung und Yoga ist grundlegend eine Praxis des In Beziehung Gehens. Mit seinem Körper, dem Atem, dem Geist, aber auch mit seiner Umgebung, anderen Menschen, der Natur. Es ist eine Bewegung hin zu mehr Beziehung und zu mehr Intimität mit dem Leben. Je mehr wir dieses eingebunden sein in Beziehung erleben umso mehr Ojas. Allerdings ist Beziehung auch potentiell gefährlich, weil es unsere Autonomie infrage stellt und unsere Verletzlichkeit deutlich macht. Viele von uns haben sich zum Schutz abgewandt und zurückgezogen, oft in der Kindheit oder durch traumatische Erlebnisse und haben Probleme sich voll und ganz auf Beziehung einzulassen. Sich langsam wieder für Beziehung zu öffnen kann ein schmerzhafter, aber notwendiger Prozess sein.
Nirgends so scheint es, wird das das Potenzial für Erfüllung und Glück oder tiefster Verletzung und Unglück deutlicher als im Thema Beziehung. Welche Qualität haben meine Beziehungen? Nur wenn die Beziehungen, die ich führe, respektvoll, liebevoll und ehrlich sind können sie nähren und erfüllen und Soma (Ojas) kann fließen.
Beziehungen zu anderen Menschen, besonders auch intime Beziehungen, bestimmen wie vielleicht kein anderer Faktor, ob ich mich geschätzt, geborgen und wertvoll oder das Gegenteil davon empfinde. Beziehungen sind der Spiegel, in dem ich mich selber erkennen kann. Anders ausgedrückt: Äußere Beziehungen sind Reflektionen einer inneren Beziehung zu mir selbst. Themen und Probleme, die in Beziehungen auftauchen sind immer, in der ein oder anderen Form auch die eigenen. Ich kann den Partner verantwortlich machen oder an mir arbeiten. Ich kann natürlich auch den Partner wechseln, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die gleichen Probleme in der ein oder anderen Form wieder auftauchen wie zuvor sind hoch.

Selbstakzeptanz
Solange ich für mich selbst nicht mein Herz öffnen und meine eigene Ganzheit erkennen kann, werden meine Beziehungen immer Hoffnungs- und Handelsbeziehungen sein auf der Suche nach Erfüllung durch den anderen. Und nicht wenige von uns glauben, dass der eine richtige Partner alle Probleme lösen würde und sind auf einer ewigen erschöpfenden Suche.

Deshalb: Zuerst braucht es die Reduzierung und Eliminierung von Selbstablehnung, Selbtshass, Selbstabwertung und Schuldgefühlen durch vollkommene Selbstakzeptanz. Nur dann wenn wir niemand anderen brauchen zur Selbstbestätigung, zum Schutz oder Erfüllung oder andersrum, als Feindbild um uns zu definieren, können wir uns für wahre Verbindung und Beziehung jenseits oberflächlicher Anziehung oder Ablehnung öffnen.

 

7. Verbundenheit und Gemeinschaft erfahren

Einer der wichtigsten fundamentalen Faktoren für Gesundheit und langes Leben ist das Gefühl von Verbundenheit und das eingebunden sein in etwas Größeres. In einer wissenschaftlichen Studie wurde herausgefunden, dass soziale Unterstützung und Integration größeren Einfluss auf die Gesundheit haben als Sport und Übergewicht!
(Social Science and Medicine10.2016/j.socscimed.2017.12.020.2018).
Je isolierter wir leben umso ungesünder. Gruppenzugehörigkeit gibt uns Identität und Sicherheit…und dadurch Gesundheit. Seine Gruppe und Community zu finden ist sehr wichtig! Yoga und Ayurveda limitiert diese Verbundenheit allerdings nicht nur auf eine bestimmte Gruppierung, sondern dehnt diese aus auf die Gesamtheit der Existenz.

