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Shiva, das große Mysterium, das Unbekannte und Sat-Chit-Ananda

Shiva, das große Mysterium, das Unbekannte und Sat-Chit-Ananda

Om Namah Shivaya Gurave
Sat-Chit-Ananda Gurave
Nishprapanchaya Shantaya
Niralambaya Tejase

Anrufung an Shiva als das Absolute: unkonditioniertes Bewusstsein und Verkörperung von Sein, Wissen und GlĂŒckseligkeit. Immer frei und in Frieden, aus sich selbst heraus strahlend.

Shiva ist eine komplexe und vielfĂ€ltige Gottheit. Shiva steht fĂŒr die Quelle des Seins aus dem unmanifesten Transzendenten und Absoluten. Er ist die Gesamtheit der Existenz und des Lebens. Er ist das Licht in unserem Herzen, das uns in die Verbundenheit fĂŒhrt.

Er ist jenseits aller Form, die Quelle von Allem, gleichzeitig ist er in jeder Form als Lebenskraft und verborgene Essenz.
In der Hinduistischen TrinitĂ€t ist er der Zerstörer und Auflöser aller Formen und Manifestationen, er beherrscht die wilden KrĂ€fte der Natur, ist FlammentĂ€nzer, Schamanengott und Heiler, er ist Soma, der Nektar der Unsterblichkeit, er ist Mahadev, der große Gott, er ist der wohlwollende und GlĂŒckverheißende.

Das ist was sein Name bedeutet: GlĂŒcksverheißend, segensvoll.

Und natĂŒrlich wichtig fĂŒr alle Yogis: Shiva ist der erste Yogalehrer. Er steht fĂŒr die Möglichkeit der Transformation des Bewusstseins zu einem Erkennen der Einheit allen Seins.

Sein Fest ist Shivaratri;
Shivaratri bedeutet die Nacht (Ratri) Shivas und ist eines der wichtigsten religiösen Ereignisse in Indien mit Zeremonien, Pujas und Ritualen, welche die ganze Nacht dauern können.
Es wird im indischen Monat Phalghun (Februar oder MĂ€rz) in der dunkelsten Neumondnacht des Jahres gefeiert.

Diese Verbindung zur tiefen Nacht zeigt Shivas Geheimnis und die Transzendenz der normalen, sichtbaren, bekannten Welt.
Die Mondlose Nacht zeigt an das der Geist (Mond) in die Stille einer RealitÀt jenseits des Geistes eintritt. Es ist nicht die Nacht und Dunkelheit der Ignoranz, sondern die Dunkelheit des Unbekannten, welches in sich das höchste Licht und Wissen birgt.
Durch Entdecken dieses versteckten Lichts in uns erfahren wir VerĂ€nderung, FĂŒlle, Verbindung und Expansion

Shiva wird gesagt hat 3 Attribute von Sat (Sein) Chit (Bewusstsein) und Ananda (Freude)

SAT

Sat bedeutet Sein, Shiva als Sanskrit Ausdruck impliziert GlĂŒck, Frieden, Stille und ist das Prinzip des reinen Seins, Sat, hinter allen Erscheinungen. Als kosmisches Prinzip ist es die unwandelbare Wahrheit und ewige Quelle, aus der alles entsteht und wieder zurĂŒcksinkt.

Es ist das formlose Absolute jenseits aller VerÀnderung. Jenseits von Zeit, Raum, Ort, Name und Form, Handlung oder Resultat und RelativitÀt. Die ewige Wahrheit als Basis aller relativen und limitierten Wahrheiten.
Es ist die zugrundeliegende Einheit, die alles Leben in all ihren Formen hervorbringt und erhÀlt.
Auf unserer individuellen Ebene ist es unsere eigene innere Essenz, die eins ist mit aller Existenz und dem Leben.

Wir alle streben danach uns auszudehnen, zu lernen, zu entwickeln und grĂ¶ĂŸere Ausdrucksmöglichkeiten zu finden. Wir wollen uns als Teil eines grĂ¶ĂŸeren Lebensgewebe empfinden und Verbundenheit und ErfĂŒllung finden.

Im Yoga ist das nicht unbedingt eine Frage vom richtigen Wissen, mehr Information oder Selbstoptimierung oder der VerĂ€nderung der Ă€ußeren UmstĂ€nde, sondern eine Erforschung und Ausdehnung des Zentrums jeder Erfahrung: dem Ich.
Dem SelbstgefĂŒhl ein abgekapseltes Individuum zu sein in einer als außerhalb von mir empfundenen Welt.

Das stĂ€ndige selbstzentrierte Kreisen um mich selbst, meine Belange, mein Leben und meine BedĂŒrfnisse verhindert Beziehung und Verbindung zur Gesamtheit.

Die Techniken im Yoga bieten Möglichkeiten fĂŒr einen Prozess der VerĂ€nderung und Transformation, wodurch wir langsam das SelbstgefĂŒhl ausweiten um uns als Teil und Ausdruck des gesamten Lebens zu erfahren. Yoga bringt uns so nicht weg von der Welt in einen sorglosen Raum der Transzendenz, sondern hilft uns wieder zurĂŒckzufinden in die VitalitĂ€t und Lebendigkeit des gegenwĂ€rtigen Moments.

Alles Leben ist verbunden und nur möglich durch abhĂ€ngige Wechselbeziehungen. Alles hĂ€ngt miteinander zusammen als ein großer Organismus. Unsere menschliche Welt ist abhĂ€ngig von und verbunden mit aller nichtmenschlichen Welt.
Deshalb startet Yogapraxis oft mit dem Körper und dem Atem. Der Körper ist immer da. Wieder den Körper zu spĂŒren und zu achten ist der Beginn einer holistischen Achtsamkeit.
Laut Yoga und Ayurveda besteht der Körper aus vitalen Energien aus denen auch die Welt besteht: den 5 Elementen von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther.

Es wird gesagt der Körper besteht aus 80% Wasser. Kann ich wirklich mein Körperwasser trennen von den FlĂŒssen, Seen, dem Ozean oder dem Wasser in einem anderen Körper, sei es Mensch, Tier oder Pflanze? Kann ich die Luft, die ich einatme, wirklich trennen von der Luft um mich herum und sagen: das ist meine Luft?

Der Körper kann nicht wirklich von der ihn umgebenden natĂŒrlichen Welt getrennt werden, außer in meiner Vorstellung und meinem illusionĂ€ren Empfinden von Autonomie. Die Haltungen im Yoga rufen uns dazu auf wieder in Verbindung und Beziehung zu gehen mit den elementaren KrĂ€ften der Natur und der Erde. So gesehen ist die Welt von Körper, Atem und Geist untrennbar verflochten mit der grĂ¶ĂŸeren Welt und was sich darauf befindet und passiert.
Der Körper ist die Welt und Yogapraxis kann so zur Weltpraxis werden, oder gar Universumspraxis.
Wir erkennen uns in allem wieder.
Die Praxis, die wir Yoga nennen orientiert uns zu einer neuen Sichtweise und Wahrnehmung der RealitÀt. Von Trennung hin zu gegenseitiger Verflochtenheit, Verbindung und Einheit.
Ausschlaggebend fĂŒr diese BewusstseinsĂ€nderung ist der Geist

CHIT

Sein ist grundsÀtzlich bewusst und sogar selbstbewusst. Geist und Körper sind eine Einheit und eng verbunden.
Kosmologisch ist Chit das Licht- und Bewusstseinsprinzip vor dem Auftauchen von Subjekt und Objekt. Es ist das klare Licht der Existenz welches alles Sein beleuchtet und belebt. Yoga betrachtet Chit, Bewusstsein, als das eigentliche Licht hinter dem Geist. Es ist nur durch dieses Licht, das der Geist funktionieren und wahrnehmen kann.
Den Geist, im Sanskrit Chitta, zu klĂ€ren und ihn zu einem VerbĂŒndeten auf der inneren Reise zu machen ist enorm wichtig und eines der zentralen Themen im Yoga.
Unsere Lebenserfahrung hÀngt vorwiegend von unserem Geist, wie wir damit wahrnehmen und was wir darin tragen, ab.
Yoga und Ayurveda betrachtet den Geist als grundsĂ€tzlich natĂŒrlichen GesetzmĂ€ĂŸigkeiten unterworfen, wie der Körper. Der Geist braucht die richtige Nahrung, muss sie gut verdauen können und unverdautes muss ausgeschieden werden. Der Geist braucht genauso Erholung und Heilung wie der Körper auch.

