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OM Tannenbaum – yoga, Weihnachten & holy nights

OM Tannenbaum – yoga, Weihnachten & holy nights

Weihnachten steht vor der TĂŒr. FĂŒr viele eine Zeit die man im Kreis der Familie verbringt oder mit guten Bekannten. Von manchen herbeigesehnt, weil es ein willkommenes Verschnaufen vom sonst hektischen Jahr verspricht, von vielen gefĂŒrchtet oder gar verachtet als konsumbeladener, heuchlerisches Friede, Freude Eierkuchenfest ohne wahre Bedeutung. Zudem so scheint es, kommen gerade an Weihnachten familieninterne Konflikte vermehrt zum Vorschein und verstĂ€rken noch den Stress. Dann ist noch das Problem mit der Religion. Viele von uns stehen Religion kritisch oder ablehnend gegenĂŒber und wollen damit nichts (mehr) zu tun haben
oder können damit nichts anfangen.

Also, ich finde Yoga, Weihnachten und auch Religion sind eine wunderbare Kombination. Wenn man etwas hinter die Kulissen der eigenen Weihnachtsmuffelkonditionierung schaut und gleichzeitig hinter die „religiösen“ Symbole, kann das enorm helfen, Weihnachten und die Zeit danach ganz neu zu entdecken und wertzuschĂ€tzen.

Die Sonnwenden – aussen und innen

Schon lange vor Jesus wurde die Neu- und Wiedergeburt der Natur und des Lebens als Licht oder in Form eines Neugeborenen imaginiert. Niemand weiss wann genau Jesu geboren wurde. Es wurde auf die Weihnachtszeit gelegt, die Zeit der Wintersonnwende, weil es die Zeit der Wiedergeburt des Lichts ist. Jesus steht in diesem Fall fĂŒr das Licht in jedem von uns. In der indischen Tradition nimmt die gleiche Stellung und Bedeutung Krishna oder Lakshmi ein (oder eine andere „Form“). Es ist die Sehnsucht und das Potential neu zu erwachen; zu grĂ¶ĂŸtmöglicher Liebe, Verbundenheit und Schönheit und es zu leben und zu verkörpern.

Potente Zwischenzeiten

WĂ€hrend dieses Erwachen potenziell immer möglich ist, wie die Yogatradition betont, können bestimmte Ă€ußere ZeitqualitĂ€ten unterstĂŒtzen. Diese Erkenntnis der gegenseitigen Beeinflussung von Ă€ußeren und inneren Faktoren ist auch die Basis der vedischen Astrologie. Ganz allgemein empfehlen die Yogis in einem Zeitfenster, das sie Brahmamuhurta nennen, zu meditieren. Es ist eine Übergangszeit von der Mitte der Nacht bis zum Sonnenaufgang, ungefĂ€hr zwischen 3.30 und 6.30 Uhr. Hier wird die formlose Dimension erfahrbar, alles ist still, zurĂŒckgezogen und undefiniert. Der neue Tag hat noch keine Form und ist durch die geistigen Samen, die wir sĂ€en beeinflussbar. Es ist die alte Vision und Erfahrung, das wahre Erneuerung nur durch das BerĂŒhren einer zeitlosen Dimension in uns möglich ist.  Wenn wir das “tiefere” Selbst jenseits der Ego Identifikation erfahren, wird loslassen und Neubeginn möglich. Diese Dimension ist aber auch immer eine Auseinandersetzung mit Dunkelheit, Unsicherheit, Nicht Wissen und Auflösung; diese sind oft Voraussetzung fĂŒr eine wirkliche VerĂ€nderung und Neuschöpfung. Das Aushalten und Bewusstmachen der eigenen „Dunkelheit“ liefert das Substratum durch welches das Licht in einem alchimistischen Umwandlungsprozess neu erstrahlen kann. Dunkelheit und Licht sind jeweils im anderen enthalten und bedingen sich gegenseitig. Keines ist per se besser oder schlechter.
In der AbenddĂ€mmerung wird in Indien mit einer Lichterzeremonie, dem Arati, dem göttlichen Licht in allem gedacht. Im grĂ¶ĂŸeren Jahreskreis sind diese potenten Zwischenzeiten unter anderem die Sonnwenden, wie jetzt die Zeit der Wintersonnwende. Sie wurden kulturĂŒbergreifend schon immer mit festlichen Ritualen gewĂŒrdigt und gefeiert. Es ist eine transformative Übergangszeit, von Auflösung, Stille und Neubeginn. Ein Ritus des Wandels und der Möglichkeit von Erneuerung und Transformation.

Hinter die Symbole schauen

Yoga ist als spirituelle Praxis nicht an einen bestimmten Glauben oder Religion gebunden, obwohl es natĂŒrlich eng mit dem Hinduismus verbunden ist. Aber die Essenz von Yoga ist Selbstverwirklichung. Es basiert auf Erfahrung und nicht Glauben. Gleichzeitig anerkennen die Yogis das (religiöse) Symbole und Ideen eine Hilfe sein können, wenn wir sie nicht als absolut betrachten. Mit dem richtigen VerstĂ€ndnis und einem offenen Geist können sie uns mit einer tieferen Bedeutungsebene verbinden. Schon immer haben wir existenziell menschliche, sowie universelle Wahrheiten und Erfahrungen in (Götter-)Geschichten, Metaphern, Symbolen, Ritualen und Mythen ausgedrĂŒckt. Je nach Kultur, Religion und Zeitalter unterschiedlich verweisen sie auf tiefere RealitĂ€ten jenseits Ratio oder Logik – und jenseits von Religion.
TatsÀchlich sind die tiefsten Symbole verbunden mit archetypischen Erfahrungen, die unsere Psyche strukturiert haben und unbewusst in uns wirken.
Symbole, mythologische Geschichten und Rituale enthĂŒllen gleichfalls Orientierung und Sinn und verweisen auf die eigene mysteriöse Verbundenheit mit dem Kosmos. Wenn wir lernen die alten Geschichten und Symbole zu decodieren enthĂŒllen sie ihr Potenzial der inneren Transformation hin zu mehr Ganzheit und Verbindung.
In dem Zusammenhang hat Weihnachten einiges zu bieten

Schauen wir uns ein paar Weihnachts ‚features‘ an.

Vom Weihnachtsbaum und Weltenbaum

Der Weihnachtsbaum ist ein universelles Symbol fĂŒr den Weltenbaum. Ein kosmischer Baum. Diese Vorstellung ist uralt und wir haben sie grĂ¶ĂŸtenteils vergessen. Es ist in vielen nativen und schamanischen Traditionen rund um die Welt zu finden. Auch bei unseren Vorfahren, das waren die Kelten und Germanen. Wir holen uns einen immergrĂŒnen Baum ins Haus, weil er die Quelle von VitalitĂ€t, ja das Leben selbst symbolisiert. Der Weltenbaum ist die Axis Mundi, die Achse der Welt, welche mit tiefen Wurzeln Erde und Himmel verbindet. Am Fuße des Baumes stellen wir Maria und Josef, das Urpaar, Shiva und Shakti auf. In der Krippe, auf Gras und Heu liegt unser göttliches Selbst das sich als Kind in diese Welt verkörpert hat.
An den Weihnachtsbaum selbst hĂ€ngen wir Kerzen und runde leuchtende Kugeln, welche die Sterne die Planeten und den Kosmos reprĂ€sentieren. Auf die Spitze kommt ein großer Stern, der Polarstern, der unserer Seele die Richtung weist.
In den schamanischen Vorstellungen verbindet der Weltenbaum 3 Ebenen: die Unterwelt (Erdgeister, Elementarwesen), Mittelwelt (Welt der Menschen) und der Oberwelt (Engel, Götter).
Er ist der Baum des Wissens und der Baum des Lebens. Es ist alles ein Lebensgewebe und es ist heilig.

Baum des Lebens

Black Elk, ein Sioux Medizinmann, wurde dieses Wissen in einer Vision enthĂŒllt:

„Das heilige Band eines Volkes ist nur einer von vielen welche zusammen den großen Kreis der Schöpfung ausmachen. In der Mitte wĂ€chst ein mĂ€chtiger blĂŒhender Baum des Lebens, der alle Kinder von einer Mutter und einem Vater beschĂŒtzt. Alles Leben ist heilig.“

In der indischen Vorstellung kommt alle Manifestation vom Bewusstsein, der geistigen Ebene; deshalb wurzelt der Weltenbaum in Brahman, dem Ewigen:

Das Universum ist ein Baum, der ewig existiert, seine Wurzeln ragen nach oben, seine Äste abwĂ€rts. Die reine Wurzel dieses Baumes ist Brahman, das Unmanifeste, Formlose, Unsterbliche. Alle Welten sind in ihm enthalten, niemand geht darĂŒber hinaus und er ist das Selbst.“

In der Bhagavad Gita sind die BlĂ€tter des Baumes die Veden (von Veda, Wissen, die alten spirituellen Schriften Indiens) welche das Wissen ĂŒber das Unsterbliche vermitteln.
In einer weiteren Legende ist der indische Weltenbaum auch die Quelle des Soma, des Elixiers der Unsterblichkeit.

Der innere Körper als Baum

In der inneren energetischen Anatomie des Yoga wird die erweckte Bewusstseinskraft, die Kundalini Shakti, vom Wurzelchakra, dem Muladhara, ĂŒber den mittleren Energiekanal der WirbelsĂ€ule (Sushumna) bis zum Kronenchakra (Sahasrara) hochgeleitet und vereint sich dort mit dem transzendenten Aspekt (Shiva), was mit der Erfahrung von Integration und „Erleuchtung“ beschrieben wird. Auch hier finden wir die Analogie des Baumes wieder.

Weihnachtszeit: Reinigung, Vergebung & Loslassen

Die Idee der „alten“ Rituale zur Weihnachts- und Neujahrszeit – die wir auch heute noch, meist unbewusst ausfĂŒhren – war, ungelöste Themen, Verletzungen, verpassten Chancen und Fehler des vergangenen Jahres bewusst zu machen, anzuschauen, und mit einem GefĂŒhl der Vergebung loszulassen, damit sie nicht in das neue Jahr mitgenommen werden. Eine unbewusste Erinnerung an die Notwendigkeit der Reinigung liegt der Weihnachtszeit zugrunde. Man merkt es daran, dass viele Konflikte innerhalb der Familie ausgerechnet jetzt zum Vorschein kommen 😉 Und tatsĂ€chlich, diese Reinigung war und ist auch teilweise die Aufgabe der Familie. Leider ist dieses VerstĂ€ndnis nicht mehr weitverbreitet.
in vielen indigenen Stammestraditionen ist man in Übergangszeiten fĂŒr Rituale zusammengekommen. Man hat sich wieder verbunden, zusammen getanzt und gesungen und so neue Kraft geschöpft. In Heilungsritualen konnte jeder der Anwesenden seine Probleme, Zweifel und Schwierigkeiten schildern, oder, falls es ungelöste Konflikte mit anderen Teilnehmern gibt, diese ansprechen und ausdrĂŒcken. Ohne das die anderen Widersprechen oder kommentieren. Das ist Ă€ußerst heilsam. Daraus wurde wohl im Christentum der Beichtstuhl und in modernen Zeiten der Therapeut. Gerade am Ende eines Zyklus oder Jahres verspĂŒrt man den Wunsch nach KlĂ€rung und Loslassen. Unsere Psyche bringt die unterdrĂŒckten oder unbewussten Themen dann meist mit den Menschen zum Vorschein die uns emotional am nĂ€chsten stehen.

Familienfest oder hÀlt einen die Familie fest?

Die Familie oder die Gemeinschaft ist idealerweise der Ort wo das Individuum Kraft und Vertrauen schöpft und in die grĂ¶ĂŸere Welt initiiert wird. So kann es verantwortungsvoll die Herausforderungen der Welt meistern und seinen Weg finden. So wichtig die Verbundenheit und Versöhnung mit der eigenen Familie und Familiengeschichte ist; so wichtig ist auch das wir loslassen und unserer eigenen Bestimmung folgen. Auf der inneren Reise braucht es dafĂŒr manchmal eine neue oder zusĂ€tzliche Familie die einen darin unterstĂŒtzt das alte loszulassen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Im Yoga ist das die Sangha (spirituelle Gemeinschaft). Ob man dafĂŒr in ein Yogastudio geht, zu einem spirituellen Meister oder einer Meditationsgruppe, wir brauchen alle UnterstĂŒtzung, um das zu manifestieren, was wir im Bild von Christuskind sehen: Das Licht von göttlicher Verbundenheit, Heilung und Liebe, das wir und die Welt brauchen.

Weihnachten, das Fest der Liebe!

Liebe ist die zugrundeliegende RealitĂ€t unserer inneren Essenz sagen die Yogis – und Jesus und vieler anderen Meister, Lehrer und Traditionen. Weihnachten ist ein kollektiver Ausdruck dieser Erkenntnis und eine magische Zeit, in der wir in der Stille der heiligen NĂ€chte der Stimme der Liebe lauschen können. Der Polarstern auf der Spitze des Weihnachtbaumes weist uns den Weg: Alles Leben ist verbunden, alles wird erhalten von der gleichen Lebensraft, vom gleichen Licht, der gleichen Liebe. Die Familie, zu der wir alle gehören, ist nicht nur unsere Herkunftsfamilie, nicht nur unsere Nation oder unsere Glaubensrichtung, sondern die ganze Welt.

‚Vasudhaiva Kuáč­umbakam’

steht in der Maha Upanischad, eine der spirituellen Schriften Indiens: Die Weisen erkennen: die ganze Welt ist eine Familie.
Gerade jetzt, wo Polarisierungen und Spannungen in der Welt zunehmen, brauchen wir dieses VerstĂ€ndnis. Das geht nur wenn wir die Spaltungen in uns selbst erkennen, heilen und loslassen und selbst wieder ‚ganz‘ werden. Yoga ist die Erfahrung eines heiligen Universums, das sich durch uns bewusst wird. Das geht nicht ohne unsere proaktive praktische Beteiligung. Yoga ist die Praxis das heilige zurĂŒck in unser Leben zu bringen durch Reinigung und Neuausrichtung von Herz und Verstand.

