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10 Zeichen, dass du bereit bist fĂŒr ein Yoga Teacher Training

10 Zeichen, dass du bereit bist fĂŒr ein Yoga Teacher Training

Du liebst Yoga und denkst immer wieder darĂŒber nach eine Yogalehrer*innen Ausbildung zu machen, hast aber Zweifel oder Bedenken, ob du bereit dafĂŒr bist? Ganz ehrlich, in den meisten FĂ€llen lautet die Antwort darauf: ja, du bist bereit. Ok, das ist natĂŒrlich keine ausreichende KlĂ€rung oder befriedigende Antwort. Hier habe ich versucht etwas ausfĂŒhrlicher das Thema zu adressieren. Inklusive Tipps wie du das passende Teacher Training fĂŒr dich findest:

1. Yoga ist jetzt schon wichtiger Bestandteil deines Lebens und Alltags

Du machst schon lange Yoga und es ist unverzichtbarer Bestandteil deines Alltags. Es gibt dir Halt, Zentrierung und Verbindung. Du spĂŒrst eine tiefe Leidenschaft fĂŒr Yoga, es hat dir ĂŒber schwierige Zeiten geholfen und du hast die transformative Kraft der Praxis selbst erfahren und spĂŒrst den Wunsch es weiterzugeben. Oder du bist einfach hochmotiviert und neugierig deine Praxis und dein Wissen auf das nĂ€chste Level zu heben und noch mehr in den Alltag zu integrieren. Egal ob du es machst, um danach kompetent zu unterrichten oder einfach nur fĂŒr dich, eine Ausbildung ist jetzt der logische nĂ€chste Schritt.

2. du willst dich weiterentwickeln

Du machst jede Woche dein Yoga, warst auf Retreats, hast Workshops gemacht, aber irgendwie reicht es dir nicht. Oder die Wirkung ist nicht nachhaltig, du bist auf einem Plateau angekommen und stagnierst. Yoga-Ausbildungen bieten die Möglichkeit viele Fortschritte in den Asanas zu etablieren aber fördern auch auf allen Ebenen, von der physischen bis zure spirituellen, die persönliche Entwicklung. Wenn du danach strebst, nicht nur körperlich, sondern auch innerlich zu wachsen bist du richtig. In unserer heutigen Zeit ist ein Teacher Training die beste Möglichkeit Yoga in Praxis und Theorie zu vertiefen. Eine Ausbildung schafft den Container und die Struktur innere Blockaden zu ĂŒberwinden und ermöglicht dir, auf allen Ebenen zu lernen und zu wachsen. TĂ€gliche Yogapraxis, Pranayama, Meditation, Auseinandersetzung mit philosophischen Themen und Selbsterforschung unterstützen dich darin, deine innere Kraft, Energie und Liebe in deinen Yoga-Unterricht, dein Leben und in die Welt fließen zu lassen.

3. du glaubst, du bist noch nicht so weit, nicht gut genug, bist zu unflexibel und kannst immer noch keinen Kopfstand


Das höre ich immer wieder und ist ein weitverbreitetes MissverstÀndnis.

Du spĂŒrst in dir den Wunsch Yoga zu vertiefen aber du denkst, du musst enorm flexibel sein, eins A im Kopfstand stehen und schon halb erleuchtet tĂ€glich stundenlang meditieren, bevor eine Ausbildung in Frage kommt. Das sind unkorrekte Annahmen. Du kommst, wie du bist: Deine Bereitschaft dich unperfekt und verletzlich zu zeigen ist Voraussetzung fĂŒr jede VerĂ€nderung – ich wĂŒrde fast sagen: es ist Voraussetzung fĂŒr jeden authentischen Yogalehrer.
Alles in allem: Yogalehrer sind Menschen wie du und ich, aber interessiert sich zu erforschen und zu verbessern. Deshalb lass dich von fehlender FlexibilitÀt, unstetem Geist oder fehlendem Wissen nicht aufhalten. Das sind alles Themen, die wir in einer Ausbildung adressieren.

4. Wunsch nach unterstĂŒtzender Gemeinschaft

Du hast genug davon allein vor dich hin zu yogieren und dich auch noch dafĂŒr zu rechtfertigen, weil dein Umfeld deine Yogaleidenschaft nicht versteht oder verstehen will. Manchmal fĂŒhlst du dich fast schon als Außenseiter, weil du Werte und Ziele hast, die du im Umfeld oder in der Gesellschaft nicht widergespiegelt siehst.
Ein Teacher Training bietet ein unterstĂŒtzendes Netzwerk und ist der ideale Ort, um Gleichgesinnte zu treffen und UnterstĂŒtzung zu finden.

5. Der Honeymoon mit Yoga ist vorĂŒber – aber das macht dir nichts

die Honeymoon Phase mit dem Yoga ist schon vergangen, aber du bleibst dabei, weil du mehr suchst als nur WohlfĂŒhlen. Du willst dein ganzes Potential ausschöpfen. Das ist wie in einer Beziehung. Zuerst schwebt man auf Wolke sieben und denkt alles ist perfekt, aber so langsam landet man und die eigentliche (Beziehungs-) Arbeit beginnt. Soll heißen: dir ist bewusst das es nicht nur um ein „gut fĂŒhlen“ geht; eine Ausbildung sind keine Yogaferien, sondern du wirst ermutigt Themen anzuschauen, Sichtweisen zu erweitern und innere Grenzen zu transzendieren. Du bist bereit an dir zu arbeiten und bringst die nötige Bereitschaft und Offenheit mit.

6. Du suchst ein besseres VerstÀndnis der Philosophie und SpiritualitÀt

Du bist nicht nur an einer Vertiefung der Praktiken und Techniken interessiert, sondern willst mehr ĂŒber den Background von Yoga und Ayurveda verstehen. Dich interessieren die Philosophie und die spirituellen Konzepte und du willst mehr ĂŒber die Schriften, wie die Yoga Sutren erfahren. Du hast erkannt, dass Sichtweisen und Einstellungen unsere praktische Lebenserfahrung bestimmen und dass die Yoga-Philosophie helfen kann, neue Perspektiven – und Lebensmodelle – zuzulassen.

Yogaausbildungen erfordern FlexibilitĂ€t, nicht nur körperlich, sondern auch im Denken. Wenn du bereit bist, dich auf neue Ideen und AnsĂ€tze einzulassen und wissen willst, wie du dein Leben mit yogischer SpiritualitĂ€t neu beleben kannst, ist das ein gutes Zeichen fĂŒr deine Eignung.

7. Du bist in einem Wendepunkt und willst dein Leben neu ausrichten und Àndern

Eine Ausbildung kann nicht nur dein VerstĂ€ndnis von Yoga vertiefen, sondern auch eine lebensverĂ€ndernde Reise sein. Und ehrlich: das sollte Yoga sowieso sein. Eine Reise zu mehr Gesundheit, Klarheit, einem offenen Herz und inneren Frieden. Du erkennst klar, dass die einzige Person, die sich verĂ€ndern sollte, kann und will, du selbst bist. Schritt fĂŒr Schritt lĂ€sst du alte und negative Gewohnheiten hinter dir und ĂŒberrascht dich vielleicht selbst, was da an neuer Inspiration zum Vorschein kommt. Wenn du dich in einer Art Krise, Sackgasse oder Talsohle befindest, kann eine Yogaausbildung die Kraft fĂŒr einen grundlegenden Richtungswechsel aktivieren. Das ist das Feedback vieler vergangener Teilnehmer, und so war es auch fĂŒr mich. Ich war in einer Krise, wollte (und konnte) nicht mehr so weitermachen wie bisher, und meine erste Yogaausbildung war eine unglaublich wichtige UnterstĂŒtzung das Leben positiv und nachhaltig zu verĂ€ndern.

8. Verantwortung fĂŒr deine eigene Gesundheit

Yoga-Ausbildungen lehren nicht nur, wie man Yoga unterrichtet, sondern auch, wie man die eigene Gesundheit und einen harmonischen Lebensstil pflegt. Vor allem wenn noch Ayurveda gelehrt wird (wie bei uns ;). Wenn du wieder auf natĂŒrliche und ganzheitliche Art Verantwortung fĂŒr dein Wohlbefinden ĂŒbernehmen möchtest, und Fitness und VitalitĂ€t steigern willst, ist eine Ausbildung eine gute Wahl.

9. Irgendwie machst du es schon


. das unterrichten.
Kollegen, Freunde oder Bekannte fragen dich immer mal wieder nach Tipps oder ob du ihnen nicht ein paar „YogaĂŒbungen“ zeigen kannst. Du bist fĂŒr sie eh der Yogafuzzi 😉 Es fĂ€llt dir leicht, macht Spaß und fĂŒhlt sich natĂŒrlich an. Der Wunsch, anderen zu helfen und sie auf ihrem Weg zur Gesundheit und Wohlbefinden zu begleiten, ist ein wesentlicher Aspekt des Yogalehrer*innen seins. Wenn du Freude daran hast, anderen zu dienen, könnte eine Ausbildung deine Berufung sein. Du lernst professionell Stunden und Übungsreihen zu erstellen und die richtige Methodik und Didaktik des Unterrichts. Der Wunsch, Wissen zu teilen und andere zu inspirieren, ist entscheidend fĂŒr angehende Yogalehrer*innen. Und wer weiss, vielleicht ist der Yogaunterricht bald dein zweites Standbein oder du inspirierst in deinem Arbeitsumfeld deine Kollegen und du leitest eine kleine Yogagruppe, oder du gehst auf Reisen und unterrichtest in tropischen Resorts, oder oder oder
die Möglichkeiten sind groß.

10. Eine tiefe innere Sehnsucht und inneres GefĂŒhl:

Manchmal ist es einfach ein inneres GefĂŒhl, dass es an der Zeit ist, den nĂ€chsten Schritt auf dem Yogaweg zu gehen. Du weisst vielleicht gar nicht genau warum, aber etwas in dir sehnt sich danach, es ist die leise Stimme, die dir zuflĂŒstert, das im Yoga etwas auf dich wartet. Du spĂŒrst, es ist eine Chance dich selbst zu entdecken und dein Licht zum Strahlen zu bringen: zum Wohle aller. FĂŒr mehr Gesundheit, MitgefĂŒhl, Freude und Frieden in dir und der Welt. Vertraue auf deine Intuition und wenn du spĂŒrst, dass die Zeit reif ist
go for the Yogi (R)Evolution

just do it!

