Wie kann man sein Immunsystem stärken? Entdecke die 10 besten Tipps der Yogis

Wie kann man sein Immunsystem stärken? Entdecke die 10 besten Tipps der Yogis

Die gegenwärtige Corona Krise zeigt deutlich die Notwendigkeit und Dringlichkeit in vielen Bereichen umzudenken und neue alternative Wege der Prävention und Gesundheit zu gehen. Obwohl immer noch viele Menschen daran glauben, dass eine wissenschaftlich hochtechnologisierte Medizin uns retten wird, werden die Grenzen dessen und auch die Gefahren immer deutlicher.

Die gegenwärtige Pandemie hat vielen von uns bewusst gemacht das wir selber Wege finden müssen unsere Gesundheit und das Immunsystem zu stärken.
Yoga und Ayurveda können uns da viele wertvolle Tipps und Hinweise geben. Gesundheit entsteht, wenn wir in Harmonie mit unserer inneren und äußeren Natur leben und die Verbundenheit und das eingewoben sein in ein organisches Lebensgewebe erkennen.
Das geht nur wenn wir mit den Kräften der Natur arbeiten, – d.h. mit unserem Körper und unserem Geist – und nicht gegen sie.
Mehr Bewusstsein und Achtsamkeit für sich selbst ist oft die Voraussetzung, um langsam Veränderungen im eigenen Leben anzugehen, anstatt darauf zu warten das es andere für uns tun.

 

Ojas

Das optimale Funktionieren des Immunsystems ist abhängig von unserer Lebenskraft, der Kapazität für physische und mentale Ausdauer und Widerstandskraft und die Freude und Zufriedenheit, die wir im Leben erfahren.
In der Terminologie des Yoga wird das auch Ojas genannt.

Ojas ist die sublimierte, feinste Form des Wasser Elements und die Basis für die Bildung aller Körpergewebe. Es ist sozusagen die Grundkraft des ganzen Körpers.
Es ist die Essenz aller verdauten Nahrung, Wasser, Luft, Impressionen und Gedanken.
Haben wir wenig Ojas fühlen wir uns ausgebrannt, kraftlos, negativ, ohne Antrieb und die Immunabwehr ist schlecht.
Alles was wir Essen, fühlen, denken und tun kann Ojas stärken oder verringern.

Prana

Prana ist die Lebenskraft und Ojas ist die Grundlage, die Ressource auf der sich die Lebenskraft, das Prana, entfalten und ausdrücken kann.

Hier ein paar Tipps und Gedanken für mehr Prana und Ojas

 

1. Viel an die frische Luft, Bewegung und Workout

Der Körper braucht Bewegung. Am besten in der Natur. Wir sind Natur und unser Organismus braucht die Verbindung zu den Elementen, der Erde, den Pflanzen, der Luft. Das erste was ich im Moment jeden Morgen mache ist ein kurzer Lauf. Das muss nicht lange sein. 10-20 min. Ein flotter Spaziergang funktioniert genauso.
Angemessener Workout: Yogahaltungen, Tai-Chi, Qi Gong oder andere Bewegungsformen angemessen an die körperliche Verfassung.
Die Körperarbeit des Yoga öffnet durch Dehnungen Blockaden in der Muskulatur und dem Faszialen Gewebe und bringt die Energie wieder ins fliessen. Ebenso wichtig ist die Kräftigung der Muskulatur
Um die Resilienz des Körpers zu stärken braucht er Herausforderung und möglichst eine Auseinandersetzung mit vielen verschiedenen Reizen. Rückzug, die Entfremdung von der Natur, das Leben in klimatisierten Räumen, das Vermeiden von Keimen und Bakterien schwächt den Organismus.
(Bitte beachten: Das ist keine Ermunterung ohne Maske herumzulaufen 😉

Aber wichtig: wenn man sowieso schon erschöpft, überreizt und ausgebrannt ist kann ein zu intensiver Workout das noch verschlimmern.
Hier braucht es oft zuerst tonisierende und stärkende Methoden, um die Energiereserven zu füllen.
Dann kann man anfangen leicht zu reinigen um dann Ojas, die Immunkraft gut aufzubauen. Dieser Hinweis ist auch in Bezug auf Pranayama (siehe unten) wichtig)

Hatha Yoga ist zuerst vorwiegend eine Reinigung durch sogenannte Kriyas (Reinigungshandlungen) um Schlacken und Toxine aus den Geweben zu lösen (ähnlich wie Pancha Karma des Ayurveda) um den Körper und das Nervensystem fit, kräftig und flexibel zu machen für Pranayama und Meditation.

Sehr gut, um die inneren Organe zu stimulieren und zu reinigen sind z.b Nauli und Agni Sara, sowie Uddhiyana Bandha.

2. Richtig atmen – Atemübungen und bewusstes Atmen

Durch den Atem haben wir das vielleicht wichtigste Werkzeug zur Heilung und zur Regulierung und Kontrolle der Energien und des Geistes.
Atemübungen helfen, Stagnationen aufzulösen, den mental-emotionalen Körper zu reinigen und frische Energie (Prana) in unser System zu bringen.
Der Atem ist außerdem das Bindeglied zwischen Körper und Geist. Achtsamkeit für den Atem entwickelt Präsenz, was heißt, der Geist wird wieder mit dem Körper verbunden.

Kappalabhati ist eine schnelle aktive Atmung, die reinigt und stimuliert. Besonders gut morgens. Außerdem aktiviert sie die inneren Organe und erzeugt einen Massageeffekt auf die Bauchorgane.

Die Wechselatmung balanciert und harmonisiert und hat einen ausgleichenden Effekt. Je nach persönlicher Konstitution kann man diese Atmung auch abends noch machen.

Das wichtigste ist vielleicht immer wieder den Atem bewusst zu vertiefen, und in den Bauch zu atmen.
Das hat einen ausgleichenden Effekt auf das Nervensystem.
In einer wissenschaftlichen Studie wurde festgestellt das 11 Minuten langsame gleichmäßige Nasenatmung schon messbare positive Resultate erbringt:
Dann startet der Organismus eine Art Wartungsprogramm: Beim Umschalten auf den Parasympathikus setzen biologische Reparaturmechanismen ein, es werden Zellschäden behoben und Energiereserven bereitgestellt.

Die Ratio die die Wissenschaftler empfehlen ist ca 4 Sekunden einatmen und 6 Sekunden ausatmen, eine geläufige Frequenz die man in der Wechselatmung praktiziert.

 

3. Richtig essen: natürlich, möglichst vegetarisch

Essen ist unser Hauptenergielieferant. Es ist die Basis für das Leben und wandelt die Nahrung in Energie um. Im Ayurveda ist die richtige Ernährung die wichtigste Medizin. Erst danach folgen andere Behandlungsformen.
Die Ernährung sollte möglichst nahrhaft, natürlich, gut verdaulich und angepasst an die jeweilige Konstitution sein.
Außerdem sollte die Nahrung möglichst wenig Leid anderen Lebewesen und der Umwelt zufügen, weshalb grundlegend eine fleischlose Ernährung bevorzugt wird. Im yogischen Verständnis hat Fleisch eine träge machende, schwere Energie und verhindert den Fluss durch die feinstofflichen Energiekanäle (Nadis)
Gutes Wasser trinken: Wichtig ist auch den Körper mit hochwertigem Wasser zu versorgen. Softdrinks, zuviel Kaffee und Schwarztee besser vermeiden.

Kräuter und Gewürze können helfen subtilere Energien und Prozesse zu unterstützen
Hier eine kleine Auswahl mit ayurvedischen Kräutern aber auch Kräuter von hier:

Kräuter für Zirkulation und Energie, Prana: Engelwurz, Guggul, Ingwer, Pfeffer, Ginseng

Kräuter, um Ojas zu stärken: Amalaki, Shatavari, Ashwagandha, Bala, Süssholz

Kräuter zur Reinigung: Brennessel, Bärlauch, Aloe, Guduchi, Brahmi, Chlorella (Alge)

Mein Lieblingsgetränk abends ist eine wohltuende warme Reis- oder Mandelmilch mit einer Gewürzmischung aus Kardamon, Zimt und Ingwer im Verhältnis 1:2:2
Man kann auch etwas Kurkuma oder Ghee hineingeben. Sehr beruhigend und nährend!