Sankalpa

Mit der Weihnachtszeit schließt sich ein Kreislauf damit etwas Neues entstehen kann. All die Feiertage, Bilder, Symbole, Metaphern und altĂŒberlieferten Rituale der Religionen und spirituellen Traditionen sind tief im kollektiven Bewusstsein verankert. Es liegt an uns sie mit Leben, Sinn und Bedeutung zu fĂŒllen. Dann können wir sie nutzen, fĂŒr was sie eigentlich gedacht sind: der inneren Erneuerung und Transformation des eigenen Lebens und Bewusstseins.

Wohin soll es gehen? Was soll durch mich in die Welt kommen? Was wĂŒnsche ich mir tatsĂ€chlich auf der Seelenebene? Wie kann ich das Licht in mir zum Strahlen bringen?  Die Formulierung einer Intention, im Yoga Sankalpa genannt kann dabei helfen. Ein Sankalpa wirkt wie ein Kompass. Man ist noch nicht am Ziel, aber man geht in die richtige Richtung.

“Ich verbinde mich mit meinem inneren Licht des Wissens. In Stille, Dankbarkeit, Wahrhaftigkeit und Loslassen fĂŒhrt mich PrĂ€senz zur ewigen Flamme in meinem Herzen.” 
Das neue Licht wird durch mich geboren.
― Yoga Sankalpa

Happy Christmas
much love und
Om Namah Shivaya

Ralf

Selbstakzeptanz: „du bist genauso richtig wie du bist“ oder nicht?

Selbstakzeptanz: „du bist genauso richtig wie du bist“ oder nicht?

Wer kennt ihn nicht, den Aufruf zur Selbstakzeptanz. Er ist nicht nur in Yogastunden zu hören, man findet ihn stĂ€ndig auf dem großen Selbsthilfe- und Selbstoptimierungs Marktplatz. In esoterischen oder psychologischen Zeitschriften, Blogs und Ratgebern, Kursen, Workshops usw. gehört er zum Standard: „relax, du bist richtig und gut
nimm dich an“. Nun, das ist gar nicht verkehrt, ich teile den Aufruf – so Ă€hnlich – auch ab und zu in Yogastunden. In einem bestimmten Kontext hilft es zu entspannen und loszulassen.

Doch irgendwie scheint es im Alltag nicht immer so zu funktionieren mit dem Akzeptieren. FĂŒr einen Moment, z.b nach einer Yogastunde, fĂŒhlt es sich zwar etwas besser an, aber eigentlich Ă€ndert sich nicht grundlegend etwas. Der Ärger, die SchuldgefĂŒhle oder die Scham tauchen immer noch auf. Warum? Das hat damit zu tun, das Selbstakzeptanz meist nur ein oberflĂ€chliches mentales Konzept bleibt, das unser Geist als Ablenkung nutzt. Eigentlich gibt es 2 Arten von Selbstakzeptanz. Eine die dich verĂ€ndert und freier macht, die andere wo du so bleibst wie du bist und steckenbleibst.

mentale Halluzinationen

Die mentale Form des vermeintlichen Annehmens und Akzeptierens hat mehr mit einer beruhigenden Trance gemein. Wir versuchen uns einzureden, dass es schon ok ist. Wir, die anderen, die Welt. An der OberflÀche sieht es ruhig aus, weiter unten brodelt es. Wir benutzen die Idee von Akzeptanz als AnÀsthetikum und auch Entschuldigung um zu bleiben, wie wir sind. Und wir weichen nötigen wirklichen VerÀnderungen aus.
„So bin ich halt, ich werde immer wĂŒtend, aber ist ok, da kann man nichts machen, ich hab’s akzeptiert“. Dabei spielen wir uns selbst einen Streich und fallen darauf herein. Warum? Weil es unter UmstĂ€nden unangenehm, schmerzhaft oder einfach unbequem werden wĂŒrde, die Wut wirklich zuzulassen.

Das PhĂ€nomen ist nicht nur bezĂŒglich Akzeptanz zu finden: wir benutzen allgemein Konzepte und Ideen damit unser Selbstbild erhalten bleibt.; und um uns selbst und andere zu bestĂ€tigen, zu beruhigen, zu ĂŒberzeugen, aber auch um zu vermeiden, zu tĂ€uschen und zu manipulieren. Oder einfach um uns ein GefĂŒhl der Sicherheit und Orientierung zu verschaffen. Manchmal geht das mit einem seltsam unbegrĂŒndeten und oft infantilen Anspruch einher, die Welt um mich herum soll doch bitte meine BedĂŒrfnisse erkennen und erfĂŒllen.

Hier kommt man nicht umhin festzustellen, dass besonders „spirituelle“ Konzepte wie Einheit, Akzeptanz, Toleranz, unkonditionierte Liebe oder einfach den Anspruch „gut“ zu sein, verlockend einfach missbraucht werden können. Sie werden zu einer oft toxischen Mischung, mit welcher unser Ego eine halluzinatorische und verlockende Wirklichkeit schafft. Die in sich zusammenfĂ€llt, wenn man etwas tiefer bohrt.

 „Ich habe es akzeptiert, Liebe ist universell, ich bin das Licht jenseits von Körper und Geist und muss lernen meine Anhaftungen zu lösen“ nachdem der Partner einen betrogen hat. Nun, das ist auch eine Möglichkeit den Schmerz von sich wegzuhalten. Zumindest oberflĂ€chlich.

Wir alle kennen die Tendenz die Dinge so zu sehen, wie wir es wollen.

Selbstakzeptanz heißt nicht etwas „gut“ zu finden,

es ist kein Versuch etwas zu akzeptieren was einem schwerfÀllt zu akzeptieren. Es ist keine mentale Toleranzgymnastik, kein positives Gutmenschdenken, ja, meistens ist es eben nicht schön, sondern das Gegenteil:

Es ist die FĂ€higkeit mit sich und seinen Empfindungen und GefĂŒhlen zu sein. Egal wie diese sich zeigen. Den Ärger oder die Scham wirklich zu spĂŒren. Ungeschminkt und direkt, ohne auszuweichen.
Das ist oft verblĂŒffend schwierig. Oft ist es sogar unklar welche GefĂŒhle und Empfindungen ĂŒberhaupt da sind oder wir werden von ihnen weggeschwemmt, ohne dass wir etwas dagegen tun können.

Oder können wir doch etwas tun? Bewusstsein schaffen

Yogapraktiken wie die Asanapraxis oder Meditation helfen, wieder in den Empfindungen anzukommen und einen Bewusstseinsraum zu schaffen, um zu erkennen was wirklich ablÀuft.

All die wirren Gedanken, all die widersprĂŒchlichen Emotionen brauchen zuerst mal Platz und Anerkennung. Oder die Taubheit und die GefĂŒhllosigkeit. Meditation bedeutet nicht in einen gedankenfreien Raum voller Frieden und GlĂŒckseligkeit zu schwelgen
welcher meistens eh nicht eintritt, sondern die FĂ€higkeit mit dem zu Sein was ist
und es zu spĂŒren. Sich mit den GefĂŒhlen und Gedanken auseinandersetzen und nicht ausweichen, in Beziehung gehen und erforschen.

Dann kommt vielleicht eine große Erkenntnis in unserer Selbstakzeptanz Reise, man bemerkt: etwas in mir hat gar keine Lust darauf irgendwas zu akzeptieren. Das Einzige, was sich zeigt ist ein großer, wie sagt man so schön, „Stinkefinger“. Das ist eine wunderbare Erkenntnis 

Denn jetzt kannst du Verantwortung fĂŒr den Teil in dir ĂŒbernehmen der sich nicht verĂ€ndern will. Zu akzeptieren das man sich nicht akzeptieren kann. Es ist die Anerkennung der oft zuerst als deprimierend empfundenen Tatsache, dass etwas in uns so bleiben will und keine Lust auf Akzeptanz oder VerĂ€nderung hat. In uns lebt ein zwanghafter Tyrann, der uns die immer gleichen wiederkehrenden Programme von Meinungen, GefĂŒhle und Verhaltensweisen diktiert. Sie sind zu unserer IdentitĂ€t und Teil unseres Selbstbildes geworden. Jetzt habe ich folgende Möglichkeit: ich kann ausweichen oder nicht. Ich kann wegschauen oder mich dem Teil stellen, was heißt, ihn zu spĂŒren und anzuerkennen.
Es ist eine Wahl zwischen 2 Lebensformen. Eine Wahl, die wir irgendwann treffen mĂŒssen und die entscheidend ist, wie sich unser Leben entfaltet. Es ist eine grundlegende Entscheidung:

1. Entweder ich weiche aus und bleibe weiterhin Sklave meiner Gedanken und GefĂŒhle und mache Ă€ußere Faktoren und die Welt fĂŒr meinen Zustand verantwortlich, bin also das Opfer, oder
2. Ich bleibe stehen und schaue den „inneren DĂ€monen“ in die Augen, ĂŒbernehme Verantwortung und erkenne, dass es nur einen Menschen auf dem Planeten gibt, der sich Ă€ndern kann und sollte: Ich selbst

Raus aus der Selbstverleugnung, Angst hilft!

Ich muss ganzheitlich erkennen, d.h spĂŒren, dass es nicht gut ist: meine ungezĂŒgelte Wut, meine wiederkehrende Depression, meine krankhafte Eifersucht, meine Ignoranz, mein GefĂŒhl von Isolation, meine innere Leere, meine Ziellosigkeit, meine Rechthaberei, meine Kontrollsucht, mein MinderwertigkeitsgefĂŒhl, meine Scham, mein Groll, mein Narzissmus, meine Rachegedanken sind nicht gut. Dieses ‚nicht gut‘ muss ich an mich heranlassen, muss erspĂŒren, wie ungesund diese Einstellungen wirklich sind. Sie schaden mir, sie schaden anderen, sie sind nicht das, was ich wirklich bin. Sie limitieren mich und meine Lebensenergie; sie deprimieren und sie decken eine innere Leere ab, welche mir Angst macht.

Bringe die Angst hinter dich

Manchmal hilft folgendes: Stelle dir vor, du lebst dein ganzes Leben lang mit diesen miserablen GefĂŒhlen und Gedanken. Und diese Vorstellung macht dir Angst. Diese Angst kannst du nutzen, denn sie ist berechtigt, sie kann dich motivieren. Du kannst sie umwandeln in eine Kraft der VerĂ€nderung. Du bringst die Angst hinter dich als Schubkraft. Sie steht nicht mehr als unbewusste Blockade vor dir. Du nimmst die sogenannte Selbstakzeptanz nicht mehr, um lethargisch aufzugeben und dein Versagen und deine Limitierungen zu bestĂ€tigen, sondern um aufzuwachen zu deiner wahren GrĂ¶ĂŸe. Du unternimmst (kleine) Schritte, um dein Leben auf die Reihe zu bekommen. Die Limitierungen und empfundenen „Probleme“ werden zum Trittstein und zur Voraussetzung fĂŒr mehr Wachstum und Entfaltung. Es ist keineswegs selbstverstĂ€ndlich, dass man seine Angst ĂŒberhaupt spĂŒrt. Das ist ein fortgeschrittenes Stadium. Viele Menschen wirken nach außen hin unbewegt, selbstbewusst und ruhig – aber haben sich abgeschnitten. SpĂŒren heißt, ich habe mich vom Kopf in den Körper bewegt. Von einem mentalen Konstrukt zu einer aktuellen Empfindung und Erfahrung im Körper. Das ist ein Grund zum Feiern. Etwas in mir ist wieder im Fluss und mit einer existentiellen Ebene verbunden.
Das ist was ich unter Yoga verstehe: die Einheit mit dem Leben zu spĂŒren auf einer verkörperten, vibrierenden und pulsierenden Ebene.

SensibilitÀt zulassen

Alles hat seinen Preis: Die Angst zu spĂŒren heißt auch wieder SensibilitĂ€t zuzulassen. Du öffnest dich deiner Verletzlichkeit. Aber weil die Angst davor verschlossen und stagnierend zu bleiben grĂ¶ĂŸer ist, als die Angst sich zu öffnen bist du bereit dazu. Der Schutzpanzer wird weniger, die Emotionen bewegen sich freier, dein Leben gewinnt an Lebendigkeit und Ausdruck. SensibilitĂ€t heißt, du achtest und respektierst deine Grenzen und GefĂŒhle. Es ist dein fĂŒhlendes Herz nicht dein Verstand, der das bemerkt und deshalb wirst du furchtloser und mutiger.
Du wirst wahrhaftiger und dadurch ekstatischer, weil du nicht mehr festhalten musst an einem engen Selbstbild.

Praxis: Die 4 E Meditation

In der Meditation kann man mit den 4 E’s arbeiten, um langsam wirkliche Selbstakzeptanz zu erreichen:

Die 4e’s sind: Erkennen, Erlauben, Erforschen, Empathisches loslassen

Es ist eine aktive Form der Meditation. Ich bringe mir eine Situation in die Erinnerung die Schwierig war, z.b. ein Streit mit dem Partner oder eine unangenehme Situation mit dem Chef und erkenne die Reaktion und die GefĂŒhle, die dabei auftauchen. Das ist die Voraussetzung: Ich bemerke und erlaube es. Ich weiche nicht aus, sondern gebe dem ganzen Raum, ohne es anders haben zu wollen oder zu rationalisieren. Dann kann ich es erforschen:
Was macht mein Geist, welche Gedanken und Bilder produziert er? Und vor Allem:  Wo spĂŒre ich es im Körper? Was passiert mit dem Atem? Welche Empfindungen sind da? Taubheit, Kribbeln, KĂ€lte, Hitze

Die letzte Phase ist das empathische Loslassen. Ich halte nicht weiter daran fest, indem ich analysiere und weiter darĂŒber nachdenke, sondern lass los mit dem empathischen MitgefĂŒhl fĂŒr alle empfundenen GefĂŒhle und Emotionen.