Diese Punkte sind natĂŒrlich bei weitem nicht erschöpfend, aber ich hoffe es hat ein bisschen geholfen. NatĂŒrlich mĂŒssen Zeit und die LebensumstĂ€nde fĂŒr dich passen. Aber genauso wichtig: pass auf, dass du fehlende Zeit oder Energie nicht als Entschuldigung nimmst, um nötige VerĂ€nderungen aufzuschieben. Die beste Zeit ist immer jetzt!

Om Namah Shivaya!!

Epilog:

Wie findest du den richtigen Ort und das passende Format?

Es gibt mittlerweile eine unĂŒberschaubare Anzahl und Vielfalt von Yogaausbildungen.
Es ist nicht egal wo du sie machst.
Es gibt viele Yogastile, Schulen und Lehrer*. Suche dir einen aus der zu dir und deinem Körper passt, dir guttut und dich gleichzeitig angemessen herasusfordert. Probiere verschiedene Schulen / Lehrer aus. Viele bieten Probestunden oder Infoveranstaltungen an. Und wenn möglich, schau nicht nur nach den Kosten. Es gibt auch viele unterschiedliche Formate. 200 Stunden haben sich mittlerweile als Grundausbildung etabliert. Danach kannst du, theoretisch, schon vollwertig unterrichten. Manche bieten Crashkurse in zwei drei oder vier Wochen an. Das Problem ist, das eine Integrations- und Verarbeitungsszeit fehlt. Das ist einer der GrĂŒnde, warum wir die 200 Stunden in einem Jahr machen.  Es hat sich bewĂ€hrt, um langsam hineinzuwachsen. Egal wie, du solltest dich an dem Ort der Ausbildung wohlfĂŒhlen, der Vibe sollte passen und vor allem die Beziehung zum Lehrer sollte stimmen. Yoga lebt nicht nur von Praktiken, Techniken und philosophischen Konzepten.

Transformation durch Beziehung

Das wahrhaft transformative Potenzial des Yoga entsteht durch die direkte SchĂŒler / Lehrer Beziehung. Es ist eine energetische und manchmal fast schon magische Übertragung jenseits von Worten und Konzepten.
Herz zu Herz. Und das funktioniert am intensivsten und besten vor Ort, von Angesicht zu Angesicht. Deshalb bin ich auch kein Fan von reinen online Ausbildungen. Der direkte Kontakt in einem Raum mit wirklichen Menschen lÀsst sich nicht ersetzen.

Oft ist die richtige Wahl der Ort, wo du eh schon Yoga praktizierst. Aber falls deine Schule oder dein Lehrer keine Ausbildung anbieten, höre dich um. Vielleicht haben Freunde oder Bekannte einen Tipp. Spreche mit Absolventen vergangener Ausbildungen, gehe in die Stunden und probiere aus. Erforsche wie du dich fĂŒhlst im Ausbildungsort und bei den jeweiligen Lehrer*innen.

Gute Zeichen meiner Meinung nach (und wirklich meiner Meinung nach),

  • Lehrer und SchĂŒler der Ausbildungsschule sind im Hier und Jetzt verankert, bodenstĂ€ndig ohne allzu viel esoterische TraumtĂ€nzerei
  • die tieferen Aspekte des Yoga wie Meditation und Philosophie werden authentisch vermittelt.
  • Yoga wird nicht nur als Körperarbeit verstanden, sondern ebenso als ein Innerer Weg der Selbstverwirklichung und „way of life“ jenseits der Matte
  • es herrscht eine ernsthafte, engagierte und doch freudvolle und herzliche AtmosphĂ€re die erhebend, inspirierend und beflĂŒgelnd wirkt
  • du fĂŒhlst dich willkommen und gesehen

ein paar nicht so gute Zeichen (meiner Meinung nach):

  • depressive, freud-und humorlose Stimmung
  • allzu strenge, und asketische Lehrer*innen
  • anonyme und sterile „Abfertigung“.
  • Du fĂŒhlst dich nicht gesehen und beklemmt.
  • menschliche und emphatische Inkompetenz der Lehrer*innen
  • zuviel „Heiligkeit, zuwenig Wahrhaftigkeit
  • unĂ€sthetischer, schmutziger oder vernachlĂ€ssigter Yogaraum
  • despotische und herrische Sprache und Verhalten
OM Tannenbaum – yoga, Weihnachten & holy nights

OM Tannenbaum – yoga, Weihnachten & holy nights

Weihnachten steht vor der TĂŒr. FĂŒr viele eine Zeit die man im Kreis der Familie verbringt oder mit guten Bekannten. Von manchen herbeigesehnt, weil es ein willkommenes Verschnaufen vom sonst hektischen Jahr verspricht, von vielen gefĂŒrchtet oder gar verachtet als konsumbeladener, heuchlerisches Friede, Freude Eierkuchenfest ohne wahre Bedeutung. Zudem so scheint es, kommen gerade an Weihnachten familieninterne Konflikte vermehrt zum Vorschein und verstĂ€rken noch den Stress. Dann ist noch das Problem mit der Religion. Viele von uns stehen Religion kritisch oder ablehnend gegenĂŒber und wollen damit nichts (mehr) zu tun haben
oder können damit nichts anfangen.

Also, ich finde Yoga, Weihnachten und auch Religion sind eine wunderbare Kombination. Wenn man etwas hinter die Kulissen der eigenen Weihnachtsmuffelkonditionierung schaut und gleichzeitig hinter die „religiösen“ Symbole, kann das enorm helfen, Weihnachten und die Zeit danach ganz neu zu entdecken und wertzuschĂ€tzen.

Die Sonnwenden – aussen und innen

Schon lange vor Jesus wurde die Neu- und Wiedergeburt der Natur und des Lebens als Licht oder in Form eines Neugeborenen imaginiert. Niemand weiss wann genau Jesu geboren wurde. Es wurde auf die Weihnachtszeit gelegt, die Zeit der Wintersonnwende, weil es die Zeit der Wiedergeburt des Lichts ist. Jesus steht in diesem Fall fĂŒr das Licht in jedem von uns. In der indischen Tradition nimmt die gleiche Stellung und Bedeutung Krishna oder Lakshmi ein (oder eine andere „Form“). Es ist die Sehnsucht und das Potential neu zu erwachen; zu grĂ¶ĂŸtmöglicher Liebe, Verbundenheit und Schönheit und es zu leben und zu verkörpern.

Potente Zwischenzeiten

WĂ€hrend dieses Erwachen potenziell immer möglich ist, wie die Yogatradition betont, können bestimmte Ă€ußere ZeitqualitĂ€ten unterstĂŒtzen. Diese Erkenntnis der gegenseitigen Beeinflussung von Ă€ußeren und inneren Faktoren ist auch die Basis der vedischen Astrologie. Ganz allgemein empfehlen die Yogis in einem Zeitfenster, das sie Brahmamuhurta nennen, zu meditieren. Es ist eine Übergangszeit von der Mitte der Nacht bis zum Sonnenaufgang, ungefĂ€hr zwischen 3.30 und 6.30 Uhr. Hier wird die formlose Dimension erfahrbar, alles ist still, zurĂŒckgezogen und undefiniert. Der neue Tag hat noch keine Form und ist durch die geistigen Samen, die wir sĂ€en beeinflussbar. Es ist die alte Vision und Erfahrung, das wahre Erneuerung nur durch das BerĂŒhren einer zeitlosen Dimension in uns möglich ist.  Wenn wir das “tiefere” Selbst jenseits der Ego Identifikation erfahren, wird loslassen und Neubeginn möglich. Diese Dimension ist aber auch immer eine Auseinandersetzung mit Dunkelheit, Unsicherheit, Nicht Wissen und Auflösung; diese sind oft Voraussetzung fĂŒr eine wirkliche VerĂ€nderung und Neuschöpfung. Das Aushalten und Bewusstmachen der eigenen „Dunkelheit“ liefert das Substratum durch welches das Licht in einem alchimistischen Umwandlungsprozess neu erstrahlen kann. Dunkelheit und Licht sind jeweils im anderen enthalten und bedingen sich gegenseitig. Keines ist per se besser oder schlechter.
In der AbenddĂ€mmerung wird in Indien mit einer Lichterzeremonie, dem Arati, dem göttlichen Licht in allem gedacht. Im grĂ¶ĂŸeren Jahreskreis sind diese potenten Zwischenzeiten unter anderem die Sonnwenden, wie jetzt die Zeit der Wintersonnwende. Sie wurden kulturĂŒbergreifend schon immer mit festlichen Ritualen gewĂŒrdigt und gefeiert. Es ist eine transformative Übergangszeit, von Auflösung, Stille und Neubeginn. Ein Ritus des Wandels und der Möglichkeit von Erneuerung und Transformation.

Hinter die Symbole schauen

Yoga ist als spirituelle Praxis nicht an einen bestimmten Glauben oder Religion gebunden, obwohl es natĂŒrlich eng mit dem Hinduismus verbunden ist. Aber die Essenz von Yoga ist Selbstverwirklichung. Es basiert auf Erfahrung und nicht Glauben. Gleichzeitig anerkennen die Yogis das (religiöse) Symbole und Ideen eine Hilfe sein können, wenn wir sie nicht als absolut betrachten. Mit dem richtigen VerstĂ€ndnis und einem offenen Geist können sie uns mit einer tieferen Bedeutungsebene verbinden. Schon immer haben wir existenziell menschliche, sowie universelle Wahrheiten und Erfahrungen in (Götter-)Geschichten, Metaphern, Symbolen, Ritualen und Mythen ausgedrĂŒckt. Je nach Kultur, Religion und Zeitalter unterschiedlich verweisen sie auf tiefere RealitĂ€ten jenseits Ratio oder Logik – und jenseits von Religion.
TatsÀchlich sind die tiefsten Symbole verbunden mit archetypischen Erfahrungen, die unsere Psyche strukturiert haben und unbewusst in uns wirken.
Symbole, mythologische Geschichten und Rituale enthĂŒllen gleichfalls Orientierung und Sinn und verweisen auf die eigene mysteriöse Verbundenheit mit dem Kosmos. Wenn wir lernen die alten Geschichten und Symbole zu decodieren enthĂŒllen sie ihr Potenzial der inneren Transformation hin zu mehr Ganzheit und Verbindung.
In dem Zusammenhang hat Weihnachten einiges zu bieten

Schauen wir uns ein paar Weihnachts ‚features‘ an.