 

4. die Kraft der Aufmerksamkeit nutzen – digitales Fasten

Genauso wie der Körper braucht auch der Geist geeignete, gut zu verdauende Nahrung. Zu laute Musik, zu grelle Farben und zu viele künstliche Stimulierungen stören und irritieren den Geist.
Durch das Internet und den Massenmedien nehmen wir ständig neue Informationen, auf die wir nicht mehr verdauen können, welche gleichzeitig aber eine Abhängigkeit erzeugen. Das Resultat ist ein Gefühl der Erschöpfung und Leere bis hin zu Depression.
Wir lassen zu, dass andere Menschen bestimmen was wir sehen, hören und schlussendlich denken. Wir werden zu einem Spielball politischer, sozialer und gesellschaftlicher Kräfte mit ihren eigenen Interessen und versteckten Intentionen.

Unsere Aufmerksamkeit ist unsere wichtigste Kraft. Wo der Geist seinen Fokus hat ist auch unsere Energie. Mit was wir uns innerlich beschäftigen bestimmt unsere Lebenserfahrung. Welche Gedanken tragen wir im Kopf herum? Sind es unsere eigenen? Oder doch die vom letzten YouTube Video oder Facebook Post?

Polarisierungen und Spannungen nehmen auf kollektiver Ebene immer mehr zu und soziale Medien spielen eine erhebliche Rolle darin, auch wenn sie mehr das Symptom sind als die wirkliche Ursache. Die Ursache ist ein abgespaltenes entfremdetes Bewusstsein ohne Verbindung zur Gesamtheit.
Hier ein Artikel von mir über dieses Thema

In unserer Zeit von Social Media und zuhnehmender Digitalisierung ist es essentiell immer wieder auszuschalten und den Geist wieder leer werden zu lassen und mit möglichst natürlichen Eindrücken zu füttern. Auch wenn es durch die Pandemie noch schwerer fällt, oder beruflich schwierig ist auf das Internet zu verzichten.

Meditation, Yoga, Pranayama sind dafür wichtig. Eine eigene Praxis Zuhause etablieren. Aber auch immer wieder Raum schaffen, um nichts zu tun. Den Atem spüren, die Langeweile und die Stille. Beobachten und es aushalten, wenn nichts mehr flimmert und den Geist zu einer Reaktion stimuliert.

Ojas ist eine Kraft, die aus der Stille entsteht. Stille und Raum haben die grösste Heilkraft.

Wir haben vor kurzem das für 3 Tage gemacht: Kein Internet, Computer oder Handy. Es war sehr aufschlussreich. Ein kleiner Bericht darüber und die Erkenntnisse hier von Daisy!

 

4. die Kraft der Aufmerksamkeit nutzen – digitales Fasten

Genauso wie der Körper braucht auch der Geist geeignete, gut zu verdauende Nahrung. Zu laute Musik, zu grelle Farben und zu viele künstliche Stimulierungen stören und irritieren den Geist.
Durch das Internet und den Massenmedien nehmen wir ständig neue Informationen, auf die wir nicht mehr verdauen können, welche gleichzeitig aber eine Abhängigkeit erzeugen. Das Resultat ist ein Gefühl der Erschöpfung und Leere bis hin zu Depression.
Wir lassen zu, dass andere Menschen bestimmen was wir sehen, hören und schlussendlich denken. Wir werden zu einem Spielball politischer, sozialer und gesellschaftlicher Kräfte mit ihren eigenen Interessen und versteckten Intentionen.

Unsere Aufmerksamkeit ist unsere wichtigste Kraft. Wo der Geist seinen Fokus hat ist auch unsere Energie. Mit was wir uns innerlich beschäftigen bestimmt unsere Lebenserfahrung. Welche Gedanken tragen wir im Kopf herum? Sind es unsere eigenen? Oder doch die vom letzten YouTube Video oder Facebook Post?

Polarisierungen und Spannungen nehmen auf kollektiver Ebene immer mehr zu und soziale Medien spielen eine erhebliche Rolle darin, auch wenn sie mehr das Symptom sind als die wirkliche Ursache. Die Ursache ist ein abgespaltenes entfremdetes Bewusstsein ohne Verbindung zur Gesamtheit.
Hier ein Artikel von mir über dieses Thema

In unserer Zeit von Social Media und zuhnehmender Digitalisierung ist es essentiell immer wieder auszuschalten und den Geist wieder leer werden zu lassen und mit möglichst natürlichen Eindrücken zu füttern. Auch wenn es durch die Pandemie noch schwerer fällt, oder beruflich schwierig ist auf das Internet zu verzichten.

Meditation, Yoga, Pranayama sind dafür wichtig. Eine eigene Praxis Zuhause etablieren. Aber auch immer wieder Raum schaffen, um nichts zu tun. Den Atem spüren, die Langeweile und die Stille. Beobachten und es aushalten, wenn nichts mehr flimmert und den Geist zu einer Reaktion stimuliert.

Ojas ist eine Kraft, die aus der Stille entsteht. Stille und Raum haben die grösste Heilkraft.

Wir haben vor kurzem das für 3 Tage gemacht: Kein Internet, Computer oder Handy. Es war sehr aufschlussreich. Ein kleiner Bericht darüber und die Erkenntnisse hier von Daisy!

 

5. Liebevolle Beziehungen führen

Alles besteht in und aus Beziehung. Nichts scheint uns mehr zu interessieren als Beziehung und nirgends wird das das Potenzial für Erfüllung und Glück oder tiefster Verletzung und Desaster deutlicher. Welche Qualität haben meine Beziehungen? Nur wenn die Beziehungen, die ich führe, respektvoll, liebevoll und ehrlich sind können sie nähren und erfüllen und Soma (Ojas) kann fliessen.

Beziehungen zu anderen Menschen, besonders auch intime Beziehungen, bestimmen wie vielleicht kein anderer Faktor, ob ich mich geschätzt, geborgen und wertvoll oder das Gegenteil davon empfinde. Beziehungen sind der Spiegel, in dem ich mich selber erkennen kann.

Anders ausgedrückt: Äußere Beziehungen sind Reflektionen einer inneren Beziehung zu mir selbst.
Themen und Probleme, die in Beziehungen auftauchen sind immer die eigenen Themen. Ich kann den Partner dafür verantwortlich machen oder an mir arbeiten. Ich kann natürlich auch den Partner wechseln, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die gleichen Probleme in der ein oder anderen Form wieder auftauchen wie zuvor sind hoch.

Solange ich für mich selbst nicht mein Herz öffnen und meine eigene Ganzheit und Schönheit sehen kann, werden meine Beziehungen immer Handelsbeziehungen sein und mich nicht wirklich erfüllen.

Deshalb: für ein starkes Immunsystem braucht es die Reduzierung und Eliminierung von Selbstablehnung, Selbtshass, Selbstabwertung und Schuldgefühlen durch vollkommene Selbstakzeptanz!

Ojas ist die Kraft der Liebe als der Grundlage des Lebens

 

6. Verbundenheit und Gemeinschaft erfahren

Einer der wichtigsten fundamentalen Faktoren für Gesundheit und langes Leben ist das Gefühl von Verbundenheit und das eingebunden sein in etwas Grösseres.
In einer wissenschaftlichen Studie wurde herausgefunden das soziale Unterstützung und Integration größeren Einfluss auf die Gesundheit haben als Sport und Übergewicht!
(Social Science and Medicine 10.2016/j.socscimed.2017.12.020.2018)

Je isolierter wir leben umso ungesünder. Gruppenzugehörigkeit gibt uns Identität und Sicherheit…und dadurch Gesundheit.
Seine Gruppe und Community zu finden ist sehr wichtig!

Yoga und Ayurveda dehnt diese Gruppenzugehörigkeit und Identität aus auf die Gesamtheit der Existenz. Alles ist ein Ausdruck der gleichen Kräfte und als ein Organismus miteinander verbunden und trägt in sich dieselbe Essenz.
So gesehen ist für den Yogi jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze, jede Umgebung seine Community.

Gleichzeitig ist es wichtig sich mit den Menschen zu verbinden die die gleichen Werte und Ideale teilen damit diese wachsen und gedeihen können.

Das ist auch die Idee von Sangha (Gemeinschaft) der spirituellen Traditionen. Gemeinsam Yoga zu praktizieren oder zu meditieren schafft ein unterstützendes Netzwerk und hilft motiviert zu bleiben.

 

7. Die richtigen Werte und Intentionen leben

Unsere Lebenserfahrung ist abhängig von unseren tieferen Überzeugungen und Intentionen. Diese sind meistens unbewusst.
Sie zeigen sich in Form von Gedanken, Einstellungen, Überzeugungen aber auch Widerständen, Abneigungen und einfach in den Werten, die wir anstreben – und versuchen zu leben.
Und meistens dreht sich alles um mich: mein Glück, meine Zufriedenheit, meine Gesundheit, mein Erfolg, mein Yoga…

Es ist gut sich zu fragen: Was und wie will ich Leben? Was soll durch mich in die Welt kommen?
Geht es nur um mich und meine Bedürfnisse?