Selbstakzeptanz ist nicht etwas, was wir wirklich „tun“ können. Es ist die Folge einer gefĂŒhlten Anerkennung und Integration verdrĂ€ngter Bewusstseinsinhalte. Deshalb ist Meditation so wichtig: Wir trainieren den Geist zu beobachten und „Offen“ zu bleiben damit diese sich zeigen können. Diese Offenheit schafft Raum und Freiheit zu erkennen, dass wir diese GefĂŒhle und Empfindungen haben aber nicht diese GefĂŒhle existenziell sind. Das erlaubt wahre Selbstakzeptanz: Wir entdecken das grĂ¶ĂŸere Selbst hinter all den VerĂ€nderungen, Emotionen und Bewegungen. Teil des einen großen Lichts das wir alle sind.

Om Namah Shivaya!

Ralf Schultz

Die 4E Achtsamkeitsmeditation mit Ralf
Diese gefĂŒhrte Meditation mit den 4e’s kann eine effektive Hilfe sein, um sich selber und seine GefĂŒhle zu erforschen. Langsam schaffen wir so mehr Bewusstheit, Freiheit und Akzeptanz. Die 4 E’s sind: Erkennen, Erlauben, Erforschen & Empathisches loslassen.
Probiere es doch mal aus! Free Download!

Ralf Schultz

Ralf Schultz

Yogalehrer und Leiter von Soma Yoga Freiburg

Sein Hauptinteresse liegt in der Erforschung des Potentials, das jedem von uns innewohnt, um innere Freiheit, FĂŒlle, Tiefe, das Mysterium und das Staunen ĂŒber das Leben zu erkennen und zuzulassen. In diesem Sinne ist Yoga fĂŒr ihn vorwiegend ein undogmatischer Weg der Selbstkenntnis, Erforschung und VerĂ€nderung, um dieses Potenzial hier und jetzt zu einer gelebten Erfahrung werden zu lassen.
Ralf integriert in seiner Arbeit Ideen und Einsichten der verschiedenen Traditionen des klassischen Yoga und Ayurveda bis hin zu westlichen Weisheitstraditionen, Schamanismus sowie moderne wissenschaftliche und psychologische AnsĂ€tze. Yoga ist fĂŒr ihn alles was hilft um besser zu erkennen und zu verstehen, was es mit dem Leben auf sich hat. Und so Kraft und Inspiration zu finden fĂŒr die eigene positive VerĂ€nderung zum Wohle aller Wesen und der Erde.Seit vielen Jahren bildet Ralf Yogalehrer aus und leitet vertiefende Weiterbildungsseminare im Bereich Vinyasa Yoga, Ayurveda und Soundhealing. Er versteht es, seine SchĂŒler auf humorvolle und undogmatsiche Art und Weise fĂŒr einen ganzheitlichen spirituellen Weg zu begeistern und zu inspirieren.
Er schreibt regelmĂ€ĂŸig fĂŒr die Zeitschrift “Yoga Aktuell”

Mantra, Atem, Fokus – Die Rolle von Konzentration und Japa Mala im Yoga

Mantra, Atem, Fokus – Die Rolle von Konzentration und Japa Mala im Yoga

Konzentration, Fokus und Japa Mala

Den Geist auszurichten und zu fokussieren ist eine der fundamentalen FĂ€higkeiten fĂŒr mentale ImmunitĂ€t, Selbstkontrolle und Willenskraft. Sie bestimmt schlussendlich erheblich die QualitĂ€t unserer Lebenserfahrung. Statt dem stĂ€ndigen mentalen und emotionalen auf und ab durch Ă€ußere oder innere Ereignisse hilflos ausgeliefert zu sein, bleiben wir verankert, ohne uns ablenken zu lassen.

Die Kraft der Aufmerksamkeit

Allerdings ist das oft leichter gesagt als getan. Aufmerksamkeit und die Mechanismen der Wahrnehmung sind eine komplexe Angelegenheit. Sicher ist: Das worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, bekommt mehr Kraft und wird Teil unserer Erfahrung. Deshalb ist es wichtig den Geist, d.h sich selbst, besser kennenzulernen und mehr Kontrolle ĂŒber die Aufmerksamkeit zu bekommen.
Nötig ist eine Kombination von vorurteilsfreier Erforschung und Introspektion und zielgerichteter VerÀnderung.
Neurophysiologisch ist unsere Aufmerksamkeit wie ein Spotlight, durch das unser Gehirn funktionell und auch physisch stĂ€ndig stimuliert und verĂ€ndert wird. Neuronale Strukturen bilden sich vorwiegend durch das was in unserem bewussten Fokus ist. Gleichzeitig ignoriert und verhindert dieses Spotlight das andere Inhalte und Informationen in unser Gehirn bzw Bewusstsein gelangen. Das ist ein sinnvoller Vorgang solange wir unser Spotlight positiv und kreativ nutzen. Aber nicht, wenn wir keine KapazitĂ€t haben den Fokus von dem zu lösen was negativ, schĂ€dlich und destruktiv auf uns wirkt, wie Ă€ngstliches GrĂŒbeln, zwanghaftes- und Suchtverhalten, brodelnder Groll oder ungesunde Obsessionen.
FĂŒr psychologische Heilung ist die FĂ€higkeit sich von dem zu lösen was verletzt und destruktiv ist und sich mit dem zu verbinden was hilft und heilt zentral.

Dieses Wissen ist fĂŒr die alten kontemplativen Traditionen der Menschheit nichts neues. Im Gegenteil, die KlĂ€rung und Heilung unseres Bewusstseins wird hier meistens als Voraussetzung fĂŒr jede Art von weiterer spiritueller Erkenntnis gesehen. Moderne Achtsamkeitspraxis, Neurowissenschaft und neue therapeutische AnsĂ€tze sowie das alte Wissen des Yoga ĂŒber die Natur des Geistes zeigen erstaunliche Übereinstimmungen und befruchten sich gegenseitig. TatsĂ€chlich kann man ohne weiteres die alten Yogis als die ersten Gehirn- und Achtsamkeitsforscher bezeichnen. Sie haben herausgefunden, wie man das eigene Bewusstsein durch VerĂ€nderung der Gehirnchemie positiv und dauerhaft verĂ€ndert. Achtsamkeitspraktiken mit Körper, Atem, Klang, Visualisierungen, Introspektion und Meditation, genauso wie Gebet und Ritual, resultieren in nachhaltigen VerĂ€nderungen von Einstellungen und Sichtweisen – und zeigen sich im Gehirn. Strukturell in einer StĂ€rkung und ‚Verdickung‘ des PrĂ€frontalen Cortex, desjenigen Gehirnareals das mit der Kontrolle der Aufmerksamkeit, der Handlungen und der Emotionen zu tun hat
und die Wirkung der Amygdala, des „Angstzentrums“ im Gehirn hemmt.
So wie ein Muskel bewegt und trainiert werden muss um stĂ€rker zu werden, muss auch unsere Aufmerksamkeit trainiert werden. Und dafĂŒr ist eine regelmĂ€ĂŸige Praxis und Übung (Sadhana) nötig, so dass sich der Geist von seinem ungesunden „default setting“ – der Fixierung auf das Negative – langsam verabschieden kann. Das ist kein Prozess von heute auf morgen, sondern braucht Zeit, Geduld und Disziplin. Anders gesagt, es braucht eine VerĂ€nderung der Gewohnheiten durch eine Praxis, die uns hilft, Fokus und PrĂ€senz neu auszurichten.
Diese Praxis wird im Yoga Dharana genannt. Dharana kommt von der Wortwurzel ‚Dhri‘ und bedeutet stĂŒtzen, halten, tragen. Es ist im Raja Yoga System das sechste Glied von acht auf dem Weg den den Geist still werden zu lassen. Es bildet mit Dhyana (Meditation) und Absorbtion (Samadhi) die letzten 3 Stufen.

Das energetische Modell.

Das mentale Feld ist aus der Sicht des Yoga aufgebaut aus verschiedenen Ebenen von energetischen Schwingungen und Frequenzen. Die tiefsten Schichten sind unsere unbewussten Einstellungen, Überzeugungen, Werte und Ziele. Unsere bewusste Erfahrung mit all den Gedanken, Bewertungen, Einstellungen, GefĂŒhlen und Handlungen sind der erfahrbare Ausdruck von diesem tieferen Pool. Jede Erfahrung, die wir machen steuert zu diesem Schwingungsfeld bei – je nachdem wie bewusst wir die Erfahrung annehmen, verstehen und verdauen wachsen wir daran oder bestĂ€tigen und stĂ€rken die alten Programmierungen.  Wird eine Ereignis als Überforderung oder zu intensiv erfahren reagieren wir mit einer Stressreaktion bis hin zu Abspaltung der Erfahrung aus unserem Bewusstsein.
Es ist wichtig einerseits unseren Geist vor negativen, stresserzeugenden und traumatischen Erfahrungen zu schĂŒtzen und andererseits positive Ressourcen zu schaffen. Diese stĂ€rken die Resilienz des Geistes und wir können aus ihnen schöpfen, wenn die Zeiten herausfordernd werden. Die stĂ€rkste Schutz- und Widerstandskraft hat Liebe als Folge von Selbstakzeptanz und des GefĂŒhls des getragen- und eingebunden Seins in das Lebensgewebe. Die niedrigste Schwingung und Schutzkraft haben Hass, Neid und Groll.
Die VerĂ€nderung des Schwingungsfelds der tieferen Schichten des Geistes werden im Yoga mit verschiedenen Praktiken angestrebt. Eine der wichtigsten ist die Arbeit und Übung mit Klang (Mantra), Atem (Pranayama) Licht (Visualisierung, Symbol) und Hingabe.

Mantra

 „Man“: Geist
„Tra“: Mittel, Instrument

Mantras sind ein wichtiges Instrument im Yoga, um den Geist auszurichten, zu energetisieren, zu heilen und zu klÀren.
Mantrapraxis hat einen heilenden Effekt auf die zugrundeliegenden mentalen Muster und gibt dem Geist PlastizitĂ€t, AnpassungsfĂ€higkeit und Offenheit und prĂ€pariert ihn fĂŒr die Meditation.

Mantras helfen den Geist von seinen gewohnheitsmÀssigen und oft negativen repetitiven alten Gedankenmustern zu lösen und die ganze Psyche neu mit einem energetischen inneren Fluss zu revitalisieren.
Mantras sind so eine kraftvolle VerjĂŒngungstherapie fĂŒr Kopf und Herz.

3 Typen von Mantras kann man unterscheiden:

  1. Bija (Samen) Mantras:
    Z.B. Om, Shrim, Hum oder Hrim; sie wirken vorwiegend durch die innewohnende Klangvibration und haben eine tiefe Wirkung. Sie drĂŒcken fundamentale energetische KrĂ€fte und Prinzipien aus. OM z.B. ist die subtilste Vibration und die Basis aller Manifestation, es wirkt ausdehnend und öffnend, Hrim wirkt erwĂ€rmend und energetisierend (Sonne), Shrim kĂŒhlend und beruhigend (Mond), usw.
  2. Namen Mantras:
    Z.B. ‘Om Namah Shivaya’ oder ‘Om Namo Bhagavate’, angewandt vorwiegend im Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe, welches einen bestimmten Aspekt des Göttlichen bzw von archetypischen KrĂ€ften ausdrĂŒckt und auf unserer inneren Herzverbindung beruht.
  3. lÀngere Gebete, Hymnen und Anrufungen wie das Gayatri Mantra oder unterschiedliche Friedensmantras. (Lokah Samastah Sukhino Bhavantu z.B.) mit mehr wörtlicher Bedeutung, z.b. die Hanuman Chalisa

Diese Mantras schliessen sich nicht aus sondern können auch zusammen kombiniert werden. Allgemein drĂŒcken sie persönliche und kollektive Wahrheitsebenen aus die wir energetisch aktivieren und  mehr und mehr in unser Bewusstsein heben können. Und was so in unser Bewusstsein kommt und gestĂ€rkt wird, verĂ€ndert von innen heraus unser Leben.

Atem

Mantras können wunderbar mit dem Atem synchronisiert werden. Und wirken dadurch noch besser. Der Atem ist die einzige vitale Funktion, die wir willentlich beeinflussen können und ein Bindeglied zwischen Körper und Geist.
Es ist einer der wichtigsten TrĂ€ger von Prana (Energie) und liegt jedem Mantra zugrunde. Langsame und etwas tiefere Atmung spricht direkt den Vagusnerv an und den evolutionĂ€r alten Hirnstamm. Es beruhigt die Amygdala und aktiviert das parasympathische Nervensystem, welches unseren Organismus in einen Ruhemodus versetzt. Forscher haben jetzt auch herausgefunden das durch gleichmĂ€ĂŸige und bewusste Atmung die neuronale AktivitĂ€t des Gehirns in einen Gleichklang kommt und mehr geistige Klarheit daraus resultiert.