Vom Weihnachtsbaum und Weltenbaum

Der Weihnachtsbaum ist ein universelles Symbol fĂŒr den Weltenbaum. Ein kosmischer Baum. Diese Vorstellung ist uralt und wir haben sie grĂ¶ĂŸtenteils vergessen. Es ist in vielen nativen und schamanischen Traditionen rund um die Welt zu finden. Auch bei unseren Vorfahren, das waren die Kelten und Germanen. Wir holen uns einen immergrĂŒnen Baum ins Haus, weil er die Quelle von VitalitĂ€t, ja das Leben selbst symbolisiert. Der Weltenbaum ist die Axis Mundi, die Achse der Welt, welche mit tiefen Wurzeln Erde und Himmel verbindet. Am Fuße des Baumes stellen wir Maria und Josef, das Urpaar, Shiva und Shakti auf. In der Krippe, auf Gras und Heu liegt unser göttliches Selbst das sich als Kind in diese Welt verkörpert hat.
An den Weihnachtsbaum selbst hĂ€ngen wir Kerzen und runde leuchtende Kugeln, welche die Sterne die Planeten und den Kosmos reprĂ€sentieren. Auf die Spitze kommt ein großer Stern, der Polarstern, der unserer Seele die Richtung weist.
In den schamanischen Vorstellungen verbindet der Weltenbaum 3 Ebenen: die Unterwelt (Erdgeister, Elementarwesen), Mittelwelt (Welt der Menschen) und der Oberwelt (Engel, Götter).
Er ist der Baum des Wissens und der Baum des Lebens. Es ist alles ein Lebensgewebe und es ist heilig.

Baum des Lebens

Black Elk, ein Sioux Medizinmann, wurde dieses Wissen in einer Vision enthĂŒllt:

„Das heilige Band eines Volkes ist nur einer von vielen welche zusammen den großen Kreis der Schöpfung ausmachen. In der Mitte wĂ€chst ein mĂ€chtiger blĂŒhender Baum des Lebens, der alle Kinder von einer Mutter und einem Vater beschĂŒtzt. Alles Leben ist heilig.“

In der indischen Vorstellung kommt alle Manifestation vom Bewusstsein, der geistigen Ebene; deshalb wurzelt der Weltenbaum in Brahman, dem Ewigen:

Das Universum ist ein Baum, der ewig existiert, seine Wurzeln ragen nach oben, seine Äste abwĂ€rts. Die reine Wurzel dieses Baumes ist Brahman, das Unmanifeste, Formlose, Unsterbliche. Alle Welten sind in ihm enthalten, niemand geht darĂŒber hinaus und er ist das Selbst.“

In der Bhagavad Gita sind die BlĂ€tter des Baumes die Veden (von Veda, Wissen, die alten spirituellen Schriften Indiens) welche das Wissen ĂŒber das Unsterbliche vermitteln.
In einer weiteren Legende ist der indische Weltenbaum auch die Quelle des Soma, des Elixiers der Unsterblichkeit.

Der innere Körper als Baum

In der inneren energetischen Anatomie des Yoga wird die erweckte Bewusstseinskraft, die Kundalini Shakti, vom Wurzelchakra, dem Muladhara, ĂŒber den mittleren Energiekanal der WirbelsĂ€ule (Sushumna) bis zum Kronenchakra (Sahasrara) hochgeleitet und vereint sich dort mit dem transzendenten Aspekt (Shiva), was mit der Erfahrung von Integration und „Erleuchtung“ beschrieben wird. Auch hier finden wir die Analogie des Baumes wieder.

Weihnachtszeit: Reinigung, Vergebung & Loslassen

Die Idee der „alten“ Rituale zur Weihnachts- und Neujahrszeit – die wir auch heute noch, meist unbewusst ausfĂŒhren – war, ungelöste Themen, Verletzungen, verpassten Chancen und Fehler des vergangenen Jahres bewusst zu machen, anzuschauen, und mit einem GefĂŒhl der Vergebung loszulassen, damit sie nicht in das neue Jahr mitgenommen werden. Eine unbewusste Erinnerung an die Notwendigkeit der Reinigung liegt der Weihnachtszeit zugrunde. Man merkt es daran, dass viele Konflikte innerhalb der Familie ausgerechnet jetzt zum Vorschein kommen 😉 Und tatsĂ€chlich, diese Reinigung war und ist auch teilweise die Aufgabe der Familie. Leider ist dieses VerstĂ€ndnis nicht mehr weitverbreitet.
in vielen indigenen Stammestraditionen ist man in Übergangszeiten fĂŒr Rituale zusammengekommen. Man hat sich wieder verbunden, zusammen getanzt und gesungen und so neue Kraft geschöpft. In Heilungsritualen konnte jeder der Anwesenden seine Probleme, Zweifel und Schwierigkeiten schildern, oder, falls es ungelöste Konflikte mit anderen Teilnehmern gibt, diese ansprechen und ausdrĂŒcken. Ohne das die anderen Widersprechen oder kommentieren. Das ist Ă€ußerst heilsam. Daraus wurde wohl im Christentum der Beichtstuhl und in modernen Zeiten der Therapeut. Gerade am Ende eines Zyklus oder Jahres verspĂŒrt man den Wunsch nach KlĂ€rung und Loslassen. Unsere Psyche bringt die unterdrĂŒckten oder unbewussten Themen dann meist mit den Menschen zum Vorschein die uns emotional am nĂ€chsten stehen.

Familienfest oder hÀlt einen die Familie fest?

Die Familie oder die Gemeinschaft ist idealerweise der Ort wo das Individuum Kraft und Vertrauen schöpft und in die grĂ¶ĂŸere Welt initiiert wird. So kann es verantwortungsvoll die Herausforderungen der Welt meistern und seinen Weg finden. So wichtig die Verbundenheit und Versöhnung mit der eigenen Familie und Familiengeschichte ist; so wichtig ist auch das wir loslassen und unserer eigenen Bestimmung folgen. Auf der inneren Reise braucht es dafĂŒr manchmal eine neue oder zusĂ€tzliche Familie die einen darin unterstĂŒtzt das alte loszulassen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Im Yoga ist das die Sangha (spirituelle Gemeinschaft). Ob man dafĂŒr in ein Yogastudio geht, zu einem spirituellen Meister oder einer Meditationsgruppe, wir brauchen alle UnterstĂŒtzung, um das zu manifestieren, was wir im Bild von Christuskind sehen: Das Licht von göttlicher Verbundenheit, Heilung und Liebe, das wir und die Welt brauchen.

Weihnachten, das Fest der Liebe!

Liebe ist die zugrundeliegende RealitĂ€t unserer inneren Essenz sagen die Yogis – und Jesus und vieler anderen Meister, Lehrer und Traditionen. Weihnachten ist ein kollektiver Ausdruck dieser Erkenntnis und eine magische Zeit, in der wir in der Stille der heiligen NĂ€chte der Stimme der Liebe lauschen können. Der Polarstern auf der Spitze des Weihnachtbaumes weist uns den Weg: Alles Leben ist verbunden, alles wird erhalten von der gleichen Lebensraft, vom gleichen Licht, der gleichen Liebe. Die Familie, zu der wir alle gehören, ist nicht nur unsere Herkunftsfamilie, nicht nur unsere Nation oder unsere Glaubensrichtung, sondern die ganze Welt.

‚Vasudhaiva Kuáč­umbakam’

steht in der Maha Upanischad, eine der spirituellen Schriften Indiens: Die Weisen erkennen: die ganze Welt ist eine Familie.
Gerade jetzt, wo Polarisierungen und Spannungen in der Welt zunehmen, brauchen wir dieses VerstĂ€ndnis. Das geht nur wenn wir die Spaltungen in uns selbst erkennen, heilen und loslassen und selbst wieder ‚ganz‘ werden. Yoga ist die Erfahrung eines heiligen Universums, das sich durch uns bewusst wird. Das geht nicht ohne unsere proaktive praktische Beteiligung. Yoga ist die Praxis das heilige zurĂŒck in unser Leben zu bringen durch Reinigung und Neuausrichtung von Herz und Verstand.

Sankalpa

Mit der Weihnachtszeit schließt sich ein Kreislauf damit etwas Neues entstehen kann. All die Feiertage, Bilder, Symbole, Metaphern und altĂŒberlieferten Rituale der Religionen und spirituellen Traditionen sind tief im kollektiven Bewusstsein verankert. Es liegt an uns sie mit Leben, Sinn und Bedeutung zu fĂŒllen. Dann können wir sie nutzen, fĂŒr was sie eigentlich gedacht sind: der inneren Erneuerung und Transformation des eigenen Lebens und Bewusstseins.

Wohin soll es gehen? Was soll durch mich in die Welt kommen? Was wĂŒnsche ich mir tatsĂ€chlich auf der Seelenebene? Wie kann ich das Licht in mir zum Strahlen bringen?  Die Formulierung einer Intention, im Yoga Sankalpa genannt kann dabei helfen. Ein Sankalpa wirkt wie ein Kompass. Man ist noch nicht am Ziel, aber man geht in die richtige Richtung.

“Ich verbinde mich mit meinem inneren Licht des Wissens. In Stille, Dankbarkeit, Wahrhaftigkeit und Loslassen fĂŒhrt mich PrĂ€senz zur ewigen Flamme in meinem Herzen.” 
Das neue Licht wird durch mich geboren.
― Yoga Sankalpa

Happy Christmas
much love und
Om Namah Shivaya

Ralf

Selbstakzeptanz: „du bist genauso richtig wie du bist“ oder nicht?

