Wie kann man sein Immunsystem stärken? Entdecke die 10 besten Tipps der Yogis

Wie kann man sein Immunsystem stärken? Entdecke die 10 besten Tipps der Yogis

Feat. in yoga Aktuell

Mai 2021

WIE KANN MAN SEIN IMMUNSYSTEM STÄRKEN?

Originaler Text

Die gegenwärtige Corona Krise zeigt deutlich die Notwendigkeit und Dringlichkeit in vielen Bereichen umzudenken und neue alternative Wege der Prävention und Gesundheit zu gehen. Obwohl immer noch viele Menschen daran glauben, dass eine wissenschaftlich hochtechnologisierte Medizin uns retten wird, werden die Grenzen dessen und auch die Gefahren und Probleme, die damit einhergehen immer deutlicher. Vielen von uns wird bewusst, dass wir selber Wege finden müssen unsere Gesundheit und vor allem das Immunsystem zu stärken und das dafür eine alternative Sicht-und Denkweise nötig ist.

Yoga und Ayurveda können uns da viele wertvolle Tipps und Hinweise geben. Ganz allgemein entsteht Gesundheit, wenn wir in Harmonie mit unserer inneren und äußeren Natur leben und die Verbundenheit und das eingewoben sein in das organische Lebensgewebe erkennen. Das geht nur wenn wir mit den Kräften der Natur arbeiten, – d.h. mit unserem Körper und unserem Geist – und nicht gegen sie. Yoga und Ayurveda fordern uns zu einer ganzheitlichen und auch spirituellen Sicht auf den Menschen und was Gesundheit bedeutet auf. So ist Gesundheit nicht nur eine Frage von optimalen biochemischen Abläufen des Körpers, sondern inwieweit wir Balance, Harmonie und Integration von Körper, Geist, Emotionen, Seele und unserer Umwelt und sogar dem Kosmos erfahren.

Das erfordert unsere aktive Partizipation, den Willen zur Veränderung, Verantwortung und Einsatz. Nur eine Pille zu nehmen oder sich impfen zu lassen, um wieder „normal“ zu funktionieren reicht leider nicht.
Mehr Bewusstsein und Achtsamkeit für sich selbst ist oft die Voraussetzung, um langsam Veränderungen im eigenen Leben anzugehen, anstatt darauf zu warten das es andere für uns tun.

 

Ojas

Das optimale Funktionieren des Immunsystems ist abhängig von unserer Lebenskraft, der Kapazität für physische und mentale Ausdauer und Widerstandskraft und, sehr wichtig, die Freude, Fülle und Zufriedenheit, die wir im Leben erfahren. In der Terminologie des Yoga wird das auch Ojas genannt. Ojas ist die sublimierte, feinste Form des Wasser Elements und Basis für die Bildung aller Körpergewebe und des Nervensystems. Es ist sozusagen die gespeicherte vitale Kraft des ganzen Körpers aus der Essenz aller verdauten Nahrung, dem Wasser, der Luft, den Impressionen und Gedanken.

Prana, Tejas & Ojas
Ojas ist Teil einer Dreiheit subtiler Energien von Prana, Tejas und Ojas. Tejas ist die innere vitale Wärme und Strahlkraft die subtile Form des Feuer Elements welche Ojas als deren Brennstoff braucht.  Prana ist die vitale bewegliche Lebenskraft, die subtile Form der Luft und verantwortlich für Bewegung und Zirkulation welche nötig ist, um Ojas zu verteilen. Gleichzeitig braucht Prana als tiefere Grundlage die Stabilität und Verwurzelung von Ojas. Haben wir wenig Ojas fühlen wir uns ausgebrannt, kraftlos, nervös, erschöpft, negativ, ohne Antrieb und die Immunabwehr ist schlecht. Alles was wir Essen, fühlen, denken und tun kann Ojas stärken oder verringern. Ojas ist die Grundlage, das Lagerhaus und Ressource, die wir brauchen damit wir die Kapazität haben durch Schwierigkeiten und Herausforderungen hindurchzugehen und unser ganzes Wesen und Potenzial zu entfalten und auszudrücken. Haben wir genug Ojas besitzen wir innere Stabilität, Zufriedenheit, Kraft und Durchhaltevermögen. Wir sind wenig krank, positiv und erfahren das Leben als freudvoll und erfüllend.

Mentale Immunität
Während viele sich der Notwendigkeit der Körperlichen Fitness, Gesundheit und Resilienz bewusst sind ist aus yogischer Perspektive die mentale Immunität, unser geistiges Ojas fast noch wichtiger. Körperliche und geistige Immunität bedingen sich und sollten beide entwickelt werden. Aber wenn der Geist nicht von alten Mustern und Gedanken loslassen kann, getrübt ist von negativen Emotionen wie Angst, Groll und Schuld haben wir keine oder wenig mentale Abwehrkraft. Wir haben keine Resilienz gegen das Auf und Ab des Lebens und sind innerlich verwirrt und unklar. Unser Geist ist unfokussiert, leicht zu irritieren, überstimuliert und gefangen in unreflektierten Reaktionen. Wir werden unter Umständen leichter Opfer äußerer mentaler Pathogene in Form von extremen Meinungen, Ideologien, Verschwörungtheorien, existenziellen Zweifeln, Nihilismus oder sonstigen toxischen Einflüssen.

Hier ein paar Tipps und Gedanken für mehr körperliches und mentales Ojas

 

1. Viel an die frische Luft, Bewegung und Workout

Der Körper braucht Bewegung. Am besten in der Natur. Wir sind Natur und unser Organismus braucht die Verbindung zu den Elementen, der Erde, den Pflanzen, der Luft. Das erste was ich im Moment jeden Morgen mache ist ein kurzer Lauf. Das muss nicht lange sein. 10-20 min. Ein flotter Spaziergang funktioniert genauso. Angemessener Workout: Yogahaltungen, Tai-Chi, Qi Gong oder andere Bewegungsformen angemessen an die körperliche Verfassung. Die Körperarbeit des Yoga öffnet durch Dehnungen Blockaden in der Muskulatur und dem Faszialen Gewebe und bringt die Energie wieder ins Fließen. Ebenso kräftigt Yoga die Muskulatur, idealerweise ohne zu überfordern. Um die Resilienz des Körpers zu stärken braucht er Herausforderung und möglichst eine Auseinandersetzung mit vielen verschiedenen Reizen. Rückzug, die Entfremdung von der Natur, das Leben in klimatisierten Räumen, das Vermeiden von Keimen und Bakterien schwächen den Organismus. (Bitte beachten: Das ist keine Ermunterung ohne Maske herumzulaufen 😉

Aber wichtig: wenn man sowieso schon erschöpft, überreizt und ausgebrannt ist kann ein zu intensiver Workout – oder zu intensives Yoga – das noch verschlimmern. Hier braucht es oft zuerst tonisierende und stärkende Methoden, um die Energiereserven zu füllen oder sanfte Yogarichtungen wie Yin Yoga. Dann kann man anfangen leicht zu reinigen um dann Ojas, die Immunkraft gut aufzubauen. Dieser Hinweis ist auch in Bezug auf Pranayama (siehe unten) wichtig).  Yoga in Form einer täglichen Körperpraxis ist generell eine gute Form der Reinigung und viele Menschen kennen die wohltuende stressreduzierende und balancierende Wirkung am Ende eines Tages oder gehen einmal die Woche in einen (online-) Kurs. Gut ist es eine eigene regelmässige Praxis zu etablieren. Das muss nicht unbedingt lange sein. Ein paar Runden Sonnengruss am Morgen kann schon helfen den Tag besser zu starten.