Oder soll durch mich Liebe, Harmonie, Mitgefühl und Verständnis zum Wohle aller in die Welt kommen?
Das sind Werte, die uns verbinden, öffnen und wachsen lassen…aber nur wenn wir dafür etwas tun und den Mut haben das Gegenteil in uns auch zu entdecken – und bereit sind loszulassen.

Yoga ist eine Aufforderung die eigene Selbstbezogenheit und Egozentrik zu erkennen und darüber hinaus zu gehen.
Das ist enorm öffnend und befreiend.

 

8. Wundern und Staunen

Einer der größten Kräfte des Universums ist Offenheit und Hingabe. Zu erkennen und zu Staunen, das jeder Moment neu ist und es nichts festzuhalten gibt. Leben an sich ist grenzenlos und nicht zu erfassen. Zumindest nicht mit dem denkenden Geist.
Leben passiert jenseits von Ideen und Konzepten darüber. Bin ich da, präsent? Wenn ja, ist es nicht nötig Informationen zu haben, jeder Moment ist frisch, so wie er ist. Ohne Erklärung, Bewertung oder Rechtfertigung. Die Farben des Himmels, der Geruch der feuchten Erde, die Begegnung auf der Strasse, der Geschmack des Cappuccinos sind so wie sie sind vollkommen ausreichend und erfüllend.
Dafür muss ich nicht auf dem Kopf stehen oder Philosophische Konzepte kennen. Nur ein bisschen die Unsicherheit, Vollständigkeit und
Nichtdefinierbarkeit des Lebens und sich selbst erkennen kann reichen.

 

Und ich bin sicher, allerdings kann ich es nicht beweisen 😉 wen wir alle aus der Fülle des Herzens leben, verbunden und authentisch dann bleiben wir gesund und kein Virus kann etwas ausrichten.

Om Namah Shivaya

Shiva – der Heiler und das große lebensspendende Mantra

Shiva – der Heiler und das große lebensspendende Mantra


Shiva – der Heiler und das große Lebensspendende Mantra

 

ॐ त्र्यम्बकं यजामहे सुगन्धिं पुष्टिवर्धनम्‌ ।

उर्वारुकमिव बन्धनान्मृत्योर्मुक्षीय माऽमृतात्‌ ।

oṃ tryambakaṃ yajāmahe
sugandhiṃ puṣṭivardhanam
urvārukam iva bandhanān
mṛtyor mukṣīya māmṛtāt

OM Wir verehren Tryambaka (den dreiäugigen Gott Rudra/Shiva), den wohlriechenden, der sich um alle Wesen kümmert. Wie ein (reifer) Kürbis (Urvaruka) von seinem Stiel (abfällt), so möchte ich von Bindung und Anhaftung (Bandhana)  frei werden, von der Sterblichkeit (Mrityor) zur Unsterblichkeit (Amrita) gelangen.

Das Tryambakam Mantra ist eines der bekanntesten und ältesten Heilungsmantras, das in verschiedenen Stellen der Veden auftaucht.
Es ist eine Shiva Mantra und Shiva wird in den Veden meist Rudra bezeichnet. Er ist Tryambaka, dreiäugig und sieht mit dem mystischen dritten Auge jenseits der Dualität von Subjekt und Objekt die zugrundeliegende Verbundenheit, Einheit und Quelle allen Seins.
Er löst alle inneren Knoten, Kontraktionen, Anhaftungen und Ängste und führt uns zu einer Erkenntnis der inneren Freude und Freiheit.

Das Mantra wird oft in Feuerzeremonien (Homas, Yajnas) benutzt, um die Kraft der inneren Transformation anzurufen und das ins Feuer zu geben was Veränderung und Befreiung braucht.
Es ist so das große Moksha (Freiheit) Mantra, welches uns zurückführt zur Stille, Weite und inneren Frieden Shivas.

Das Mantra ist verbunden mit Rudra / Shiva als der ultimative Heiler und Arzt. Er erlaubt Gesundheit, Vitalität und Langlebigkeit und kann bei allen Krankheiten und zur Genesung rezitiert werden.
Genauso kann man es für alle Übergänge, Veränderungen, Initiationen und Transite verwenden, sei es eine Reise, Umzug, Heirat, aber auch Geburtstage oder Todestage.

Hier eine schöne Version mit Daisy & Ralf:

 

Rudra und Agni, Feuer

Rudra ist verbunden mit Agni, Feuer, als dem Prinzip von Reinigung und Transformation. Rudra-Agni reinigt von allen angesammelten Toxinen und Giften durch die Anwendung von angemessenen Tapas bzw Hitze als transformatives Medium.

Was sind diese Gifte? Auf der Ebene des Körpers kann man das als die täglichen Ansammlungen von Spannung und Stress verstehen die sich in den Körpergeweben und Muskeln festsetzen.
Auf der inneren Ebene des Geistes sind es tiefsitzenden unbewussten Tendenzen und Schatten, die wir alle haben. Yoga Texte sprechen von 6 Feinden: Kama (Verlangen), Krodha (Ärger, Hass), Moha (Illusion), Lobha (Gier), Mada (Stolz, Ego), Matsarya (Neid)

Die Buddhistische Tradition hat das auf die 3 Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung reduziert. Verblendung (Moha oder Avidya) ist an der Wurzel und kann man als Ignoranz oder Unwissenheit über unsere eigene wahre freie, strahlende innere Natur verstehen. Wir empfinden uns als abgetrennte Individuen sind aber essentiell mit allem verbunden. Die Folge ist Leiden.

Obwohl hier von Feinden die Sprache ist werden wir diese „Gifte“ nur durch Anerkennung, Loslassen und Bewusstheit los, nicht, indem wir sie bekämpfen oder ignorieren. Der erste Schritt ist immer diese „Gifte“ in sich zu erkennen und anzunehmen. Das ist oft nicht so einfach. Wie erkenne ich etwas dessen ich mir unbewusst bin? Wir erkennen es an den Gedanken und Gefühlen, die wir in uns tragen, der Qualität der Beziehungen die wir führen und unserem Level an Fülle und Zufriedenheit.
Tapas bedeutet auch Selbstdisziplin, welche entsteht durch ein Erkennen, dass etwas in uns Veränderung braucht. Yogapraxis in ihrer Gesamtheit wird in manchen Texten als Tapas bezeichnet. Es ist die geschickte und auch individualisierte Anwendung von Praxis und Disziplin, welche uns an innere und äußere Grenzen führt, um die inneren unbewussten Inhalte sich entfalten zu lassen. Was bedeutet: mehr zu spüren. Schlussendlich ist Rudra oder Tapas ein Aufruf unsere Komfortzone auszuweiten und zu verlassen und das zu verbrennen was wir emotional und mental abgespalten oder unterdrückt haben. Ein Zeichen das meine Yoga Praxis wirkt ist deshalb: wir spüren deutlicher was wirklich mit uns los ist.

Asana, Pranayama, Mantra

Asanas, die Haltungen reinigen den Körper. Hier gibt es viele Stile, Schulen und Techniken, von denen man wählen kann. Vor allem Drehungen wird gesagt welche die Bauchorgane und die Wirbelsäule stimulieren können die Reinigung unterstützen. Idealerweise sollte die gewählte Asanapraxis dem Körpertyp entsprechend angepasst werden.
Reinigende Pranayamaübungen wie Bhastrika oder Kapalabhati klären den inneren energetischen Körper und bringen neue Energie.
Das Feuerprinzip hat eine tiefe Beziehung zu Prana (Energie) und Sprache bzw Mantra. Sprache im yogischen Verständnis ist das formgebende Prinzip und bildet die Grundlage des Geistes.
Mantras sollen helfen die Schwingungsstruktur des Geistes zu verändern und sind ein wichtiges Werkzeug, um den Geist zu klären und zu energetisieren.
Nur wenn das Feuer der Unterscheidungskraft (Viveka) unseres Geistes klar und hell brennt und wir klar darüber sind was wir im Leben erreichen wollen und wohin die Reise gehen soll, haben wir die Kraft und die Disziplin der Selbsterforschung – und sind bereit Opfer zu bringen, um das loszulassen, (die alten „Gifte“ in uns) was einer weiteren Entfaltung im Weg steht.