Achtsam zu werden mit was wir den Geist fĂŒttern ist elementar. Der Geist wird prinzipiell durch SinneseindrĂŒcke aufgebaut und erhalten durch meine inneren Dialoge, tiefen Überzeugungen und Konditionierungen.
Was nehme ich mit den Sinnen auf? Welche Gedanken trage ich in mir? Welche GefĂŒhle?
Wie sind SinneseindrĂŒcke, Gedanken und GefĂŒhle verbunden?
Wie funktioniert mein Geist, was sind seine Gewohnheiten, Reaktionsmuster und Mechanismen? Trage ich Ablehnung, Hass, Groll und Ärger in mir?

Was und wie möchte ich wirklich leben?
Mit dem Geist zu arbeiten heißt auch sich der Kraft der Aufmerksamkeit bewusst zu werden. Alles was ich beachte und ‚fĂŒttere‘ bekommt mehr Kraft und Energie.
Nur wenn ich die tiefen Schichten meiner unbewussten Intentionen erreiche kann ich mein Erleben jenseits von positivem Denken verÀndern.
HierfĂŒr nutzt das Yoga Pranayama, Mantra und Erforschung und das Setzen von elementaren Intentionen.
Voraussetzung fĂŒr Erforschung ist ein wertfreier Raum des Anerkennens und der Offenheit.

 

Meditation

In der Achtsamkeitsmeditation lernen wir wieder uns und unseren Geist zu beobachten, ohne zu reagieren. Wir schaffen einen wertfreien Raum von Offenheit fĂŒr egal wie sich jeder Moment zeigt.

So lernen wir langsam uns selber zu sehen, und anzunehmen, wie wir sind, mit all den immer gleichen Gedankensschlaufen, Selbstablehnungen, Wunden, Bewertungen, Neurosen und vergrabenen Kummer. Dadurch, dass wir erlauben alles zu sehen – und vor allem zu fĂŒhlen, verbinden wir uns mit dem Licht (Chit) und der Stille (Sat) hinter jeder Erfahrung.
Durch Selbstakzeptanz bringen wir wahres Verstehen, MitgefĂŒhl und positive Handlung in der Welt.
Meditation heißt dann nicht nur auf einem Kissen zu sitzen, sondern wir bringen diese Weite und Offenheit in den handelnden Alltag. Es fließt wieder mehr Energie und neue Lebenskraft wird erfahrbar.
Als grundlose Freude

 

Om Namah Shivaya - Der Innere Lehrer und Selbstakzeptanz

ANANDA

Ananda heisst Freude oder gar Ekstase durch die einfache Tatsache, dass wir alles erlauben zu spĂŒren. Die KapazitĂ€t des fĂŒhlens ist der Faktor, der uns mit der Tiefe und FĂŒlle des Lebens und Seins verbindet. Es ist keine Freude stimuliert durch Entertainment, Drogen, neuer Beziehung, Schokobrownies und sonstigen Kicks und Highs.
Ananda taucht auf, wenn wir bereit sind alles zu fĂŒhlen, nicht nur das Schöne, auch das schmerzvolle und schwierige und nichts ausweichen. So kann jede Erfahrung eine Möglichkeit fĂŒr Wachstum, Transformation, Freude und Gnade werden.

Ananda ist eng verbunden mit Zufriedenheit und Dankbarkeit und der FĂ€higkeit der Hingabe und des Fließens. Hingabe heißt, ich partizipiere vollstĂ€ndig ohne Widerstand im gegenwĂ€rtigen Moment, in dieser Erfahrung, dieser Begegnung, dieser Beziehung. Hingabe ist eine QualitĂ€t des Herzes; zu vertrauen, nicht einer Ă€ußeren Instanz, sondern einer empfundenen Kraft der Liebe als Basis des Lebens. Es ist der Ruf in uns das alte loszulassen und das Unbekannte, unlimitierte und Grenzenlose einzuladen, ohne welches unser Leben schal und unlebendig wird.

Shiva als das Unbekannte und Mysterium des Seins

Sein, Bewusstsein und die Freude Shivas ist schlussendlich das Geheimnis des Lebens selbst.
Wir alle sind Ausdruck eines mysteriösen und magischen Universum mit vielen Energien, KrĂ€ften und versteckten Dimensionen, die sich jeder Kategorisierung und jedem Verstehen entziehen. Wieder Staunen zu lernen ĂŒber die Ungreifbarkeit und GrandiositĂ€t dieser Existenz beginnt durch PrĂ€senz im Hier und Jetzt – und damit, jeden Atemzug und Moment in seiner nicht Definierbarkeit und Einzigartigkeit zu erleben.
In der Essenz ist jede Erfahrung frisch und neu.
Ist es nicht erstaunlich welche GefĂŒhle man fĂŒhlen kann, welche Gedanken man denken kann, das Spiel der Farben, die Varianten der GeschmĂ€cker, das immense Spektrum der Formen, die Kraft der Töne und KlĂ€nge, die IntensitĂ€t von BerĂŒhrung?
Wenn die Kontraktion- und Kontrollsucht des Ich sich ausreichend entspannt wird jede Erfahrung zu einer Entdeckung die uns ĂŒber die rein persönliche, gesellschaftliche und menschengemachte Welt hinausfĂŒhrt.

Schlussendlich, neben unseren ĂŒblichen WĂŒnschen und Bestrebungen in der vertrauten und bekannten Ă€ußeren Welt besitzen wir alle einen Drang die ungekannte grĂ¶ĂŸere RealitĂ€t in uns zu entdecken. Dieser Antrieb ist vielleicht die Grundlage wahrer Religion und SpiritualitĂ€t seit Anbeginn unserer Spezies.

Shiva erinnert uns daran, dass die Umwandlung unseres Bewusstseins und unseres Herzens durch ein zulassen des Unbekannten und des Nichtwissens passiert und die Schönheit des Lebens sich in einem undefinierten, endlosen Raum entfaltet. Niemand kann wirklich wissen was das Leben ist, aber wir können lernen vollstÀndig daran teilzuhaben und es Sein.
Darin, in uns, finden wir alles.
Und das ist mysteriöser und fantastischer als wir glauben.

Oder in den Versen der Shiva Samhita

„In diesem Körper ist Mount Meru,
die WirbelsÀule, umgeben von 7 Inseln
Es sind darin FlĂŒsse, Seen, Berge, Felder, und auch die Herren der Felder.

Es sind darin die Seher und Heiligen, all die Sterne und Planeten.
Es sind heilige Pilgerfahrten und heilige StÀtten,
und die Gottheiten der heiligen StÀtten darin.

Sonne und Mond, KrÀfte der Schöpfung und der Zerstörung
bewegen sich in ihm, genauso wie Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde!“

Alle Wesen, die in den 3 Weltebenen existieren findet man auch im Körper
um Mount Meru herum erfĂŒllen sie ihre jeweiligen Aufgaben

Aber normale Menschen wissen das nicht.
Jemand der das weiß ist ein Yogi – da besteht kein Zweifel

Shiva Samhita Kap.2 1-6

OM NAMAH SHIVAYA

 

Mahamrityunjaya Mantra mit Daisy & Ralf
Lichtmess, Reinigung und Saraswati

Lichtmess, Reinigung und Saraswati

Jetzt beginnt die Zeit der Reinigung und des Neuanfangs.

Heute ist Lichmess. Die Tage werden wieder lÀnger und das Licht bekommt mehr Kraft. Jetzt beginnt die Zeit der Reinigung und des Neuanfangs. Die SÀfte der Natur bereiten sich vor wieder zu fliessen, die Samen unter der Erde bersten bald um neues Leben zu schaffen. Vor der Christianisierung war es bei uns der Beginn der Herrschaft der Brigid, der keltischen Göttin des Lichts. Ihr Baum ist die jungfrÀuliche, frische und freundliche Birke.

Bei den Germanen war sie wohl unter Ostara, das Licht des Ostens und Sonnenaufgangs bekannt. Unter vielen Namen symbolisieren die Göttinnen die schöpferische und reinigende Kraft der Natur, als die Herrin des Wassers, als eine Schlangen- und Flussgöttin.

In Indien ist es Sarasvati, die fließende.Sarasvati ist die Kraft der Schöpfung an fĂŒr sich. Am Anfang der Zeit, als Brahma vor dem Urchaos brĂŒtete und keine Ahnung hatte, wie er aus dem unorganisierten Durcheinander irgendetwas sinnvolles Manifestieren sollte war es seine Shakti, Saraswati, die ihm die Antwort gab:

Durch inneres Wissen. Und durch Wissen kommt kreative Handlung!
Sie tauchte dann durch Brahmas Mund auf als die Kraft des Wortes.
OM, und durch Om manifestierten sich alle Welten.