Von den Asanas (Haltungen) entsteht
Stabilität in Körper und Geist,
Freiheit von Krankheiten und Leichtigkeit
 

Hatha Yoga Pradipika

In der Hatha Yoga Pradipika, ein Hatha Yoga Text aus dem vermutlich 14 Jhdt wird empfohlen zuerst den Körper durch sogenannte Kriyas (Reinigungshandlungen) zu reinigen, um Schlacken und Toxine aus den Geweben zu lösen (ähnlich wie Pancha Karma des Ayurveda). So wird der Körper und das Nervensystem fit, kräftig und flexibel gemacht für Asanas, Pranayama und Meditation. Obwohl manche der Praktiken zu intensiv und nicht leicht umzusetzen sind (und auch nicht empfehlenswert ohne kompetente Begleitung und den richtigen Kontext) können manche angepasst werden und haben eine gesundheitsfördernde und Immunstärkende Wirkung
Sehr gut, um die inneren Organe wie den Darm, die Leber und die Nieren zu stimulieren und zu reinigen sind z.b Nauli und Agni Sara, sowie Uddhiyana Bandha. Sie alle geben eine Art innerer Massage und lösen das fasziale Bindegewebe um und zwischen den Organen.

Ein Praxisvideo dafür seht ihr hier:

2. Richtig essen: natürlich und möglichst vegetarisch

Essen ist unser Hauptenergielieferant. Es ist die Basis für das Leben und wandelt die Nahrung in Energie um. Im Ayurveda ist die richtige Ernährung die wichtigste Medizin. Erst danach folgen andere Behandlungsformen.
Die Ernährung sollte möglichst nahrhaft, natürlich, leicht, gut verdaulich und angepasst an die jeweilige Konstitution sein. Möglichst wenig verarbeitet und idealerweise aus biologischem Anbau. Die vielleicht wichtigste Regel ist, nicht zuviel zu Essen. Ein Viertel des Magens sollten frei bleiben. Auch zu spätes Essen vor dem Schlafengehen ist nicht ideal.

Ziel ist ein ausgeglichenes Verdauungsfeuer, Agni. Wenn unsere Verdauung optimal funktioniert, alle Nährstoffe absorbiert und die Abfallstoffe gut eliminiert werden erfreuen wir uns normalerweise guter Gesundheit. Dabei wird nicht nur auf die Wirkung der Nahrung auf den Körper geachtet, sondern auch auf die Herkunft, die Verarbeitung und die Präsentation. Nahrung, die mit Liebe und Achtsamkeit gekocht wurde, ist immer zu bevorzugen! Die Farben und Gerüche des Essens sollten uns erfreuen und innerlich erheben. Am besten im Sitzen und in Stille und mit Fokus essen, ohne Ablenkung. Auf die Emotionen achten: Essen mit Stress oder negativen Emotionen ist schwer verdaulich und sollte vermieden werden. Außerdem sollte die Nahrung möglichst wenig Leid anderen Lebewesen und der Umwelt zufügen, weshalb grundlegend eine fleischlose Ernährung bevorzugt wird. Im yogischen Verständnis hat Fleisch eine träge machende, schwere Energie und verhindert den Fluss durch die feinstofflichen Energiekanäle (Nadis)

Gutes Wasser trinken:
Wichtig ist auch den Körper ausreichend mit hochwertigem Wasser zu versorgen. Ojas ist die feinstoffliche Essenz von Wasser. Und der Körper besteht zu 70% daraus! Softdrinks, Alkohol, zuviel Kaffee und Schwarztee besser vermeiden.

Kräuter und Gewürze
Sie sind voller Heilkräfte und können helfen subtilere Energien und Prozesse zu unterstützen. Kräuter und Gewürze müssen nicht unbedingt aus Indien kommen damit sie „ayurvedisch“ sind. Wichtig ist die Heilraft und Wirkung. Auch wir haben wunderbare Heilkräuter und ein altes Wissen darüber. Hier eine kleine Auswahl mit ayurvedischen und heimischen Kräutern:

Kräuter, um Ojas und das Immunsystem zu stärken: Amalaki, Shatavari, Ashwagandha, Bala, Süssholz, Koriander, Kamille, Petersilie, Kurkuma…
Kräuter für Zirkulation und Energie, Prana: Engelwurz, Guggul, Ingwer, Pfeffer, Ginseng
Kräuter zur Reinigung: Brennessel, Bärlauch, Aloe, Guduchi, Brahmi, Chlorella (Alge)

Mein Lieblingsgetränk abends ist eine wohltuende warme Reis- oder Mandelmilch mit einer Gewürzmischung aus Kardamon, Zimt und Ingwer im Verhältnis 1:2:2 Man kann auch etwas Kurkuma oder Ghee hineingeben. Sehr beruhigend und nährend! Wer sich mehr für Ernährung und den ayurvedischen Lebensstil interessiert dem sei unser Ayurveda Essentials Kurs empfohlen!

 

3. Richtig atmen – Atemübungen und bewusstes Atmen

Ojas ist die Grundlage auf der sich die bewegliche vitale Energie, Prana, entfalten und ausdehnen kann. Prana ist die vitale Kraft welche Bewegung und Ausdruck erlaubt. Prana nehmen wir durch Nahrung, Atem und die Sinne auf. Ein gewahr sein dafür, durch was wir Energie gewinnen oder verlieren und von welcher Qualität die verschiedenen „Energiequellen“ sind ist eine der nötigen Kompetenzen auf dem inneren Weg des Yoga. Einer der wichtigsten Träger von Prana ist unser Atem. Durch ihn haben wir das vielleicht wichtigste Werkzeug zur Heilung und zur Regulierung und Kontrolle der Energien und des Geistes. Atemübungen, Pranayamas, helfen, Stagnationen aufzulösen, den mental-emotionalen Körper zu reinigen und frische Energie (Prana) in unser System zu bringen. Der Atem ist außerdem das Bindeglied zwischen Körper und Geist. Achtsamkeit für den Atem entwickelt Achtsamkeit, Fokus und Präsenz, was heißt, der Geist wird wieder mit dem Körper verbunden und stabilisiert. So ist Pranayama im Yoga eines der Mittel, um Geist und Sinne zu beruhigen und auf die Meditation vorzubereiten.

Prana Vidya
Yoga ist die Wissenschaft von Prana Vidya, dem Wissen über Energie und wie ich sie kontrollieren und ausdehnen kann. Die 2 Hauptbewegungen von Ein-und Ausatem sind die 2 grundlegenden dualen Komponenten eines jeden Energiekreislaufs: Aufnehmen und Abgeben. Ähnlich wie beim Verdauen von Nahrung sollten beide in Balance sein. Frische Luft und Sauerstoff, frisches Prana wird aufgenommen, zu den Organen und in den ganzen Körper transportiert, verdaut, in Energie umgewandelt. Verbrauchtes, und Co2 wird abgegeben. Die Atemübungen arbeiten mit dem Atem, um bestimmte energetische Resultate zu erzielen: z.b. um zu reinigen, zu stimulieren und zu aktivieren, um zu beruhigen und zu kühlen oder um auszugleichen.

Kapalbhati ist eine schnelle aktive Atmung, die reinigt und stimuliert. Der Fokus ist auf dem Ausatmen.  Besonders gut morgens. Außerdem aktiviert es die inneren Organe und erzeugt einen Massageeffekt auf die Bauchorgane.

Die Wechselatmung balanciert und harmonisiert und hat einen ausgleichenden Effekt. Je nach persönlicher Konstitution kann man diese Atmung auch abends noch machen.