Selbstakzeptanz: „du bist genauso richtig wie du bist“ oder nicht?

Wer kennt ihn nicht, den Aufruf zur Selbstakzeptanz. Er ist nicht nur in Yogastunden zu hören, man findet ihn stĂ€ndig auf dem großen Selbsthilfe- und Selbstoptimierungs Marktplatz. In esoterischen oder psychologischen Zeitschriften, Blogs und Ratgebern, Kursen, Workshops usw. gehört er zum Standard: „relax, du bist richtig und gut
nimm dich an“. Nun, das ist gar nicht verkehrt, ich teile den Aufruf – so Ă€hnlich – auch ab und zu in Yogastunden. In einem bestimmten Kontext hilft es zu entspannen und loszulassen.

Doch irgendwie scheint es im Alltag nicht immer so zu funktionieren mit dem Akzeptieren. FĂŒr einen Moment, z.b nach einer Yogastunde, fĂŒhlt es sich zwar etwas besser an, aber eigentlich Ă€ndert sich nicht grundlegend etwas. Der Ärger, die SchuldgefĂŒhle oder die Scham tauchen immer noch auf. Warum? Das hat damit zu tun, das Selbstakzeptanz meist nur ein oberflĂ€chliches mentales Konzept bleibt, das unser Geist als Ablenkung nutzt. Eigentlich gibt es 2 Arten von Selbstakzeptanz. Eine die dich verĂ€ndert und freier macht, die andere wo du so bleibst wie du bist und steckenbleibst.

mentale Halluzinationen

Die mentale Form des vermeintlichen Annehmens und Akzeptierens hat mehr mit einer beruhigenden Trance gemein. Wir versuchen uns einzureden, dass es schon ok ist. Wir, die anderen, die Welt. An der OberflÀche sieht es ruhig aus, weiter unten brodelt es. Wir benutzen die Idee von Akzeptanz als AnÀsthetikum und auch Entschuldigung um zu bleiben, wie wir sind. Und wir weichen nötigen wirklichen VerÀnderungen aus.
„So bin ich halt, ich werde immer wĂŒtend, aber ist ok, da kann man nichts machen, ich hab’s akzeptiert“. Dabei spielen wir uns selbst einen Streich und fallen darauf herein. Warum? Weil es unter UmstĂ€nden unangenehm, schmerzhaft oder einfach unbequem werden wĂŒrde, die Wut wirklich zuzulassen.

Das PhĂ€nomen ist nicht nur bezĂŒglich Akzeptanz zu finden: wir benutzen allgemein Konzepte und Ideen damit unser Selbstbild erhalten bleibt.; und um uns selbst und andere zu bestĂ€tigen, zu beruhigen, zu ĂŒberzeugen, aber auch um zu vermeiden, zu tĂ€uschen und zu manipulieren. Oder einfach um uns ein GefĂŒhl der Sicherheit und Orientierung zu verschaffen. Manchmal geht das mit einem seltsam unbegrĂŒndeten und oft infantilen Anspruch einher, die Welt um mich herum soll doch bitte meine BedĂŒrfnisse erkennen und erfĂŒllen.

Hier kommt man nicht umhin festzustellen, dass besonders „spirituelle“ Konzepte wie Einheit, Akzeptanz, Toleranz, unkonditionierte Liebe oder einfach den Anspruch „gut“ zu sein, verlockend einfach missbraucht werden können. Sie werden zu einer oft toxischen Mischung, mit welcher unser Ego eine halluzinatorische und verlockende Wirklichkeit schafft. Die in sich zusammenfĂ€llt, wenn man etwas tiefer bohrt.

 „Ich habe es akzeptiert, Liebe ist universell, ich bin das Licht jenseits von Körper und Geist und muss lernen meine Anhaftungen zu lösen“ nachdem der Partner einen betrogen hat. Nun, das ist auch eine Möglichkeit den Schmerz von sich wegzuhalten. Zumindest oberflĂ€chlich.

Wir alle kennen die Tendenz die Dinge so zu sehen, wie wir es wollen.

Selbstakzeptanz heißt nicht etwas „gut“ zu finden,

es ist kein Versuch etwas zu akzeptieren was einem schwerfÀllt zu akzeptieren. Es ist keine mentale Toleranzgymnastik, kein positives Gutmenschdenken, ja, meistens ist es eben nicht schön, sondern das Gegenteil:

Es ist die FĂ€higkeit mit sich und seinen Empfindungen und GefĂŒhlen zu sein. Egal wie diese sich zeigen. Den Ärger oder die Scham wirklich zu spĂŒren. Ungeschminkt und direkt, ohne auszuweichen.
Das ist oft verblĂŒffend schwierig. Oft ist es sogar unklar welche GefĂŒhle und Empfindungen ĂŒberhaupt da sind oder wir werden von ihnen weggeschwemmt, ohne dass wir etwas dagegen tun können.

Oder können wir doch etwas tun? Bewusstsein schaffen

Yogapraktiken wie die Asanapraxis oder Meditation helfen, wieder in den Empfindungen anzukommen und einen Bewusstseinsraum zu schaffen, um zu erkennen was wirklich ablÀuft.

All die wirren Gedanken, all die widersprĂŒchlichen Emotionen brauchen zuerst mal Platz und Anerkennung. Oder die Taubheit und die GefĂŒhllosigkeit. Meditation bedeutet nicht in einen gedankenfreien Raum voller Frieden und GlĂŒckseligkeit zu schwelgen
welcher meistens eh nicht eintritt, sondern die FĂ€higkeit mit dem zu Sein was ist
und es zu spĂŒren. Sich mit den GefĂŒhlen und Gedanken auseinandersetzen und nicht ausweichen, in Beziehung gehen und erforschen.

Dann kommt vielleicht eine große Erkenntnis in unserer Selbstakzeptanz Reise, man bemerkt: etwas in mir hat gar keine Lust darauf irgendwas zu akzeptieren. Das Einzige, was sich zeigt ist ein großer, wie sagt man so schön, „Stinkefinger“. Das ist eine wunderbare Erkenntnis 

Denn jetzt kannst du Verantwortung fĂŒr den Teil in dir ĂŒbernehmen der sich nicht verĂ€ndern will. Zu akzeptieren das man sich nicht akzeptieren kann. Es ist die Anerkennung der oft zuerst als deprimierend empfundenen Tatsache, dass etwas in uns so bleiben will und keine Lust auf Akzeptanz oder VerĂ€nderung hat. In uns lebt ein zwanghafter Tyrann, der uns die immer gleichen wiederkehrenden Programme von Meinungen, GefĂŒhle und Verhaltensweisen diktiert. Sie sind zu unserer IdentitĂ€t und Teil unseres Selbstbildes geworden. Jetzt habe ich folgende Möglichkeit: ich kann ausweichen oder nicht. Ich kann wegschauen oder mich dem Teil stellen, was heißt, ihn zu spĂŒren und anzuerkennen.
Es ist eine Wahl zwischen 2 Lebensformen. Eine Wahl, die wir irgendwann treffen mĂŒssen und die entscheidend ist, wie sich unser Leben entfaltet. Es ist eine grundlegende Entscheidung:

1. Entweder ich weiche aus und bleibe weiterhin Sklave meiner Gedanken und GefĂŒhle und mache Ă€ußere Faktoren und die Welt fĂŒr meinen Zustand verantwortlich, bin also das Opfer, oder
2. Ich bleibe stehen und schaue den „inneren DĂ€monen“ in die Augen, ĂŒbernehme Verantwortung und erkenne, dass es nur einen Menschen auf dem Planeten gibt, der sich Ă€ndern kann und sollte: Ich selbst

Raus aus der Selbstverleugnung, Angst hilft!

Ich muss ganzheitlich erkennen, d.h spĂŒren, dass es nicht gut ist: meine ungezĂŒgelte Wut, meine wiederkehrende Depression, meine krankhafte Eifersucht, meine Ignoranz, mein GefĂŒhl von Isolation, meine innere Leere, meine Ziellosigkeit, meine Rechthaberei, meine Kontrollsucht, mein MinderwertigkeitsgefĂŒhl, meine Scham, mein Groll, mein Narzissmus, meine Rachegedanken sind nicht gut. Dieses ‚nicht gut‘ muss ich an mich heranlassen, muss erspĂŒren, wie ungesund diese Einstellungen wirklich sind. Sie schaden mir, sie schaden anderen, sie sind nicht das, was ich wirklich bin. Sie limitieren mich und meine Lebensenergie; sie deprimieren und sie decken eine innere Leere ab, welche mir Angst macht.

Bringe die Angst hinter dich

Manchmal hilft folgendes: Stelle dir vor, du lebst dein ganzes Leben lang mit diesen miserablen GefĂŒhlen und Gedanken. Und diese Vorstellung macht dir Angst. Diese Angst kannst du nutzen, denn sie ist berechtigt, sie kann dich motivieren. Du kannst sie umwandeln in eine Kraft der VerĂ€nderung. Du bringst die Angst hinter dich als Schubkraft. Sie steht nicht mehr als unbewusste Blockade vor dir. Du nimmst die sogenannte Selbstakzeptanz nicht mehr, um lethargisch aufzugeben und dein Versagen und deine Limitierungen zu bestĂ€tigen, sondern um aufzuwachen zu deiner wahren GrĂ¶ĂŸe. Du unternimmst (kleine) Schritte, um dein Leben auf die Reihe zu bekommen. Die Limitierungen und empfundenen „Probleme“ werden zum Trittstein und zur Voraussetzung fĂŒr mehr Wachstum und Entfaltung. Es ist keineswegs selbstverstĂ€ndlich, dass man seine Angst ĂŒberhaupt spĂŒrt. Das ist ein fortgeschrittenes Stadium. Viele Menschen wirken nach außen hin unbewegt, selbstbewusst und ruhig – aber haben sich abgeschnitten. SpĂŒren heißt, ich habe mich vom Kopf in den Körper bewegt. Von einem mentalen Konstrukt zu einer aktuellen Empfindung und Erfahrung im Körper. Das ist ein Grund zum Feiern. Etwas in mir ist wieder im Fluss und mit einer existentiellen Ebene verbunden.
Das ist was ich unter Yoga verstehe: die Einheit mit dem Leben zu spĂŒren auf einer verkörperten, vibrierenden und pulsierenden Ebene.