Saraswati ist die Inspiration und kreative Kraft in jedem von uns. Sie ist die Kraft des Wortes, des Klangs und der Sprache, aber verbunden mit allem was uns in einen „Flow“ bringt der dadurch alles alte und verbrauchte hinausspĂŒlt.Mantras und Sprache sind deshalb so wichtig im Yogischen VerstĂ€ndnis, weil Worte der Wahrheit und Wahrhaftigkeit enorme kreative Kraft haben. Sie bringen das, was noch nicht greifbar war in eine bewusste Form und erschaffen so eine neue RealitĂ€t.

Wenn man sein Leben verĂ€ndern und in Fluss bringen will ist das erste Mittel:Sprich die Wahrheit!Nicht unbedingt zu jemand anderen, zu sich selbst reicht oft.Wenn man sich selbst wahrhaftig gegenĂŒbersteht ohne Beschönigung und Relativierung ein neues Wissen, eine neue Wahrheit wird offenbar – und eine neue Energie.

Wann immer wir uns trauen „die Wahrheit“ auszusprechen treffen wir auf Saraswati welche uns reinigt und zu neuen Ufern trĂ€gt.Diese Ufer sind in der tiefsten Vision des Yoga jenseits des persönlichen. Sie verbinden uns mit den „kosmischen GewĂ€ssern“, einer Quelle, die nie versiegt und dessen Ausdruck wir sind. Weshalb wahre Inspiration uns immer mit einem tiefen Wissen erfĂŒllt, das all das was durch mich fließt, nicht „meins“ ist.

Om Aim Saraswatyai Namanha

Agni – das heilige Feuer

Agni – das heilige Feuer

 

Agni: Das heilige Feuer

Welche Art von Licht und Feuer kultivieren wir in unserem Leben? Schlussendlich werden wir alle vor diese Frage gestellt – nicht nur aber besonders in Zeiten von Herausforderungen und Krisen!

Reihen wir uns ein in die vorherrschende Beklagens- und VorwurfsmentalitĂ€t und schaffen so ein dunkles Feuer von Groll, Leid und Opferhaltung oder entzĂŒnden wir ein aufwĂ€rtsstrebendes inspirierendes Feuer von Innenschau, MitgefĂŒhl, Liebe und Verbindung?

Wollen wir zweiteres werden wir nicht umhin kommen uns des yogischen Feuers der Selbsterforschung auszusetzen, um die eigenen negativen Tendenzen in das Licht des Bewusstseins zu heben.
Nur so können wir sie in eine positive Kraft umwandeln.
Agni im Yoga steht es fĂŒr diese Transformation durch Hitze, Energie, Bestrebung und Selbstdisziplin, hin zu einem tieferen Gewahrsein der Ganzheitlichkeit und Verbundenheit.
Es ist die Umwandlung von all dem was in uns fest, hart, abgegrenzt, limitiert, unbeweglich, eng, dunkel und schwer geworden ist.
Es ist das komplementĂ€re Prinzip zu Soma, des Loslassens, Empfangens, der RezeptivitĂ€t und der FĂŒlle.
Hatha Yoga nutzt dafĂŒr zuerst einmal den eigenen Körper und Atem. Durch Reinigen und Balancieren der Energien (Ha, Sonne, Agni und Tha, Mond, Soma) wird eine grĂ¶ĂŸere Bewusstseinskraft erzeugt (Kundalini oder Yoga Shakti) und ein transformativer Prozess der Selbsterkenntnis kommt in Gang.

Herausfordernde Zeiten sind ideal, um diese innere Arbeit zu machen, weil wir leichter mit unseren negativen Tendenzen in Kontakt kommen.
Gleichzeitig bemerken wir dann auch oft deutlicher den Wunsch, und die Notwendigkeit, nach VerÀnderung.
Wir erkennen, dass etwas nicht ok ist, dass etwas schieflÀuft, das etwas in mir und in meinem Leben nicht ok ist und das nur ich etwas dagegen tun kann.

Das ist der yogische Ansatz, nennen wir es mal so und diese Einsicht braucht schon ein gehöriges Maß an Bewusstsein, weil es bedeutet Verantwortung fĂŒr sich selbst zu ĂŒbernehmen. Das ist gar nicht so selbstverstĂ€ndlich.
Die andere Reaktion ist, und leider oft: wir weichen aus und geben anderen wie z.B. Partner, Eltern, Staat, Politikern, Corona oder dem Schokoladenkuchen die Schuld!
Obwohl ich im Fall des Schokoladekuchens großes VerstĂ€ndnis habe, ist das Erkennen und Ablegen des Beklagens und der Opferhaltung, welche sich in Aggression nach außen oder zu sich selber Ă€ußern kann, elementar; vielleicht das wichtigste was wir machen können, um im Leben weiterzugehen.

Das geht nur wenn ich mich auf einer fundamentalen Ebene in der Welt wiedergespiegelt sehe und die Trennungen, Abspaltungen, VerdrÀngungen und Fragmentierungen in meiner Psyche aufdecke und wieder integriere.
TatsĂ€chlich ist das impliziert in der Wortwurzel des Wortes Yoga, yuj fĂŒr anjochen, zusammenbinden, anspannen, anschirren.
Es ist ein Überwinden aller PolaritĂ€ten. Es ist ein Aufruf gut/schlecht, schön/hĂ€sslich, links/rechts, mĂ€nnlich/weiblich, weltlich/spirituell hinter sich zu lassen zu einer Ebene, die all diese DualitĂ€ten hervorbringt.

Yoga ist die Anerkennung und Realisierung das alles miteinander organisch verbunden ist mit bestimmten QualitĂ€ten und Eigenschaften und dadurch alles, auch wir, einen wichtigen Beitrag leisten zu diesem „Lebensgewebe“. Mehr noch: In der letzten Analyse ist fundamental alles Eins. Das Individuum ist Ausdruck einer zugrundeliegenden Verbundenheit und Einheit und diese Einheit drĂŒckt sich in Vielheit aus. Durch dich und mich.
Was jeder von uns in diese Verbundenheit gibt, welche Einstellungen, Gedanken und Handlungen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Gesamtheit.

Das dunkle Feuer der Trennung

In unserem tÀglichen Leben empfinden wir das jedoch jedoch oft völlig anders:
Wir empfinden uns als insignifikant und machtlos dem ‚Großen Ganzen‘ gegenĂŒber.
Einfach deshalb, weil wir den Kontakt dazu verloren haben.

Das GefĂŒhl von Kleinsein, Machtlosigkeit, Ohnmacht, Unwichtigkeit, Belang- und Bedeutungslosigkeit und Opfersein ist Ausdruck eines abgespaltenen und egozentrischen Bewusstseins ohne Verbindung zur Gesamtheit. Damit einher geht heimlicher (oder nicht so heimlicher) Wunsch nach Beherrschung, GrĂ¶ĂŸenwahn, Kontrollsucht und Narzissmus.

Die Auswirkungen dieser Spaltung sehen wir im schlechten ökologischen Zustand unserer Erde, in Krieg und Hass, in Umweltzerstörung und Artensterben, im erbarmungslosen Umgang mit den Tieren in einer industrialisierten Landwirtschaft aber ebenso im individuellen Leid wie Depressionen, AngstzustÀnden, Drogen-und Arzneimittelsucht, Einsamkeit, Nihilismus, und Fundamentalismus

All das sind die FrĂŒchte eines alten kollektiven Paradigmas der Trennung zwischen Mensch und Natur, zwischen Mensch und Kosmos, zwischen Geist und Körper, Vernunft und GefĂŒhl. Es ist ein lineares mechanistisches und reduktionistisches Weltbild in welchem das Subjekt in eine Welt voller fremder Ă€ußerer Objekte blickt, welche entweder nĂŒtzlich, nutzlos oder gar feindlich sind. Aber mit denen wir eigentlich nichts zu tun haben.
Nur wenn ich etwas als fundamental getrennt und anders empfinde, kann ich es ausnutzen und ausbeuten – fĂŒr den eigenen Profit ohne RĂŒcksicht auf andere Lebensformen oder sogar die eigenen Lebensgrundlagen.
Andererseits, wenn ich spĂŒre das die Welt ein Teil von mir ist, oder sogar auf tiefer Ebene identisch und ich das auch so empfinde, gehe ich auch respektvoll mit ihr um.

Viele von uns erkennen und spĂŒren, dass es so nicht weitergehen kann. Und in der Tat:
Nur wir können die Achtsamkeit und das heilige Feuer wieder in die Welt bringen: in unsere eigene Welt, in der Art wie wir uns selbst betrachten, wie wir miteinander umgehen und durch herausfinden, welche Werte wir wirklich leben wollen.
Eine andere Welt, ein neues Feuer, eine neue Geschichte muss durch jeden von uns, durch eigenen Einsatz und der Auseinandersetzung mit dem Paradigma in uns selber geboren werden. Yoga kann uns dabei unterstĂŒtzen. Vor allem wenn wir die Idee, von dem was Yoga ist, erweitern.