Meditation

Die Praxis der Meditation im Yoga kann man einerseits verstehen als ein Ausrichten und Fokussieren des Geistes um seiner Tendenz der Reaktivität, Zerstreuung und Ablenkung entgegenzuwirken. Andererseits ist es ein Einüben von wertfreier Offenheit den Mechanismen und energetischen Bewegungen des Geistes gegenüber. D.h. ich lerne zu beobachten und mit dem zu sein was ist.
Es ist dadurch gleichzeitig ein Prozess des An- und Erkennens der Inhalte aber vielleicht noch wichtiger: wir werden uns der Unbeständigkeit aller Gedanken und Gefühle und schlussendlich der Unbeständigkeit des Beobachters selbst bewusst.
Anders ausgedrückt: Der Beobachter und das Beobachtete sind ein und dasselbe. Sie sind miteinander wechselseitig verbunden und nicht voneinander zu trennen. Gedanken und der Denker sind beide veränderlich, fluktuieren, kommen, bleiben und gehen wieder und sind ohne festen unabhängigen Wesenskern.
Diese Einsicht resultiert in einer Art psychologischer Stille und Entspannung.

Loslassen, Stille und Soma

Die tiefste Heilkraft hat Stille und Weite. Es ist keine Stille des Vakuums und des Nichts. Es ist die Stille der Fülle und Verbundenheit einer Gesamtheit.
Wenn etwas in uns zur Ruhe kommt und wir uns eingebunden in ein größeres Lebensgeflecht erfahren – und uns so selbst vergessen.
Besser gesagt, wir lassen die Geschichte über uns, wer wir sind, was wir wollen und was nicht, was wir gut finden und was nicht, wie wir sein sollten und was wir glauben zu sein hinter uns.

Das wird erfahren als ein Gefühl des genährt seins, des Vertrauens, der Fülle und Verbundenheit – von Soma. Soma ist der Fluss der Gnade, wenn wir das Leben in seiner Fülle und Interkonnektivität erfahren; es ist, als ob wir mit etwas Unendlichem und Unsterblichen in Berührung kommen, weshalb Soma auch oft als Nektar oder Ambrosia (Amrit) der Unsterblichkeit bezeichnet wird. Es ist keine Unsterblichkeit des Physischen Körpers oder des Geistes, sondern einer Unerschöpflichen Quelle des Lebens selbst dessen Ausdruck wir sind.

Paradoxerweise wird das dann erfahren, wenn wir Kontrolle und Anhaftung loslassen und bereit sind das Leben – unser Leben – so zu nehmen, wie es ist. Im Mantra wird diese Bedeutung des Loslassens durch den Kürbis (manche sagen es ist eine Gurke ;)) welche sich vom Stängel löst bildhaft dargestellt.

Soma, im Mantra als Amrit bezeichnet, ist der komplementäre Aspekt von Agni und das kosmische Wasserprinzip. Es steht für Verjüngung, Sein lassen, Entspannung und Freude (Ananda)
Soma kommt dann ins Fließen, wenn wir den Griff der Gifte in uns lösen. Wenn wir den Zustand der Erstarrung, man könnte auch sagen der  „Todeskräfte“ durch die Kraft unserer Bewusstheit auflösen.
Wir bewegen uns vom Toten und Starren, mrityor, hin zu Verbindung, Fließen und Zulassen, mā’mritāt. (mṛtyor mukṣīya māmṛtāt)

Agni und Soma sind so die elementaren Seiten des Heilungsprozesses auf allen Ebenen. Im Ayurveda sind es die 2 primären Heilmethoden als Langhana, (Reduzierung, Detox, Agni/Feuer) und Brimhana (Stärkung, Aufbau, Tonisierung, Soma/Wasser)

Moksha

Das Tryambakam ist ein sogenanntes Moksha Mantra. Moksha heisst Befreiung und wird im Yoga als das höchste Ziel und die Kulminierung des Lebens betrachtet.
Befreiung von was?
Wie schon oben erwähnt, von den einengenden Vorstellungen über uns selbst, dem Leben, dem Tod, den Giften in uns und dem ganzen Rest.
Es ist keine Freiheit jenseits des Lebens, das wir im Moment führen.

Es ist die Freiheit, die entsteht, wenn wir unser Leben, mit allem was das bedeutet, annehmen und eins werden damit.

Jivanmukta

In einem vedantischen Text, der Jivanmukta Gita wird das so ausgedrückt:

 „Der Jiva ist Shiva/Rudra selbst. Er wohnt allen Wesen inne. Diejenige Person, die diese Wahrheit während des Lebens zu erkennen vermag, wird „lebend befreit“ genannt.“
Jivanmukta Gita Vers 3


Die Dringlichkeit dessen ist keine Frage der persönlichen Wahl mehr, wenn man erkennt, d.h spürt, wieviel Leid Verstrickung und Identifikation mit dem eigenen separaten und abgekapselten Leben einhergeht. Für einen selbst, seine Mitmenschen und die Welt.

Das Tryambakam Mantra kann so eine wunderbare Erinnerung sein an die Notwendigkeit der Reinigung, der Heilkraft des Loslassens, der Akzeptanz von Veränderung und Unbeständigkeit und der Freude und Ekstase eines befreiten Lebens.

Om Namah Shivaya

 

  • om (ॐ) – kosmischer Urklang, Schwingung des Absoluten
  • tryambakaṃ (त्र्यम्बकं ) – Dreiäugiger Gott: Rudra/Shiva
  • yajāmahe (यजामहे ) – ehren, opfern, meditieren über
  • sugandhiṃ (सुगन्धिंम् ) – wohlriechend
  • pushti (पुष्टि) – wohlhabend, erfolgreich
  • vardhanam (वर्धनम्) – stärkend
  • urvārukamiva (उर्वारुकमिव ) – wie ein Kürbis/ Gurke
  • bandhanān (बन्धनान् ) – gebunden
  • mrityor (मृत्यो) –  Tod, Serblichkeit
  • mukshīya (र्मुक्षीय) – befreit, frei
  • mā’mritāt (माऽमृतात्) – gib mir Unsterblichkeit, Freude

mehr über das Tryambakam Mantra

 Hier noch mehr über Shiva
https://somayoga-freiburg.de/2021/03/shiva-das-grosse-mysterium-das-unbekannte-und-sat-chit-ananda/

Hier noch mehr über Mantras:
https://somayoga-freiburg.de/heilkraft-des-klangs/

Shiva, das große Mysterium, das Unbekannte und Sat-Chit-Ananda

Shiva, das große Mysterium, das Unbekannte und Sat-Chit-Ananda

Om Namah Shivaya

Shiva: das große Mysterium, das Unbekannte und Sat-Chit-Ananda

Om Namah Shivaya Gurave
Sat-Chit-Ananda Gurave
Nishprapanchaya Shantaya
Niralambaya Tejase

Anrufung an Shiva als das Absolute: unkonditioniertes Bewusstsein und Verkörperung von Sein, Wissen und Glückseligkeit. Immer frei und in Frieden, aus sich selbst heraus strahlend.

Shiva ist eine komplexe und vielfältige Gottheit. Shiva steht für die Quelle des Seins aus dem unmanifesten Transzendenten und Absoluten. Er ist die Gesamtheit der Existenz und des Lebens. Er ist das Licht in unserem Herzen, das uns in die Verbundenheit führt.

Er ist jenseits aller Form, die Quelle von Allem, gleichzeitig ist er in jeder Form als Lebenskraft und verborgene Essenz.
In der Hinduistischen Trinität ist er der Zerstörer und Auflöser aller Formen und Manifestationen, er beherrscht die wilden Kräfte der Natur, ist Flammentänzer, Schamanengott und Heiler, er ist Soma, der Nektar der Unsterblichkeit, er ist Mahadev, der große Gott, er ist der wohlwollende und Glückverheißende.

Das ist was sein Name bedeutet: Glücksverheißend, segensvoll.

Und natürlich wichtig für alle Yogis: Shiva ist der erste Yogalehrer. Er steht für die Möglichkeit der Transformation des Bewusstseins zu einem Erkennen der Einheit allen Seins.

Sein Fest ist Shivaratri;
Shivaratri bedeutet die Nacht (Ratri) Shivas und ist eines der wichtigsten religiösen Ereignisse in Indien mit Zeremonien, Pujas und Ritualen, welche die ganze Nacht dauern können.
Es wird im indischen Monat Phalghun (Februar oder März) in der dunkelsten Neumondnacht des Jahres gefeiert.