Bewusst atmen durch die Nase!
Das wichtigste ist vielleicht immer wieder den Atem bewusst zu vertiefen, und in den Bauch zu atmen. Das hat einen ausgleichenden Effekt auf das Nervensystem. Die Nasenatmung ist hierbei wichtig als ein Filter für Bakterien und andere Erreger. In einer wissenschaftlichen Studie wurde festgestellt das 11 Minuten langsame gleichmäßige Nasenatmung schon messbare positive Resultate erbringt: Dann startet der Organismus eine Art Wartungsprogramm. Beim Umschalten auf den Parasympathikus setzen biologische Reparaturmechanismen ein, es werden Zellschäden behoben und Energiereserven bereitgestellt. Die Ratio, die die Wissenschaftler empfehlen ist ca 4 Sekunden einatmen und 6 Sekunden ausatmen, eine geläufige Frequenz, die man in der Wechselatmung praktiziert.

Hier ein Pranayama Praxisvideo dazu zum Zuhause üben.  Am besten morgens, bevor man in den Tag geht!

4. Mentale immunität – die Kraft der Aufmerksamkeit!

Genauso wie der Körper braucht auch der Geist geeignete, gut zu verdauende Nahrung. Zu laute Musik, zu grelle Farben und zu viele künstliche Stimulierungen stören und irritieren den Geist. Auch der Geist braucht das richtige Training und immer wieder kleine Trainingspausen der Erholung und Regeneration. Durch das Internet und den Massenmedien nehmen wir ständig neue Informationen, auf die wir nicht mehr verdauen können, welche gleichzeitig aber eine Abhängigkeit erzeugen. Das Resultat ist ein Gefühl der Erschöpfung und Leere bis hin zu Depression. Polarisierungen und Spannungen nehmen auf kollektiver Ebene immer mehr zu und soziale Medien spielen eine erhebliche Rolle darin, auch wenn sie mehr das Symptom sind als die wirkliche Ursache. Die Ursache ist ein abgespaltenes entfremdetes Bewusstsein ohne Verbindung zur Gesamtheit.
(Hier ein Artikel von mir über dieses Thema)

Wir lassen zu, dass andere Menschen bestimmen was wir sehen, hören und schlussendlich denken. Wir werden zu einem Spielball politischer, sozialer und gesellschaftlicher Kräfte mit ihren eigenen Interessen und versteckten Intentionen. Unser Geist ist ständig aktiv, leicht abzulenken und wir lassen die Gedanken unreflektiert Amok laufen, ohne Kontrolle darüber zu haben. Wir sind leicht irritierbar und immer weniger fähig Kritik oder Konflikt auszuhalten und verlieren leicht die innere Ruhe und Zentriertheit.
Unsere Aufmerksamkeit ist unsere wichtigste Kraft. Das worauf wir unsere Aufmerksamkeit legen bekommt auch Energie. Mit was wir uns innerlich beschäftigen bestimmt unsere Lebenserfahrung. Welche Gedanken tragen wir im Kopf herum? Was haben sie für eine Wirkung? Sind es unsere eigenen? Oder doch die vom letzten YouTube Video oder Facebook Post. Sind die Gedanken und Emotionen die ich auf täglicher Ebene erfahre und kultiviere positiv und aufbauend oder schwer verdaulich und negativ?
Alles was wir über die Sinne aufnehmen hat eine Wirkung und erschafft unsere Realität. Bewusstheit über die Kraft unserer Aufmerksamkeit und was wir in uns hinein lassen schafft mehr Wahlfreiheit. Uns mit natürlichen Eindrücken, Farben, Gerüchen und Geräuschen zu umgeben sind das beste Erholungsprogramm für Sinne und Geist.

Digitales Fasten,

In unserer Zeit von Social Media und zunehmender Digitalisierung ist es essentiell immer wieder auszuschalten und den Geist wieder leer werden zu lassen und mit möglichst natürlichen Eindrücken zu füttern. Auch wenn es durch die Pandemie noch schwerer fällt, oder beruflich schwierig ist auf das Internet zu verzichten.
Wir haben vor kurzem das für 3 Tage gemacht: Kein Internet, Computer oder Handy. Es war sehr aufschlussreich. Ein kleiner Bericht darüber und die Erkenntnisse hier von Daisy!

Wir planen das auch jeden Sonntag zu machen und morgens und abends zu meditieren. Wer beim digitalen Sonntagsfasten mit dabei sein möchte kann sich melden unter info@somayoga-freiburg.de und ihr bekommt weiter Infos

 

5. Meditation!

Ojas ist eine Kraft, die aus der Stille entsteht. Stille und Raum haben die größte Heilkraft. Der Geist ist in seiner Essenz still und weit. Meditation hilft uns diese natürliche Stille wiederzuentdecken. Durch Achtsamkeitsmeditation trainieren wir den Geist zu beobachten, ohne gleich impulsiv zu reagieren. Wir schaffen ein größeres Gewahrsein in dem jeder Impuls, jeder Gedanke, jede Emotion Platz bekommt. Aber wir beobachten nur, ohne einzugreifen, ohne zu bewerten. Und wenn wir bewerten bemerken wir das auch…und lassen wieder los. Durch Visualisierungen oder Mantra Meditation trainieren wir den Geist und fangen an eine gewisse Kontrolle zu bekommen welche Gedankenformen wir zulassen und welche nicht. Unser Geist wird flexibler und wir werden unabhängiger von den Gedanken, Meinungen und Sichtweisen anderer und lernen unseren eigenen direkten Erfahrungen und Wahrnehmungen zu vertrauen. Am besten ist es langsam eine eigene Praxis Zuhause etablieren. Morgens und abends ca 20 Minuten. Auch geführte Meditationen über MP3 (hier zum Beispiel) oder Gruppenmeditationen sind hilfreich. Aber auch immer wieder Raum schaffen, um nichts zu tun. Den Atem spüren, die Langeweile und die Stille. Beobachten und es aushalten, wenn nichts mehr flimmert und den Geist zu einer Reaktion stimuliert.

 

6. in Beziehung gehen, aber richtig!

Alles besteht in und aus Beziehung und Yoga ist grundlegend eine Praxis des In Beziehung Gehens. Mit seinem Körper, dem Atem, dem Geist, aber auch mit seiner Umgebung, anderen Menschen, der Natur. Es ist eine Bewegung hin zu mehr Beziehung und zu mehr Intimität mit dem Leben. Je mehr wir dieses eingebunden sein in Beziehung erleben umso mehr Ojas. Allerdings ist Beziehung auch potentiell gefährlich, weil es unsere Autonomie infrage stellt und unsere Verletzlichkeit deutlich macht. Viele von uns haben sich zum Schutz abgewandt und zurückgezogen, oft in der Kindheit oder durch traumatische Erlebnisse und haben Probleme sich voll und ganz auf Beziehung einzulassen. Sich langsam wieder für Beziehung zu öffnen kann ein schmerzhafter, aber notwendiger Prozess sein.
Nirgends so scheint es, wird das das Potenzial für Erfüllung und Glück oder tiefster Verletzung und Unglück deutlicher als im Thema Beziehung. Welche Qualität haben meine Beziehungen? Nur wenn die Beziehungen, die ich führe, respektvoll, liebevoll und ehrlich sind können sie nähren und erfüllen und Soma (Ojas) kann fließen.
Beziehungen zu anderen Menschen, besonders auch intime Beziehungen, bestimmen wie vielleicht kein anderer Faktor, ob ich mich geschätzt, geborgen und wertvoll oder das Gegenteil davon empfinde. Beziehungen sind der Spiegel, in dem ich mich selber erkennen kann. Anders ausgedrückt: Äußere Beziehungen sind Reflektionen einer inneren Beziehung zu mir selbst. Themen und Probleme, die in Beziehungen auftauchen sind immer, in der ein oder anderen Form auch die eigenen. Ich kann den Partner verantwortlich machen oder an mir arbeiten. Ich kann natürlich auch den Partner wechseln, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die gleichen Probleme in der ein oder anderen Form wieder auftauchen wie zuvor sind hoch.