Das Feuer der Heilung

Yogapraxis ist nicht nur eine Praxis fĂŒr das eigene persönliche Wohlbefinden, sondern hat Implikationen die weit darĂŒber hinaus gehen: man könnte sagen,

Yoga ist die Realisierung eines einzigen großen Ökosystems.

So gesehen beginnt Yoga, wenn wir unser Kleinheitsdenken und Zweifel hinter uns lassen und anfangen unser Leben in den Dienst einer grĂ¶ĂŸeren Energie und Verbundenheit zu stellen.
Sich selber Annehmen und Lieben zu lernen ist der SchlĂŒssel, abgesehen
von einem tiefempfundenen, nicht nur mentalem, Wunsch nach VerÀnderung.
Eigene Heilung auf der persönlichen Ebene ist die Voraussetzung taube und narkotisierte Bereiche neu zu beleben und ĂŒber das persönliche hinauszugehen.
Sich zu erlauben wieder zu spĂŒren und seine SensitivitĂ€t zu entdecken ist enorm wichtig.
Eigene Werte und Intentionen zu hinterfragen und neu auszurichten, am besten auf das Höchste (hier keine falsche Bescheidenheit
) gibt uns Raum zu wachsen und alten Ballast abzuwerfen.
Nur wenn wir unsere eigene Welt verÀndern, verÀndern wir die Welt um uns herum.

Wir können z.B. beginnen unsere Lebensfeuer in verschiedenen Aspekten zu untersuchen und langsam versuchen das Brennen der Flammen in diesen Bereichen zu verbessern.

Auf individueller Ebene werden im Yoga und Ayurveda 3 Feuer unterschieden:

1. Das Verdauungsfeuer des Körpers, Jatharagni:

Wie ernÀhre ich mich? Nahrung wird zu unserem Körper und hÀlt ihn aufrecht.
Gesunde, möglichst natĂŒrliche und vegetarische Nahrung ist am besten geeignet, um das Verdauungsfeuer optimal am Brennen zu halten.
Abgestimmt auf unsere individuelle Konstitution, wie im Ayurveda empfohlen, versorgt es die Körpergewebe mit den nötigen hochwertigen NÀhstoffen und hat dann direkt Einfluss auf unsere Energie.
Vegetarische und regionale ErnÀhrung schont Ressourcen, verbraucht weniger Wasser und ist nachhaltig.
Im Kontext des Yoga ist Ahimsa (Gewaltlosigkeit) eines der wichtigsten Prinzipien. Fleischlose ErnĂ€hrung fĂŒgt anderen Wesen am wenigsten Leid zu.

2. Das Energetische Feuer, Pranagni

wird erzeugt und aufgebaut durch ist all das was uns Energie gibt
oder nimmt.
Atem und die Umwandlung von Sauerstoff in Lebenskraft durch AtemĂŒbungen und bewusstes Atmen sind hier wichtig.
Die Verbindung zu Natur ist der beste Energielieferant: SpaziergÀnge im Wald, frische, saubere Luft, ausreichend Bewegung und Sport.
Macht mir meine Arbeit Spass und erfĂŒllt sie mich? Ist sie in Übereinkunft mit meinen tieferen Werten und Überzeugungen?
Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die QualitÀt der Beziehungen, die wir haben.
Sind sie erfĂŒllend, liebevoll und nĂ€hrend oder kosten sie uns Energie und ziehen uns runter?
Beziehungen zu Gleichgesinnten (im Yoga Sangha genannt) gibt UnterstĂŒtzung und Motivation.

3. das Geistige Feuer, Manas Agni

Es wirkt im Geist durch die Umwandlung und Verdauung von SinneseindrĂŒcken in unsere mental – emotionale Erfahrung.
Welche Gedanken kreisen im Kopf und kultivieren wir auf tÀglicher Basis, welche Ideen und Sichtweisen nehmen wir auf?
In der Psychologie des Yoga ist der Geist selber ein Teil der Natur und natĂŒrlichen GesetzmĂ€ĂŸigkeiten unterworfen. Der Geist wird aufgebaut aus den SinneseindrĂŒcken, welche in eine scheinbar kohĂ€rente Welt interpretiert werden.
Deshalb ist Achtsamkeit fĂŒr mit was wir den Geist ernĂ€hren so wichtig. Sind es negative, polarisierende, extreme oder anderweitig schwerverdauliche EindrĂŒcke?
Damit das Geistfeuer optimal brennt braucht es gut verdauliche Nahrung, kein ĂŒberstimulierendes Junkfood welches zu innerer Verstopfung fĂŒhrt.
Gleichzeitig wird empfohlen die FĂ€higkeit der Beobachtung der Gedanken zu trainieren, um seine zugrundeliegende Weite und Klarheit zu erfahren.
Genauso, wie wir nicht stĂ€ndig essen sollten braucht auch der Geist natĂŒrliche Pausen der Stille und Erholung.
Welche Werte strebe ich an? Lebe ich sie oder sind es nur schöne Ideen?
Dreht sich alles um mich und meine kleine Welt oder weite ich meine Perspektive und stelle meine Energie in den Dienst zum Wohle aller?
Auseinandersetzung mit SpiritualitÀt, Lesen von inspirierenden Texten, hören von passender Musik und Mantras, BeschÀftigung mit Ideen die Harmonie, Vergebung und Liebe betonen, stÀrken  diese Eigenschaften in uns.
Die Kultivierung einer WertschĂ€tzung und Zufriedenheit fĂŒr das was wir haben und unserer natĂŒrlichen Lebensgrundlagen, von denen wir abhĂ€ngen hilft, positive Emotionen und Dankbarkeit zu erfahren. Auch hier gilt: die Rhythmen, Farben und GerĂ€usche der Natur haben die grĂ¶ĂŸte Heilkraft auf den Geist.

Langsam eine eigene regelmĂ€ĂŸige, integrale Yogapraxis zuhause zu etablieren ist ein guter Anfang.
Lieber kleine Schritte als zuviel vornehmen!
Lebenstilanpassungen inspiriert von Ayurveda und Yoga und eine allgemeine Spiritualisierung des Alltags schaffen den Kontext fĂŒr positive VerĂ€nderungen und helfen Yoga auf alle Aspekte des Lebens auszudehnen.
Jetzt ist der beste Zeitpunkt damit zu starten oder die Praxis zu intensivieren und das Agni zu einem starken Feuer werden zu lassen.

Und als Erinnerung:
FĂŒr Yoga braucht man nicht flexibel sein oder spezielles Wissen.
Yoga ist das Einstimmen auf die eigene Essenz – und diese zu leben.
Es ist das vollstĂ€ndige Partizipieren in der FĂŒlle des gegenwĂ€rtigen Moments.
Egal ob mit oder ohne sogenannter Krise.
Dann ist jeder Atemzug pures Soma (Nektar)

Gerade jetzt kommt es darauf an, dass unser Feuer stark und ausgeglichen brennt.

Keep the fire burning
much love,
Ralf

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

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oáčƒ mahājvālāya vidmahe

agnidevāya dhīmahi

tanno agniង pracodayāt

Wir meditieren ĂŒber Agni, den stark Lodernden. Möge Agni mir Klarheit geben.
Oh Agni, bitte bringe mir Erkenntnis und Inspiration.

 

 

Identifikationen tranzendieren – Yoga Aktuell feat. Ralf Schultz Dez. 2020

Identifikationen tranzendieren – Yoga Aktuell feat. Ralf Schultz Dez. 2020

Feat. in yoga aktuell – Dez 2020

Yoga
und die destruktive Kraft der Identifikation
oder: Warum in jedem von uns ein Rassist schlummert

Yoga als Begriff deutet auf etwas hin was ĂŒber Kultur, Namen, Geschlecht, GruppenidentitĂ€t, Nation, Rasse, Ideologie, Idee und Konzept hinausgeht. Es ist die Erkenntnis dessen, was all die individuellen Ausdrucksformen, Lebensformen und Manifestationen hervorbringt, verbindet und erhĂ€lt.
Wie viele wissen, Verbindung oder Einheit ist eine der gelÀufigen Definitionen des Wortes Yoga.