Diese Verbindung zur tiefen Nacht zeigt Shivas Geheimnis und die Transzendenz der normalen, sichtbaren, bekannten Welt.
Die Mondlose Nacht zeigt an das der Geist (Mond) in die Stille einer Realität jenseits des Geistes eintritt. Es ist nicht die Nacht und Dunkelheit der Ignoranz, sondern die Dunkelheit des Unbekannten, welches in sich das höchste Licht und Wissen birgt.
Durch Entdecken dieses versteckten Lichts in uns erfahren wir Veränderung, Fülle, Verbindung und Expansion

Shiva wird gesagt hat 3 Attribute von Sat (Sein) Chit (Bewusstsein) und Ananda (Freude)

SAT

Sat bedeutet Sein, Shiva als Sanskrit Ausdruck impliziert Glück, Frieden, Stille und ist das Prinzip des reinen Seins, Sat, hinter allen Erscheinungen. Als kosmisches Prinzip ist es die unwandelbare Wahrheit und ewige Quelle, aus der alles entsteht und wieder zurücksinkt.

Es ist das formlose Absolute jenseits aller Veränderung. Jenseits von Zeit, Raum, Ort, Name und Form, Handlung oder Resultat und Relativität. Die ewige Wahrheit als Basis aller relativen und limitierten Wahrheiten.
Es ist die zugrundeliegende Einheit, die alles Leben in all ihren Formen hervorbringt und erhält.
Auf unserer individuellen Ebene ist es unsere eigene innere Essenz, die eins ist mit aller Existenz und dem Leben.

Wir alle streben danach uns auszudehnen, zu lernen, zu entwickeln und größere Ausdrucksmöglichkeiten zu finden. Wir wollen uns als Teil eines größeren Lebensgewebe empfinden und Verbundenheit und Erfüllung finden.

Im Yoga ist das nicht unbedingt eine Frage vom richtigen Wissen, mehr Information oder Selbstoptimierung oder der Veränderung der äußeren Umstände, sondern eine Erforschung und Ausdehnung des Zentrums jeder Erfahrung: dem Ich.
Dem Selbstgefühl ein abgekapseltes Individuum zu sein in einer als außerhalb von mir empfundenen Welt.

Das ständige selbstzentrierte Kreisen um mich selbst, meine Belange, mein Leben und meine Bedürfnisse verhindert Beziehung und Verbindung zur Gesamtheit.

Die Techniken im Yoga bieten Möglichkeiten für einen Prozess der Veränderung und Transformation, wodurch wir langsam das Selbstgefühl ausweiten um uns als Teil und Ausdruck des gesamten Lebens zu erfahren. Yoga bringt uns so nicht weg von der Welt in einen sorglosen Raum der Transzendenz, sondern hilft uns wieder zurückzufinden in die Vitalität und Lebendigkeit des gegenwärtigen Moments.

Alles Leben ist verbunden und nur möglich durch abhängige Wechselbeziehungen. Alles hängt miteinander zusammen als ein großer Organismus. Unsere menschliche Welt ist abhängig von und verbunden mit aller nichtmenschlichen Welt.
Deshalb startet Yogapraxis oft mit dem Körper und dem Atem. Der Körper ist immer da. Wieder den Körper zu spüren und zu achten ist der Beginn einer holistischen Achtsamkeit.
Laut Yoga und Ayurveda besteht der Körper aus vitalen Energien aus denen auch die Welt besteht: den 5 Elementen von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther.

Es wird gesagt der Körper besteht aus 80% Wasser. Kann ich wirklich mein Körperwasser trennen von den Flüssen, Seen, dem Ozean oder dem Wasser in einem anderen Körper, sei es Mensch, Tier oder Pflanze? Kann ich die Luft, die ich einatme, wirklich trennen von der Luft um mich herum und sagen: das ist meine Luft?

Der Körper kann nicht wirklich von der ihn umgebenden natürlichen Welt getrennt werden, außer in meiner Vorstellung und meinem illusionären Empfinden von Autonomie. Die Haltungen im Yoga rufen uns dazu auf wieder in Verbindung und Beziehung zu gehen mit den elementaren Kräften der Natur und der Erde. So gesehen ist die Welt von Körper, Atem und Geist untrennbar verflochten mit der größeren Welt und was sich darauf befindet und passiert.
Der Körper ist die Welt und Yogapraxis kann so zur Weltpraxis werden, oder gar Universumspraxis.
Wir erkennen uns in allem wieder.
Die Praxis, die wir Yoga nennen orientiert uns zu einer neuen Sichtweise und Wahrnehmung der Realität. Von Trennung hin zu gegenseitiger Verflochtenheit, Verbindung und Einheit.
Ausschlaggebend für diese Bewusstseinsänderung ist der Geist

CHIT

Sein ist grundsätzlich bewusst und sogar selbstbewusst. Geist und Körper sind eine Einheit und eng verbunden.
Kosmologisch ist Chit das Licht- und Bewusstseinsprinzip vor dem Auftauchen von Subjekt und Objekt. Es ist das klare Licht der Existenz welches alles Sein beleuchtet und belebt. Yoga betrachtet Chit, Bewusstsein, als das eigentliche Licht hinter dem Geist. Es ist nur durch dieses Licht, das der Geist funktionieren und wahrnehmen kann.
Den Geist, im Sanskrit Chitta, zu klären und ihn zu einem Verbündeten auf der inneren Reise zu machen ist enorm wichtig und eines der zentralen Themen im Yoga.
Unsere Lebenserfahrung hängt vorwiegend von unserem Geist, wie wir damit wahrnehmen und was wir darin tragen, ab.
Yoga und Ayurveda betrachtet den Geist als grundsätzlich natürlichen Gesetzmäßigkeiten unterworfen, wie der Körper. Der Geist braucht die richtige Nahrung, muss sie gut verdauen können und unverdautes muss ausgeschieden werden. Der Geist braucht genauso Erholung und Heilung wie der Körper auch.

Achtsam zu werden mit was wir den Geist füttern ist elementar. Der Geist wird prinzipiell durch Sinneseindrücke aufgebaut und erhalten durch meine inneren Dialoge, tiefen Überzeugungen und Konditionierungen.
Was nehme ich mit den Sinnen auf? Welche Gedanken trage ich in mir? Welche Gefühle?
Wie sind Sinneseindrücke, Gedanken und Gefühle verbunden?
Wie funktioniert mein Geist, was sind seine Gewohnheiten, Reaktionsmuster und Mechanismen? Trage ich Ablehnung, Hass, Groll und Ärger in mir?

Was und wie möchte ich wirklich leben?
Mit dem Geist zu arbeiten heißt auch sich der Kraft der Aufmerksamkeit bewusst zu werden. Alles was ich beachte und ‚füttere‘ bekommt mehr Kraft und Energie.
Nur wenn ich die tiefen Schichten meiner unbewussten Intentionen erreiche kann ich mein Erleben jenseits von positivem Denken verändern.
Hierfür nutzt das Yoga Pranayama, Mantra und Erforschung und das Setzen von elementaren Intentionen.
Voraussetzung für Erforschung ist ein wertfreier Raum des Anerkennens und der Offenheit.

 

Meditation

In der Achtsamkeitsmeditation lernen wir wieder uns und unseren Geist zu beobachten, ohne zu reagieren. Wir schaffen einen wertfreien Raum von Offenheit für egal wie sich jeder Moment zeigt.

So lernen wir langsam uns selber zu sehen, und anzunehmen, wie wir sind, mit all den immer gleichen Gedankensschlaufen, Selbstablehnungen, Wunden, Bewertungen, Neurosen und vergrabenen Kummer. Dadurch, dass wir erlauben alles zu sehen – und vor allem zu fühlen, verbinden wir uns mit dem Licht (Chit) und der Stille (Sat) hinter jeder Erfahrung.
Durch Selbstakzeptanz bringen wir wahres Verstehen, Mitgefühl und positive Handlung in der Welt.
Meditation heißt dann nicht nur auf einem Kissen zu sitzen, sondern wir bringen diese Weite und Offenheit in den handelnden Alltag. Es fließt wieder mehr Energie und neue Lebenskraft wird erfahrbar.
Als grundlose Freude

 

ANANDA

Ananda heisst Freude oder gar Ekstase durch die einfache Tatsache, dass wir alles erlauben zu spüren. Die Kapazität des fühlens ist der Faktor, der uns mit der Tiefe und Fülle des Lebens und Seins verbindet. Es ist keine Freude stimuliert durch Entertainment, Drogen, neuer Beziehung, Schokobrownies und sonstigen Kicks und Highs.
Ananda taucht auf, wenn wir bereit sind alles zu fühlen, nicht nur das Schöne, auch das schmerzvolle und schwierige und nichts ausweichen. So kann jede Erfahrung eine Möglichkeit für Wachstum, Transformation, Freude und Gnade werden.