Selbstakzeptanz
Solange ich für mich selbst nicht mein Herz öffnen und meine eigene Ganzheit erkennen kann, werden meine Beziehungen immer Hoffnungs- und Handelsbeziehungen sein auf der Suche nach Erfüllung durch den anderen. Und nicht wenige von uns glauben, dass der eine richtige Partner alle Probleme lösen würde und sind auf einer ewigen erschöpfenden Suche.

Deshalb: Zuerst braucht es die Reduzierung und Eliminierung von Selbstablehnung, Selbtshass, Selbstabwertung und Schuldgefühlen durch vollkommene Selbstakzeptanz. Nur dann wenn wir niemand anderen brauchen zur Selbstbestätigung, zum Schutz oder Erfüllung oder andersrum, als Feindbild um uns zu definieren, können wir uns für wahre Verbindung und Beziehung jenseits oberflächlicher Anziehung oder Ablehnung öffnen.

 

7. Verbundenheit und Gemeinschaft erfahren

Einer der wichtigsten fundamentalen Faktoren für Gesundheit und langes Leben ist das Gefühl von Verbundenheit und das eingebunden sein in etwas Größeres. In einer wissenschaftlichen Studie wurde herausgefunden, dass soziale Unterstützung und Integration größeren Einfluss auf die Gesundheit haben als Sport und Übergewicht!
(Social Science and Medicine10.2016/j.socscimed.2017.12.020.2018).
Je isolierter wir leben umso ungesünder. Gruppenzugehörigkeit gibt uns Identität und Sicherheit…und dadurch Gesundheit. Seine Gruppe und Community zu finden ist sehr wichtig! Yoga und Ayurveda limitiert diese Verbundenheit allerdings nicht nur auf eine bestimmte Gruppierung, sondern dehnt diese aus auf die Gesamtheit der Existenz.

      Vasudhaiva Kutumbakam

„Die ganze Welt ist meine Familie“. Dieses Zitat aus einer alten Yoga Upanischad deutet auf die tiefste, und heilsamste Art von Verbundenheit hin, welche die Yogis anstreben. Es ist eine Vision der Einheit, die sich in Vielheit ausdrückt. Es ist die Fähigkeit hinter den Unterschieden das Verbindende zu erkennen. Alles ist ein Ausdruck der gleichen Kräfte und als ein Organismus miteinander verbunden – und trägt in sich dieselbe Essenz. Wenn wir uns in allem widergespiegelt sehen, erkennen wir die verbindende, tragende Basis, die Wurzeln. Die Unterschiede sind wie die diversen Blumen und Früchte…auch wenn manche Bitter erscheinen  sind sie Teil einer geteilten Realität und Identität. So gesehen ist für den Yogi jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze, jede Umgebung seine Community. Trotzdem, oder gerade deshalb, weil die Welt ein bunter, herausfordernder und komplexer Ort ist, ist es wichtig sich mit den Menschen zu verbinden die die gleichen Werte und Ideale teilen damit diese wachsen und gedeihen können. Das ist auch die Idee von Sangha (Gemeinschaft) der spirituellen Traditionen. Gemeinsam Yoga zu praktizieren oder zu meditieren schafft ein unterstützendes Netzwerk und hilft motiviert zu bleiben. Gerade wenn man im Umbruch ist und Veränderungen angehen möchte ist diese Unterstützung wichtig. In diesen besonderen Zeiten von Lockdown und Kontakteinschränkungen brauchen wir ein Netzwerk der Gemeinschaft und das kann, wenn auch reduziert, über Zoom funktionieren!
Eines ist wichtig zu reflektieren: Gruppen und Gemeinschaften, ja ganze Gesellschaften, erzeugen eine Dynamik und Kraft die über das Individuum hinausgehen und gleichzeitig das Individuum formen und verändern. Es ist sicherlich sinnvoll genau hinzuschauen auf was man sich einlässt und mit wem man sich verbindet. Ausschlaggebend sind die Werte, Intentionen und Ziele hinter einer Gruppe oder Gemeinschaft.

 

8. Singen

Als Kinder haben wir das noch gewusst: Singen ist schön, verbindet und tut gut.
Singen ist wichtiger Bestandteil des traditionellen Yoga weil es eine direkte Wirkung auf unser Befinden und Nervensystem hat! Es beruhigt den Geist, klärt die Emotionen und hilft uns vom Kopf in das Herz zu sinken.
Besonders gemeinsam zu singen ist gesund. Mantra singen ist im Yoga oft eine Praxis des Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe. Dabei ist es nicht wichtig „schön“ oder „gut“ zu singen. Hauptsache man singt.
Durch Hingabe an den Klang, die Vibration, und das Wissen um die innere Bedeutung der Mantras können wir tief loslassen und positive Kraft schöpfen.
Mantras sind innere Wegweiser, die uns zu unserem Selbst führen können – zur Zeitlosigkeit in unserem Herzen!

Zusammen Singen  hat eine erwiesenermaßen heilsame Wirkung, es

  • unterstützt die Atemtätigkeit
  • stärkt das Herz
  • kurbelt die Darmaktivität an
  • bringt den Kreislauf in Schwung
  • reguliert den Blutdruck
  • erhöht die Sauerstoffsättigung im Blut
  • regt die Selbstheilungskräfte an
  • löst Verspannungen
  • sorgt für Ausgeglichenheit
  • baut Aggressionen ab
  • vertreibt Ärger und Stresssymptome
  • hebt die Stimmung
  • hält das Gedächtnis in Schuss
  • fördert die Konzentrationsfähigkeit
  • macht kontaktfreudiger und selbstbewusster.Schon nach dreißig Minuten Singen produziert unser Gehirn erhöhte Anteile von Beta-Endorphine, Serotonin und Noradrenalin. Stresshormone wie zum Beispiel Cortisol werden praktischerweise gleich mitabgebaut.

Bei Soma Yoga veranstalten wir regelmässiges Mantra Singen. Jeder kann mitmachen! Hier findet ihr die nächsten Termine!

 

9. Die richtigen Werte und Intentionen leben

Unsere Lebenserfahrung ist abhängig von unseren tieferen Überzeugungen und Intentionen. Diese sind meistens unbewusst. Sie zeigen sich in Form von Gedanken, Einstellungen, Überzeugungen aber auch Widerständen, Abneigungen und einfach in den Werten, die wir anstreben – und versuchen zu leben. Wir erfahren das Leben dann als bereichernd, wenn es Bedeutung und Sinn vermittelt und wir das Gefühl haben unser Leben hat Signifikanz für andere. Positive und verbindende Werte und Einstellungen wie Mitgefühl, Liebe, Teilen, Fürsorge, Emphatie machen uns und andere gesünder und lassen uns innerlich expandieren. Yoga basiert deshalb auf den sogenannten Yamas, Vorschläge ethischer Prinzipien für den Umgang mit uns und unserer Umwelt von Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, nicht stehlen, bewusster Umgang mit der Lebenskraft und Nicht horten.

Es ist gut sich zu fragen: Was und wie will ich Leben? Geht es nur um die Maximierung von dem eigenen Wohlstand, Sicherheit und Status? Was soll durch mich in die Welt kommen? Lebe ich mein eigenes Leben, oder passen ich mich den Erwartugen meiner Eltern oder der Gesellschaft an, mache Kompromisse und verleugnen meine innere Stimme? Übernehme ich Verantwortung über mein Leben oder gebe ich anderen oder den Umständen die Schuld das nichts vorangeht oder das ich leide? Geht es nur um mich und meine Bedürfnisse oder soll durch mich mehr Liebe, Harmonie, Mitgefühl und Verständnis zum Wohle aller in die Welt kommen? Bin ich bereit altes loszulassen, zu heilen und über mich selber hinauszugehen?
Für Werte, die uns verbinden, öffnen und wachsen lassen braucht es unsere aktive Unterstützung und Bereitschaft der Veränderung. Und den Mut dem ins Auge zu blicken was in uns verschlossen, abgekapselt und in einer Opferhaltung bleiben will. Yoga ist eine Aufforderung die eigene Selbstbezogenheit und Egozentrik zu erkennen und darüber hinaus zu gehen und universelle Werte von Mitgefühl & Verbindung zu leben. Das ist enorm befreiend – und gesund!