Yoga aktuell video

Indentifikationen Tranzendieren - Originaler Text

Yoga - und die destruktive Kraft der Identifikation

Yoga Aktuell Dez 2020

Yoga
und die destruktive Kraft der Identifikation
oder: Warum in jedem von uns ein Rassist schlummert

Yoga als Begriff deutet auf etwas hin was ĂŒber Kultur, Namen, Geschlecht, GruppenidentitĂ€t, Nation, Rasse, Ideologie, Idee und Konzept hinausgeht. Es ist die Erkenntnis dessen, was all die individuellen Ausdrucksformen, Lebensformen und Manifestationen hervorbringt, verbindet und erhĂ€lt.
Wie viele wissen, Verbindung oder Einheit ist eine der gelÀufigen Definitionen des Wortes Yoga.
So wie eine individuelle Welle, obwohl einzigartig, in ihrer Essenz immer Wasser bleibt und somit den Ozean in sich trÀgt. Oder wie Inseln im Ozean durch den Meeresgrund miteinander verbunden sind. Was man sieht sind die individuellen Inseln aber nicht die zugrundeliegende Verbindung oder gar die IdentitÀt mit einer fundamentalen RealitÀt.
Je nach Kultur, Zeit und Tradition wurde diese Ebene, dieses Einheitsprinzip unterschiedlich ausgedrĂŒckt: Essenz, Leben, Liebe, Bewusstsein, Gott, Shiva, Kali, Wakan Tanka, Selbst, Quantenfeld, Shunya, Purusha, etc


Wir alle, oder zumindest diejenigen von uns die sich mit Yoga oder SpiritualitÀt beschÀftigen, haben diese Worte schon gehört. Aber wie machen wir aus diesen Worten, Ideen und Konzepten eine gelebte RealitÀt?

Manchmal wird gesagt, diese Essenz wird im Herzen erkannt.
Nicht Herz im Sinne von EmotionalitĂ€t, eher als Ausdruck und Symbol einer inneren ganzheitlichen ErkenntnisfĂ€higkeit, die den Intellekt weit ĂŒbersteigt.
Wie hier aus einer alten Schrift, der Mundaka Upanishad:

“Hell, aber verborgen wohnt das Selbst im Herzen.
Alles was sich bewegt, atmet, öffnet und schließt,
lebt im Selbst. Es ist die Quelle der Liebe
und mag durch die Liebe erfasst werden,
aber nicht durch das Denken”

Yoga geht in diesem Sinne weit ĂŒber verschiedene Stile, Lehren, Tradition, Sichtweisen, spirituelle Systeme oder Praktiken hinaus, obwohl es diese natĂŒrlich nutzt. Es bezieht sich auf die grundlegende IdentitĂ€t der individuellen „Welle“ mit dem Ozean, mit der Gesamtheit.
So gesehen ist jede Manifestation egal auf welcher Ebene und egal welche Form der RealitĂ€t sie annimmt ein Ausdruck einer grĂ¶ĂŸeren Verbundenheit. Soziale und politischen Aspekte sind keineswegs außerhalb dessen, was wir als Thema von Yoga bezeichnen können. Schlussendlich kann jede Art von Erfahrung, die wir von Moment zu Moment machen, ein Zugang sein, durch den wir Yoga erfahren können. Oder anders ausgedrĂŒckt: jeder Moment
ist die einzige Möglichkeit Yoga zu erfahren und die wahrgenommene Trennung zwischen mir und der Welt aufzulösen.

Yoga als Weg der Erforschung Irgendwann mĂŒssen wir deshalb auch die Trennung zwischen „Yoga“ – oder meiner Yogapraxis -und dem Rest des Lebens hinterfragen und so unsere Sicht auf Yoga erweitern.

Was hilft mir die schönste Yogapraxis, wenn dabei mein Herz verschlossen bleibt und sich innerlich nichts verĂ€ndert? Wenn sich weiter alles nur um mich dreht, und die Zuflucht in „mein“ Yoga zu einem Bollwerk wird, genauso wie fixierte politischen Meinungen oder rigide Vorstellungen was man essen soll oder nicht?
Es ist sicherlich nicht damit getan ein- oder zweimal pro Woche zu einem Yoga-Kurs zu gehen, tief zu atmen, das richtige Outfit zu tragen, die richtigen Mantras zu singen oder die richtigen Dinge zu sagen. Positives Instagram und Facebook Profil inklusive.
Traditionell ist Yoga keine eindimensionale Sache. Es gibt viele Formen, Traditionen und Sichtweisen. Viele auch, in denen Asana, die Haltungen, nur eine geringe oder gar keine Bedeutung haben. Das ist unter anderem deshalb, weil Yoga von den Menschen lebt, die es praktizieren und leben und es braucht nicht unbedingt eine elaborierte Asanapraxis dafĂŒr.
Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen wird zum Portal fĂŒr die Erkenntnis der zugrundeliegenden Einheit.
Oder wie es in der Rig Veda, eines der Ă€ltesten spirituellen Texte der Menschheitsgeschichte, frei ĂŒbersetzt, heißt:

„Die Wahrheit ist Eins, die Wege dahin sind vielfĂ€ltig“

Im Kern kann man Yoga als eine offene, undogmatische Untersuchung des Lebens in all seinen Aspekten verstehen. Eine Untersuchung mit einem offenen Ende ohne vorgefertigte Antworten. Wie Untersuche ich das Leben? Indem ich mich selbst erforsche!
Es deutet auf die Möglichkeit hin, dass jeder potenziell fĂ€hig ist, innere Barrieren zu ĂŒberwinden und innerlich frei zu werden. Die spezifischen Praktiken und Methoden sollen uns dabei unterstĂŒtzen, sind aber nicht das ultimative Ziel.

Diese Form der Erforschung braucht – um fruchtbar zu sein – eine wichtige Voraussetzung: Die Yogis nennen es Satya, Wahrhaftigkeit, oder auch Ehrlichkeit sich selbst gegenĂŒber.
weil – potenziell – tragen wir alle Aspekte des Lebens in uns, auch jene, die wir ablehnen.
Fundamental werden
Die innere Dimension des Yoga erschließt sich, wenn wir erkennen, dass unsere GefĂŒhle, Vorstellungen und Meinungen, obwohl sie sich individuell einzigartig ausdrĂŒcken und erfahren werden, gar nicht so persönlich sind wie wir meinen. Sondern sie stellen, jenseits der individuellen Manifestation, Energieformen dar, die einen universellen Charakter haben.
Es gibt Energieformen von Wut, Hass, Freude, Eifersucht, Liebe, Zuneigung usw.
(in frĂŒheren Zeiten wurden diese als Götter ausgedrĂŒckt), das ganze Spektrum der menschlichen Erfahrung, die jeder von uns erfĂ€hrt.
Ob ich die „Rechten“ hasse oder die „Linken“, die gemeinsame Ebene, der verbindende Faktor auf mental-emotionaler Ebene, ist Hass und Groll, der auf eine spezifische Gruppierung gerichtet wird. Was ist wichtiger zu bekĂ€mpfen? Die Spezifizierung d.h die Gruppe, den Anderen, oder das dahinterliegende, fundamentale Prinzip?
Es ist offensichtlich immer wichtiger die tiefere Ebene zu erkennen und zu transformieren.

Yoga ist so ein alchemistischer Prozess der Transformation von „niederen“ Energieformen (Neid, Hass, Selbstsucht
) in das Licht des Erkennens von Shiva ;).
Yoga verbindet unsere biologische, gegebene Natur, mit all den „vererbten“ Flucht- / Kampfmechanismen, Abwehrstrategien und UrĂ€ngsten die in den tiefen, alten Gehirnschichten unbewusst wirken, mit dem höchsten spirituellen Potential der Befreiung und der Realisierung von grenzenloser Verbundenheit. Psychologisch ausgedrĂŒckt ist es die Verwandlung des Unbewussten und des Schattens in das pure Gold des integrierten Selbst, wir verwandeln unsere eigene Dunkelheit in Licht.
Konzeptionelles Verstehen reicht nicht

Der Schatten ist all das was wir verdrĂ€ngt oder nach außen projiziert haben. Ein als negativ erkannter Mechanismus zu verstehen reicht allerdings nicht aus, um ihn grundlegend zu verĂ€ndern, obwohl es sicherlich ein erster Schritt sein kann sich zu bilden und aufzuklĂ€ren. Man kann auch die GrĂŒnde von Krieg, Ungleichheit und Rassismus wunderbar erklĂ€ren und intellektuell verstehen und viele Doktorarbeiten und Studien darĂŒberschreiben, oder hitzig darĂŒber diskutieren und trotzdem Ă€ndert sich auf grundlegender Ebene nicht viel. Dasselbe trifft auch auf unsere inneren Blockaden und Hindernisse zu.