Japa Mala

Mantra und Atem sind also enorm potente Faktoren zur VerÀnderung und Stabilisierung unserer Aufmerksamkeit mit vielen positiven Wirkungen auf Körper und Geist.
Die alte Technik von Japa Mala ist wunderbar dafĂŒr geeignet. Dabei wird mit Hilfe einer Gebetskette das Mantra rezitiert. Wenn man dann noch alles mit dem Atem synchronisiert, haben wir Körper, Atem und Geist zusammengefĂŒhrt.
Traditionell haben die Malas (Gebetsketten) 108 Steine oder Perlen und fĂŒr jede Perle wird das Mantra rezitiert.
Z.b. kann man einatmen mit „Om Namah“, ausatmen „Shivaya“, dann zur nĂ€chsten Perle usw. Morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem zu Bett gehen ein paar Runden Japa Mala kann Wunder wirken.
Frage den Yogalehrer deines Vertrauens fĂŒr die genaue Technik 😉

Soma Dharana
‚Dhara‘ in Dharana heißt auch Fluss, Bewegung. Yoga ist immer auch eine Auseinandersetzung mit der Frage was mein Lebensfokus ist, wohin meine Lebensreise fließen soll.
Der Geist folgt natĂŒrlicherweise immer dem was ihm Zufriedenheit verspricht. Im Versuch zufrieden zu sein suchen wir meist ErfĂŒllung durch Ă€ußere Faktoren.
Soma ist FĂŒlle und Zufriedenheit, die ins Fließen kommt, wenn wir unser Leben darauf ausrichten dem zu folgen was unsere Seele braucht. Es ist der innere Impuls nach Wahrhaftigkeit den wir durch yogische Selbsterforschung und Transformation freilegen und der es uns ermöglicht einschrĂ€nkende Kontrolle loszulassen. Es ist die Anerkennung des Wunsches im innersten unserer Herzen nach Wahrheit, Freiheit und Licht und dessen Realisierung als das höchste Ziel im Yoga.
Yoga Dharana, ist deshalb nicht nur eine Frage der Anstrengung zur Verbesserung der eigenen Gesundheit oder zur persönlichen Heilung, wie wichtig diese auch ist, sondern immer getragen von einer ‚höheren‘ Motivation und Intention zum Wohle aller Wesen und der Erde.

Sind wir von dieser Motivation getragen dann wird jeder Moment, ob angenehm oder nicht zu einem Moment der FĂŒlle und Dankbarkeit, wĂ€hrend wir unabgelenkt und fokussiert unserem inneren Ruf folgen.

Om Namah Shivaya

Ralf Schultz

 

Wespenstiche – oder wie die Angst vor dem Tod Hingabe und Dankbarkeit ermöglicht!

Wespenstiche – oder wie die Angst vor dem Tod Hingabe und Dankbarkeit ermöglicht!

In der zeitschrift yoga Aktuell

Ausgabe Aug/Sept 2021

Wespenstiche

Übersetzung aus dem englischen von Nina Haisken, Yoga Aktuell

ES ist wieder passiert.

Ich bin von einer Wespe gestochen worden – und da ich in hohem Maße allergisch bin, brachte mir dies einen kurzen Aufenthalt auf der Intensivstation ein: den nunmehr dritten. Auf dem Nachhauseweg gingen mir ein paar Gedanken durch den Kopf, die ich hier mit dir teilen mochte.

Ja, es geht mir wieder gut. Die Kombination aus mitfĂŒhlender FĂŒrsorge und Eiscreme sowie kostlichem Pflaumenkuchen von meiner Partnerin Daisy, zuvor ein arztlich verschriebener Cocktail hochwirksamer Chemikalien gegen den allergischen Schock, der durch meine Venen floss – all das hinterließ in mir ein Gefiihl entspannter Weite und eine angenehme Gedankenleere.
Nett… Vielleicht entspricht das der auf medizinischen Drogen basierenden Vorstellung von Erleuchtung des 21. Jahrhunderts? Aber mal ernsthaft: In Momenten wie diesen ist man trotz eines gewissen alternativen Lebensstils sehr dankbar fiir die moderne Medizin!

Es ist erstaunlich und interessant, zu erkennen und zu erfahren, dass man <lurch ein kleines Insekt, von dem man – zumindest im Sommer – standig umgeben ist, ster­ben kann (oder durch ein Virus, das sogar noch kleiner und gar nicht sichtbar ist), und dass man binnen eines einzigen, kurzen Augenblicks vollstandig die Kontrolle iiber ,,seinen” Karper verlieren kann. Er macht plotzlich sein eigenes Ding, vielleicht stirbt er sogar! Und ,,man”, oder das so genannte ,,Ich”, hat ĂŒberhaupt keinen Ein­fluss darauf.
Das Gleiche gilt fiir den Geist. Obwohl ich natiirlich Gedanken der Besorgnis hatte, erschienen sie mir weit weg, ohne Substanz und in keiner Weise ,,griffig” bzw. geeignet, das, was da geschah, zu erklaren oder sinnvoll einzuordnen. Stattdessen war da eher die Wahrnehmung eines Feldes, das – man konnte sagen – eine Prasenz beinhaltete, die nicht naher spezifiziert war. Ich mi.isste dazu mal Ramana Maharshi fragen …

ES GIBT NICHTS ZU TUN

Auf eine eigenartige Art und Weise hatte dieses Erlebnis auch deshalb etwas entspannendes an sich, weil es in dieser Situation nichts zu tun, nichts zu verhindern oder zu andern gab. Die Wespe hatte gestochen, es war bereits geschehen – nun konnte ich mich nur noch dem ergeben, was immer auf mich zukommen wi.irde. Hingabe ist die einzige ,,Handlung”, die Frieden bringen kann. Die Zer­brechlichkeit des Lebens und die – aus einer gewissen Perspektive – auBerst nichtige Bedeutung des ,,Ich” anzu­erkennen, ist eine Erfahrung, die Demut mit sich bringt. Es ist nun ma! so: Das Leben kann zu jedem Zeitpunkt ein plotzliches Ende finden, und ,,ich ” kann nichts dage­gen tun (ahnlich, wie ich auch nicht iiber meine Geburt

bestimmen konnte). All die glanzvollen Vorstellungen von zukĂŒnftigen Erfolgen, der Traum von Wohlstand, Bekanntheit oder Ruhm – oder von ,,spirituellem” Voran­kommen – können innerhalb kĂŒrzester Zeit zerbrechen. Es gibt keinerlei Garantie – auch dann nicht, wenn man sich bemĂŒht, gesundheitsbewusst, achtsam und mit guten Absichten zu leben, oder viel Yoga praktiziert und an die ,,richtigen” Dinge wie Frieden, Liebe und Einheit glaubt. Das ist ein ziemlich beunruhigender Gedanke, mit dem wir uns fĂŒr gewöhnlich nicht gerne beschĂ€ftigen, auch wenn wir tief im Inneren darum wissen.

Denn etwas in uns fragt sich, Bin ich etwa nicht das Zentrum des Universums? Der Fokuspunkt, das Wichtigste ĂŒberhaupt? Schuldet mir das Leben nicht etwas? GlĂŒck, Freude, Gesundheit, ErfĂŒllung meiner WĂŒnsche; mindestens achtzig Jahre, in denen Nahrung, Unterkunft, Geld und ein so genanntes ,,gutes Leben” gewĂ€hrleistet sind, oder, sogar noch besser, ein spirituelles Leben, das hoffentlich mit der Erleuchtung belohnt wird?” (Was auch immer Erleuchtung bedeutet – wir stellen sie uns in der Regel jedenfalls als Zustand vor, in dem sich alle Probleme auflösen und wir uns stets zutiefst erfĂŒllt, glĂŒcklich und zufrieden fĂŒhlen).

Wespen sind fĂŒr mich versteckte, wilde Zen-Lehrer. Sie sind eine gute Erinnerung daran, dass das Leben stets eine lebensbedrohliche Angelegenheit ist, und dass man nichts als selbstverstĂ€ndlich erachten darf. Das Einzige, was uns bleibt, ist der jetzige Moment – und irgendwie liegt, so kommt es mir vor,’ gerade darin die Wurzel immenser Schönheit.

In den Worten des Dichters Wallace Stevens:

“Death is the mother of beauty; hence from her, Alone, shall come fulfilment to our dreams and our desires…” (1)

,,Der Tod ist die Mutter der Schönheit, folglich rĂŒhrt von ihm allein die ErfĂŒllung unserer Traume und unserer WĂŒnsche her.”)

Der Anerkennung der unbestĂ€ndigen und unergrĂŒndlichen Natur des Lebens entspringen – wenn man es wagt, sich ihr zu öffnen – Dankbarkeit, Verbundenheit und MitgefĂŒhl. Es ist schwierig, Dankbarkeit fĂŒr etwas zu empfinden, wenn es fortwahrend sicher und stabil bleibt. Man nimmt es dann schnell als selbstverstĂ€ndlich hin, weil es ja ohnehin immer da ist. Etwas BestĂ€ndiges nehmen wir als langweilig und starr wahr. Deshalb sind wir von unserem Leben auch zuweilen gelangweilt – wir bewegen uns tagaus, tagein gewohnheitsmĂ€ĂŸig in den immer gleichen mental-emotionalen Konstrukten. Auch mit unserer Yogapraxis geschieht das, wenn wir sie nach einem sich stets wiederholenden Schema als weiteren Punkt in unseren durchgeplanten Tagesablauf einfĂŒgen. Oft handelt es sich dabei um nichts weiter als einen Versuch, am Status quo festzuhalten und erschreckenden Emotionen oder unterdrĂŒckte GefĂŒhle in Schach zu halten.

DIE GEFAHR VON LANGEWEILE UND GLEICHGULTIGKEIT

 Langeweile als dauerhafte unterschwellige Grundstimmung ist ein sicheres Anzeichen dafĂŒr, dass man den Kontakt zum Leben verloren hat. Sie ist ein Zeichen fĂŒr eine Taubheit und eine Dumpfheit, aus denen GleichgĂŒltigkeit entsteht. Doch wenn man gleichgĂŒltig ist, dann ist man mehr tot als lebendig. Und wenn man nicht aufpasst, dann verkauft man sich das leicht als spirituelle Haltung und nennt es Gleichmut. Aber nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein!

Wenn man schon von ,,spirituell” sprechen möchte, dann kann man einen Hinweis auf wachsende SpiritualitĂ€t darin sehen, dass man lebendiger, empfindsamer und engagierter wird – man spĂŒrt mehr, nicht weniger. Und man nimmt alles intensiver wahr. Entweder kann man davor zurĂŒckschrecken und das Leben als schwierig und als im negativen Sinne ĂŒberwĂ€ltigend betrachten -als einen Kampf, der am Ende aussichtslos bleibt -, oder man kann Verantwortung ĂŒbernehmen und die Gegebenheiten als Herausforderung annehmen, sie zu erforschen und das Beste daraus zu machen.

DIE EIGENE WAHRHEIT FINDEN

Und wahrhaftig: Uns auf das Nichwissen einzulassen, hĂ€lt uns gesund und munter und offen fĂŒr VerĂ€nderung – vermutlich empfehlen deshalb alle großen spirituellen und religiösen Traditionen das tiefe Kontemplieren der UnbestĂ€ndigkeit des Lebens. Es kann Konzepte und mentale Verhaftungen aufbrechen und befördert den Geist aus seiner Komfortzone heraus. Es öffnet dich fĂŒr dein eigenes VerstĂ€ndnis, fĂŒr deine eigene Erleuchtung sozusagen. lndem wir zulassen, dass die Wahrheit des Augenblicks hervorleuchtet, trauen wir uns, unsere Vorstellungen davon loszulassen, wie etwas sein sollte – und wie wir sein sollten. In diesem Sinne wird der Geist zu einer leeren Tafel, unbeschrieben von unserem angehĂ€uften Wissen und unseren mentalen Konstrukten.

Ironischerweise Ă€ndert sich dadurch auch unsere Wahrnehmung von (bzw. unser BedĂŒrfnis nach) SpiritualitĂ€t oder Religion, denn das Leben zeigt sich als etwas, das jenseits von bestimmten Namen, Etiketten oder dogmatischen Ideologien ist, an die sich der Geist klammert. In dieser Hinsicht könnte es eine gute Idee sein, sogar die Vorstellung zu hinterfragen, dass es in uns – wie viele spirituelle Traditionen sagen – eine ewige, unverĂ€nderliche, freie, wunderbare Essenz gibt; ebenso den von vielen Religionen in Aussicht gestellten Übergang in einen perfekten Himmel nach dem Tod.

Ich sage nicht, dass all das nicht wahr ist; vielleicht ist es vollkommen zutreffend. Aber wer weiß das ganz genau? Und wie kann man es herausfinden? Einfach nur zu glauben, was andere sagen, ist nicht genug. Es liegt an jedem von uns, selbst die Wahrheit herauszufinden – durch eigenes BemĂŒhen und eigene Erforschung. FĂŒr diese Erforschung bedarf es des Einsatzes unseres ganzen Wesens mit Körper, Geist und Herz. Möglicherweise stellen wir dann fest, dass wir die Vorstellungen von etwas Ewigem als eine Flucht benutzen: als tröstliches Konzept, das uns in einer Art von Trance hĂ€lt, weil wir uns vor dem fĂŒrchten, was unter diesem Filter zum Vorschein kommen konnte, wenn wir ihn wegnehmen.

YOGA ALS VERBINDUNG – AUCH MIT DER VERLUSTANGST

In der Regel können wir ĂŒber das Trennungsleid der menschlichen Existenz, also ĂŒber unsere Begrenzungen, Unsicherheiten und Ängste, nur dann hinauswachsen, wenn wir sie uns ansehen und es zulassen, sie zu spĂŒren. Das bedeutet auch, dass wir uns mit dem Thema Tod konfrontieren und es tiefgehend reflektieren sollten. Zu einer Konfrontation damit kommt es zweifellos ohnehin fĂŒr uns alle irgendwann. Wir können uns davon abzuschotten versuchen, indem wir das Thema verdrĂ€ngen, oder wir können uns lernbereit dafĂŒr öffnen. Je frĂŒher wir Letzteres tun, desto besser. Das soll ĂŒbrigens nicht heißen, dass ich mich selbst als furchtlos betrachte. Im Gegenteil: Ich hatte stets – und habe noch immer – eine offensichtliche Angst vor dem Sterben. Aber wenn ich sie mir genauer anschaue, handelt es sich dabei eher um Verlustangst oder um eine Angst vor dem Loslassen. lch habe Angst vor dem Verlust des Lebens, der geliebten Menschen, der liebgewonnenen GefĂŒhle und SinneseindrĂŒcke, der Sinnesfreuden. Und auch davor, die Person zu verlieren, in die ich so viel investiere: mich selbst. Es ist die Angst tief auf dem Grund des Daseins: die Angst davor, nicht mehr da zu sein.