SensibilitÀt zulassen

Alles hat seinen Preis: Die Angst zu spĂŒren heißt auch wieder SensibilitĂ€t zuzulassen. Du öffnest dich deiner Verletzlichkeit. Aber weil die Angst davor verschlossen und stagnierend zu bleiben grĂ¶ĂŸer ist, als die Angst sich zu öffnen bist du bereit dazu. Der Schutzpanzer wird weniger, die Emotionen bewegen sich freier, dein Leben gewinnt an Lebendigkeit und Ausdruck. SensibilitĂ€t heißt, du achtest und respektierst deine Grenzen und GefĂŒhle. Es ist dein fĂŒhlendes Herz nicht dein Verstand, der das bemerkt und deshalb wirst du furchtloser und mutiger.
Du wirst wahrhaftiger und dadurch ekstatischer, weil du nicht mehr festhalten musst an einem engen Selbstbild.

Praxis: Die 4 E Meditation

In der Meditation kann man mit den 4 E’s arbeiten, um langsam wirkliche Selbstakzeptanz zu erreichen:

Die 4e’s sind: Erkennen, Erlauben, Erforschen, Empathisches loslassen

Es ist eine aktive Form der Meditation. Ich bringe mir eine Situation in die Erinnerung die Schwierig war, z.b. ein Streit mit dem Partner oder eine unangenehme Situation mit dem Chef und erkenne die Reaktion und die GefĂŒhle, die dabei auftauchen. Das ist die Voraussetzung: Ich bemerke und erlaube es. Ich weiche nicht aus, sondern gebe dem ganzen Raum, ohne es anders haben zu wollen oder zu rationalisieren. Dann kann ich es erforschen:
Was macht mein Geist, welche Gedanken und Bilder produziert er? Und vor Allem:  Wo spĂŒre ich es im Körper? Was passiert mit dem Atem? Welche Empfindungen sind da? Taubheit, Kribbeln, KĂ€lte, Hitze

Die letzte Phase ist das empathische Loslassen. Ich halte nicht weiter daran fest, indem ich analysiere und weiter darĂŒber nachdenke, sondern lass los mit dem empathischen MitgefĂŒhl fĂŒr alle empfundenen GefĂŒhle und Emotionen.

Selbstakzeptanz ist nicht etwas, was wir wirklich „tun“ können. Es ist die Folge einer gefĂŒhlten Anerkennung und Integration verdrĂ€ngter Bewusstseinsinhalte. Deshalb ist Meditation so wichtig: Wir trainieren den Geist zu beobachten und „Offen“ zu bleiben damit diese sich zeigen können. Diese Offenheit schafft Raum und Freiheit zu erkennen, dass wir diese GefĂŒhle und Empfindungen haben aber nicht diese GefĂŒhle existenziell sind. Das erlaubt wahre Selbstakzeptanz: Wir entdecken das grĂ¶ĂŸere Selbst hinter all den VerĂ€nderungen, Emotionen und Bewegungen. Teil des einen großen Lichts das wir alle sind.

Om Namah Shivaya!

Ralf Schultz

Die 4E Achtsamkeitsmeditation mit Ralf
Diese gefĂŒhrte Meditation mit den 4e’s kann eine effektive Hilfe sein, um sich selber und seine GefĂŒhle zu erforschen. Langsam schaffen wir so mehr Bewusstheit, Freiheit und Akzeptanz. Die 4 E’s sind: Erkennen, Erlauben, Erforschen & Empathisches loslassen.
Probiere es doch mal aus! Free Download!

Ralf Schultz

Ralf Schultz

Yogalehrer und Leiter von Soma Yoga Freiburg

Sein Hauptinteresse liegt in der Erforschung des Potentials, das jedem von uns innewohnt, um innere Freiheit, FĂŒlle, Tiefe, das Mysterium und das Staunen ĂŒber das Leben zu erkennen und zuzulassen. In diesem Sinne ist Yoga fĂŒr ihn vorwiegend ein undogmatischer Weg der Selbstkenntnis, Erforschung und VerĂ€nderung, um dieses Potenzial hier und jetzt zu einer gelebten Erfahrung werden zu lassen.
Ralf integriert in seiner Arbeit Ideen und Einsichten der verschiedenen Traditionen des klassischen Yoga und Ayurveda bis hin zu westlichen Weisheitstraditionen, Schamanismus sowie moderne wissenschaftliche und psychologische AnsĂ€tze. Yoga ist fĂŒr ihn alles was hilft um besser zu erkennen und zu verstehen, was es mit dem Leben auf sich hat. Und so Kraft und Inspiration zu finden fĂŒr die eigene positive VerĂ€nderung zum Wohle aller Wesen und der Erde.Seit vielen Jahren bildet Ralf Yogalehrer aus und leitet vertiefende Weiterbildungsseminare im Bereich Vinyasa Yoga, Ayurveda und Soundhealing. Er versteht es, seine SchĂŒler auf humorvolle und undogmatsiche Art und Weise fĂŒr einen ganzheitlichen spirituellen Weg zu begeistern und zu inspirieren.
Er schreibt regelmĂ€ĂŸig fĂŒr die Zeitschrift “Yoga Aktuell”

Mantra, Atem, Fokus – Die Rolle von Konzentration und Japa Mala im Yoga

Mantra, Atem, Fokus – Die Rolle von Konzentration und Japa Mala im Yoga

Konzentration, Fokus und Japa Mala

Den Geist auszurichten und zu fokussieren ist eine der fundamentalen FĂ€higkeiten fĂŒr mentale ImmunitĂ€t, Selbstkontrolle und Willenskraft. Sie bestimmt schlussendlich erheblich die QualitĂ€t unserer Lebenserfahrung. Statt dem stĂ€ndigen mentalen und emotionalen auf und ab durch Ă€ußere oder innere Ereignisse hilflos ausgeliefert zu sein, bleiben wir verankert, ohne uns ablenken zu lassen.

Die Kraft der Aufmerksamkeit

Allerdings ist das oft leichter gesagt als getan. Aufmerksamkeit und die Mechanismen der Wahrnehmung sind eine komplexe Angelegenheit. Sicher ist: Das worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, bekommt mehr Kraft und wird Teil unserer Erfahrung. Deshalb ist es wichtig den Geist, d.h sich selbst, besser kennenzulernen und mehr Kontrolle ĂŒber die Aufmerksamkeit zu bekommen.
Nötig ist eine Kombination von vorurteilsfreier Erforschung und Introspektion und zielgerichteter VerÀnderung.
Neurophysiologisch ist unsere Aufmerksamkeit wie ein Spotlight, durch das unser Gehirn funktionell und auch physisch stĂ€ndig stimuliert und verĂ€ndert wird. Neuronale Strukturen bilden sich vorwiegend durch das was in unserem bewussten Fokus ist. Gleichzeitig ignoriert und verhindert dieses Spotlight das andere Inhalte und Informationen in unser Gehirn bzw Bewusstsein gelangen. Das ist ein sinnvoller Vorgang solange wir unser Spotlight positiv und kreativ nutzen. Aber nicht, wenn wir keine KapazitĂ€t haben den Fokus von dem zu lösen was negativ, schĂ€dlich und destruktiv auf uns wirkt, wie Ă€ngstliches GrĂŒbeln, zwanghaftes- und Suchtverhalten, brodelnder Groll oder ungesunde Obsessionen.
FĂŒr psychologische Heilung ist die FĂ€higkeit sich von dem zu lösen was verletzt und destruktiv ist und sich mit dem zu verbinden was hilft und heilt zentral.

Dieses Wissen ist fĂŒr die alten kontemplativen Traditionen der Menschheit nichts neues. Im Gegenteil, die KlĂ€rung und Heilung unseres Bewusstseins wird hier meistens als Voraussetzung fĂŒr jede Art von weiterer spiritueller Erkenntnis gesehen. Moderne Achtsamkeitspraxis, Neurowissenschaft und neue therapeutische AnsĂ€tze sowie das alte Wissen des Yoga ĂŒber die Natur des Geistes zeigen erstaunliche Übereinstimmungen und befruchten sich gegenseitig. TatsĂ€chlich kann man ohne weiteres die alten Yogis als die ersten Gehirn- und Achtsamkeitsforscher bezeichnen. Sie haben herausgefunden, wie man das eigene Bewusstsein durch VerĂ€nderung der Gehirnchemie positiv und dauerhaft verĂ€ndert. Achtsamkeitspraktiken mit Körper, Atem, Klang, Visualisierungen, Introspektion und Meditation, genauso wie Gebet und Ritual, resultieren in nachhaltigen VerĂ€nderungen von Einstellungen und Sichtweisen – und zeigen sich im Gehirn. Strukturell in einer StĂ€rkung und ‚Verdickung‘ des PrĂ€frontalen Cortex, desjenigen Gehirnareals das mit der Kontrolle der Aufmerksamkeit, der Handlungen und der Emotionen zu tun hat
und die Wirkung der Amygdala, des „Angstzentrums“ im Gehirn hemmt.
So wie ein Muskel bewegt und trainiert werden muss um stĂ€rker zu werden, muss auch unsere Aufmerksamkeit trainiert werden. Und dafĂŒr ist eine regelmĂ€ĂŸige Praxis und Übung (Sadhana) nötig, so dass sich der Geist von seinem ungesunden „default setting“ – der Fixierung auf das Negative – langsam verabschieden kann. Das ist kein Prozess von heute auf morgen, sondern braucht Zeit, Geduld und Disziplin. Anders gesagt, es braucht eine VerĂ€nderung der Gewohnheiten durch eine Praxis, die uns hilft, Fokus und PrĂ€senz neu auszurichten.
Diese Praxis wird im Yoga Dharana genannt. Dharana kommt von der Wortwurzel ‚Dhri‘ und bedeutet stĂŒtzen, halten, tragen. Es ist im Raja Yoga System das sechste Glied von acht auf dem Weg den den Geist still werden zu lassen. Es bildet mit Dhyana (Meditation) und Absorbtion (Samadhi) die letzten 3 Stufen.