Die Tiefe der Erforschung hĂ€ngt davon ab ob wir bereit sind mit unseren Identifikationen – und Schatten – in Kontakt zu treten, sie aufzudecken, zu fĂŒhlen und zu integrieren.
Nur durch eigene Erforschung, den eigenen Mut und die eigene Anstrengung finden wir unseren ganz eigenen Weg zu Einheit und Verbundenheit. Mut deshalb, weil es nur funktioniert wenn wir aufhören die Schuld anderen zu geben.
Das kann unser Selbstbild erschĂŒttern und uns schlussendlich mit dem Unbekannten und Unsicheren innerlich konfrontieren – mit all dem, was wir vorher nur im Außen gesehen und oft abgelehnt haben. Trauen wir uns den eigenen inneren Rassisten, Sexisten, Diktator und Terroristen zu entdecken, anzuschauen, zu fĂŒhlen, anzuerkennen und zu integrieren?

Unangenehme Wahrheit:
In uns allen schlummert ein kleiner Rassist

Am Beispiel von Rassismus haben Psychologen festgestellt, das rassistische Vorurteile bei jedem Menschen angelegt sind. Es ist eine Art Abwehrmechanismus gegen das potentiell Unbekannte, Fremde und damit potentiell Gefahrvolle.
Schon im Alter von 3 Jahren ordneten die Kleinen heller Haut ohne Zögern positive Eigenschaften zu und dunkler Haut eher negative. Das ist keine böse Absicht, sondern das unbewusste ĂŒbernehmen von Zuschreibungen durch die Umgebung in Zusammenspiel mit Evolutionsbiologisch verankerten Mechanismen.

Alleine die Unterscheidung zwischen Hell und Dunkel ist vielleicht das Àlteste Reaktionskette, die wir in uns tragen.
Werden dann Ă€ußere Merkmale mit tiefen Emotionen verknĂŒpft entstehen kraftvolle unbewusste Überzeugungen.
Forscher haben in einem „Impliziten Assoziationstest“ gemessen, wie eng zwei Begriffe im Gehirn miteinander verbunden sind. Weil „weiß und gut“ im Gehirn fester verknĂŒpft sind als „schwarz und gut“, reagiert das Gehirn von Menschen auf die erste Kombination deutlich schneller und positiver.

Vorurteile und Diskriminierungstendenzen sind eng mit der Entwicklung der eigenen IdentitĂ€t verwoben, mit dem GefĂŒhl, wohin man gehört und wer man ist. FĂŒhlt man sich in seiner IdentitĂ€t bedroht, dann macht sich das Ablehnungspotential in uns bemerkbar.
Die Kraft der Identifikation und das Ich Identifikation heißt, ich verbinde mein SelbstgefĂŒhl, mein Ich-GefĂŒhl und meinen Selbstwert mit bestimmten Attributen und QualitĂ€ten und Vorstellungen und definiere mich durch sie. Das „Ich“ ist aus yogischer (und neurowissenschaftlicher) Sicht keine wirklich statische Einheit, fixiert und abgekapselt, sondern setzt sich aus Erinnerungen, Erfahrungen, Zuschreibungen, und Attributen zusammen die sich immer dynamisch und in AbhĂ€ngigkeit von Erziehung, Freundeskreis und anderen UmwelteinflĂŒssen und inneren PrĂ€dispositionen gebildet haben
und verĂ€nderbar sind.

“Ich” identifiziere und erfahre mich als mĂ€nnlich/weiblich, bi, Hetero, queer, als liberal, national, progressiv, konservativ, als Doktor, Arbeiter, Arm, Reich, Sozialist, Wissenschaftler, Familienmensch, Individualist, Sportler, Musiker, Kommunist, Mutter, Hindu, Christ, Jude, Deutscher, EnglĂ€nder, Lehrer, SchĂŒler, Sohn, Yogi, Yogalehrer

Wir alle investieren in Vorstellungen, Rollen und Sichtweisen die uns, dem Ich, Sicherheit, StabilitĂ€t, Schutz, Geborgenheit und ein gutes GefĂŒhl vermitteln sollen. Es ist zuerst mal ein notwendiger Mechanismus und Teil jeder Persönlichkeitsentwicklung. Es vermittelt uns als getrennte, autonome Wesen ein GefĂŒhl von Sinn und Besonderheit und hilft uns durch die Welt zu navigieren.
Manchmal als Ego ausgedrĂŒckt, tendiert es allerdings dazu unbeweglich, dicht und starr zu werden und bringt so Entfremdung und Leiden.
Wie erkennen wir unsere Identifikationen?

Durch die Vorlieben und Abneigungen und den starken Meinungen, GefĂŒhlen und Emotionen die damit verbunden sind. Diese kommen zum Vorschein u.a. wenn wir kritisiert oder in Frage gestellt werden; z.B. wenn ich mich mit der Rolle des Musikers identifiziere macht es mir unter UmstĂ€nden wenig aus, wenn man mich wegen meiner saloppen Kleidung kritisiert. Wenn man mich aber offen als „schlechten Musiker“ bezeichnet trifft das meinen Selbstwert unter UmstĂ€nden immens.
Das gleiche gilt natĂŒrlich im selben Maße, wenn ich mich als „Yogi‘ oder mit dem Attribut „spirituell“ identifiziere und mich dadurch irgendwie besser oder zumindest „bewusster“ empfinde.

Weitere Hinweise:

– Abwehrreaktionen wie Verleugnung und Projektion
– den Drang sich zu rechtfertigen und zu verteidigen
– starkes „Recht haben“ wollen
– inneres be- und abwerten anderer Meinungen und Personen
– Rationalisieren und Intellektualisieren
– innere Kontraktion, RĂŒckzug, Taubheit
– Ärger, Aggression
– Festhalten an Meinungen und Gewohnheiten

Wir alle fĂŒhlen uns natĂŒrlicherweise zu der einen oder anderen Ansicht, Person oder Gruppe mehr zugehörig als zu einer anderen. Wir haben unterschiedliche Meinungen und Einstellungen und vertreten unterschiedliche Perspektiven; und genau das macht die Welt zu einem bunten und schönen Ort.

Wenn diese „Besonderheit“, sei es Individuell oder in Form von GruppenidentitĂ€t, allerdings zum Maßstab der ultimativen Wahrheit, Sicherheit und Zuflucht wird und dadurch andere Gruppen und Meinungen verachtet, bekĂ€mpft und abgewertet werden und keine Verbindung mehr besteht zu der zugrundeliegenden Verbundenheit, wird es destruktiv.
Die Menschheitsgeschichte ist ein Beispiel fĂŒr den zerstörerischen Effekt auf kollektiver Ebene durch den Wahn von Ideologien und GruppenidentitĂ€ten.

Yoga: mehr als persönliche Wellness und Stressreduzierung
Yoga ist in seinem Kern nicht nur eine Praxis des persönlichen Wohlbefindens und des „WohlfĂŒhlens“, wie wichtig das auch sein mag, sondern wir tragen im Idealfall dazu bei, die Welt um uns herum durch unser Beispiel positiv zu beeinflussen und zu verĂ€ndern – eben dadurch, weil wir tief erkennen, dass wir nicht von ihr getrennt sind.

In diesem Licht gesehen ist es unmöglich, eine echte positive Kraft zu erzeugen, ohne zuerst diese vereinigende Ebene in uns selbst zu entdecken, was bedeutet, den Griff des Ego und seiner vielen Identifikationen zu lockern.
Dies kann ein unangenehmer und schwieriger Prozess sein, schließlich mĂŒssen wir das gesamte Spektrum dessen, was Leben bedeutet, von Schwarz bis Weiss, in uns selbst erfahren und fĂŒhlen und uns auf unsere eigene Verletzlichkeit einlassen.

Trotzdem ist das unabdingbar, denn solange wir nicht selbst in diesem Grund der Einheit verankert sind, oder zumindest Schritte in diese Richtung machen, und nicht durch die Unterschiede und Ă€ußeren Manifestationen hindurch das Erkennen was uns alle verbindet, werden wir immer von einem Ort der eigenen inneren Fragmentierung und Spaltung agieren beziehungsweise reagieren.
Bewusstsein, Begegnung und Kontakt

In einem Grundschulprojekt in Ostdeutschland wurde mit den SchĂŒlern gelesen und erforscht, wie andere Kinder in fremden LĂ€ndern leben. Sie ĂŒbten, Kinder aus anderen Klassen bei ihren Spielen mitmachen zu lassen und möglichst viele „Gruppenzugehörigkeiten“ aufzubauen. Mit Erfolg, Vorurteile wurden enorm abgebaut und die Empathie FĂ€higkeit stieg an.
Genauso funktioniert es auch auf der inneren Ebene. Nur wenn wir direkt den Kontakt zu unserem Schatten herstellen, zu all den abgespaltenen Anteilen der Psyche und sie uns bewusst machen, kennenlernen und anerkennen, werden wir sie integrieren können.
Beobachten lernen: Meditation
Die Praxis der Meditation kann ein Werkzeug werden, um innere Identifikationen zu erkennen. Wir lernen durch die Lenkung der Achtsamkeit nach Innen unsere Mechanismen, Gedanken und Emotionen zu beobachten, ohne sofort zu reagieren.
Wir schaffen einen inneren Raum der Offenheit in dem alle Bewegungen vorurteilsfrei anerkannt und gesehen werden. Ein erster Geschmack von Freiheit entsteht, wenn wir erkennen, dass wir nicht allen Gedanken und Emotionen ausgeliefert sind, sondern sie in einem Feld grĂ¶ĂŸeren Gewahrseins ziehen lassen können.