Yoga wird oft als Mittel fĂŒr Verbindung bezeichnet. Aber in Wahrheit ist er die Verbundenheit mit dem Lebendig sein, in welcher Form auch immer es erfahren wird – inklusive der Angst davor, es zu verlieren.

HINGABE

Wie wandelt man nun auf Messers Schneide? Auf der einen Seite der Abgrund von Tod und Ausradierung, auf der anderen Seite der Trost des uns Vertrauten? Indem man sich in Hingabe ĂŒbt, also durch vollkommene PrĂ€senz im jetzigen Moment. Das heißt: Du wirst geradezu zu diesem Moment, der in den nĂ€chsten Moment hineinstirbt – anders ausgedrĂŒckt, du wirst zu einem Dahinfließen. Zum Fluss des Lebens, der mit dir identisch ist und der stets auch den Tod beinhaltet. Hingabe öffnet uns fĂŒr das Wunder der Lebendigkeit, das dich steuert (und nicht von dir gesteuert wird). Leben und Tod sind offenbar nichts weiter als zwei verschiedene Aspekte ein- und desselben. Sie gehören zusammen. Solange wir den Tod nicht als Teil des Ganzen akzeptieren, können wir das Leben nicht voll erfahren. Und solange wir es nicht wagen, uns dem Leben und auch dem Tod zu ergeben, leiden wir!

 

Wie das Tao Te Ching (Vers 40) sagt:

Wiederkehr ist die Bewegung des Tao fließen ist der Weg des Tao
Alle Dinge werden aus dem Sein geboren Das Sein wird aus dem Nicht-Sein geboren (2)

 

Die Zeiten, in denen wir leben, können mit all ihren UnwĂ€gbarkeiten und den damit einhergehen Sorgen und Ängsten ein großes Tor fĂŒr echte Transformation hin zu mehr Bewusstheit, Integration, Verbundenheit und Liebe sein.

Erhöhte Bewusstheit kommt fĂŒr gewöhnlich mit dem Erkennen ihrer Notwendigkeit – wenn wir also erkennen, dass wir der Wahrheit ins Auge blicken mĂŒssen, statt die Dinge nur als das zu betrachten, das wir gern darin sehen möchten. Und das geschieht meist dann, wenn wir Schwierigkeiten gegenĂŒberstehen oder uns in einer Krise befinden.
Ich vermute, dass die Menschen zu frĂŒheren Zeiten eine viel schĂ€rfere Wahrnehmung fĂŒr die Gefahren und Unsicherheiten des Lebens hatten, diese zugleich aber auch viel mehr akzeptiert haben. Man bedenke: Es gab z.B. keine Antibiotika, bereits eine einfache Wundinfektion konnte den Tod bedeuten. Wahrscheinlich waren sie in vielerlei Hinsicht viel bewusster und aufmerksamer, weil der Tod viel stĂ€rker Teil des Lebens war als heutzutage. Heute haben wir ein Virus (oder Wespen), und aus irgendeinem Grund meint jeder, das sei nicht fair, das sollte so nicht sein und sei in unserem hochtechnisierten Zeitalter beinahe ,,anachronistisch”.
Nun, vielleicht brauchen wir ab und an eine Erinne­rung daran, dass wir als Menschen sterbliche biologische Wesen und integraler Teil eines grĂ¶ĂŸeren Organismus namens Natur sind.

Diese Erkenntnis konnte sogar eine heilsame Wirkung auf unsere Annahme haben, dass alles unserer Kontrolle und unserem Kommando untersteht oder unterstehen sollte. In der Zwischenzeit gebe ich mich dem Genuss des eingangs erwĂ€hnten Pflaumenkuchens hin … und hoffe, dass die Wespen mir fernbleiben! ‱

 

  1. Aus: Sunday Morning, erschienen in der Sammlung Harmonium (1923)
  2. Deutsche Obersetzung basierend auf einer Obertragung ins Englische von Stephen Mitchell

 

Ralf Schultz ist Yogalehrer und Leiter von Soma Yoga Freiburg. Er integriert in seine Arbeit ldeen und Einsichten der verschiedenen Traditionen des klassischen Yoga und Ayurveda bis hin zu westlichen Weisheitstraditionen sowie moderne wissenschaftliche und psychologische AnsÀtze. Im Soma Yoga Studio bietet er seit vielen Jahren Yogalehrerausbildungen sowie Weiterbildungen in Ayurveda und Meditation an.

Wie kann man sein Immunsystem stÀrken? Entdecke die 10 besten Tipps der Yogis

Wie kann man sein Immunsystem stÀrken? Entdecke die 10 besten Tipps der Yogis

Die gegenwĂ€rtige Corona Krise zeigt deutlich die Notwendigkeit und Dringlichkeit in vielen Bereichen umzudenken und neue alternative Wege der PrĂ€vention und Gesundheit zu gehen. Obwohl immer noch viele Menschen daran glauben, dass eine wissenschaftlich hochtechnologisierte Medizin uns retten wird, werden die Grenzen dessen und auch die Gefahren und Probleme, die damit einhergehen immer deutlicher. Vielen von uns wird bewusst, dass wir selber Wege finden mĂŒssen unsere Gesundheit und vor allem das Immunsystem zu stĂ€rken und das dafĂŒr eine alternative Sicht-und Denkweise nötig ist.

Feat. in yoga Aktuell

Mai 2021

WIE KANN MAN SEIN IMMUNSYSTEM STÄRKEN?

Originaler Text

Die gegenwĂ€rtige Corona Krise zeigt deutlich die Notwendigkeit und Dringlichkeit in vielen Bereichen umzudenken und neue alternative Wege der PrĂ€vention und Gesundheit zu gehen. Obwohl immer noch viele Menschen daran glauben, dass eine wissenschaftlich hochtechnologisierte Medizin uns retten wird, werden die Grenzen dessen und auch die Gefahren und Probleme, die damit einhergehen immer deutlicher. Vielen von uns wird bewusst, dass wir selber Wege finden mĂŒssen unsere Gesundheit und vor allem das Immunsystem zu stĂ€rken und das dafĂŒr eine alternative Sicht-und Denkweise nötig ist.

Yoga und Ayurveda können uns da viele wertvolle Tipps und Hinweise geben. Ganz allgemein entsteht Gesundheit, wenn wir in Harmonie mit unserer inneren und Ă€ußeren Natur leben und die Verbundenheit und das eingewoben sein in das organische Lebensgewebe erkennen. Das geht nur wenn wir mit den KrĂ€ften der Natur arbeiten, – d.h. mit unserem Körper und unserem Geist – und nicht gegen sie. Yoga und Ayurveda fordern uns zu einer ganzheitlichen und auch spirituellen Sicht auf den Menschen und was Gesundheit bedeutet auf. So ist Gesundheit nicht nur eine Frage von optimalen biochemischen AblĂ€ufen des Körpers, sondern inwieweit wir Balance, Harmonie und Integration von Körper, Geist, Emotionen, Seele und unserer Umwelt und sogar dem Kosmos erfahren.

Das erfordert unsere aktive Partizipation, den Willen zur VerĂ€nderung, Verantwortung und Einsatz. Nur eine Pille zu nehmen oder sich impfen zu lassen, um wieder „normal“ zu funktionieren reicht leider nicht.
Mehr Bewusstsein und Achtsamkeit fĂŒr sich selbst ist oft die Voraussetzung, um langsam VerĂ€nderungen im eigenen Leben anzugehen, anstatt darauf zu warten das es andere fĂŒr uns tun.

 

Ojas

Das optimale Funktionieren des Immunsystems ist abhĂ€ngig von unserer Lebenskraft, der KapazitĂ€t fĂŒr physische und mentale Ausdauer und Widerstandskraft und, sehr wichtig, die Freude, FĂŒlle und Zufriedenheit, die wir im Leben erfahren. In der Terminologie des Yoga wird das auch Ojas genannt. Ojas ist die sublimierte, feinste Form des Wasser Elements und Basis fĂŒr die Bildung aller Körpergewebe und des Nervensystems. Es ist sozusagen die gespeicherte vitale Kraft des ganzen Körpers aus der Essenz aller verdauten Nahrung, dem Wasser, der Luft, den Impressionen und Gedanken.

Prana, Tejas & Ojas
Ojas ist Teil einer Dreiheit subtiler Energien von Prana, Tejas und Ojas. Tejas ist die innere vitale WĂ€rme und Strahlkraft die subtile Form des Feuer Elements welche Ojas als deren Brennstoff braucht.  Prana ist die vitale bewegliche Lebenskraft, die subtile Form der Luft und verantwortlich fĂŒr Bewegung und Zirkulation welche nötig ist, um Ojas zu verteilen. Gleichzeitig braucht Prana als tiefere Grundlage die StabilitĂ€t und Verwurzelung von Ojas. Haben wir wenig Ojas fĂŒhlen wir uns ausgebrannt, kraftlos, nervös, erschöpft, negativ, ohne Antrieb und die Immunabwehr ist schlecht. Alles was wir Essen, fĂŒhlen, denken und tun kann Ojas stĂ€rken oder verringern. Ojas ist die Grundlage, das Lagerhaus und Ressource, die wir brauchen damit wir die KapazitĂ€t haben durch Schwierigkeiten und Herausforderungen hindurchzugehen und unser ganzes Wesen und Potenzial zu entfalten und auszudrĂŒcken. Haben wir genug Ojas besitzen wir innere StabilitĂ€t, Zufriedenheit, Kraft und Durchhaltevermögen. Wir sind wenig krank, positiv und erfahren das Leben als freudvoll und erfĂŒllend.

Mentale ImmunitÀt
WĂ€hrend viele sich der Notwendigkeit der Körperlichen Fitness, Gesundheit und Resilienz bewusst sind ist aus yogischer Perspektive die mentale ImmunitĂ€t, unser geistiges Ojas fast noch wichtiger. Körperliche und geistige ImmunitĂ€t bedingen sich und sollten beide entwickelt werden. Aber wenn der Geist nicht von alten Mustern und Gedanken loslassen kann, getrĂŒbt ist von negativen Emotionen wie Angst, Groll und Schuld haben wir keine oder wenig mentale Abwehrkraft. Wir haben keine Resilienz gegen das Auf und Ab des Lebens und sind innerlich verwirrt und unklar. Unser Geist ist unfokussiert, leicht zu irritieren, ĂŒberstimuliert und gefangen in unreflektierten Reaktionen. Wir werden unter UmstĂ€nden leichter Opfer Ă€ußerer mentaler Pathogene in Form von extremen Meinungen, Ideologien, Verschwörungtheorien, existenziellen Zweifeln, Nihilismus oder sonstigen toxischen EinflĂŒssen.

Hier ein paar Tipps und Gedanken fĂŒr mehr körperliches und mentales Ojas

 

1. Viel an die frische Luft, Bewegung und Workout

Der Körper braucht Bewegung. Am besten in der Natur. Wir sind Natur und unser Organismus braucht die Verbindung zu den Elementen, der Erde, den Pflanzen, der Luft. Das erste was ich im Moment jeden Morgen mache ist ein kurzer Lauf. Das muss nicht lange sein. 10-20 min. Ein flotter Spaziergang funktioniert genauso. Angemessener Workout: Yogahaltungen, Tai-Chi, Qi Gong oder andere Bewegungsformen angemessen an die körperliche Verfassung. Die Körperarbeit des Yoga öffnet durch Dehnungen Blockaden in der Muskulatur und dem Faszialen Gewebe und bringt die Energie wieder ins Fließen. Ebenso krĂ€ftigt Yoga die Muskulatur, idealerweise ohne zu ĂŒberfordern. Um die Resilienz des Körpers zu stĂ€rken braucht er Herausforderung und möglichst eine Auseinandersetzung mit vielen verschiedenen Reizen. RĂŒckzug, die Entfremdung von der Natur, das Leben in klimatisierten RĂ€umen, das Vermeiden von Keimen und Bakterien schwĂ€chen den Organismus. (Bitte beachten: Das ist keine Ermunterung ohne Maske herumzulaufen 😉

Aber wichtig: wenn man sowieso schon erschöpft, ĂŒberreizt und ausgebrannt ist kann ein zu intensiver Workout – oder zu intensives Yoga – das noch verschlimmern. Hier braucht es oft zuerst tonisierende und stĂ€rkende Methoden, um die Energiereserven zu fĂŒllen oder sanfte Yogarichtungen wie Yin Yoga. Dann kann man anfangen leicht zu reinigen um dann Ojas, die Immunkraft gut aufzubauen. Dieser Hinweis ist auch in Bezug auf Pranayama (siehe unten) wichtig).  Yoga in Form einer tĂ€glichen Körperpraxis ist generell eine gute Form der Reinigung und viele Menschen kennen die wohltuende stressreduzierende und balancierende Wirkung am Ende eines Tages oder gehen einmal die Woche in einen (online-) Kurs. Gut ist es eine eigene regelmĂ€ssige Praxis zu etablieren. Das muss nicht unbedingt lange sein. Ein paar Runden Sonnengruss am Morgen kann schon helfen den Tag besser zu starten.

Von den Asanas (Haltungen) entsteht
StabilitÀt in Körper und Geist,
Freiheit von Krankheiten und Leichtigkeit
 

Hatha Yoga Pradipika

In der Hatha Yoga Pradipika, ein Hatha Yoga Text aus dem vermutlich 14 Jhdt wird empfohlen zuerst den Körper durch sogenannte Kriyas (Reinigungshandlungen) zu reinigen, um Schlacken und Toxine aus den Geweben zu lösen (Ă€hnlich wie Pancha Karma des Ayurveda). So wird der Körper und das Nervensystem fit, krĂ€ftig und flexibel gemacht fĂŒr Asanas, Pranayama und Meditation. Obwohl manche der Praktiken zu intensiv und nicht leicht umzusetzen sind (und auch nicht empfehlenswert ohne kompetente Begleitung und den richtigen Kontext) können manche angepasst werden und haben eine gesundheitsfördernde und ImmunstĂ€rkende Wirkung
Sehr gut, um die inneren Organe wie den Darm, die Leber und die Nieren zu stimulieren und zu reinigen sind z.b Nauli und Agni Sara, sowie Uddhiyana Bandha. Sie alle geben eine Art innerer Massage und lösen das fasziale Bindegewebe um und zwischen den Organen.