 

10. Wundern, Staunen und Nichtwissen zulassen!

Was bringt mir ein gesunder Körper, Reichtum oder viel Wissen wenn mein Herz verschlossen ist und ich die Fülle des Lebens nicht spüren kann? Einer der größten Kräfte des Universums ist Offenheit, loslassen und Hingabe. Zu erkennen und zu Staunen, das jeder Moment neu ist und es nichts festzuhalten gibt. Leben an sich ist grenzenlos und nicht zu erfassen. Zumindest nicht mit dem denkenden Geist. Obwohl vieles im Yoga darauf ausgelegt ist ein tieferes Gewahrsein und mehr Kontrolle über Körper, Atem und Geist zu bekommen ist schlussendlich die höchste Form der Kontrolle ein Loslassen davon. Ein hineinentspannen in die Stille, Akzeptanz und das Nichtwissen jenseits der Ambitionen unserer limitierten Selbstidentität.

Leben passiert jenseits von Ideen und Konzepten darüber. Bin ich da, präsent, gegenwärtig? Wenn ja, dann ist jeder Moment frisch, so wie er ist. Ohne Erklärung, Bewertung oder Rechtfertigung. Die Farben des Himmels, der Geruch der feuchten Erde, die Begegnung auf der Straße, der Geschmack des Cappuccinos sind so wie sie sind vollkommen ausreichend und erfüllend.

„Wenn alle Knoten des Herzens gelöst sind,
dann wird der Sterbliche Unsterblich“

Katha Upanishad

Der konditionierte Geist trennt, unterscheidet, hält fest, abstrahiert und macht alles kompliziert, das innere Herz ist das Symbol der ganzheitlichen fühlenden Erkenntnisfähigkeit und Einfachheit jenseits der Reaktionen und Anhaftungen des Geistes. Einfachheit bedeutet, die Dinge so zu sehen, wie sie sind ohne „Wissen“, ohne Ideen von gut oder schlecht und eigenen Präferenzen. Dann, sagen die Yogis, in diesem direkten Sehen fließt Soma, das höchste Ojas, und wir berühren etwas außerhalb der Grenzen von Zeit und Raum.

Das Herz, die Essenz im Yoga wird oft mit einer Höhle verglichen. Versteckt, geheim, dunkel und schwierig zu finden. Es ist das Mysterium des Unendlichen, Unaussprechlichen, ewigen und gleichzeitig die Quelle des Kosmos, der sich durch jeden von uns enthüllt. Im Hier und Jetzt. Es wird gesagt das Geheimnis des Herzens ist nur zu finden, wenn wir uns auf die Reise in die Dunkelheit und das Unbekannte machen um das versteckte und tiefste Licht des Bewusstseins darin zu entdecken.

Wie wollen wir diese Lebenszeit, die wir haben nutzen? Alleine die Tatsache das wir nur eine begrenzte Zeit hier zur Verfügung haben und sterblich sind (wie uns auch die gegenwärtige Pandemie zeigt), sollte uns motivieren auf die Suche zu gehen nach dem inneren Soma, dem Elixier des Lebens, dem wahren Quell von Gesundheit im Sinne des Yoga.

In diesem Sinne:

May all beings be happy
May all beings be healthy
May all beings find the right way to live
May all beings be free from suffering

Om shanti, shanti, shantih

Shiva – der Heiler und das große lebensspendende Mantra

Shiva – der Heiler und das große lebensspendende Mantra


Shiva – der Heiler und das große Lebensspendende Mantra

 

ॐ त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्धनम्‌ ।

उर्वारुकमिव बन्धनान्मृत्योर्मुक्षीय माऽमृतात्‌ ।

oṃ tryambakaṃ yajāmahe
sugandhiṃ puṣṭivardhanam
urvārukam iva bandhanān
mṛtyor mukṣīya māmṛtāt

OM Wir verehren Tryambaka (den dreiäugigen Gott Rudra/Shiva), den wohlriechenden, der sich um alle Wesen kümmert. Wie ein (reifer) Kürbis (Urvaruka) von seinem Stiel (abfällt), so möchte ich von Bindung und Anhaftung (Bandhana)  frei werden, von der Sterblichkeit (Mrityor) zur Unsterblichkeit (Amrita) gelangen.

Das Tryambakam Mantra ist eines der bekanntesten und ältesten Heilungsmantras, das in verschiedenen Stellen der Veden auftaucht.
Es ist eine Shiva Mantra und Shiva wird in den Veden meist Rudra bezeichnet. Er ist Tryambaka, dreiäugig und sieht mit dem mystischen dritten Auge jenseits der Dualität von Subjekt und Objekt die zugrundeliegende Verbundenheit, Einheit und Quelle allen Seins.
Er löst alle inneren Knoten, Kontraktionen, Anhaftungen und Ängste und führt uns zu einer Erkenntnis der inneren Freude und Freiheit.

Das Mantra wird oft in Feuerzeremonien (Homas, Yajnas) benutzt, um die Kraft der inneren Transformation anzurufen und das ins Feuer zu geben was Veränderung und Befreiung braucht.
Es ist so das große Moksha (Freiheit) Mantra, welches uns zurückführt zur Stille, Weite und inneren Frieden Shivas.

Das Mantra ist verbunden mit Rudra / Shiva als der ultimative Heiler und Arzt. Er erlaubt Gesundheit, Vitalität und Langlebigkeit und kann bei allen Krankheiten und zur Genesung rezitiert werden.
Genauso kann man es für alle Übergänge, Veränderungen, Initiationen und Transite verwenden, sei es eine Reise, Umzug, Heirat, aber auch Geburtstage oder Todestage.

Hier eine schöne Version mit Daisy & Ralf:

 

Rudra und Agni, Feuer

Rudra ist verbunden mit Agni, Feuer, als dem Prinzip von Reinigung und Transformation. Rudra-Agni reinigt von allen angesammelten Toxinen und Giften durch die Anwendung von angemessenen Tapas bzw Hitze als transformatives Medium.

Was sind diese Gifte? Auf der Ebene des Körpers kann man das als die täglichen Ansammlungen von Spannung und Stress verstehen die sich in den Körpergeweben und Muskeln festsetzen.
Auf der inneren Ebene des Geistes sind es tiefsitzenden unbewussten Tendenzen und Schatten, die wir alle haben. Yoga Texte sprechen von 6 Feinden: Kama (Verlangen), Krodha (Ärger, Hass), Moha (Illusion), Lobha (Gier), Mada (Stolz, Ego), Matsarya (Neid)

Die Buddhistische Tradition hat das auf die 3 Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung reduziert. Verblendung (Moha oder Avidya) ist an der Wurzel und kann man als Ignoranz oder Unwissenheit über unsere eigene wahre freie, strahlende innere Natur verstehen. Wir empfinden uns als abgetrennte Individuen sind aber essentiell mit allem verbunden. Die Folge ist Leiden.