Diese meditative Grundhaltung kann man auch im aktiven Alltag kultivieren. Man spĂŒrt wie sich der Bauch anspannt wenn man in einer Warteschlange steht, bemerkt die negativen Urteile ĂŒber andere Menschen, bemerkt die Gedanken die daraus resultieren aber man folgt ihnen nicht, sondern konzentriert sich auf den Atem oder auf den inneren Raum der Wahrnehmung selber.
Die Vermittlung von Meditation ist vielleicht eines der wichtigsten Projekte auf gesellschaftlicher Ebene, besonders in Schulen, Jugendeinrichtungen und sozialen Brennpunkten.

Dieses Verbundensein jenseits von allen Grenzen zu erkennen und daraus eine gelebte RealitĂ€t werden zu lassen ist auch kein wirklicher Luxus mehr, sondern vielleicht eine Frage des Überlebens. Yoga so verstanden hat das Potenzial unsere Werte, Ziele und Sichtweisen auf privater, aber auch gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Ebene grundlegend und positiv zu verĂ€ndern. Wenn wir die Erde zu einem besseren, bewussteren Ort machen wollen mĂŒssen wir mit uns selbst anfangen, Schritt fĂŒr Schritt.
Wir erfahren uns dann als Teil des großen, holistischen, unergrĂŒndlichen und magischen Gewebes der Natur, verbunden mit jedem Menschen, den Tieren, Pflanzen, der Erde und dem Himmel, wo alles miteinander in lebendiger Beziehung steht, und alles seinen Platz hat Das bedeutet jedoch nicht das wir passiv alles akzeptieren und zulassen. Im Gegenteil, erst aus der gefĂŒhlten ganzheitlichen Verbindung heraus erkennen wir sehr genau die Unterschiede. Wir sehen was diesem Gewebe guttut und positive Impulse gibt und was nicht und können aus diesem direkten erkennen heraus agieren.
So stellen wir unsere ganz individuellen und einzigartigen Talente und FĂ€higkeiten in den Dienst dieses grĂ¶ĂŸeren Organismus dessen wir Teil sind,
Die individuelle Welle erkennt sich selbst im Ozean wieder.
Unser Herz kennt das Geheimnis.

“When I was the stream, when I was the
forest, when I was still the field,
when I was every hoof, foot,
fin and wing, when I
was the sky
itself
No one ever asked me did I have a purpose, no one ever
wondered was there anything I might need,
For there was nothing
I could not
love”
Meister Eckhart

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Om Namah Shivaya,

much Love,
Ralf Schultz

 

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Yoga & Religion – Ist Yoga Gottesdienst?

Yoga & Religion – Ist Yoga Gottesdienst?

Yoga & Religion
Ist Yoga Gottesdienst?

Ich werde nie die Antwort vergessen, die ich bekommen habe, als ich einen jĂŒngeren Mann nach seiner ersten Yogastunde gefragt habe wie die Erfahrung fĂŒr ihn war:

„Yoga ist wie eine Mischung aus Gottesdienst und Synchronschwimmen“

Wo er Recht hat hat er Recht. Besonders der Ausdruck „Synchronschwimmen“ wirft eine neue Perspektive auf Yoga. Aber auch eben Gottesdienst: Man spielt andachtsvolle Lieder (Mantren) rezitiert Litaneien (Chants) singt zusammen, fĂŒhrt rituelle Gesten aus, der Priester (Yogalehrer) hĂ€lt eine salbungsvolle Predigt und alle bewegen sich synchron zum choreografierten Ablauf.
SpÀtestens am Ende versenkt sich die Gemeinde in die Andacht Gottes. (Meditation, Shavasana)

Desweiteren höre ich immer wieder nach einer Yogastunde ekstatische Äußerungen wie: „göttlich“ „himmlisch“ oder „herrlich“, „Ich fĂŒhle mich total verbunden“, â€žĂŒberirdisch“

Wenn das keine klaren Indizien sind!

Laut Wikipedia definiert sich Gottesdienst so:
Ein Gottesdienst ist eine Zusammenkunft von Menschen mit dem Zweck, mit Gott in Verbindung zu treten, mit ihm Gemeinschaft zu haben


Na also. Obwohl, hier kommen wir vielleicht doch mit gewissen Schwierigkeiten in Kontakt. Die erste ist natĂŒrlich: Was meinen wir eigentlich mit Gott? Und wie treten wir mit ihm in Kontakt?

Schwieriger Gottesbegriff

Gott kann ja alles mögliche Bedeuten und dadurch fast schon wieder gar nichts. Den Begriff “Gott” scheinen viele verschiedene Gruppen, Camps, Religionen und Mannschaften, fĂŒr sich zu beanspruchen und auf ihre eigene Art und Weise exklusiv zu definieren. Es gibt dann einen christlichen, islamischen, evangelikalen, methodistischen, hinduistischen, atheistischen, theologischen, psychoanalytischen, und sonstigen Gottesbegriff; mit bestimmten „special features“, Attributen und Eigenschaften die eher auf eine soziale und kulturelle Funktion schließen lassen. Religion scheint so eher eine Möglichkeit der exklusiven Identifikation, Abgrenzung und empfundenen Sicherheit zu sein als der Verbindung. Die vielen Konflikte und Kriege im Namen Gottes und von Religionen sind leider ein trauriges Zeugnis davon.

Auch wenn man sich selbst als nicht religiös betrachtet, manche sagen dazu, sÀkular und modern, ist die Kraft und Tiefendimension der Gottesidee enorm und nicht zu ignorieren.

Als Yogalehrer kann man das manchmal merken und dosiert einsetzen, um eine dahinplĂ€tschernde Yogaklasse aufzupeppen und emotional interessanter zu gestalten: Ich lasse dann das Wort „Gott“ einfließen. Es ist erstaunlich:
Die Stimmung wird gleich prÀsenter und intensiver.

Trennung zwischen Gott und Schöpfung

Nicht nur auf der Ă€ußeren auch auf der inneren Ebene: die meisten der großen monotheistischen Religionen formulieren eine Trennung zwischen Gott und seiner Schöpfung (also uns und dem Leben hier auf der Erde). Die nach außen transportierte Geschichte geht ungefĂ€hr so: (es gibt noch eine innere, gnostische, aber lassen wir die mal beiseite)

Das Heilige ist irgendwo im Jenseitigen und Transzendenten und eine Verbindung kann nur durch ein befolgen bestimmter Regeln oder durch ein Bekenntnis zu einem auserwĂ€hlten Botschafter, bzw Sohn Gottes (Jesus z.b.) hergestellt werden. Irgendwie fand ich das schon immer verdĂ€chtig. Warum er und nicht ich? Was ist so speziell an Jesus? Er war ja Zimmermann – ein ehrbarer Beruf, aber das ist Bankkaufmann oder Yogalehrer auch. Und: Gott ist nicht hier und in mir, sondern irgendwo „da draußen“? Und nur durch den Glauben an einen bestimmten Gottmenschen, kann ich auch ein bisschen teilhaben? Und wenn ich mich dann zu einer bestimmten Gruppe bekenne, die das gleiche glaubt wie ich, bin ich Teil der Gemeinde. Die anderen sind angeschmiert, weil sie nicht das „richtige“ Glauben! Seltsame Geschichte.

Ich bin das – die Sichtweise des Yoga

Yoga negiert nicht unbedingt Religion, es ist selber verwoben mit einem religiösen Ausdruck, dem des Hinduismus. Allerdings: Yoga betrachtet die Verschiedenheit der Religionen und Gottesvorstellungen als Ausdruck einer tieferen zugrundeliegender Ebene der Einheit. So stoppt Yoga nicht auf der Ebene der Manifestationen d.h. der einzelnen Religionen, sondern nutzt diese um eine tiefere Dimension zu realisieren, die universell ist. Diese Dimension kann sich unterschiedlich, in im Prinzip unendlichen Möglichkeiten, zeigen:

Verschiedenheit in Einheit.
Einheit in Verschiedenheit.