      Vasudhaiva Kutumbakam

„Die ganze Welt ist meine Familie“. Dieses Zitat aus einer alten Yoga Upanischad deutet auf die tiefste, und heilsamste Art von Verbundenheit hin, welche die Yogis anstreben. Es ist eine Vision der Einheit, die sich in Vielheit ausdrückt. Es ist die Fähigkeit hinter den Unterschieden das Verbindende zu erkennen. Alles ist ein Ausdruck der gleichen Kräfte und als ein Organismus miteinander verbunden – und trägt in sich dieselbe Essenz. Wenn wir uns in allem widergespiegelt sehen, erkennen wir die verbindende, tragende Basis, die Wurzeln. Die Unterschiede sind wie die diversen Blumen und Früchte…auch wenn manche Bitter erscheinen  sind sie Teil einer geteilten Realität und Identität. So gesehen ist für den Yogi jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze, jede Umgebung seine Community. Trotzdem, oder gerade deshalb, weil die Welt ein bunter, herausfordernder und komplexer Ort ist, ist es wichtig sich mit den Menschen zu verbinden die die gleichen Werte und Ideale teilen damit diese wachsen und gedeihen können. Das ist auch die Idee von Sangha (Gemeinschaft) der spirituellen Traditionen. Gemeinsam Yoga zu praktizieren oder zu meditieren schafft ein unterstützendes Netzwerk und hilft motiviert zu bleiben. Gerade wenn man im Umbruch ist und Veränderungen angehen möchte ist diese Unterstützung wichtig. In diesen besonderen Zeiten von Lockdown und Kontakteinschränkungen brauchen wir ein Netzwerk der Gemeinschaft und das kann, wenn auch reduziert, über Zoom funktionieren!
Eines ist wichtig zu reflektieren: Gruppen und Gemeinschaften, ja ganze Gesellschaften, erzeugen eine Dynamik und Kraft die über das Individuum hinausgehen und gleichzeitig das Individuum formen und verändern. Es ist sicherlich sinnvoll genau hinzuschauen auf was man sich einlässt und mit wem man sich verbindet. Ausschlaggebend sind die Werte, Intentionen und Ziele hinter einer Gruppe oder Gemeinschaft.

 

8. Singen

Als Kinder haben wir das noch gewusst: Singen ist schön, verbindet und tut gut.
Singen ist wichtiger Bestandteil des traditionellen Yoga weil es eine direkte Wirkung auf unser Befinden und Nervensystem hat! Es beruhigt den Geist, klärt die Emotionen und hilft uns vom Kopf in das Herz zu sinken.
Besonders gemeinsam zu singen ist gesund. Mantra singen ist im Yoga oft eine Praxis des Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe. Dabei ist es nicht wichtig „schön“ oder „gut“ zu singen. Hauptsache man singt.
Durch Hingabe an den Klang, die Vibration, und das Wissen um die innere Bedeutung der Mantras können wir tief loslassen und positive Kraft schöpfen.
Mantras sind innere Wegweiser, die uns zu unserem Selbst führen können – zur Zeitlosigkeit in unserem Herzen!

Zusammen Singen  hat eine erwiesenermaßen heilsame Wirkung, es

  • unterstützt die Atemtätigkeit
  • stärkt das Herz
  • kurbelt die Darmaktivität an
  • bringt den Kreislauf in Schwung
  • reguliert den Blutdruck
  • erhöht die Sauerstoffsättigung im Blut
  • regt die Selbstheilungskräfte an
  • löst Verspannungen
  • sorgt für Ausgeglichenheit
  • baut Aggressionen ab
  • vertreibt Ärger und Stresssymptome
  • hebt die Stimmung
  • hält das Gedächtnis in Schuss
  • fördert die Konzentrationsfähigkeit
  • macht kontaktfreudiger und selbstbewusster.Schon nach dreißig Minuten Singen produziert unser Gehirn erhöhte Anteile von Beta-Endorphine, Serotonin und Noradrenalin. Stresshormone wie zum Beispiel Cortisol werden praktischerweise gleich mitabgebaut.