Ananda ist eng verbunden mit Zufriedenheit und Dankbarkeit und der Fähigkeit der Hingabe und des Fließens. Hingabe heißt, ich partizipiere vollständig ohne Widerstand im gegenwärtigen Moment, in dieser Erfahrung, dieser Begegnung, dieser Beziehung. Hingabe ist eine Qualität des Herzes; zu vertrauen, nicht einer äußeren Instanz, sondern einer empfundenen Kraft der Liebe als Basis des Lebens. Es ist der Ruf in uns das alte loszulassen und das Unbekannte, unlimitierte und Grenzenlose einzuladen, ohne welches unser Leben schal und unlebendig wird.

Shiva als das Unbekannte und Mysterium des Seins

Sein, Bewusstsein und die Freude Shivas ist schlussendlich das Geheimnis des Lebens selbst.
Wir alle sind Ausdruck eines mysteriösen und magischen Universum mit vielen Energien, Kräften und versteckten Dimensionen, die sich jeder Kategorisierung und jedem Verstehen entziehen. Wieder Staunen zu lernen über die Ungreifbarkeit und Grandiosität dieser Existenz beginnt durch Präsenz im Hier und Jetzt – und damit, jeden Atemzug und Moment in seiner nicht Definierbarkeit und Einzigartigkeit zu erleben.
In der Essenz ist jede Erfahrung frisch und neu.
Ist es nicht erstaunlich welche Gefühle man fühlen kann, welche Gedanken man denken kann, das Spiel der Farben, die Varianten der Geschmäcker, das immense Spektrum der Formen, die Kraft der Töne und Klänge, die Intensität von Berührung?
Wenn die Kontraktion- und Kontrollsucht des Ich sich ausreichend entspannt wird jede Erfahrung zu einer Entdeckung die uns über die rein persönliche, gesellschaftliche und menschengemachte Welt hinausführt.

Schlussendlich, neben unseren üblichen Wünschen und Bestrebungen in der vertrauten und bekannten äußeren Welt besitzen wir alle einen Drang die ungekannte größere Realität in uns zu entdecken. Dieser Antrieb ist vielleicht die Grundlage wahrer Religion und Spiritualität seit Anbeginn unserer Spezies.

Shiva erinnert uns daran, dass die Umwandlung unseres Bewusstseins und unseres Herzens durch ein zulassen des Unbekannten und des Nichtwissens passiert und die Schönheit des Lebens sich in einem undefinierten, endlosen Raum entfaltet. Niemand kann wirklich wissen was das Leben ist, aber wir können lernen vollständig daran teilzuhaben und es Sein.
Darin, in uns, finden wir alles.
Und das ist mysteriöser und fantastischer als wir glauben.

Oder in den Versen der Shiva Samhita

„In diesem Körper ist Mount Meru,
die Wirbelsäule, umgeben von 7 Inseln
Es sind darin Flüsse, Seen, Berge, Felder, und auch die Herren der Felder.

Es sind darin die Seher und Heiligen, all die Sterne und Planeten.
Es sind heilige Pilgerfahrten und heilige Stätten,
und die Gottheiten der heiligen Stätten darin.

Sonne und Mond, Kräfte der Schöpfung und der Zerstörung
bewegen sich in ihm, genauso wie Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde!“

Alle Wesen, die in den 3 Weltebenen existieren findet man auch im Körper
um Mount Meru herum erfüllen sie ihre jeweiligen Aufgaben

Aber normale Menschen wissen das nicht.
Jemand der das weiß ist ein Yogi – da besteht kein Zweifel

Shiva Samhita Kap.2 1-6

OM NAMAH SHIVAYA

 

Lichtmess, Reinigung und Saraswati

Lichtmess, Reinigung und Saraswati

Jetzt beginnt die Zeit der Reinigung und des Neuanfangs.

Heute ist Lichmess. Die Tage werden wieder länger und das Licht bekommt mehr Kraft. Jetzt beginnt die Zeit der Reinigung und des Neuanfangs. Die Säfte der Natur bereiten sich vor wieder zu fliessen, die Samen unter der Erde bersten bald um neues Leben zu schaffen. Vor der Christianisierung war es bei uns der Beginn der Herrschaft der Brigid, der keltischen Göttin des Lichts. Ihr Baum ist die jungfräuliche, frische und freundliche Birke.

Bei den Germanen war sie wohl unter Ostara, das Licht des Ostens und Sonnenaufgangs bekannt. Unter vielen Namen symbolisieren die Göttinnen die schöpferische und reinigende Kraft der Natur, als die Herrin des Wassers, als eine Schlangen- und Flussgöttin.

In Indien ist es Sarasvati, die fließende.Sarasvati ist die Kraft der Schöpfung an für sich. Am Anfang der Zeit, als Brahma vor dem Urchaos brütete und keine Ahnung hatte, wie er aus dem unorganisierten Durcheinander irgendetwas sinnvolles Manifestieren sollte war es seine Shakti, Saraswati, die ihm die Antwort gab:

Durch inneres Wissen. Und durch Wissen kommt kreative Handlung!
Sie tauchte dann durch Brahmas Mund auf als die Kraft des Wortes.
OM, und durch Om manifestierten sich alle Welten.

Saraswati ist die Inspiration und kreative Kraft in jedem von uns. Sie ist die Kraft des Wortes, des Klangs und der Sprache, aber verbunden mit allem was uns in einen „Flow“ bringt der dadurch alles alte und verbrauchte hinausspült.Mantras und Sprache sind deshalb so wichtig im Yogischen Verständnis, weil Worte der Wahrheit und Wahrhaftigkeit enorme kreative Kraft haben. Sie bringen das, was noch nicht greifbar war in eine bewusste Form und erschaffen so eine neue Realität.

Wenn man sein Leben verändern und in Fluss bringen will ist das erste Mittel:Sprich die Wahrheit!Nicht unbedingt zu jemand anderen, zu sich selbst reicht oft.Wenn man sich selbst wahrhaftig gegenübersteht ohne Beschönigung und Relativierung ein neues Wissen, eine neue Wahrheit wird offenbar – und eine neue Energie.

Wann immer wir uns trauen „die Wahrheit“ auszusprechen treffen wir auf Saraswati welche uns reinigt und zu neuen Ufern trägt.Diese Ufer sind in der tiefsten Vision des Yoga jenseits des persönlichen. Sie verbinden uns mit den „kosmischen Gewässern“, einer Quelle, die nie versiegt und dessen Ausdruck wir sind. Weshalb wahre Inspiration uns immer mit einem tiefen Wissen erfüllt, das all das was durch mich fließt, nicht „meins“ ist.

Om Aim Saraswatyai Namanha

Agni – das heilige Feuer

Agni – das heilige Feuer

 

Agni: Das heilige Feuer

Welche Art von Licht und Feuer kultivieren wir in unserem Leben? Schlussendlich werden wir alle vor diese Frage gestellt – nicht nur aber besonders in Zeiten von Herausforderungen und Krisen!

Reihen wir uns ein in die vorherrschende Beklagens- und Vorwurfsmentalität und schaffen so ein dunkles Feuer von Groll, Leid und Opferhaltung oder entzünden wir ein aufwärtsstrebendes inspirierendes Feuer von Innenschau, Mitgefühl, Liebe und Verbindung?

Wollen wir zweiteres werden wir nicht umhin kommen uns des yogischen Feuers der Selbsterforschung auszusetzen, um die eigenen negativen Tendenzen in das Licht des Bewusstseins zu heben.
Nur so können wir sie in eine positive Kraft umwandeln.
Agni im Yoga steht es für diese Transformation durch Hitze, Energie, Bestrebung und Selbstdisziplin, hin zu einem tieferen Gewahrsein der Ganzheitlichkeit und Verbundenheit.
Es ist die Umwandlung von all dem was in uns fest, hart, abgegrenzt, limitiert, unbeweglich, eng, dunkel und schwer geworden ist.
Es ist das komplementäre Prinzip zu Soma, des Loslassens, Empfangens, der Rezeptivität und der Fülle.
Hatha Yoga nutzt dafür zuerst einmal den eigenen Körper und Atem. Durch Reinigen und Balancieren der Energien (Ha, Sonne, Agni und Tha, Mond, Soma) wird eine größere Bewusstseinskraft erzeugt (Kundalini oder Yoga Shakti) und ein transformativer Prozess der Selbsterkenntnis kommt in Gang.

Herausfordernde Zeiten sind ideal, um diese innere Arbeit zu machen, weil wir leichter mit unseren negativen Tendenzen in Kontakt kommen.
Gleichzeitig bemerken wir dann auch oft deutlicher den Wunsch, und die Notwendigkeit, nach Veränderung.
Wir erkennen, dass etwas nicht ok ist, dass etwas schiefläuft, das etwas in mir und in meinem Leben nicht ok ist und das nur ich etwas dagegen tun kann.