Obwohl hier von Feinden die Sprache ist werden wir diese „Gifte“ nur durch Anerkennung, Loslassen und Bewusstheit los, nicht, indem wir sie bekämpfen oder ignorieren. Der erste Schritt ist immer diese „Gifte“ in sich zu erkennen und anzunehmen. Das ist oft nicht so einfach. Wie erkenne ich etwas dessen ich mir unbewusst bin? Wir erkennen es an den Gedanken und Gefühlen, die wir in uns tragen, der Qualität der Beziehungen die wir führen und unserem Level an Fülle und Zufriedenheit.
Tapas bedeutet auch Selbstdisziplin, welche entsteht durch ein Erkennen, dass etwas in uns Veränderung braucht. Yogapraxis in ihrer Gesamtheit wird in manchen Texten als Tapas bezeichnet. Es ist die geschickte und auch individualisierte Anwendung von Praxis und Disziplin, welche uns an innere und äußere Grenzen führt, um die inneren unbewussten Inhalte sich entfalten zu lassen. Was bedeutet: mehr zu spüren. Schlussendlich ist Rudra oder Tapas ein Aufruf unsere Komfortzone auszuweiten und zu verlassen und das zu verbrennen was wir emotional und mental abgespalten oder unterdrückt haben. Ein Zeichen das meine Yoga Praxis wirkt ist deshalb: wir spüren deutlicher was wirklich mit uns los ist.

Asana, Pranayama, Mantra

Asanas, die Haltungen reinigen den Körper. Hier gibt es viele Stile, Schulen und Techniken, von denen man wählen kann. Vor allem Drehungen wird gesagt welche die Bauchorgane und die Wirbelsäule stimulieren können die Reinigung unterstützen. Idealerweise sollte die gewählte Asanapraxis dem Körpertyp entsprechend angepasst werden.
Reinigende Pranayamaübungen wie Bhastrika oder Kapalabhati klären den inneren energetischen Körper und bringen neue Energie.
Das Feuerprinzip hat eine tiefe Beziehung zu Prana (Energie) und Sprache bzw Mantra. Sprache im yogischen Verständnis ist das formgebende Prinzip und bildet die Grundlage des Geistes.
Mantras sollen helfen die Schwingungsstruktur des Geistes zu verändern und sind ein wichtiges Werkzeug, um den Geist zu klären und zu energetisieren.
Nur wenn das Feuer der Unterscheidungskraft (Viveka) unseres Geistes klar und hell brennt und wir klar darüber sind was wir im Leben erreichen wollen und wohin die Reise gehen soll, haben wir die Kraft und die Disziplin der Selbsterforschung – und sind bereit Opfer zu bringen, um das loszulassen, (die alten „Gifte“ in uns) was einer weiteren Entfaltung im Weg steht.

Meditation

Die Praxis der Meditation im Yoga kann man einerseits verstehen als ein Ausrichten und Fokussieren des Geistes um seiner Tendenz der Reaktivität, Zerstreuung und Ablenkung entgegenzuwirken. Andererseits ist es ein Einüben von wertfreier Offenheit den Mechanismen und energetischen Bewegungen des Geistes gegenüber. D.h. ich lerne zu beobachten und mit dem zu sein was ist.
Es ist dadurch gleichzeitig ein Prozess des An- und Erkennens der Inhalte aber vielleicht noch wichtiger: wir werden uns der Unbeständigkeit aller Gedanken und Gefühle und schlussendlich der Unbeständigkeit des Beobachters selbst bewusst.
Anders ausgedrückt: Der Beobachter und das Beobachtete sind ein und dasselbe. Sie sind miteinander wechselseitig verbunden und nicht voneinander zu trennen. Gedanken und der Denker sind beide veränderlich, fluktuieren, kommen, bleiben und gehen wieder und sind ohne festen unabhängigen Wesenskern.
Diese Einsicht resultiert in einer Art psychologischer Stille und Entspannung.

Loslassen, Stille und Soma

Die tiefste Heilkraft hat Stille und Weite. Es ist keine Stille des Vakuums und des Nichts. Es ist die Stille der Fülle und Verbundenheit einer Gesamtheit.
Wenn etwas in uns zur Ruhe kommt und wir uns eingebunden in ein größeres Lebensgeflecht erfahren – und uns so selbst vergessen.
Besser gesagt, wir lassen die Geschichte über uns, wer wir sind, was wir wollen und was nicht, was wir gut finden und was nicht, wie wir sein sollten und was wir glauben zu sein hinter uns.

Das wird erfahren als ein Gefühl des genährt seins, des Vertrauens, der Fülle und Verbundenheit – von Soma. Soma ist der Fluss der Gnade, wenn wir das Leben in seiner Fülle und Interkonnektivität erfahren; es ist, als ob wir mit etwas Unendlichem und Unsterblichen in Berührung kommen, weshalb Soma auch oft als Nektar oder Ambrosia (Amrit) der Unsterblichkeit bezeichnet wird. Es ist keine Unsterblichkeit des Physischen Körpers oder des Geistes, sondern einer Unerschöpflichen Quelle des Lebens selbst dessen Ausdruck wir sind.

Paradoxerweise wird das dann erfahren, wenn wir Kontrolle und Anhaftung loslassen und bereit sind das Leben – unser Leben – so zu nehmen, wie es ist. Im Mantra wird diese Bedeutung des Loslassens durch den Kürbis (manche sagen es ist eine Gurke ;)) welche sich vom Stängel löst bildhaft dargestellt.

Soma, im Mantra als Amrit bezeichnet, ist der komplementäre Aspekt von Agni und das kosmische Wasserprinzip. Es steht für Verjüngung, Sein lassen, Entspannung und Freude (Ananda)
Soma kommt dann ins Fließen, wenn wir den Griff der Gifte in uns lösen. Wenn wir den Zustand der Erstarrung, man könnte auch sagen der  „Todeskräfte“ durch die Kraft unserer Bewusstheit auflösen.
Wir bewegen uns vom Toten und Starren, mrityor, hin zu Verbindung, Fließen und Zulassen, mā’mritāt. (mṛtyor mukṣīya māmṛtāt)

Agni und Soma sind so die elementaren Seiten des Heilungsprozesses auf allen Ebenen. Im Ayurveda sind es die 2 primären Heilmethoden als Langhana, (Reduzierung, Detox, Agni/Feuer) und Brimhana (Stärkung, Aufbau, Tonisierung, Soma/Wasser)

Moksha

Das Tryambakam ist ein sogenanntes Moksha Mantra. Moksha heisst Befreiung und wird im Yoga als das höchste Ziel und die Kulminierung des Lebens betrachtet.
Befreiung von was?
Wie schon oben erwähnt, von den einengenden Vorstellungen über uns selbst, dem Leben, dem Tod, den Giften in uns und dem ganzen Rest.
Es ist keine Freiheit jenseits des Lebens, das wir im Moment führen.

Es ist die Freiheit, die entsteht, wenn wir unser Leben, mit allem was das bedeutet, annehmen und eins werden damit.

Jivanmukta

In einem vedantischen Text, der Jivanmukta Gita wird das so ausgedrückt:

 „Der Jiva ist Shiva/Rudra selbst. Er wohnt allen Wesen inne. Diejenige Person, die diese Wahrheit während des Lebens zu erkennen vermag, wird „lebend befreit“ genannt.“
Jivanmukta Gita Vers 3


Die Dringlichkeit dessen ist keine Frage der persönlichen Wahl mehr, wenn man erkennt, d.h spürt, wieviel Leid Verstrickung und Identifikation mit dem eigenen separaten und abgekapselten Leben einhergeht. Für einen selbst, seine Mitmenschen und die Welt.

Das Tryambakam Mantra kann so eine wunderbare Erinnerung sein an die Notwendigkeit der Reinigung, der Heilkraft des Loslassens, der Akzeptanz von Veränderung und Unbeständigkeit und der Freude und Ekstase eines befreiten Lebens.