Ein Praxisvideo dafĂŒr seht ihr hier:

Nauli Kriya

2. Richtig essen: natĂŒrlich und möglichst vegetarisch

Essen ist unser Hauptenergielieferant. Es ist die Basis fĂŒr das Leben und wandelt die Nahrung in Energie um. Im Ayurveda ist die richtige ErnĂ€hrung die wichtigste Medizin. Erst danach folgen andere Behandlungsformen.
Die ErnĂ€hrung sollte möglichst nahrhaft, natĂŒrlich, leicht, gut verdaulich und angepasst an die jeweilige Konstitution sein. Möglichst wenig verarbeitet und idealerweise aus biologischem Anbau. Die vielleicht wichtigste Regel ist, nicht zuviel zu Essen. Ein Viertel des Magens sollten frei bleiben. Auch zu spĂ€tes Essen vor dem Schlafengehen ist nicht ideal.

Ziel ist ein ausgeglichenes Verdauungsfeuer, Agni. Wenn unsere Verdauung optimal funktioniert, alle NĂ€hrstoffe absorbiert und die Abfallstoffe gut eliminiert werden erfreuen wir uns normalerweise guter Gesundheit. Dabei wird nicht nur auf die Wirkung der Nahrung auf den Körper geachtet, sondern auch auf die Herkunft, die Verarbeitung und die PrĂ€sentation. Nahrung, die mit Liebe und Achtsamkeit gekocht wurde, ist immer zu bevorzugen! Die Farben und GerĂŒche des Essens sollten uns erfreuen und innerlich erheben. Am besten im Sitzen und in Stille und mit Fokus essen, ohne Ablenkung. Auf die Emotionen achten: Essen mit Stress oder negativen Emotionen ist schwer verdaulich und sollte vermieden werden. Außerdem sollte die Nahrung möglichst wenig Leid anderen Lebewesen und der Umwelt zufĂŒgen, weshalb grundlegend eine fleischlose ErnĂ€hrung bevorzugt wird. Im yogischen VerstĂ€ndnis hat Fleisch eine trĂ€ge machende, schwere Energie und verhindert den Fluss durch die feinstofflichen EnergiekanĂ€le (Nadis)

Gutes Wasser trinken:
Wichtig ist auch den Körper ausreichend mit hochwertigem Wasser zu versorgen. Ojas ist die feinstoffliche Essenz von Wasser. Und der Körper besteht zu 70% daraus! Softdrinks, Alkohol, zuviel Kaffee und Schwarztee besser vermeiden.

KrĂ€uter und GewĂŒrze
Sie sind voller HeilkrĂ€fte und können helfen subtilere Energien und Prozesse zu unterstĂŒtzen. KrĂ€uter und GewĂŒrze mĂŒssen nicht unbedingt aus Indien kommen damit sie „ayurvedisch“ sind. Wichtig ist die Heilraft und Wirkung. Auch wir haben wunderbare HeilkrĂ€uter und ein altes Wissen darĂŒber. Hier eine kleine Auswahl mit ayurvedischen und heimischen KrĂ€utern:

KrĂ€uter, um Ojas und das Immunsystem zu stĂ€rken: Amalaki, Shatavari, Ashwagandha, Bala, SĂŒssholz, Koriander, Kamille, Petersilie, Kurkuma

KrĂ€uter fĂŒr Zirkulation und Energie, Prana: Engelwurz, Guggul, Ingwer, Pfeffer, Ginseng
KrÀuter zur Reinigung: Brennessel, BÀrlauch, Aloe, Guduchi, Brahmi, Chlorella (Alge)

Mein LieblingsgetrĂ€nk abends ist eine wohltuende warme Reis- oder Mandelmilch mit einer GewĂŒrzmischung aus Kardamon, Zimt und Ingwer im VerhĂ€ltnis 1:2:2 Man kann auch etwas Kurkuma oder Ghee hineingeben. Sehr beruhigend und nĂ€hrend! Wer sich mehr fĂŒr ErnĂ€hrung und den ayurvedischen Lebensstil interessiert dem sei unser Ayurveda Essentials Kurs empfohlen!

 

3. Richtig atmen – AtemĂŒbungen und bewusstes Atmen

Ojas ist die Grundlage auf der sich die bewegliche vitale Energie, Prana, entfalten und ausdehnen kann. Prana ist die vitale Kraft welche Bewegung und Ausdruck erlaubt. Prana nehmen wir durch Nahrung, Atem und die Sinne auf. Ein gewahr sein dafĂŒr, durch was wir Energie gewinnen oder verlieren und von welcher QualitĂ€t die verschiedenen „Energiequellen“ sind ist eine der nötigen Kompetenzen auf dem inneren Weg des Yoga. Einer der wichtigsten TrĂ€ger von Prana ist unser Atem. Durch ihn haben wir das vielleicht wichtigste Werkzeug zur Heilung und zur Regulierung und Kontrolle der Energien und des Geistes. AtemĂŒbungen, Pranayamas, helfen, Stagnationen aufzulösen, den mental-emotionalen Körper zu reinigen und frische Energie (Prana) in unser System zu bringen. Der Atem ist außerdem das Bindeglied zwischen Körper und Geist. Achtsamkeit fĂŒr den Atem entwickelt Achtsamkeit, Fokus und PrĂ€senz, was heißt, der Geist wird wieder mit dem Körper verbunden und stabilisiert. So ist Pranayama im Yoga eines der Mittel, um Geist und Sinne zu beruhigen und auf die Meditation vorzubereiten.

Prana Vidya
Yoga ist die Wissenschaft von Prana Vidya, dem Wissen ĂŒber Energie und wie ich sie kontrollieren und ausdehnen kann. Die 2 Hauptbewegungen von Ein-und Ausatem sind die 2 grundlegenden dualen Komponenten eines jeden Energiekreislaufs: Aufnehmen und Abgeben. Ähnlich wie beim Verdauen von Nahrung sollten beide in Balance sein. Frische Luft und Sauerstoff, frisches Prana wird aufgenommen, zu den Organen und in den ganzen Körper transportiert, verdaut, in Energie umgewandelt. Verbrauchtes, und Co2 wird abgegeben. Die AtemĂŒbungen arbeiten mit dem Atem, um bestimmte energetische Resultate zu erzielen: z.b. um zu reinigen, zu stimulieren und zu aktivieren, um zu beruhigen und zu kĂŒhlen oder um auszugleichen.

Kapalbhati ist eine schnelle aktive Atmung, die reinigt und stimuliert. Der Fokus ist auf dem Ausatmen.  Besonders gut morgens. Außerdem aktiviert es die inneren Organe und erzeugt einen Massageeffekt auf die Bauchorgane.

Die Wechselatmung balanciert und harmonisiert und hat einen ausgleichenden Effekt. Je nach persönlicher Konstitution kann man diese Atmung auch abends noch machen.

Bewusst atmen durch die Nase!
Das wichtigste ist vielleicht immer wieder den Atem bewusst zu vertiefen, und in den Bauch zu atmen. Das hat einen ausgleichenden Effekt auf das Nervensystem. Die Nasenatmung ist hierbei wichtig als ein Filter fĂŒr Bakterien und andere Erreger. In einer wissenschaftlichen Studie wurde festgestellt das 11 Minuten langsame gleichmĂ€ĂŸige Nasenatmung schon messbare positive Resultate erbringt: Dann startet der Organismus eine Art Wartungsprogramm. Beim Umschalten auf den Parasympathikus setzen biologische Reparaturmechanismen ein, es werden ZellschĂ€den behoben und Energiereserven bereitgestellt. Die Ratio, die die Wissenschaftler empfehlen ist ca 4 Sekunden einatmen und 6 Sekunden ausatmen, eine gelĂ€ufige Frequenz, die man in der Wechselatmung praktiziert.

Hier ein Pranayama Praxisvideo dazu zum Zuhause ĂŒben.  Am besten morgens, bevor man in den Tag geht!

Atem und Pranayama Kurs Tag 4

4. Mentale immunitĂ€t – die Kraft der Aufmerksamkeit!

Genauso wie der Körper braucht auch der Geist geeignete, gut zu verdauende Nahrung. Zu laute Musik, zu grelle Farben und zu viele kĂŒnstliche Stimulierungen stören und irritieren den Geist. Auch der Geist braucht das richtige Training und immer wieder kleine Trainingspausen der Erholung und Regeneration. Durch das Internet und den Massenmedien nehmen wir stĂ€ndig neue Informationen, auf die wir nicht mehr verdauen können, welche gleichzeitig aber eine AbhĂ€ngigkeit erzeugen. Das Resultat ist ein GefĂŒhl der Erschöpfung und Leere bis hin zu Depression. Polarisierungen und Spannungen nehmen auf kollektiver Ebene immer mehr zu und soziale Medien spielen eine erhebliche Rolle darin, auch wenn sie mehr das Symptom sind als die wirkliche Ursache. Die Ursache ist ein abgespaltenes entfremdetes Bewusstsein ohne Verbindung zur Gesamtheit.
(Hier ein Artikel von mir ĂŒber dieses Thema)

Wir lassen zu, dass andere Menschen bestimmen was wir sehen, hören und schlussendlich denken. Wir werden zu einem Spielball politischer, sozialer und gesellschaftlicher KrĂ€fte mit ihren eigenen Interessen und versteckten Intentionen. Unser Geist ist stĂ€ndig aktiv, leicht abzulenken und wir lassen die Gedanken unreflektiert Amok laufen, ohne Kontrolle darĂŒber zu haben. Wir sind leicht irritierbar und immer weniger fĂ€hig Kritik oder Konflikt auszuhalten und verlieren leicht die innere Ruhe und Zentriertheit.
Unsere Aufmerksamkeit ist unsere wichtigste Kraft. Das worauf wir unsere Aufmerksamkeit legen bekommt auch Energie. Mit was wir uns innerlich beschĂ€ftigen bestimmt unsere Lebenserfahrung. Welche Gedanken tragen wir im Kopf herum? Was haben sie fĂŒr eine Wirkung? Sind es unsere eigenen? Oder doch die vom letzten YouTube Video oder Facebook Post. Sind die Gedanken und Emotionen die ich auf tĂ€glicher Ebene erfahre und kultiviere positiv und aufbauend oder schwer verdaulich und negativ?
Alles was wir ĂŒber die Sinne aufnehmen hat eine Wirkung und erschafft unsere RealitĂ€t. Bewusstheit ĂŒber die Kraft unserer Aufmerksamkeit und was wir in uns hinein lassen schafft mehr Wahlfreiheit. Uns mit natĂŒrlichen EindrĂŒcken, Farben, GerĂŒchen und GerĂ€uschen zu umgeben sind das beste Erholungsprogramm fĂŒr Sinne und Geist.

Digitales Fasten,

In unserer Zeit von Social Media und zunehmender Digitalisierung ist es essentiell immer wieder auszuschalten und den Geist wieder leer werden zu lassen und mit möglichst natĂŒrlichen EindrĂŒcken zu fĂŒttern. Auch wenn es durch die Pandemie noch schwerer fĂ€llt, oder beruflich schwierig ist auf das Internet zu verzichten.
Wir haben vor kurzem das fĂŒr 3 Tage gemacht: Kein Internet, Computer oder Handy. Es war sehr aufschlussreich. Ein kleiner Bericht darĂŒber und die Erkenntnisse hier von Daisy!

Wir planen das auch jeden Sonntag zu machen und morgens und abends zu meditieren. Wer beim digitalen Sonntagsfasten mit dabei sein möchte kann sich melden unter info@somayoga-freiburg.de und ihr bekommt weiter Infos

 

5. Meditation!

Ojas ist eine Kraft, die aus der Stille entsteht. Stille und Raum haben die grĂ¶ĂŸte Heilkraft. Der Geist ist in seiner Essenz still und weit. Meditation hilft uns diese natĂŒrliche Stille wiederzuentdecken. Durch Achtsamkeitsmeditation trainieren wir den Geist zu beobachten, ohne gleich impulsiv zu reagieren. Wir schaffen ein grĂ¶ĂŸeres Gewahrsein in dem jeder Impuls, jeder Gedanke, jede Emotion Platz bekommt. Aber wir beobachten nur, ohne einzugreifen, ohne zu bewerten. Und wenn wir bewerten bemerken wir das auch
und lassen wieder los. Durch Visualisierungen oder Mantra Meditation trainieren wir den Geist und fangen an eine gewisse Kontrolle zu bekommen welche Gedankenformen wir zulassen und welche nicht. Unser Geist wird flexibler und wir werden unabhĂ€ngiger von den Gedanken, Meinungen und Sichtweisen anderer und lernen unseren eigenen direkten Erfahrungen und Wahrnehmungen zu vertrauen. Am besten ist es langsam eine eigene Praxis Zuhause etablieren. Morgens und abends ca 20 Minuten. Auch gefĂŒhrte Meditationen ĂŒber MP3 (hier zum Beispiel) oder Gruppenmeditationen sind hilfreich. Aber auch immer wieder Raum schaffen, um nichts zu tun. Den Atem spĂŒren, die Langeweile und die Stille. Beobachten und es aushalten, wenn nichts mehr flimmert und den Geist zu einer Reaktion stimuliert.

 

6. in Beziehung gehen, aber richtig!