Das ist der yogische Ansatz, nennen wir es mal so und diese Einsicht braucht schon ein gehöriges Maß an Bewusstsein, weil es bedeutet Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Das ist gar nicht so selbstverständlich.
Die andere Reaktion ist, und leider oft: wir weichen aus und geben anderen wie z.B. Partner, Eltern, Staat, Politikern, Corona oder dem Schokoladenkuchen die Schuld!
Obwohl ich im Fall des Schokoladekuchens großes Verständnis habe, ist das Erkennen und Ablegen des Beklagens und der Opferhaltung, welche sich in Aggression nach außen oder zu sich selber äußern kann, elementar; vielleicht das wichtigste was wir machen können, um im Leben weiterzugehen.

Das geht nur wenn ich mich auf einer fundamentalen Ebene in der Welt wiedergespiegelt sehe und die Trennungen, Abspaltungen, Verdrängungen und Fragmentierungen in meiner Psyche aufdecke und wieder integriere.
Tatsächlich ist das impliziert in der Wortwurzel des Wortes Yoga, yuj für anjochen, zusammenbinden, anspannen, anschirren.
Es ist ein Überwinden aller Polaritäten. Es ist ein Aufruf gut/schlecht, schön/hässlich, links/rechts, männlich/weiblich, weltlich/spirituell hinter sich zu lassen zu einer Ebene, die all diese Dualitäten hervorbringt.

Yoga ist die Anerkennung und Realisierung das alles miteinander organisch verbunden ist mit bestimmten Qualitäten und Eigenschaften und dadurch alles, auch wir, einen wichtigen Beitrag leisten zu diesem „Lebensgewebe“. Mehr noch: In der letzten Analyse ist fundamental alles Eins. Das Individuum ist Ausdruck einer zugrundeliegenden Verbundenheit und Einheit und diese Einheit drückt sich in Vielheit aus. Durch dich und mich.
Was jeder von uns in diese Verbundenheit gibt, welche Einstellungen, Gedanken und Handlungen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gesamtheit.

Das dunkle Feuer der Trennung

In unserem täglichen Leben empfinden wir das jedoch jedoch oft völlig anders:
Wir empfinden uns als insignifikant und machtlos dem ‚Großen Ganzen‘ gegenüber.
Einfach deshalb, weil wir den Kontakt dazu verloren haben.

Das Gefühl von Kleinsein, Machtlosigkeit, Ohnmacht, Unwichtigkeit, Belang- und Bedeutungslosigkeit und Opfersein ist Ausdruck eines abgespaltenen und egozentrischen Bewusstseins ohne Verbindung zur Gesamtheit. Damit einher geht heimlicher (oder nicht so heimlicher) Wunsch nach Beherrschung, Größenwahn, Kontrollsucht und Narzissmus.

Die Auswirkungen dieser Spaltung sehen wir im schlechten ökologischen Zustand unserer Erde, in Krieg und Hass, in Umweltzerstörung und Artensterben, im erbarmungslosen Umgang mit den Tieren in einer industrialisierten Landwirtschaft aber ebenso im individuellen Leid wie Depressionen, Angstzuständen, Drogen-und Arzneimittelsucht, Einsamkeit, Nihilismus, und Fundamentalismus

All das sind die Früchte eines alten kollektiven Paradigmas der Trennung zwischen Mensch und Natur, zwischen Mensch und Kosmos, zwischen Geist und Körper, Vernunft und Gefühl. Es ist ein lineares mechanistisches und reduktionistisches Weltbild in welchem das Subjekt in eine Welt voller fremder äußerer Objekte blickt, welche entweder nützlich, nutzlos oder gar feindlich sind. Aber mit denen wir eigentlich nichts zu tun haben.
Nur wenn ich etwas als fundamental getrennt und anders empfinde, kann ich es ausnutzen und ausbeuten – für den eigenen Profit ohne Rücksicht auf andere Lebensformen oder sogar die eigenen Lebensgrundlagen.
Andererseits, wenn ich spüre das die Welt ein Teil von mir ist, oder sogar auf tiefer Ebene identisch und ich das auch so empfinde, gehe ich auch respektvoll mit ihr um.

Viele von uns erkennen und spüren, dass es so nicht weitergehen kann. Und in der Tat:
Nur wir können die Achtsamkeit und das heilige Feuer wieder in die Welt bringen: in unsere eigene Welt, in der Art wie wir uns selbst betrachten, wie wir miteinander umgehen und durch herausfinden, welche Werte wir wirklich leben wollen.
Eine andere Welt, ein neues Feuer, eine neue Geschichte muss durch jeden von uns, durch eigenen Einsatz und der Auseinandersetzung mit dem Paradigma in uns selber geboren werden. Yoga kann uns dabei unterstützen. Vor allem wenn wir die Idee, von dem was Yoga ist, erweitern.

Das Feuer der Heilung

Yogapraxis ist nicht nur eine Praxis für das eigene persönliche Wohlbefinden, sondern hat Implikationen die weit darüber hinaus gehen: man könnte sagen,

Yoga ist die Realisierung eines einzigen großen Ökosystems.

So gesehen beginnt Yoga, wenn wir unser Kleinheitsdenken und Zweifel hinter uns lassen und anfangen unser Leben in den Dienst einer größeren Energie und Verbundenheit zu stellen.
Sich selber Annehmen und Lieben zu lernen ist der Schlüssel, abgesehen
von einem tiefempfundenen, nicht nur mentalem, Wunsch nach Veränderung.
Eigene Heilung auf der persönlichen Ebene ist die Voraussetzung taube und narkotisierte Bereiche neu zu beleben und über das persönliche hinauszugehen.
Sich zu erlauben wieder zu spüren und seine Sensitivität zu entdecken ist enorm wichtig.
Eigene Werte und Intentionen zu hinterfragen und neu auszurichten, am besten auf das Höchste (hier keine falsche Bescheidenheit…) gibt uns Raum zu wachsen und alten Ballast abzuwerfen.
Nur wenn wir unsere eigene Welt verändern, verändern wir die Welt um uns herum.

Wir können z.B. beginnen unsere Lebensfeuer in verschiedenen Aspekten zu untersuchen und langsam versuchen das Brennen der Flammen in diesen Bereichen zu verbessern.

Auf individueller Ebene werden im Yoga und Ayurveda 3 Feuer unterschieden:

1. Das Verdauungsfeuer des Körpers, Jatharagni:

Wie ernähre ich mich? Nahrung wird zu unserem Körper und hält ihn aufrecht.
Gesunde, möglichst natürliche und vegetarische Nahrung ist am besten geeignet, um das Verdauungsfeuer optimal am Brennen zu halten.
Abgestimmt auf unsere individuelle Konstitution, wie im Ayurveda empfohlen, versorgt es die Körpergewebe mit den nötigen hochwertigen Nähstoffen und hat dann direkt Einfluss auf unsere Energie.
Vegetarische und regionale Ernährung schont Ressourcen, verbraucht weniger Wasser und ist nachhaltig.
Im Kontext des Yoga ist Ahimsa (Gewaltlosigkeit) eines der wichtigsten Prinzipien. Fleischlose Ernährung fügt anderen Wesen am wenigsten Leid zu.

2. Das Energetische Feuer, Pranagni

wird erzeugt und aufgebaut durch ist all das was uns Energie gibt…oder nimmt.
Atem und die Umwandlung von Sauerstoff in Lebenskraft durch Atemübungen und bewusstes Atmen sind hier wichtig.
Die Verbindung zu Natur ist der beste Energielieferant: Spaziergänge im Wald, frische, saubere Luft, ausreichend Bewegung und Sport.
Macht mir meine Arbeit Spass und erfüllt sie mich? Ist sie in Übereinkunft mit meinen tieferen Werten und Überzeugungen?
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Qualität der Beziehungen, die wir haben.
Sind sie erfüllend, liebevoll und nährend oder kosten sie uns Energie und ziehen uns runter?
Beziehungen zu Gleichgesinnten (im Yoga Sangha genannt) gibt Unterstützung und Motivation.