Om Namah Shivaya

 

  • om (ॐ) – kosmischer Urklang, Schwingung des Absoluten
  • tryambakaṃ (त्र्यम्बकं ) – Dreiäugiger Gott: Rudra/Shiva
  • yajāmahe (यजामहे ) – ehren, opfern, meditieren über
  • sugandhiṃ (सुगन्धिंम् ) – wohlriechend
  • pushti (पुष्टि) – wohlhabend, erfolgreich
  • vardhanam (वर्धनम्) – stärkend
  • urvārukamiva (उर्वारुकमिव ) – wie ein Kürbis/ Gurke
  • bandhanān (बन्धनान् ) – gebunden
  • mrityor (मृत्यो) –  Tod, Serblichkeit
  • mukshīya (र्मुक्षीय) – befreit, frei
  • mā’mritāt (माऽमृतात्) – gib mir Unsterblichkeit, Freude

mehr über das Tryambakam Mantra

 Hier noch mehr über Shiva
https://somayoga-freiburg.de/2021/03/shiva-das-grosse-mysterium-das-unbekannte-und-sat-chit-ananda/

Hier noch mehr über Mantras:
https://somayoga-freiburg.de/heilkraft-des-klangs/

Shiva, das große Mysterium, das Unbekannte und Sat-Chit-Ananda

Shiva, das große Mysterium, das Unbekannte und Sat-Chit-Ananda

Om Namah Shivaya

Shiva: das große Mysterium, das Unbekannte und Sat-Chit-Ananda

Om Namah Shivaya Gurave
Sat-Chit-Ananda Gurave
Nishprapanchaya Shantaya
Niralambaya Tejase

Anrufung an Shiva als das Absolute: unkonditioniertes Bewusstsein und Verkörperung von Sein, Wissen und Glückseligkeit. Immer frei und in Frieden, aus sich selbst heraus strahlend.

Shiva ist eine komplexe und vielfältige Gottheit. Shiva steht für die Quelle des Seins aus dem unmanifesten Transzendenten und Absoluten. Er ist die Gesamtheit der Existenz und des Lebens. Er ist das Licht in unserem Herzen, das uns in die Verbundenheit führt.

Er ist jenseits aller Form, die Quelle von Allem, gleichzeitig ist er in jeder Form als Lebenskraft und verborgene Essenz.
In der Hinduistischen Trinität ist er der Zerstörer und Auflöser aller Formen und Manifestationen, er beherrscht die wilden Kräfte der Natur, ist Flammentänzer, Schamanengott und Heiler, er ist Soma, der Nektar der Unsterblichkeit, er ist Mahadev, der große Gott, er ist der wohlwollende und Glückverheißende.

Das ist was sein Name bedeutet: Glücksverheißend, segensvoll.

Und natürlich wichtig für alle Yogis: Shiva ist der erste Yogalehrer. Er steht für die Möglichkeit der Transformation des Bewusstseins zu einem Erkennen der Einheit allen Seins.

Sein Fest ist Shivaratri;
Shivaratri bedeutet die Nacht (Ratri) Shivas und ist eines der wichtigsten religiösen Ereignisse in Indien mit Zeremonien, Pujas und Ritualen, welche die ganze Nacht dauern können.
Es wird im indischen Monat Phalghun (Februar oder März) in der dunkelsten Neumondnacht des Jahres gefeiert.

Diese Verbindung zur tiefen Nacht zeigt Shivas Geheimnis und die Transzendenz der normalen, sichtbaren, bekannten Welt.
Die Mondlose Nacht zeigt an das der Geist (Mond) in die Stille einer Realität jenseits des Geistes eintritt. Es ist nicht die Nacht und Dunkelheit der Ignoranz, sondern die Dunkelheit des Unbekannten, welches in sich das höchste Licht und Wissen birgt.
Durch Entdecken dieses versteckten Lichts in uns erfahren wir Veränderung, Fülle, Verbindung und Expansion

Shiva wird gesagt hat 3 Attribute von Sat (Sein) Chit (Bewusstsein) und Ananda (Freude)

SAT

Sat bedeutet Sein, Shiva als Sanskrit Ausdruck impliziert Glück, Frieden, Stille und ist das Prinzip des reinen Seins, Sat, hinter allen Erscheinungen. Als kosmisches Prinzip ist es die unwandelbare Wahrheit und ewige Quelle, aus der alles entsteht und wieder zurücksinkt.

Es ist das formlose Absolute jenseits aller Veränderung. Jenseits von Zeit, Raum, Ort, Name und Form, Handlung oder Resultat und Relativität. Die ewige Wahrheit als Basis aller relativen und limitierten Wahrheiten.
Es ist die zugrundeliegende Einheit, die alles Leben in all ihren Formen hervorbringt und erhält.
Auf unserer individuellen Ebene ist es unsere eigene innere Essenz, die eins ist mit aller Existenz und dem Leben.

Wir alle streben danach uns auszudehnen, zu lernen, zu entwickeln und größere Ausdrucksmöglichkeiten zu finden. Wir wollen uns als Teil eines größeren Lebensgewebe empfinden und Verbundenheit und Erfüllung finden.

Im Yoga ist das nicht unbedingt eine Frage vom richtigen Wissen, mehr Information oder Selbstoptimierung oder der Veränderung der äußeren Umstände, sondern eine Erforschung und Ausdehnung des Zentrums jeder Erfahrung: dem Ich.
Dem Selbstgefühl ein abgekapseltes Individuum zu sein in einer als außerhalb von mir empfundenen Welt.

Das ständige selbstzentrierte Kreisen um mich selbst, meine Belange, mein Leben und meine Bedürfnisse verhindert Beziehung und Verbindung zur Gesamtheit.

Die Techniken im Yoga bieten Möglichkeiten für einen Prozess der Veränderung und Transformation, wodurch wir langsam das Selbstgefühl ausweiten um uns als Teil und Ausdruck des gesamten Lebens zu erfahren. Yoga bringt uns so nicht weg von der Welt in einen sorglosen Raum der Transzendenz, sondern hilft uns wieder zurückzufinden in die Vitalität und Lebendigkeit des gegenwärtigen Moments.

Alles Leben ist verbunden und nur möglich durch abhängige Wechselbeziehungen. Alles hängt miteinander zusammen als ein großer Organismus. Unsere menschliche Welt ist abhängig von und verbunden mit aller nichtmenschlichen Welt.
Deshalb startet Yogapraxis oft mit dem Körper und dem Atem. Der Körper ist immer da. Wieder den Körper zu spüren und zu achten ist der Beginn einer holistischen Achtsamkeit.
Laut Yoga und Ayurveda besteht der Körper aus vitalen Energien aus denen auch die Welt besteht: den 5 Elementen von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther.

Es wird gesagt der Körper besteht aus 80% Wasser. Kann ich wirklich mein Körperwasser trennen von den Flüssen, Seen, dem Ozean oder dem Wasser in einem anderen Körper, sei es Mensch, Tier oder Pflanze? Kann ich die Luft, die ich einatme, wirklich trennen von der Luft um mich herum und sagen: das ist meine Luft?