Bei Soma Yoga veranstalten wir regelmässiges Mantra Singen. Jeder kann mitmachen! Hier findet ihr die nächsten Termine!

 

9. Die richtigen Werte und Intentionen leben

Unsere Lebenserfahrung ist abhängig von unseren tieferen Überzeugungen und Intentionen. Diese sind meistens unbewusst. Sie zeigen sich in Form von Gedanken, Einstellungen, Überzeugungen aber auch Widerständen, Abneigungen und einfach in den Werten, die wir anstreben – und versuchen zu leben. Wir erfahren das Leben dann als bereichernd, wenn es Bedeutung und Sinn vermittelt und wir das Gefühl haben unser Leben hat Signifikanz für andere. Positive und verbindende Werte und Einstellungen wie Mitgefühl, Liebe, Teilen, Fürsorge, Emphatie machen uns und andere gesünder und lassen uns innerlich expandieren. Yoga basiert deshalb auf den sogenannten Yamas, Vorschläge ethischer Prinzipien für den Umgang mit uns und unserer Umwelt von Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, nicht stehlen, bewusster Umgang mit der Lebenskraft und Nicht horten.

Es ist gut sich zu fragen: Was und wie will ich Leben? Geht es nur um die Maximierung von dem eigenen Wohlstand, Sicherheit und Status? Was soll durch mich in die Welt kommen? Lebe ich mein eigenes Leben, oder passen ich mich den Erwartugen meiner Eltern oder der Gesellschaft an, mache Kompromisse und verleugnen meine innere Stimme? Übernehme ich Verantwortung über mein Leben oder gebe ich anderen oder den Umständen die Schuld das nichts vorangeht oder das ich leide? Geht es nur um mich und meine Bedürfnisse oder soll durch mich mehr Liebe, Harmonie, Mitgefühl und Verständnis zum Wohle aller in die Welt kommen? Bin ich bereit altes loszulassen, zu heilen und über mich selber hinauszugehen?
Für Werte, die uns verbinden, öffnen und wachsen lassen braucht es unsere aktive Unterstützung und Bereitschaft der Veränderung. Und den Mut dem ins Auge zu blicken was in uns verschlossen, abgekapselt und in einer Opferhaltung bleiben will. Yoga ist eine Aufforderung die eigene Selbstbezogenheit und Egozentrik zu erkennen und darüber hinaus zu gehen und universelle Werte von Mitgefühl & Verbindung zu leben. Das ist enorm befreiend – und gesund!

 

10. Wundern, Staunen und Nichtwissen zulassen!

Was bringt mir ein gesunder Körper, Reichtum oder viel Wissen wenn mein Herz verschlossen ist und ich die Fülle des Lebens nicht spüren kann? Einer der größten Kräfte des Universums ist Offenheit, loslassen und Hingabe. Zu erkennen und zu Staunen, das jeder Moment neu ist und es nichts festzuhalten gibt. Leben an sich ist grenzenlos und nicht zu erfassen. Zumindest nicht mit dem denkenden Geist. Obwohl vieles im Yoga darauf ausgelegt ist ein tieferes Gewahrsein und mehr Kontrolle über Körper, Atem und Geist zu bekommen ist schlussendlich die höchste Form der Kontrolle ein Loslassen davon. Ein hineinentspannen in die Stille, Akzeptanz und das Nichtwissen jenseits der Ambitionen unserer limitierten Selbstidentität.

Leben passiert jenseits von Ideen und Konzepten darüber. Bin ich da, präsent, gegenwärtig? Wenn ja, dann ist jeder Moment frisch, so wie er ist. Ohne Erklärung, Bewertung oder Rechtfertigung. Die Farben des Himmels, der Geruch der feuchten Erde, die Begegnung auf der Straße, der Geschmack des Cappuccinos sind so wie sie sind vollkommen ausreichend und erfüllend.