Yoga kann man verstehen als ein praktischer Weg der Realisierung der Einheit.
Aber nicht der Einheit aller Religionen (ein seltsamer, libertÀrer Wunschgedanke meiner Meinung nach), Kulturen und Gruppen, sondern von Ebenen die auf gewisse Weise wichtiger, weil essentieller, sind als die Einheit der Religionen. (und falls uns Religionen nicht damit verbinden verfehlen sie ihren eigentlichen Zweck) Diese sind:

1. Einheit aller Menschen, jenseits aller Religionen, Kulturen, Rassen, Geschlechter, Ideologien und Glaubenssystemen.

2. der Einheit aller Lebensformen, als Tier, Pflanze, Erde, Mineralien


3. die Einheit allen Seins jenseits aller Dualismen wie Individuum und Kollektiv, Sein und Nichtsein, Transzendenz und Immanenz, Geist und Materie, Mikro und Makrokosmos.

Die QualitĂ€t die uns als Menschen diese Einheit spĂŒrbar vermittelt ist Liebe.
Falls Religionen das nicht vermitteln, jenseits aller Glaubensunterschiede, verfehlt sie ihre Aufgabe und wird zu einem Faktor fĂŒr Trennung und Spaltung.

Yoga geht ĂŒber Religion hinaus

Yoga selbst ist eine Tradition mit vielen verschiedenen Perspektiven und “Schulen”. Manche sind theistisch ausgerichtet und benutzen den Gottbegriff Ă€hnlich wie in der christlichen Sichtweise, andere wiederum kommen gĂ€nzlich ohne Gottesbegeriff aus. Generell werden im Yoga Unterschiede und Differenzierungen nicht abgelehnt, sondern als einzigartige ZugĂ€nge und Chancen begriffen. Religiöse Praktiken, wie Rituale, Beten, Singen etc können benutzt werden, sind aber nicht das Endziel. Das Ziel ist ein innerer Prozess der VerĂ€nderung, der Transformation des Bewusstseins und des Herzens. Damit etwas aufscheinen kann was schon immer da war. Unsere IdentitĂ€t mit der unergrĂŒndlichen Quelle allen Seins, der Quelle aller Liebe. Im Yoga als Shiva, Bewusstsein, Purusha und vielen anderen Namen ausgedrĂŒckt. Wir entdecken Jesus in uns – als uns!

Glauben ist dafĂŒr nicht genug, Es gibt auch keine Idee der Konvertierung zu einer bestimmten Religion oder Überzeugung durch ein Bekenntnis oder einem rein Ă€ußeren Ritus. Genauso wenig wie man zum Christen wird, nur weil man einmal in der Woche in der Kirche betet wird man zum Hindu, weil man einmal in der Woche eine Yogaklasse besucht und Om singt.

Es braucht die eigene individuelle Anstrengung und Bestrebung.
Eine spirituelle Praxis, eine sogenannte Sadhana. Es braucht das Feuer der Erforschung ohne Vorurteile. Ein „nach innen schauen“ um Shiva, das „Göttliche“ in uns zu entdecken und all das zu verbrennen was dem im Wege steht. Erforschen bedeutet eine Reise ohne fixiertes Ende. Ohne dogmatisches Festhalten an einer Vorstellung, Symbol oder einem bestimmten „Gott“. Das Objekt dieser Erforschung ist man selbst und kennt kein Ende. Das können wir heute machen. Jeder fĂŒr sich und zusammen.
Jetzt!

In diesem Sinne ist Yoga der wirkliche Gottesdienst indem es das Heilige dahin zurĂŒckbringt, wo es hingehört, nicht in die Kirchen, Moscheen und Tempel, sondern in uns, als uns: in unseren Körper, in die Natur, in jedes Ă€ußere Objekt, in jeden Moment, in jeden Atemzug, in jede Begegnung und Beziehung

Oder wie Pari, ein Musiker und Satsang Lehrer es so schön formulierte:

„Shiva (Gott) steckt in deiner Hose“

In diesem Sinne!

Hari Om Tat Sat
Ralf Schultz

 

 

 

 

 

 

 

 

When a wasp can kill you!

When a wasp can kill you!

It happened again. I just got stung again by a wasp and I am highly allergic.
For God’s sake!

After returning from a short intensive care in the nearby hospital, the third time so far, I thought I’d share some reflections:

Yes, I am fine, the combination of compassionate attentive ‘wateringâ€™đŸ’ŠđŸŒ± and caring with ice cream and delicious plum cake🍰 from Daisy that followed the trippy mixture of highly effective chemicals (to prevent allergic shock) streaming through my veins, left me with quite a laid back feeling of expansiveness, relaxation and non-thinking.

Nice…maybe thats the drug based medical idea of enlightenment in the 21th century
?
Seriously though in times like these, despite a certain alternative lifestyle, you feel suddenly very aware and grateful of modern medicine!

It’s a interesting thing to realise, that you can die from a little insect which is all the time around you…at least in summer…(or, just imagine, a virus;) which is even smaller and you can’t see) and that you, in the blink of an eye, can lose control over “your” Body completely.

He is just doing his own thing…
And “You” or the so called “I” has no influence on it at all…
The same is true with the mind. Although of course I had some thoughts of worry, they appeared distant and insubstantial and in no way “gripping” or able to explain anything or to give any “meaning” of what was happening.
Instead there was more a sense of a pertaining field of, one could say, presence, which seemed to be nothing special or specific.

I’ll have to ask Ramana Maharshi again on this 😀

In a certain strange way this experience was also very relaxing because there is nothing anymore to do,  to improve, to prevent or to do better or to change…the wasp has stung, the deed is already done…now you can only surrender to whatever may come.

Surrender is the one ‘action’ that can bring peace. To realise the fragility of life and the utter insignificance, from a certain perspective, of the “I” is a humbling experience.

It is really like this: the experience of life can end at any time, and “I” have no influence whatsoever about that. (in the same way I had no command about my birth).
I wonder: Am I not the center of the Universe? The focal point, the most important thing? Does not life owe me something? happiness, gratification, fulfilment of my desires, at least 80 years of having food, shelter, money and a so called “good life”?

So, wasps for me, are also a good reminder of that…a hidden fierce Zen Teacher…🐝

that Life is always a life-threatening affair and nothing can be taken for granted! …somehow within that notion, I suspect, lies the root of its immense beauty đŸŒŒ

In the words of the Poet Wallace Stevens:

Death
is the mother
of beauty;
hence from her,
alone,
shall come fulfilment
to our dreams
and our desires

From that acknowledgement of the impermanent and unknown nature of life, springs gratitude, connection and compassion. It’s hard to feel grateful for something when it is permanent. It is soon taken for granted; it is always there. Something permanent is the most boring and constricted thing ever.

So I guess, it helps to see some aspects of life as they are and to meditate on them:

* we try in all possible ways to find something safe and permanent
(and on a certain psychological level this is needed)

* on a fundamental level life is an unknown mystery and impermanent

* on the same level Life is not a very personal affair. Life is universal
and we do know not much about it.

How the hell to open up and attune to that?
I think it is only possible when one allows the suffering of the individual separate existence in form of limitations, insecurity’s and fears, to be seen and felt.

Thats not to say that I regard myself as fearless. On the contrary. I have always had a palpable fear of dying. But if I look at it closer, it is more the fear of losing.
Fear of losing the experience of this life, the loved ones, the cherished feelings, the sensory pleasures. Of losing this very person I invest so much in.

Myself

The deep fear right on the bottom of existence of:
not to be at all.

How to walk on this edge: the abyss of death and annihilation on one side and the comfort of the known on the other?
I have no idea, but it looks like they are two aspects of one and the same thing!
And as long as we are not accepting death as part of the whole, we cannot fully experience life.
And as long as we are not surrender “myself” to life and death itself, we suffer!

As the Tao Te Ching says:

Return is the movement of the Tao
Yielding is the way of the Tao
All things are born of being
Being is born of non-being

I personally think people in older times had a much more acute awareness of the dangers and insecurities of life. But also, much more acceptance of that fact.
Just imagine: no antibiotics, a simple infected wound could mean death.
And I suspect that they were in some respect much more aware and alert.

Awareness comes with necessity.

Today, we have a virus (or wasps) and everybody for some reason thinks that this is somehow unfair,  that it should not be, that it is almost “anachronistic” in our high-tech time.
Well, maybe we need every now and then a reminder that we, as humans, are mortal biological beings and integral part of a greater organism called nature.
This realisation could even have a certain healing effect to our assumption that everything is in our control and command.

Meanwhile I retreat in the consumption of the aforementioned plum cake
 😋
…and i hope that the wasps will stay away!