Der Körper kann nicht wirklich von der ihn umgebenden natürlichen Welt getrennt werden, außer in meiner Vorstellung und meinem illusionären Empfinden von Autonomie. Die Haltungen im Yoga rufen uns dazu auf wieder in Verbindung und Beziehung zu gehen mit den elementaren Kräften der Natur und der Erde. So gesehen ist die Welt von Körper, Atem und Geist untrennbar verflochten mit der größeren Welt und was sich darauf befindet und passiert.
Der Körper ist die Welt und Yogapraxis kann so zur Weltpraxis werden, oder gar Universumspraxis.
Wir erkennen uns in allem wieder.
Die Praxis, die wir Yoga nennen orientiert uns zu einer neuen Sichtweise und Wahrnehmung der Realität. Von Trennung hin zu gegenseitiger Verflochtenheit, Verbindung und Einheit.
Ausschlaggebend für diese Bewusstseinsänderung ist der Geist

CHIT

Sein ist grundsätzlich bewusst und sogar selbstbewusst. Geist und Körper sind eine Einheit und eng verbunden.
Kosmologisch ist Chit das Licht- und Bewusstseinsprinzip vor dem Auftauchen von Subjekt und Objekt. Es ist das klare Licht der Existenz welches alles Sein beleuchtet und belebt. Yoga betrachtet Chit, Bewusstsein, als das eigentliche Licht hinter dem Geist. Es ist nur durch dieses Licht, das der Geist funktionieren und wahrnehmen kann.
Den Geist, im Sanskrit Chitta, zu klären und ihn zu einem Verbündeten auf der inneren Reise zu machen ist enorm wichtig und eines der zentralen Themen im Yoga.
Unsere Lebenserfahrung hängt vorwiegend von unserem Geist, wie wir damit wahrnehmen und was wir darin tragen, ab.
Yoga und Ayurveda betrachtet den Geist als grundsätzlich natürlichen Gesetzmäßigkeiten unterworfen, wie der Körper. Der Geist braucht die richtige Nahrung, muss sie gut verdauen können und unverdautes muss ausgeschieden werden. Der Geist braucht genauso Erholung und Heilung wie der Körper auch.

Achtsam zu werden mit was wir den Geist füttern ist elementar. Der Geist wird prinzipiell durch Sinneseindrücke aufgebaut und erhalten durch meine inneren Dialoge, tiefen Überzeugungen und Konditionierungen.
Was nehme ich mit den Sinnen auf? Welche Gedanken trage ich in mir? Welche Gefühle?
Wie sind Sinneseindrücke, Gedanken und Gefühle verbunden?
Wie funktioniert mein Geist, was sind seine Gewohnheiten, Reaktionsmuster und Mechanismen? Trage ich Ablehnung, Hass, Groll und Ärger in mir?

Was und wie möchte ich wirklich leben?
Mit dem Geist zu arbeiten heißt auch sich der Kraft der Aufmerksamkeit bewusst zu werden. Alles was ich beachte und ‚füttere‘ bekommt mehr Kraft und Energie.
Nur wenn ich die tiefen Schichten meiner unbewussten Intentionen erreiche kann ich mein Erleben jenseits von positivem Denken verändern.
Hierfür nutzt das Yoga Pranayama, Mantra und Erforschung und das Setzen von elementaren Intentionen.
Voraussetzung für Erforschung ist ein wertfreier Raum des Anerkennens und der Offenheit.

 

Meditation

In der Achtsamkeitsmeditation lernen wir wieder uns und unseren Geist zu beobachten, ohne zu reagieren. Wir schaffen einen wertfreien Raum von Offenheit für egal wie sich jeder Moment zeigt.

So lernen wir langsam uns selber zu sehen, und anzunehmen, wie wir sind, mit all den immer gleichen Gedankensschlaufen, Selbstablehnungen, Wunden, Bewertungen, Neurosen und vergrabenen Kummer. Dadurch, dass wir erlauben alles zu sehen – und vor allem zu fühlen, verbinden wir uns mit dem Licht (Chit) und der Stille (Sat) hinter jeder Erfahrung.
Durch Selbstakzeptanz bringen wir wahres Verstehen, Mitgefühl und positive Handlung in der Welt.
Meditation heißt dann nicht nur auf einem Kissen zu sitzen, sondern wir bringen diese Weite und Offenheit in den handelnden Alltag. Es fließt wieder mehr Energie und neue Lebenskraft wird erfahrbar.
Als grundlose Freude

 

ANANDA

Ananda heisst Freude oder gar Ekstase durch die einfache Tatsache, dass wir alles erlauben zu spüren. Die Kapazität des fühlens ist der Faktor, der uns mit der Tiefe und Fülle des Lebens und Seins verbindet. Es ist keine Freude stimuliert durch Entertainment, Drogen, neuer Beziehung, Schokobrownies und sonstigen Kicks und Highs.
Ananda taucht auf, wenn wir bereit sind alles zu fühlen, nicht nur das Schöne, auch das schmerzvolle und schwierige und nichts ausweichen. So kann jede Erfahrung eine Möglichkeit für Wachstum, Transformation, Freude und Gnade werden.

Ananda ist eng verbunden mit Zufriedenheit und Dankbarkeit und der Fähigkeit der Hingabe und des Fließens. Hingabe heißt, ich partizipiere vollständig ohne Widerstand im gegenwärtigen Moment, in dieser Erfahrung, dieser Begegnung, dieser Beziehung. Hingabe ist eine Qualität des Herzes; zu vertrauen, nicht einer äußeren Instanz, sondern einer empfundenen Kraft der Liebe als Basis des Lebens. Es ist der Ruf in uns das alte loszulassen und das Unbekannte, unlimitierte und Grenzenlose einzuladen, ohne welches unser Leben schal und unlebendig wird.

Shiva als das Unbekannte und Mysterium des Seins

Sein, Bewusstsein und die Freude Shivas ist schlussendlich das Geheimnis des Lebens selbst.
Wir alle sind Ausdruck eines mysteriösen und magischen Universum mit vielen Energien, Kräften und versteckten Dimensionen, die sich jeder Kategorisierung und jedem Verstehen entziehen. Wieder Staunen zu lernen über die Ungreifbarkeit und Grandiosität dieser Existenz beginnt durch Präsenz im Hier und Jetzt – und damit, jeden Atemzug und Moment in seiner nicht Definierbarkeit und Einzigartigkeit zu erleben.
In der Essenz ist jede Erfahrung frisch und neu.
Ist es nicht erstaunlich welche Gefühle man fühlen kann, welche Gedanken man denken kann, das Spiel der Farben, die Varianten der Geschmäcker, das immense Spektrum der Formen, die Kraft der Töne und Klänge, die Intensität von Berührung?
Wenn die Kontraktion- und Kontrollsucht des Ich sich ausreichend entspannt wird jede Erfahrung zu einer Entdeckung die uns über die rein persönliche, gesellschaftliche und menschengemachte Welt hinausführt.

Schlussendlich, neben unseren üblichen Wünschen und Bestrebungen in der vertrauten und bekannten äußeren Welt besitzen wir alle einen Drang die ungekannte größere Realität in uns zu entdecken. Dieser Antrieb ist vielleicht die Grundlage wahrer Religion und Spiritualität seit Anbeginn unserer Spezies.

Shiva erinnert uns daran, dass die Umwandlung unseres Bewusstseins und unseres Herzens durch ein zulassen des Unbekannten und des Nichtwissens passiert und die Schönheit des Lebens sich in einem undefinierten, endlosen Raum entfaltet. Niemand kann wirklich wissen was das Leben ist, aber wir können lernen vollständig daran teilzuhaben und es Sein.
Darin, in uns, finden wir alles.
Und das ist mysteriöser und fantastischer als wir glauben.

Oder in den Versen der Shiva Samhita

„In diesem Körper ist Mount Meru,
die Wirbelsäule, umgeben von 7 Inseln
Es sind darin Flüsse, Seen, Berge, Felder, und auch die Herren der Felder.

Es sind darin die Seher und Heiligen, all die Sterne und Planeten.
Es sind heilige Pilgerfahrten und heilige Stätten,
und die Gottheiten der heiligen Stätten darin.

Sonne und Mond, Kräfte der Schöpfung und der Zerstörung
bewegen sich in ihm, genauso wie Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde!“

Alle Wesen, die in den 3 Weltebenen existieren findet man auch im Körper
um Mount Meru herum erfüllen sie ihre jeweiligen Aufgaben

Aber normale Menschen wissen das nicht.
Jemand der das weiß ist ein Yogi – da besteht kein Zweifel

Shiva Samhita Kap.2 1-6

OM NAMAH SHIVAYA

 

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