„Wenn alle Knoten des Herzens gelöst sind,
dann wird der Sterbliche Unsterblich“

Katha Upanishad

Der konditionierte Geist trennt, unterscheidet, hält fest, abstrahiert und macht alles kompliziert, das innere Herz ist das Symbol der ganzheitlichen fühlenden Erkenntnisfähigkeit und Einfachheit jenseits der Reaktionen und Anhaftungen des Geistes. Einfachheit bedeutet, die Dinge so zu sehen, wie sie sind ohne „Wissen“, ohne Ideen von gut oder schlecht und eigenen Präferenzen. Dann, sagen die Yogis, in diesem direkten Sehen fließt Soma, das höchste Ojas, und wir berühren etwas außerhalb der Grenzen von Zeit und Raum.

Das Herz, die Essenz im Yoga wird oft mit einer Höhle verglichen. Versteckt, geheim, dunkel und schwierig zu finden. Es ist das Mysterium des Unendlichen, Unaussprechlichen, ewigen und gleichzeitig die Quelle des Kosmos, der sich durch jeden von uns enthüllt. Im Hier und Jetzt. Es wird gesagt das Geheimnis des Herzens ist nur zu finden, wenn wir uns auf die Reise in die Dunkelheit und das Unbekannte machen um das versteckte und tiefste Licht des Bewusstseins darin zu entdecken.

Wie wollen wir diese Lebenszeit, die wir haben nutzen? Alleine die Tatsache das wir nur eine begrenzte Zeit hier zur Verfügung haben und sterblich sind (wie uns auch die gegenwärtige Pandemie zeigt), sollte uns motivieren auf die Suche zu gehen nach dem inneren Soma, dem Elixier des Lebens, dem wahren Quell von Gesundheit im Sinne des Yoga.

In diesem Sinne:

May all beings be happy
May all beings be healthy
May all beings find the right way to live
May all beings be free from suffering

Om shanti, shanti, shantih

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5 Kommentare

  1. Andreas Thumm

    Danke Ralf, das werde ich nachbereiten um integrierbare Wege zu finden. Viele Vorschläge und Hilfen zeigst du auf, das ist hilfreich! Andreas

    Antworten
    • Ralf Schultz

      Lieber Andreas, toll, freut mich das du den Artikel hilfreich findest! Teile gerne die Ergebnisse deiner „Nachbereitung“ Herzlichen Gruß, Ralf

      Antworten
  2. Susanne Weiss

    Lieber Ralf, danke für diesen tollen Artikel. Es steckt alles drin, was man für ein zufriedenes, gesundes, harmonisches Leben braucht. Deshalb werden ich ihn mehr als ein Mal lesen. Susanne

    Antworten
    • Ralf Schultz

      Danke liebe Susanne, genau, ruhig mehrmals lesen ;)) Liebe Grüße, Ralf

      Antworten
  3. StephANie

    Thank you! You are an inspiration!

    Bei diesem Artikel, und auch im Unterricht und besonders nach dem 4. Agni Intensivkurs – ich staune immer wieder wie viel neue Ideen und anregungen Du uns gibst. Manchmal nur Kleinigkeiten, die mit der Zeit grosse Wirkung entfalten.

    Auch den Detox Tag kann ich nur Weiterempfehlen. So wie es Daisy auch beschreibt, habe ich dabei viele Entdeckungen gemacht. Neue und alte, nämlich für die, die nicht mehr ganz jung sind: WiederentdecKt, wie man früher ohne Internet und Handy gelebt hat, ohne etwas zu vermissen und vielleicht auch viel mehr Zeit für das echte Erleben hatte…

    Für mich ist auch das Besondere bei dem Text und im Unterricht, es geht nicht nur um unsere persönliche, individuelle Gesundheit, sondern um die aller Menschen.

    Ich hoffe daher sehr, dass morgen Abend viele Menschen an eurer Kirtan Spendenaktion für Indien teilnehmen!

    Sending Love

    Antworten

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