Das energetische Modell.

Das mentale Feld ist aus der Sicht des Yoga aufgebaut aus verschiedenen Ebenen von energetischen Schwingungen und Frequenzen. Die tiefsten Schichten sind unsere unbewussten Einstellungen, Überzeugungen, Werte und Ziele. Unsere bewusste Erfahrung mit all den Gedanken, Bewertungen, Einstellungen, GefĂŒhlen und Handlungen sind der erfahrbare Ausdruck von diesem tieferen Pool. Jede Erfahrung, die wir machen steuert zu diesem Schwingungsfeld bei – je nachdem wie bewusst wir die Erfahrung annehmen, verstehen und verdauen wachsen wir daran oder bestĂ€tigen und stĂ€rken die alten Programmierungen.  Wird eine Ereignis als Überforderung oder zu intensiv erfahren reagieren wir mit einer Stressreaktion bis hin zu Abspaltung der Erfahrung aus unserem Bewusstsein.
Es ist wichtig einerseits unseren Geist vor negativen, stresserzeugenden und traumatischen Erfahrungen zu schĂŒtzen und andererseits positive Ressourcen zu schaffen. Diese stĂ€rken die Resilienz des Geistes und wir können aus ihnen schöpfen, wenn die Zeiten herausfordernd werden. Die stĂ€rkste Schutz- und Widerstandskraft hat Liebe als Folge von Selbstakzeptanz und des GefĂŒhls des getragen- und eingebunden Seins in das Lebensgewebe. Die niedrigste Schwingung und Schutzkraft haben Hass, Neid und Groll.
Die VerĂ€nderung des Schwingungsfelds der tieferen Schichten des Geistes werden im Yoga mit verschiedenen Praktiken angestrebt. Eine der wichtigsten ist die Arbeit und Übung mit Klang (Mantra), Atem (Pranayama) Licht (Visualisierung, Symbol) und Hingabe.

Mantra

 „Man“: Geist
„Tra“: Mittel, Instrument

Mantras sind ein wichtiges Instrument im Yoga, um den Geist auszurichten, zu energetisieren, zu heilen und zu klÀren.
Mantrapraxis hat einen heilenden Effekt auf die zugrundeliegenden mentalen Muster und gibt dem Geist PlastizitĂ€t, AnpassungsfĂ€higkeit und Offenheit und prĂ€pariert ihn fĂŒr die Meditation.

Mantras helfen den Geist von seinen gewohnheitsmÀssigen und oft negativen repetitiven alten Gedankenmustern zu lösen und die ganze Psyche neu mit einem energetischen inneren Fluss zu revitalisieren.
Mantras sind so eine kraftvolle VerjĂŒngungstherapie fĂŒr Kopf und Herz.

3 Typen von Mantras kann man unterscheiden:

  1. Bija (Samen) Mantras:
    Z.B. Om, Shrim, Hum oder Hrim; sie wirken vorwiegend durch die innewohnende Klangvibration und haben eine tiefe Wirkung. Sie drĂŒcken fundamentale energetische KrĂ€fte und Prinzipien aus. OM z.B. ist die subtilste Vibration und die Basis aller Manifestation, es wirkt ausdehnend und öffnend, Hrim wirkt erwĂ€rmend und energetisierend (Sonne), Shrim kĂŒhlend und beruhigend (Mond), usw.
  2. Namen Mantras:
    Z.B. ‘Om Namah Shivaya’ oder ‘Om Namo Bhagavate’, angewandt vorwiegend im Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe, welches einen bestimmten Aspekt des Göttlichen bzw von archetypischen KrĂ€ften ausdrĂŒckt und auf unserer inneren Herzverbindung beruht.
  3. lÀngere Gebete, Hymnen und Anrufungen wie das Gayatri Mantra oder unterschiedliche Friedensmantras. (Lokah Samastah Sukhino Bhavantu z.B.) mit mehr wörtlicher Bedeutung, z.b. die Hanuman Chalisa

Diese Mantras schliessen sich nicht aus sondern können auch zusammen kombiniert werden. Allgemein drĂŒcken sie persönliche und kollektive Wahrheitsebenen aus die wir energetisch aktivieren und  mehr und mehr in unser Bewusstsein heben können. Und was so in unser Bewusstsein kommt und gestĂ€rkt wird, verĂ€ndert von innen heraus unser Leben.

Atem

Mantras können wunderbar mit dem Atem synchronisiert werden. Und wirken dadurch noch besser. Der Atem ist die einzige vitale Funktion, die wir willentlich beeinflussen können und ein Bindeglied zwischen Körper und Geist.
Es ist einer der wichtigsten TrĂ€ger von Prana (Energie) und liegt jedem Mantra zugrunde. Langsame und etwas tiefere Atmung spricht direkt den Vagusnerv an und den evolutionĂ€r alten Hirnstamm. Es beruhigt die Amygdala und aktiviert das parasympathische Nervensystem, welches unseren Organismus in einen Ruhemodus versetzt. Forscher haben jetzt auch herausgefunden das durch gleichmĂ€ĂŸige und bewusste Atmung die neuronale AktivitĂ€t des Gehirns in einen Gleichklang kommt und mehr geistige Klarheit daraus resultiert.

Japa Mala

Mantra und Atem sind also enorm potente Faktoren zur VerÀnderung und Stabilisierung unserer Aufmerksamkeit mit vielen positiven Wirkungen auf Körper und Geist.
Die alte Technik von Japa Mala ist wunderbar dafĂŒr geeignet. Dabei wird mit Hilfe einer Gebetskette das Mantra rezitiert. Wenn man dann noch alles mit dem Atem synchronisiert, haben wir Körper, Atem und Geist zusammengefĂŒhrt.
Traditionell haben die Malas (Gebetsketten) 108 Steine oder Perlen und fĂŒr jede Perle wird das Mantra rezitiert.
Z.b. kann man einatmen mit „Om Namah“, ausatmen „Shivaya“, dann zur nĂ€chsten Perle usw. Morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem zu Bett gehen ein paar Runden Japa Mala kann Wunder wirken.
Frage den Yogalehrer deines Vertrauens fĂŒr die genaue Technik 😉

Soma Dharana
‚Dhara‘ in Dharana heißt auch Fluss, Bewegung. Yoga ist immer auch eine Auseinandersetzung mit der Frage was mein Lebensfokus ist, wohin meine Lebensreise fließen soll.
Der Geist folgt natĂŒrlicherweise immer dem was ihm Zufriedenheit verspricht. Im Versuch zufrieden zu sein suchen wir meist ErfĂŒllung durch Ă€ußere Faktoren.
Soma ist FĂŒlle und Zufriedenheit, die ins Fließen kommt, wenn wir unser Leben darauf ausrichten dem zu folgen was unsere Seele braucht. Es ist der innere Impuls nach Wahrhaftigkeit den wir durch yogische Selbsterforschung und Transformation freilegen und der es uns ermöglicht einschrĂ€nkende Kontrolle loszulassen. Es ist die Anerkennung des Wunsches im innersten unserer Herzen nach Wahrheit, Freiheit und Licht und dessen Realisierung als das höchste Ziel im Yoga.
Yoga Dharana, ist deshalb nicht nur eine Frage der Anstrengung zur Verbesserung der eigenen Gesundheit oder zur persönlichen Heilung, wie wichtig diese auch ist, sondern immer getragen von einer ‚höheren‘ Motivation und Intention zum Wohle aller Wesen und der Erde.

Sind wir von dieser Motivation getragen dann wird jeder Moment, ob angenehm oder nicht zu einem Moment der FĂŒlle und Dankbarkeit, wĂ€hrend wir unabgelenkt und fokussiert unserem inneren Ruf folgen.

Om Namah Shivaya

Ralf Schultz

 

Identifikationen tranzendieren – Yoga Aktuell feat. Ralf Schultz Dez. 2020

Identifikationen tranzendieren – Yoga Aktuell feat. Ralf Schultz Dez. 2020

Feat. in yoga aktuell – Dez 2020

Yoga
und die destruktive Kraft der Identifikation
oder: Warum in jedem von uns ein Rassist schlummert

Yoga als Begriff deutet auf etwas hin was ĂŒber Kultur, Namen, Geschlecht, GruppenidentitĂ€t, Nation, Rasse, Ideologie, Idee und Konzept hinausgeht. Es ist die Erkenntnis dessen, was all die individuellen Ausdrucksformen, Lebensformen und Manifestationen hervorbringt, verbindet und erhĂ€lt.
Wie viele wissen, Verbindung oder Einheit ist eine der gelÀufigen Definitionen des Wortes Yoga.

Yoga aktuell video

Indentifikationen Tranzendieren - Originaler Text

Yoga - und die destruktive Kraft der Identifikation

Yoga Aktuell Dez 2020

Yoga
und die destruktive Kraft der Identifikation
oder: Warum in jedem von uns ein Rassist schlummert

Yoga als Begriff deutet auf etwas hin was ĂŒber Kultur, Namen, Geschlecht, GruppenidentitĂ€t, Nation, Rasse, Ideologie, Idee und Konzept hinausgeht. Es ist die Erkenntnis dessen, was all die individuellen Ausdrucksformen, Lebensformen und Manifestationen hervorbringt, verbindet und erhĂ€lt.
Wie viele wissen, Verbindung oder Einheit ist eine der gelÀufigen Definitionen des Wortes Yoga.
So wie eine individuelle Welle, obwohl einzigartig, in ihrer Essenz immer Wasser bleibt und somit den Ozean in sich trÀgt. Oder wie Inseln im Ozean durch den Meeresgrund miteinander verbunden sind. Was man sieht sind die individuellen Inseln aber nicht die zugrundeliegende Verbindung oder gar die IdentitÀt mit einer fundamentalen RealitÀt.
Je nach Kultur, Zeit und Tradition wurde diese Ebene, dieses Einheitsprinzip unterschiedlich ausgedrĂŒckt: Essenz, Leben, Liebe, Bewusstsein, Gott, Shiva, Kali, Wakan Tanka, Selbst, Quantenfeld, Shunya, Purusha, etc


Wir alle, oder zumindest diejenigen von uns die sich mit Yoga oder SpiritualitÀt beschÀftigen, haben diese Worte schon gehört. Aber wie machen wir aus diesen Worten, Ideen und Konzepten eine gelebte RealitÀt?