Alles besteht in und aus Beziehung und Yoga ist grundlegend eine Praxis des In Beziehung Gehens. Mit seinem Körper, dem Atem, dem Geist, aber auch mit seiner Umgebung, anderen Menschen, der Natur. Es ist eine Bewegung hin zu mehr Beziehung und zu mehr IntimitĂ€t mit dem Leben. Je mehr wir dieses eingebunden sein in Beziehung erleben umso mehr Ojas. Allerdings ist Beziehung auch potentiell gefĂ€hrlich, weil es unsere Autonomie infrage stellt und unsere Verletzlichkeit deutlich macht. Viele von uns haben sich zum Schutz abgewandt und zurĂŒckgezogen, oft in der Kindheit oder durch traumatische Erlebnisse und haben Probleme sich voll und ganz auf Beziehung einzulassen. Sich langsam wieder fĂŒr Beziehung zu öffnen kann ein schmerzhafter, aber notwendiger Prozess sein.
Nirgends so scheint es, wird das das Potenzial fĂŒr ErfĂŒllung und GlĂŒck oder tiefster Verletzung und UnglĂŒck deutlicher als im Thema Beziehung. Welche QualitĂ€t haben meine Beziehungen? Nur wenn die Beziehungen, die ich fĂŒhre, respektvoll, liebevoll und ehrlich sind können sie nĂ€hren und erfĂŒllen und Soma (Ojas) kann fließen.
Beziehungen zu anderen Menschen, besonders auch intime Beziehungen, bestimmen wie vielleicht kein anderer Faktor, ob ich mich geschĂ€tzt, geborgen und wertvoll oder das Gegenteil davon empfinde. Beziehungen sind der Spiegel, in dem ich mich selber erkennen kann. Anders ausgedrĂŒckt: Äußere Beziehungen sind Reflektionen einer inneren Beziehung zu mir selbst. Themen und Probleme, die in Beziehungen auftauchen sind immer, in der ein oder anderen Form auch die eigenen. Ich kann den Partner verantwortlich machen oder an mir arbeiten. Ich kann natĂŒrlich auch den Partner wechseln, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die gleichen Probleme in der ein oder anderen Form wieder auftauchen wie zuvor sind hoch.

Selbstakzeptanz
Solange ich fĂŒr mich selbst nicht mein Herz öffnen und meine eigene Ganzheit erkennen kann, werden meine Beziehungen immer Hoffnungs- und Handelsbeziehungen sein auf der Suche nach ErfĂŒllung durch den anderen. Und nicht wenige von uns glauben, dass der eine richtige Partner alle Probleme lösen wĂŒrde und sind auf einer ewigen erschöpfenden Suche.

Deshalb: Zuerst braucht es die Reduzierung und Eliminierung von Selbstablehnung, Selbtshass, Selbstabwertung und SchuldgefĂŒhlen durch vollkommene Selbstakzeptanz. Nur dann wenn wir niemand anderen brauchen zur SelbstbestĂ€tigung, zum Schutz oder ErfĂŒllung oder andersrum, als Feindbild um uns zu definieren, können wir uns fĂŒr wahre Verbindung und Beziehung jenseits oberflĂ€chlicher Anziehung oder Ablehnung öffnen.

 

7. Verbundenheit und Gemeinschaft erfahren

Einer der wichtigsten fundamentalen Faktoren fĂŒr Gesundheit und langes Leben ist das GefĂŒhl von Verbundenheit und das eingebunden sein in etwas GrĂ¶ĂŸeres. In einer wissenschaftlichen Studie wurde herausgefunden, dass soziale UnterstĂŒtzung und Integration grĂ¶ĂŸeren Einfluss auf die Gesundheit haben als Sport und Übergewicht!
(Social Science and Medicine10.2016/j.socscimed.2017.12.020.2018).
Je isolierter wir leben umso ungesĂŒnder. Gruppenzugehörigkeit gibt uns IdentitĂ€t und Sicherheit
und dadurch Gesundheit. Seine Gruppe und Community zu finden ist sehr wichtig! Yoga und Ayurveda limitiert diese Verbundenheit allerdings nicht nur auf eine bestimmte Gruppierung, sondern dehnt diese aus auf die Gesamtheit der Existenz.

      Vasudhaiva Kutumbakam

„Die ganze Welt ist meine Familie“. Dieses Zitat aus einer alten Yoga Upanischad deutet auf die tiefste, und heilsamste Art von Verbundenheit hin, welche die Yogis anstreben. Es ist eine Vision der Einheit, die sich in Vielheit ausdrĂŒckt. Es ist die FĂ€higkeit hinter den Unterschieden das Verbindende zu erkennen. Alles ist ein Ausdruck der gleichen KrĂ€fte und als ein Organismus miteinander verbunden – und trĂ€gt in sich dieselbe Essenz. Wenn wir uns in allem widergespiegelt sehen, erkennen wir die verbindende, tragende Basis, die Wurzeln. Die Unterschiede sind wie die diversen Blumen und FrĂŒchte
auch wenn manche Bitter erscheinen  sind sie Teil einer geteilten RealitĂ€t und IdentitĂ€t. So gesehen ist fĂŒr den Yogi jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze, jede Umgebung seine Community. Trotzdem, oder gerade deshalb, weil die Welt ein bunter, herausfordernder und komplexer Ort ist, ist es wichtig sich mit den Menschen zu verbinden die die gleichen Werte und Ideale teilen damit diese wachsen und gedeihen können. Das ist auch die Idee von Sangha (Gemeinschaft) der spirituellen Traditionen. Gemeinsam Yoga zu praktizieren oder zu meditieren schafft ein unterstĂŒtzendes Netzwerk und hilft motiviert zu bleiben. Gerade wenn man im Umbruch ist und VerĂ€nderungen angehen möchte ist diese UnterstĂŒtzung wichtig. In diesen besonderen Zeiten von Lockdown und KontakteinschrĂ€nkungen brauchen wir ein Netzwerk der Gemeinschaft und das kann, wenn auch reduziert, ĂŒber Zoom funktionieren!
Eines ist wichtig zu reflektieren: Gruppen und Gemeinschaften, ja ganze Gesellschaften, erzeugen eine Dynamik und Kraft die ĂŒber das Individuum hinausgehen und gleichzeitig das Individuum formen und verĂ€ndern. Es ist sicherlich sinnvoll genau hinzuschauen auf was man sich einlĂ€sst und mit wem man sich verbindet. Ausschlaggebend sind die Werte, Intentionen und Ziele hinter einer Gruppe oder Gemeinschaft.

 

8. Singen

Als Kinder haben wir das noch gewusst: Singen ist schön, verbindet und tut gut.
Singen ist wichtiger Bestandteil des traditionellen Yoga weil es eine direkte Wirkung auf unser Befinden und Nervensystem hat! Es beruhigt den Geist, klÀrt die Emotionen und hilft uns vom Kopf in das Herz zu sinken.
Besonders gemeinsam zu singen ist gesund. Mantra singen ist im Yoga oft eine Praxis des Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe. Dabei ist es nicht wichtig “schön” oder “gut” zu singen. Hauptsache man singt.
Durch Hingabe an den Klang, die Vibration, und das Wissen um die innere Bedeutung der Mantras können wir tief loslassen und positive Kraft schöpfen.
Mantras sind innere Wegweiser, die uns zu unserem Selbst fĂŒhren können – zur Zeitlosigkeit in unserem Herzen!

Zusammen Singen  hat eine erwiesenermaßen heilsame Wirkung, es

  • unterstĂŒtzt die AtemtĂ€tigkeit
  • stĂ€rkt das Herz
  • kurbelt die DarmaktivitĂ€t an
  • bringt den Kreislauf in Schwung
  • reguliert den Blutdruck
  • erhöht die SauerstoffsĂ€ttigung im Blut
  • regt die SelbstheilungskrĂ€fte an
  • löst Verspannungen
  • sorgt fĂŒr Ausgeglichenheit
  • baut Aggressionen ab
  • vertreibt Ärger und Stresssymptome
  • hebt die Stimmung
  • hĂ€lt das GedĂ€chtnis in Schuss
  • fördert die KonzentrationsfĂ€higkeit
  • macht kontaktfreudiger und selbstbewusster.Schon nach dreißig Minuten Singen produziert unser Gehirn erhöhte Anteile von Beta-Endorphine, Serotonin und Noradrenalin. Stresshormone wie zum Beispiel Cortisol werden praktischerweise gleich mitabgebaut.

Bei Soma Yoga veranstalten wir regelmÀssiges Mantra Singen. Jeder kann mitmachen! Hier findet ihr die nÀchsten Termine!

 

9. Die richtigen Werte und Intentionen leben

Unsere Lebenserfahrung ist abhĂ€ngig von unseren tieferen Überzeugungen und Intentionen. Diese sind meistens unbewusst. Sie zeigen sich in Form von Gedanken, Einstellungen, Überzeugungen aber auch WiderstĂ€nden, Abneigungen und einfach in den Werten, die wir anstreben – und versuchen zu leben. Wir erfahren das Leben dann als bereichernd, wenn es Bedeutung und Sinn vermittelt und wir das GefĂŒhl haben unser Leben hat Signifikanz fĂŒr andere. Positive und verbindende Werte und Einstellungen wie MitgefĂŒhl, Liebe, Teilen, FĂŒrsorge, Emphatie machen uns und andere gesĂŒnder und lassen uns innerlich expandieren. Yoga basiert deshalb auf den sogenannten Yamas, VorschlĂ€ge ethischer Prinzipien fĂŒr den Umgang mit uns und unserer Umwelt von Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, nicht stehlen, bewusster Umgang mit der Lebenskraft und Nicht horten.

Es ist gut sich zu fragen: Was und wie will ich Leben? Geht es nur um die Maximierung von dem eigenen Wohlstand, Sicherheit und Status? Was soll durch mich in die Welt kommen? Lebe ich mein eigenes Leben, oder passen ich mich den Erwartugen meiner Eltern oder der Gesellschaft an, mache Kompromisse und verleugnen meine innere Stimme? Übernehme ich Verantwortung ĂŒber mein Leben oder gebe ich anderen oder den UmstĂ€nden die Schuld das nichts vorangeht oder das ich leide? Geht es nur um mich und meine BedĂŒrfnisse oder soll durch mich mehr Liebe, Harmonie, MitgefĂŒhl und VerstĂ€ndnis zum Wohle aller in die Welt kommen? Bin ich bereit altes loszulassen, zu heilen und ĂŒber mich selber hinauszugehen?
FĂŒr Werte, die uns verbinden, öffnen und wachsen lassen braucht es unsere aktive UnterstĂŒtzung und Bereitschaft der VerĂ€nderung. Und den Mut dem ins Auge zu blicken was in uns verschlossen, abgekapselt und in einer Opferhaltung bleiben will. Yoga ist eine Aufforderung die eigene Selbstbezogenheit und Egozentrik zu erkennen und darĂŒber hinaus zu gehen und universelle Werte von MitgefĂŒhl & Verbindung zu leben. Das ist enorm befreiend – und gesund!

 

10. Wundern, Staunen und Nichtwissen zulassen!

Was bringt mir ein gesunder Körper, Reichtum oder viel Wissen wenn mein Herz verschlossen ist und ich die FĂŒlle des Lebens nicht spĂŒren kann? Einer der grĂ¶ĂŸten KrĂ€fte des Universums ist Offenheit, loslassen und Hingabe. Zu erkennen und zu Staunen, das jeder Moment neu ist und es nichts festzuhalten gibt. Leben an sich ist grenzenlos und nicht zu erfassen. Zumindest nicht mit dem denkenden Geist. Obwohl vieles im Yoga darauf ausgelegt ist ein tieferes Gewahrsein und mehr Kontrolle ĂŒber Körper, Atem und Geist zu bekommen ist schlussendlich die höchste Form der Kontrolle ein Loslassen davon. Ein hineinentspannen in die Stille, Akzeptanz und das Nichtwissen jenseits der Ambitionen unserer limitierten SelbstidentitĂ€t.

Leben passiert jenseits von Ideen und Konzepten darĂŒber. Bin ich da, prĂ€sent, gegenwĂ€rtig? Wenn ja, dann ist jeder Moment frisch, so wie er ist. Ohne ErklĂ€rung, Bewertung oder Rechtfertigung. Die Farben des Himmels, der Geruch der feuchten Erde, die Begegnung auf der Straße, der Geschmack des Cappuccinos sind so wie sie sind vollkommen ausreichend und erfĂŒllend.

„Wenn alle Knoten des Herzens gelöst sind,
dann wird der Sterbliche Unsterblich“

Katha Upanishad

Der konditionierte Geist trennt, unterscheidet, hĂ€lt fest, abstrahiert und macht alles kompliziert, das innere Herz ist das Symbol der ganzheitlichen fĂŒhlenden ErkenntnisfĂ€higkeit und Einfachheit jenseits der Reaktionen und Anhaftungen des Geistes. Einfachheit bedeutet, die Dinge so zu sehen, wie sie sind ohne „Wissen“, ohne Ideen von gut oder schlecht und eigenen PrĂ€ferenzen. Dann, sagen die Yogis, in diesem direkten Sehen fließt Soma, das höchste Ojas, und wir berĂŒhren etwas außerhalb der Grenzen von Zeit und Raum.

Das Herz, die Essenz im Yoga wird oft mit einer Höhle verglichen. Versteckt, geheim, dunkel und schwierig zu finden. Es ist das Mysterium des Unendlichen, Unaussprechlichen, ewigen und gleichzeitig die Quelle des Kosmos, der sich durch jeden von uns enthĂŒllt. Im Hier und Jetzt. Es wird gesagt das Geheimnis des Herzens ist nur zu finden, wenn wir uns auf die Reise in die Dunkelheit und das Unbekannte machen um das versteckte und tiefste Licht des Bewusstseins darin zu entdecken.

Wie wollen wir diese Lebenszeit, die wir haben nutzen? Alleine die Tatsache das wir nur eine begrenzte Zeit hier zur VerfĂŒgung haben und sterblich sind (wie uns auch die gegenwĂ€rtige Pandemie zeigt), sollte uns motivieren auf die Suche zu gehen nach dem inneren Soma, dem Elixier des Lebens, dem wahren Quell von Gesundheit im Sinne des Yoga.