3. das Geistige Feuer, Manas Agni

Es wirkt im Geist durch die Umwandlung und Verdauung von Sinneseindrücken in unsere mental – emotionale Erfahrung.
Welche Gedanken kreisen im Kopf und kultivieren wir auf täglicher Basis, welche Ideen und Sichtweisen nehmen wir auf?
In der Psychologie des Yoga ist der Geist selber ein Teil der Natur und natürlichen Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Der Geist wird aufgebaut aus den Sinneseindrücken, welche in eine scheinbar kohärente Welt interpretiert werden.
Deshalb ist Achtsamkeit für mit was wir den Geist ernähren so wichtig. Sind es negative, polarisierende, extreme oder anderweitig schwerverdauliche Eindrücke?
Damit das Geistfeuer optimal brennt braucht es gut verdauliche Nahrung, kein überstimulierendes Junkfood welches zu innerer Verstopfung führt.
Gleichzeitig wird empfohlen die Fähigkeit der Beobachtung der Gedanken zu trainieren, um seine zugrundeliegende Weite und Klarheit zu erfahren.
Genauso, wie wir nicht ständig essen sollten braucht auch der Geist natürliche Pausen der Stille und Erholung.
Welche Werte strebe ich an? Lebe ich sie oder sind es nur schöne Ideen?
Dreht sich alles um mich und meine kleine Welt oder weite ich meine Perspektive und stelle meine Energie in den Dienst zum Wohle aller?
Auseinandersetzung mit Spiritualität, Lesen von inspirierenden Texten, hören von passender Musik und Mantras, Beschäftigung mit Ideen die Harmonie, Vergebung und Liebe betonen, stärken  diese Eigenschaften in uns.
Die Kultivierung einer Wertschätzung und Zufriedenheit für das was wir haben und unserer natürlichen Lebensgrundlagen, von denen wir abhängen hilft, positive Emotionen und Dankbarkeit zu erfahren. Auch hier gilt: die Rhythmen, Farben und Geräusche der Natur haben die größte Heilkraft auf den Geist.

Langsam eine eigene regelmäßige, integrale Yogapraxis zuhause zu etablieren ist ein guter Anfang.
Lieber kleine Schritte als zuviel vornehmen!
Lebenstilanpassungen inspiriert von Ayurveda und Yoga und eine allgemeine Spiritualisierung des Alltags schaffen den Kontext für positive Veränderungen und helfen Yoga auf alle Aspekte des Lebens auszudehnen.
Jetzt ist der beste Zeitpunkt damit zu starten oder die Praxis zu intensivieren und das Agni zu einem starken Feuer werden zu lassen.

Und als Erinnerung:
Für Yoga braucht man nicht flexibel sein oder spezielles Wissen.
Yoga ist das Einstimmen auf die eigene Essenz – und diese zu leben.
Es ist das vollständige Partizipieren in der Fülle des gegenwärtigen Moments.
Egal ob mit oder ohne sogenannter Krise.
Dann ist jeder Atemzug pures Soma (Nektar)

Gerade jetzt kommt es darauf an, dass unser Feuer stark und ausgeglichen brennt.

Keep the fire burning
much love,
Ralf

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

ॐ महाज्वालाय विद्महे

अग्निदेवाय धीमहि

तन्नो अग्निः प्रचोदयात्


oṃ mahājvālāya vidmahe

agnidevāya dhīmahi

tanno agniḥ pracodayāt

Wir meditieren über Agni, den stark Lodernden. Möge Agni mir Klarheit geben.
Oh Agni, bitte bringe mir Erkenntnis und Inspiration.

 

 

Fülle leben – das Purnamadah Mantra

Fülle leben – das Purnamadah Mantra

Das Purnamada Mantra

om
pūrṇam adaḥ pūrṇam idaṃ ‚
pūrṇāt pūrṇam udacyate /
pūrṇasya pūrṇam ādāya ‚
pūrṇam evāvaśiṣyate //

Jenes (Jenseits) ist Fülle, dieses (hier) ist Fülle, aus der Fülle kommt Fülle hervor. Wenn man von der Fülle Fülle nimmt, bleibt Fülle übrig.

 

Das Purnamada Mantra ist ein altes Mantra aus der Isha Upanishad und ist bis zum nächsten Vollmond (28.01) das Thema bei uns im Soma Yoga.
Wir singen und chanten das Mantra in den Klassen und im Kirtan (30.01)

Upanischaden sind die mehr philosophisch orientierten Texte.
Sie erläutern den mantrischen Hauptkorpus, Samhita genannt, der Veden.
Die upanischadischen Texte sind sehr relevant für das Yoga, weil hier wichtige metaphysische und spirituelle Grundkonzepte des inneren Weges zur Befreiung beschrieben werden.
Die Isha Upanishad ist kurz, in nur 18 Versen wird eines der fundamentalen Ideen der indischen Spiritualität beschrieben und im Purnamadah Mantra poetisch und fast schon paradox ausgedrückt:
Die grundlegende Realität ist Fülle und diese ist, als Essenz, immer da (auch wenn wir sie selten wahrnehmen)
Oder anders ausgedrückt: die Fülle, das Höchste, das vollständige, das Soma, ist immanent (im Herzen eines jeden Wesens) als auch Transzendent (im Formlosen, jenseits des Manifesten, das Absolute)
Es ist diesseits (im Hier und jetzt) als auch jenseits. Es ist überall!

Das Mantra ist eine Erinnerung das alles immer und jederzeit vollständig und ganz ist.
Diese Ganzheit und Fülle von Moment zu Moment zu erfahren ist eines der Ziele des Yoga.

Das könnte man auch als eine schöne Definition des Wortes Yoga verstehen:

Yoga ist der Zustand indem nichts fehlt

Leider erfahren wir aber oft das Gegenteil: Mangel
Oft haben wir dieses Mangelgefühl tief in uns.
Wir glauben wir sind unvollständig, sind nicht gut genug oder irgendetwas ist „falsch“ an uns. Irgendetwas fehlt.
Wir haben sogar eine ganze Zivilisation und Wirtschaftssystem auf der Kultivierung des Mangels aufgebaut. Das nächste Produkt, der nächste (online-) Workshop, die nächste Beförderung, das Ende des Lockdowns, noch mehr Wissen, mehr Geld, ein gemeinsames Kind, der nächste (Seelen-) Partner…
dann…

Bin ich glücklich, erfüllt und alles ist gut.
Wir schauen nach Erfüllung und Vollständigkeit in anderen limitierten Objekten, Menschen und Zuständen in der Hoffnung das unsere eigene empfundene Limitierung und das Mangelgefühl dadurch beendet wird.
Aber nichts was limitiert und begrenzt ist kann uns erfüllen.
Das ist ein bisschen, wie wenn man versucht Minus mit Minus zu addieren und dann ein Plus erwartet.
Das funktioniert nicht, ich habe es selbst probiert (und probiere es immer mal wieder, nur um sicherzugehen, haha ;))

Keine andere Person und kein anderes Objekt, keine Information und Status kann das für uns erreichen. Zuerst müssen wir unsere innere Spaltung überbrücken und die eigene Fülle entdecken.
Wir müssen sozusagen das unbegrenzte und vollständige in unserem limitierten Körper-Geist Container entdecken.
Tatsächlich ist das einer der „Geheimnisse“ des yogischen Weges: Unser Mangelgefühl, unsere inneren Verletzungen, Kontraktionen und Narben werden zur motivierenden Kraft und zum Brennstoff für das innere Feuer der Befreiung.
Sie sind absolut nötig. Nur durch Akzeptanz und ein komplettes Loslassen in die Limitierung erfahren wir die zugrundeliegende Fülle.
Und das erstaunliche passiert: wir sehen überall simultan Fülle und Limitierung als 2 Aspekte eines großen Ganzen.
Und sehen uns selber widergespiegelt in der unendlichen Vielfalt und Fülle aller unterschiedlichen Lebensformen.

Im weiteren Verlauf fragt die Upanischad. Was ist besser: ein zurückgezogenes Leben der Meditation und Innenschau oder ein aktives Leben in der Welt?
Well, keines natürlich, auch das gehört zusammen. Spiritualität muss gelebt und in die Welt gebracht werden, gleichzeitig wird das Leben selbst eine große Meditation.

Der Text geht sogar so weit zu sagen, dass die weltverneinenden Yogis noch verlorener sind als die aktiv handelnden Menschen…
Und in der Tat: Vor allem in unserer heutigen Zeit können wir uns eine Flucht in eine nabelschauende schöne neue Wohlfühl Yogawelt nicht leisten.
Die Welt braucht Menschen, die aus ihrer bewussten Verbindung zur eigenen Fülle diese in die Welt bringen; als aktive Kraft der Verbindung, des Mitgefühls, der Liebe und der Schönheit. 

 

 

Rezitiere gerne als Praxis das Mantra morgens und abends mit dem Track. Als Erinnerung und Stärkung deiner eigenen immer vorhandenen Fülle und Kraft. Spüre die zugrundeliegende immense Lebenskraft in jeder Zelle deines Körpers pulsieren und bemerke die gleiche Kraft in der Natur um dich herum, in den anderen Menschen, in allem!

Much love… und natürlich Purna!
Ralf

 

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