Manchmal wird gesagt, diese Essenz wird im Herzen erkannt.
Nicht Herz im Sinne von EmotionalitĂ€t, eher als Ausdruck und Symbol einer inneren ganzheitlichen ErkenntnisfĂ€higkeit, die den Intellekt weit ĂŒbersteigt.
Wie hier aus einer alten Schrift, der Mundaka Upanishad:

“Hell, aber verborgen wohnt das Selbst im Herzen.
Alles was sich bewegt, atmet, öffnet und schließt,
lebt im Selbst. Es ist die Quelle der Liebe
und mag durch die Liebe erfasst werden,
aber nicht durch das Denken”

Yoga geht in diesem Sinne weit ĂŒber verschiedene Stile, Lehren, Tradition, Sichtweisen, spirituelle Systeme oder Praktiken hinaus, obwohl es diese natĂŒrlich nutzt. Es bezieht sich auf die grundlegende IdentitĂ€t der individuellen „Welle“ mit dem Ozean, mit der Gesamtheit.
So gesehen ist jede Manifestation egal auf welcher Ebene und egal welche Form der RealitĂ€t sie annimmt ein Ausdruck einer grĂ¶ĂŸeren Verbundenheit. Soziale und politischen Aspekte sind keineswegs außerhalb dessen, was wir als Thema von Yoga bezeichnen können. Schlussendlich kann jede Art von Erfahrung, die wir von Moment zu Moment machen, ein Zugang sein, durch den wir Yoga erfahren können. Oder anders ausgedrĂŒckt: jeder Moment
ist die einzige Möglichkeit Yoga zu erfahren und die wahrgenommene Trennung zwischen mir und der Welt aufzulösen.

Yoga als Weg der Erforschung Irgendwann mĂŒssen wir deshalb auch die Trennung zwischen „Yoga“ – oder meiner Yogapraxis -und dem Rest des Lebens hinterfragen und so unsere Sicht auf Yoga erweitern.

Was hilft mir die schönste Yogapraxis, wenn dabei mein Herz verschlossen bleibt und sich innerlich nichts verĂ€ndert? Wenn sich weiter alles nur um mich dreht, und die Zuflucht in „mein“ Yoga zu einem Bollwerk wird, genauso wie fixierte politischen Meinungen oder rigide Vorstellungen was man essen soll oder nicht?
Es ist sicherlich nicht damit getan ein- oder zweimal pro Woche zu einem Yoga-Kurs zu gehen, tief zu atmen, das richtige Outfit zu tragen, die richtigen Mantras zu singen oder die richtigen Dinge zu sagen. Positives Instagram und Facebook Profil inklusive.
Traditionell ist Yoga keine eindimensionale Sache. Es gibt viele Formen, Traditionen und Sichtweisen. Viele auch, in denen Asana, die Haltungen, nur eine geringe oder gar keine Bedeutung haben. Das ist unter anderem deshalb, weil Yoga von den Menschen lebt, die es praktizieren und leben und es braucht nicht unbedingt eine elaborierte Asanapraxis dafĂŒr.
Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen wird zum Portal fĂŒr die Erkenntnis der zugrundeliegenden Einheit.
Oder wie es in der Rig Veda, eines der Ă€ltesten spirituellen Texte der Menschheitsgeschichte, frei ĂŒbersetzt, heißt:

„Die Wahrheit ist Eins, die Wege dahin sind vielfĂ€ltig“

Im Kern kann man Yoga als eine offene, undogmatische Untersuchung des Lebens in all seinen Aspekten verstehen. Eine Untersuchung mit einem offenen Ende ohne vorgefertigte Antworten. Wie Untersuche ich das Leben? Indem ich mich selbst erforsche!
Es deutet auf die Möglichkeit hin, dass jeder potenziell fĂ€hig ist, innere Barrieren zu ĂŒberwinden und innerlich frei zu werden. Die spezifischen Praktiken und Methoden sollen uns dabei unterstĂŒtzen, sind aber nicht das ultimative Ziel.

Diese Form der Erforschung braucht – um fruchtbar zu sein – eine wichtige Voraussetzung: Die Yogis nennen es Satya, Wahrhaftigkeit, oder auch Ehrlichkeit sich selbst gegenĂŒber.
weil – potenziell – tragen wir alle Aspekte des Lebens in uns, auch jene, die wir ablehnen.
Fundamental werden
Die innere Dimension des Yoga erschließt sich, wenn wir erkennen, dass unsere GefĂŒhle, Vorstellungen und Meinungen, obwohl sie sich individuell einzigartig ausdrĂŒcken und erfahren werden, gar nicht so persönlich sind wie wir meinen. Sondern sie stellen, jenseits der individuellen Manifestation, Energieformen dar, die einen universellen Charakter haben.
Es gibt Energieformen von Wut, Hass, Freude, Eifersucht, Liebe, Zuneigung usw.
(in frĂŒheren Zeiten wurden diese als Götter ausgedrĂŒckt), das ganze Spektrum der menschlichen Erfahrung, die jeder von uns erfĂ€hrt.
Ob ich die „Rechten“ hasse oder die „Linken“, die gemeinsame Ebene, der verbindende Faktor auf mental-emotionaler Ebene, ist Hass und Groll, der auf eine spezifische Gruppierung gerichtet wird. Was ist wichtiger zu bekĂ€mpfen? Die Spezifizierung d.h die Gruppe, den Anderen, oder das dahinterliegende, fundamentale Prinzip?
Es ist offensichtlich immer wichtiger die tiefere Ebene zu erkennen und zu transformieren.

Yoga ist so ein alchemistischer Prozess der Transformation von „niederen“ Energieformen (Neid, Hass, Selbstsucht
) in das Licht des Erkennens von Shiva ;).
Yoga verbindet unsere biologische, gegebene Natur, mit all den „vererbten“ Flucht- / Kampfmechanismen, Abwehrstrategien und UrĂ€ngsten die in den tiefen, alten Gehirnschichten unbewusst wirken, mit dem höchsten spirituellen Potential der Befreiung und der Realisierung von grenzenloser Verbundenheit. Psychologisch ausgedrĂŒckt ist es die Verwandlung des Unbewussten und des Schattens in das pure Gold des integrierten Selbst, wir verwandeln unsere eigene Dunkelheit in Licht.
Konzeptionelles Verstehen reicht nicht

Der Schatten ist all das was wir verdrĂ€ngt oder nach außen projiziert haben. Ein als negativ erkannter Mechanismus zu verstehen reicht allerdings nicht aus, um ihn grundlegend zu verĂ€ndern, obwohl es sicherlich ein erster Schritt sein kann sich zu bilden und aufzuklĂ€ren. Man kann auch die GrĂŒnde von Krieg, Ungleichheit und Rassismus wunderbar erklĂ€ren und intellektuell verstehen und viele Doktorarbeiten und Studien darĂŒberschreiben, oder hitzig darĂŒber diskutieren und trotzdem Ă€ndert sich auf grundlegender Ebene nicht viel. Dasselbe trifft auch auf unsere inneren Blockaden und Hindernisse zu.

Die Tiefe der Erforschung hĂ€ngt davon ab ob wir bereit sind mit unseren Identifikationen – und Schatten – in Kontakt zu treten, sie aufzudecken, zu fĂŒhlen und zu integrieren.
Nur durch eigene Erforschung, den eigenen Mut und die eigene Anstrengung finden wir unseren ganz eigenen Weg zu Einheit und Verbundenheit. Mut deshalb, weil es nur funktioniert wenn wir aufhören die Schuld anderen zu geben.
Das kann unser Selbstbild erschĂŒttern und uns schlussendlich mit dem Unbekannten und Unsicheren innerlich konfrontieren – mit all dem, was wir vorher nur im Außen gesehen und oft abgelehnt haben. Trauen wir uns den eigenen inneren Rassisten, Sexisten, Diktator und Terroristen zu entdecken, anzuschauen, zu fĂŒhlen, anzuerkennen und zu integrieren?

Unangenehme Wahrheit:
In uns allen schlummert ein kleiner Rassist

Am Beispiel von Rassismus haben Psychologen festgestellt, das rassistische Vorurteile bei jedem Menschen angelegt sind. Es ist eine Art Abwehrmechanismus gegen das potentiell Unbekannte, Fremde und damit potentiell Gefahrvolle.
Schon im Alter von 3 Jahren ordneten die Kleinen heller Haut ohne Zögern positive Eigenschaften zu und dunkler Haut eher negative. Das ist keine böse Absicht, sondern das unbewusste ĂŒbernehmen von Zuschreibungen durch die Umgebung in Zusammenspiel mit Evolutionsbiologisch verankerten Mechanismen.

Alleine die Unterscheidung zwischen Hell und Dunkel ist vielleicht das Àlteste Reaktionskette, die wir in uns tragen.
Werden dann Ă€ußere Merkmale mit tiefen Emotionen verknĂŒpft entstehen kraftvolle unbewusste Überzeugungen.
Forscher haben in einem „Impliziten Assoziationstest“ gemessen, wie eng zwei Begriffe im Gehirn miteinander verbunden sind. Weil „weiß und gut“ im Gehirn fester verknĂŒpft sind als „schwarz und gut“, reagiert das Gehirn von Menschen auf die erste Kombination deutlich schneller und positiver.