In diesem Sinne:

May all beings be happy
May all beings be healthy
May all beings find the right way to live
May all beings be free from suffering

Om shanti, shanti, shantih

Shiva – der Heiler und das große lebensspendende Mantra

Shiva – der Heiler und das große lebensspendende Mantra


Shiva – der Heiler und das große Lebensspendende Mantra

 

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oáčƒ tryambakaáčƒ yajāmahe
sugandhiáčƒ puáčŁáč­ivardhanam
urvārukam iva bandhanān
máč›tyor mukáčŁÄ«ya māmáč›tāt

OM Wir verehren Tryambaka (den dreiĂ€ugigen Gott Rudra/Shiva), den wohlriechenden, der sich um alle Wesen kĂŒmmert. Wie ein (reifer) KĂŒrbis (Urvaruka) von seinem Stiel (abfĂ€llt), so möchte ich von Bindung und Anhaftung (Bandhana)  frei werden, von der Sterblichkeit (Mrityor) zur Unsterblichkeit (Amrita) gelangen.

Das Tryambakam Mantra ist eines der bekanntesten und Àltesten Heilungsmantras, das in verschiedenen Stellen der Veden auftaucht.
Es ist eine Shiva Mantra und Shiva wird in den Veden meist Rudra bezeichnet. Er ist Tryambaka, dreiÀugig und sieht mit dem mystischen dritten Auge jenseits der DualitÀt von Subjekt und Objekt die zugrundeliegende Verbundenheit, Einheit und Quelle allen Seins.
Er löst alle inneren Knoten, Kontraktionen, Anhaftungen und Ängste und fĂŒhrt uns zu einer Erkenntnis der inneren Freude und Freiheit.

Das Mantra wird oft in Feuerzeremonien (Homas, Yajnas) benutzt, um die Kraft der inneren Transformation anzurufen und das ins Feuer zu geben was VerÀnderung und Befreiung braucht.
Es ist so das große Moksha (Freiheit) Mantra, welches uns zurĂŒckfĂŒhrt zur Stille, Weite und inneren Frieden Shivas.

Das Mantra ist verbunden mit Rudra / Shiva als der ultimative Heiler und Arzt. Er erlaubt Gesundheit, VitalitÀt und Langlebigkeit und kann bei allen Krankheiten und zur Genesung rezitiert werden.
Genauso kann man es fĂŒr alle ÜbergĂ€nge, VerĂ€nderungen, Initiationen und Transite verwenden, sei es eine Reise, Umzug, Heirat, aber auch Geburtstage oder Todestage.

Hier eine schöne Version mit Daisy & Ralf:

 

Trayambakam - Mahashivratri Celebration 2021

Rudra und Agni, Feuer

Rudra ist verbunden mit Agni, Feuer, als dem Prinzip von Reinigung und Transformation. Rudra-Agni reinigt von allen angesammelten Toxinen und Giften durch die Anwendung von angemessenen Tapas bzw Hitze als transformatives Medium.

Was sind diese Gifte? Auf der Ebene des Körpers kann man das als die tÀglichen Ansammlungen von Spannung und Stress verstehen die sich in den Körpergeweben und Muskeln festsetzen.
Auf der inneren Ebene des Geistes sind es tiefsitzenden unbewussten Tendenzen und Schatten, die wir alle haben. Yoga Texte sprechen von 6 Feinden: Kama (Verlangen), Krodha (Ärger, Hass), Moha (Illusion), Lobha (Gier), Mada (Stolz, Ego), Matsarya (Neid)

Die Buddhistische Tradition hat das auf die 3 Geistesgifte Gier, Hass und Verblendung reduziert. Verblendung (Moha oder Avidya) ist an der Wurzel und kann man als Ignoranz oder Unwissenheit ĂŒber unsere eigene wahre freie, strahlende innere Natur verstehen. Wir empfinden uns als abgetrennte Individuen sind aber essentiell mit allem verbunden. Die Folge ist Leiden.

Obwohl hier von Feinden die Sprache ist werden wir diese „Gifte“ nur durch Anerkennung, Loslassen und Bewusstheit los, nicht, indem wir sie bekĂ€mpfen oder ignorieren. Der erste Schritt ist immer diese „Gifte“ in sich zu erkennen und anzunehmen. Das ist oft nicht so einfach. Wie erkenne ich etwas dessen ich mir unbewusst bin? Wir erkennen es an den Gedanken und GefĂŒhlen, die wir in uns tragen, der QualitĂ€t der Beziehungen die wir fĂŒhren und unserem Level an FĂŒlle und Zufriedenheit.
Tapas bedeutet auch Selbstdisziplin, welche entsteht durch ein Erkennen, dass etwas in uns VerĂ€nderung braucht. Yogapraxis in ihrer Gesamtheit wird in manchen Texten als Tapas bezeichnet. Es ist die geschickte und auch individualisierte Anwendung von Praxis und Disziplin, welche uns an innere und Ă€ußere Grenzen fĂŒhrt, um die inneren unbewussten Inhalte sich entfalten zu lassen. Was bedeutet: mehr zu spĂŒren. Schlussendlich ist Rudra oder Tapas ein Aufruf unsere Komfortzone auszuweiten und zu verlassen und das zu verbrennen was wir emotional und mental abgespalten oder unterdrĂŒckt haben. Ein Zeichen das meine Yoga Praxis wirkt ist deshalb: wir spĂŒren deutlicher was wirklich mit uns los ist.

Asana, Pranayama, Mantra

Asanas, die Haltungen reinigen den Körper. Hier gibt es viele Stile, Schulen und Techniken, von denen man wĂ€hlen kann. Vor allem Drehungen wird gesagt welche die Bauchorgane und die WirbelsĂ€ule stimulieren können die Reinigung unterstĂŒtzen. Idealerweise sollte die gewĂ€hlte Asanapraxis dem Körpertyp entsprechend angepasst werden.
Reinigende PranayamaĂŒbungen wie Bhastrika oder Kapalabhati klĂ€ren den inneren energetischen Körper und bringen neue Energie.
Das Feuerprinzip hat eine tiefe Beziehung zu Prana (Energie) und Sprache bzw Mantra. Sprache im yogischen VerstÀndnis ist das formgebende Prinzip und bildet die Grundlage des Geistes.
Mantras sollen helfen die Schwingungsstruktur des Geistes zu verÀndern und sind ein wichtiges Werkzeug, um den Geist zu klÀren und zu energetisieren.
Nur wenn das Feuer der Unterscheidungskraft (Viveka) unseres Geistes klar und hell brennt und wir klar darĂŒber sind was wir im Leben erreichen wollen und wohin die Reise gehen soll, haben wir die Kraft und die Disziplin der Selbsterforschung – und sind bereit Opfer zu bringen, um das loszulassen, (die alten „Gifte“ in uns) was einer weiteren Entfaltung im Weg steht.

Meditation

Die Praxis der Meditation im Yoga kann man einerseits verstehen als ein Ausrichten und Fokussieren des Geistes um seiner Tendenz der ReaktivitĂ€t, Zerstreuung und Ablenkung entgegenzuwirken. Andererseits ist es ein EinĂŒben von wertfreier Offenheit den Mechanismen und energetischen Bewegungen des Geistes gegenĂŒber. D.h. ich lerne zu beobachten und mit dem zu sein was ist.
Es ist dadurch gleichzeitig ein Prozess des An- und Erkennens der Inhalte aber vielleicht noch wichtiger: wir werden uns der UnbestĂ€ndigkeit aller Gedanken und GefĂŒhle und schlussendlich der UnbestĂ€ndigkeit des Beobachters selbst bewusst.
Anders ausgedrĂŒckt: Der Beobachter und das Beobachtete sind ein und dasselbe. Sie sind miteinander wechselseitig verbunden und nicht voneinander zu trennen. Gedanken und der Denker sind beide verĂ€nderlich, fluktuieren, kommen, bleiben und gehen wieder und sind ohne festen unabhĂ€ngigen Wesenskern.
Diese Einsicht resultiert in einer Art psychologischer Stille und Entspannung.

Loslassen, Stille und Soma

Die tiefste Heilkraft hat Stille und Weite. Es ist keine Stille des Vakuums und des Nichts. Es ist die Stille der FĂŒlle und Verbundenheit einer Gesamtheit.
Wenn etwas in uns zur Ruhe kommt und wir uns eingebunden in ein grĂ¶ĂŸeres Lebensgeflecht erfahren – und uns so selbst vergessen.
Besser gesagt, wir lassen die Geschichte ĂŒber uns, wer wir sind, was wir wollen und was nicht, was wir gut finden und was nicht, wie wir sein sollten und was wir glauben zu sein hinter uns.

Das wird erfahren als ein GefĂŒhl des genĂ€hrt seins, des Vertrauens, der FĂŒlle und Verbundenheit – von Soma. Soma ist der Fluss der Gnade, wenn wir das Leben in seiner FĂŒlle und InterkonnektivitĂ€t erfahren; es ist, als ob wir mit etwas Unendlichem und Unsterblichen in BerĂŒhrung kommen, weshalb Soma auch oft als Nektar oder Ambrosia (Amrit) der Unsterblichkeit bezeichnet wird. Es ist keine Unsterblichkeit des Physischen Körpers oder des Geistes, sondern einer Unerschöpflichen Quelle des Lebens selbst dessen Ausdruck wir sind.

Paradoxerweise wird das dann erfahren, wenn wir Kontrolle und Anhaftung loslassen und bereit sind das Leben – unser Leben – so zu nehmen, wie es ist. Im Mantra wird diese Bedeutung des Loslassens durch den KĂŒrbis (manche sagen es ist eine Gurke ;)) welche sich vom StĂ€ngel löst bildhaft dargestellt.

Soma, im Mantra als Amrit bezeichnet, ist der komplementĂ€re Aspekt von Agni und das kosmische Wasserprinzip. Es steht fĂŒr VerjĂŒngung, Sein lassen, Entspannung und Freude (Ananda)
Soma kommt dann ins Fließen, wenn wir den Griff der Gifte in uns lösen. Wenn wir den Zustand der Erstarrung, man könnte auch sagen der  „TodeskrĂ€fte“ durch die Kraft unserer Bewusstheit auflösen.
Wir bewegen uns vom Toten und Starren, mrityor, hin zu Verbindung, Fließen und Zulassen, mā’mritāt. (máč›tyor mukáčŁÄ«ya māmáč›tāt)

Agni und Soma sind so die elementaren Seiten des Heilungsprozesses auf allen Ebenen. Im Ayurveda sind es die 2 primÀren Heilmethoden als Langhana, (Reduzierung, Detox, Agni/Feuer) und Brimhana (StÀrkung, Aufbau, Tonisierung, Soma/Wasser)

Moksha

Das Tryambakam ist ein sogenanntes Moksha Mantra. Moksha heisst Befreiung und wird im Yoga als das höchste Ziel und die Kulminierung des Lebens betrachtet.
Befreiung von was?
Wie schon oben erwĂ€hnt, von den einengenden Vorstellungen ĂŒber uns selbst, dem Leben, dem Tod, den Giften in uns und dem ganzen Rest.
Es ist keine Freiheit jenseits des Lebens, das wir im Moment fĂŒhren.

Es ist die Freiheit, die entsteht, wenn wir unser Leben, mit allem was das bedeutet, annehmen und eins werden damit.

Jivanmukta

In einem vedantischen Text, der Jivanmukta Gita wird das so ausgedrĂŒckt:

 „Der Jiva ist Shiva/Rudra selbst. Er wohnt allen Wesen inne. Diejenige Person, die diese Wahrheit wĂ€hrend des Lebens zu erkennen vermag, wird „lebend befreit“ genannt.“
Jivanmukta Gita Vers 3


Die Dringlichkeit dessen ist keine Frage der persönlichen Wahl mehr, wenn man erkennt, d.h spĂŒrt, wieviel Leid Verstrickung und Identifikation mit dem eigenen separaten und abgekapselten Leben einhergeht. FĂŒr einen selbst, seine Mitmenschen und die Welt.

Das Tryambakam Mantra kann so eine wunderbare Erinnerung sein an die Notwendigkeit der Reinigung, der Heilkraft des Loslassens, der Akzeptanz von VerÀnderung und UnbestÀndigkeit und der Freude und Ekstase eines befreiten Lebens.

Om Namah Shivaya

 

  • om (à„) – kosmischer Urklang, Schwingung des Absoluten
  • tryambakaáčƒ (à€€à„à€°à„à€Żà€źà„à€Źà€•à€‚ ) – DreiĂ€ugiger Gott: Rudra/Shiva
  • yajāmahe (à€Żà€œà€Ÿà€źà€čà„‡ ) – ehren, opfern, meditieren ĂŒber
  • sugandhiáčƒ (à€žà„à€—à€šà„à€§à€żà€‚à€źà„ ) – wohlriechend
  • pushti (à€Șà„à€·à„à€Ÿà€ż) – wohlhabend, erfolgreich
  • vardhanam (à€”à€°à„à€§à€šà€źà„) – stĂ€rkend
  • urvārukamiva (à€‰à€°à„à€”à€Ÿà€°à„à€•à€źà€żà€” ) – wie ein KĂŒrbis/ Gurke
  • bandhanān (à€Źà€šà„à€§à€šà€Ÿà€šà„ ) – gebunden
  • mrityor (à€źà„ƒà€€à„à€Żà„‹) –  Tod, Serblichkeit
  • mukshÄ«ya (à€°à„à€źà„à€•à„à€·à„€à€Ż) – befreit, frei
  • mā’mritāt (à€źà€Ÿà€œà€źà„ƒà€€à€Ÿà€€à„) – gib mir Unsterblichkeit, Freude

mehr ĂŒber das Tryambakam Mantra

 Hier noch mehr ĂŒber Shiva
https://somayoga-freiburg.de/2021/03/shiva-das-grosse-mysterium-das-unbekannte-und-sat-chit-ananda/

Hier noch mehr ĂŒber Mantras:
https://somayoga-freiburg.de/heilkraft-des-klangs/