Vorurteile und Diskriminierungstendenzen sind eng mit der Entwicklung der eigenen IdentitĂ€t verwoben, mit dem GefĂŒhl, wohin man gehört und wer man ist. FĂŒhlt man sich in seiner IdentitĂ€t bedroht, dann macht sich das Ablehnungspotential in uns bemerkbar.
Die Kraft der Identifikation und das Ich Identifikation heißt, ich verbinde mein SelbstgefĂŒhl, mein Ich-GefĂŒhl und meinen Selbstwert mit bestimmten Attributen und QualitĂ€ten und Vorstellungen und definiere mich durch sie. Das „Ich“ ist aus yogischer (und neurowissenschaftlicher) Sicht keine wirklich statische Einheit, fixiert und abgekapselt, sondern setzt sich aus Erinnerungen, Erfahrungen, Zuschreibungen, und Attributen zusammen die sich immer dynamisch und in AbhĂ€ngigkeit von Erziehung, Freundeskreis und anderen UmwelteinflĂŒssen und inneren PrĂ€dispositionen gebildet haben
und verĂ€nderbar sind.

“Ich” identifiziere und erfahre mich als mĂ€nnlich/weiblich, bi, Hetero, queer, als liberal, national, progressiv, konservativ, als Doktor, Arbeiter, Arm, Reich, Sozialist, Wissenschaftler, Familienmensch, Individualist, Sportler, Musiker, Kommunist, Mutter, Hindu, Christ, Jude, Deutscher, EnglĂ€nder, Lehrer, SchĂŒler, Sohn, Yogi, Yogalehrer

Wir alle investieren in Vorstellungen, Rollen und Sichtweisen die uns, dem Ich, Sicherheit, StabilitĂ€t, Schutz, Geborgenheit und ein gutes GefĂŒhl vermitteln sollen. Es ist zuerst mal ein notwendiger Mechanismus und Teil jeder Persönlichkeitsentwicklung. Es vermittelt uns als getrennte, autonome Wesen ein GefĂŒhl von Sinn und Besonderheit und hilft uns durch die Welt zu navigieren.
Manchmal als Ego ausgedrĂŒckt, tendiert es allerdings dazu unbeweglich, dicht und starr zu werden und bringt so Entfremdung und Leiden.
Wie erkennen wir unsere Identifikationen?

Durch die Vorlieben und Abneigungen und den starken Meinungen, GefĂŒhlen und Emotionen die damit verbunden sind. Diese kommen zum Vorschein u.a. wenn wir kritisiert oder in Frage gestellt werden; z.B. wenn ich mich mit der Rolle des Musikers identifiziere macht es mir unter UmstĂ€nden wenig aus, wenn man mich wegen meiner saloppen Kleidung kritisiert. Wenn man mich aber offen als „schlechten Musiker“ bezeichnet trifft das meinen Selbstwert unter UmstĂ€nden immens.
Das gleiche gilt natĂŒrlich im selben Maße, wenn ich mich als „Yogi‘ oder mit dem Attribut „spirituell“ identifiziere und mich dadurch irgendwie besser oder zumindest „bewusster“ empfinde.

Weitere Hinweise:

– Abwehrreaktionen wie Verleugnung und Projektion
– den Drang sich zu rechtfertigen und zu verteidigen
– starkes „Recht haben“ wollen
– inneres be- und abwerten anderer Meinungen und Personen
– Rationalisieren und Intellektualisieren
– innere Kontraktion, RĂŒckzug, Taubheit
– Ärger, Aggression
– Festhalten an Meinungen und Gewohnheiten

Wir alle fĂŒhlen uns natĂŒrlicherweise zu der einen oder anderen Ansicht, Person oder Gruppe mehr zugehörig als zu einer anderen. Wir haben unterschiedliche Meinungen und Einstellungen und vertreten unterschiedliche Perspektiven; und genau das macht die Welt zu einem bunten und schönen Ort.

Wenn diese „Besonderheit“, sei es Individuell oder in Form von GruppenidentitĂ€t, allerdings zum Maßstab der ultimativen Wahrheit, Sicherheit und Zuflucht wird und dadurch andere Gruppen und Meinungen verachtet, bekĂ€mpft und abgewertet werden und keine Verbindung mehr besteht zu der zugrundeliegenden Verbundenheit, wird es destruktiv.
Die Menschheitsgeschichte ist ein Beispiel fĂŒr den zerstörerischen Effekt auf kollektiver Ebene durch den Wahn von Ideologien und GruppenidentitĂ€ten.

Yoga: mehr als persönliche Wellness und Stressreduzierung
Yoga ist in seinem Kern nicht nur eine Praxis des persönlichen Wohlbefindens und des „WohlfĂŒhlens“, wie wichtig das auch sein mag, sondern wir tragen im Idealfall dazu bei, die Welt um uns herum durch unser Beispiel positiv zu beeinflussen und zu verĂ€ndern – eben dadurch, weil wir tief erkennen, dass wir nicht von ihr getrennt sind.

In diesem Licht gesehen ist es unmöglich, eine echte positive Kraft zu erzeugen, ohne zuerst diese vereinigende Ebene in uns selbst zu entdecken, was bedeutet, den Griff des Ego und seiner vielen Identifikationen zu lockern.
Dies kann ein unangenehmer und schwieriger Prozess sein, schließlich mĂŒssen wir das gesamte Spektrum dessen, was Leben bedeutet, von Schwarz bis Weiss, in uns selbst erfahren und fĂŒhlen und uns auf unsere eigene Verletzlichkeit einlassen.

Trotzdem ist das unabdingbar, denn solange wir nicht selbst in diesem Grund der Einheit verankert sind, oder zumindest Schritte in diese Richtung machen, und nicht durch die Unterschiede und Ă€ußeren Manifestationen hindurch das Erkennen was uns alle verbindet, werden wir immer von einem Ort der eigenen inneren Fragmentierung und Spaltung agieren beziehungsweise reagieren.
Bewusstsein, Begegnung und Kontakt

In einem Grundschulprojekt in Ostdeutschland wurde mit den SchĂŒlern gelesen und erforscht, wie andere Kinder in fremden LĂ€ndern leben. Sie ĂŒbten, Kinder aus anderen Klassen bei ihren Spielen mitmachen zu lassen und möglichst viele „Gruppenzugehörigkeiten“ aufzubauen. Mit Erfolg, Vorurteile wurden enorm abgebaut und die Empathie FĂ€higkeit stieg an.
Genauso funktioniert es auch auf der inneren Ebene. Nur wenn wir direkt den Kontakt zu unserem Schatten herstellen, zu all den abgespaltenen Anteilen der Psyche und sie uns bewusst machen, kennenlernen und anerkennen, werden wir sie integrieren können.
Beobachten lernen: Meditation
Die Praxis der Meditation kann ein Werkzeug werden, um innere Identifikationen zu erkennen. Wir lernen durch die Lenkung der Achtsamkeit nach Innen unsere Mechanismen, Gedanken und Emotionen zu beobachten, ohne sofort zu reagieren.
Wir schaffen einen inneren Raum der Offenheit in dem alle Bewegungen vorurteilsfrei anerkannt und gesehen werden. Ein erster Geschmack von Freiheit entsteht, wenn wir erkennen, dass wir nicht allen Gedanken und Emotionen ausgeliefert sind, sondern sie in einem Feld grĂ¶ĂŸeren Gewahrseins ziehen lassen können.

Diese meditative Grundhaltung kann man auch im aktiven Alltag kultivieren. Man spĂŒrt wie sich der Bauch anspannt wenn man in einer Warteschlange steht, bemerkt die negativen Urteile ĂŒber andere Menschen, bemerkt die Gedanken die daraus resultieren aber man folgt ihnen nicht, sondern konzentriert sich auf den Atem oder auf den inneren Raum der Wahrnehmung selber.
Die Vermittlung von Meditation ist vielleicht eines der wichtigsten Projekte auf gesellschaftlicher Ebene, besonders in Schulen, Jugendeinrichtungen und sozialen Brennpunkten.

Dieses Verbundensein jenseits von allen Grenzen zu erkennen und daraus eine gelebte RealitĂ€t werden zu lassen ist auch kein wirklicher Luxus mehr, sondern vielleicht eine Frage des Überlebens. Yoga so verstanden hat das Potenzial unsere Werte, Ziele und Sichtweisen auf privater, aber auch gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Ebene grundlegend und positiv zu verĂ€ndern. Wenn wir die Erde zu einem besseren, bewussteren Ort machen wollen mĂŒssen wir mit uns selbst anfangen, Schritt fĂŒr Schritt.
Wir erfahren uns dann als Teil des großen, holistischen, unergrĂŒndlichen und magischen Gewebes der Natur, verbunden mit jedem Menschen, den Tieren, Pflanzen, der Erde und dem Himmel, wo alles miteinander in lebendiger Beziehung steht, und alles seinen Platz hat Das bedeutet jedoch nicht das wir passiv alles akzeptieren und zulassen. Im Gegenteil, erst aus der gefĂŒhlten ganzheitlichen Verbindung heraus erkennen wir sehr genau die Unterschiede. Wir sehen was diesem Gewebe guttut und positive Impulse gibt und was nicht und können aus diesem direkten erkennen heraus agieren.
So stellen wir unsere ganz individuellen und einzigartigen Talente und FĂ€higkeiten in den Dienst dieses grĂ¶ĂŸeren Organismus dessen wir Teil sind,
Die individuelle Welle erkennt sich selbst im Ozean wieder.
Unser Herz kennt das Geheimnis.

“When I was the stream, when I was the
forest, when I was still the field,
when I was every hoof, foot,
fin and wing, when I
was the sky
itself
No one ever asked me did I have a purpose, no one ever
wondered was there anything I might need,
For there was nothing
I could not
love”
Meister Eckhart

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Om Namah Shivaya,

much Love,
Ralf Schultz

 

Lese hier den ganzen Artikel auf Yoga Aktuell (nur mit Abo)

Yoga & Religion – Ist Yoga Gottesdienst?

Yoga & Religion – Ist Yoga Gottesdienst?

Yoga & Religion
Ist Yoga Gottesdienst?

Ich werde nie die Antwort vergessen, die ich bekommen habe, als ich einen jĂŒngeren Mann nach seiner ersten Yogastunde gefragt habe wie die Erfahrung fĂŒr ihn war:

„Yoga ist wie eine Mischung aus Gottesdienst und Synchronschwimmen“

Wo er Recht hat hat er Recht. Besonders der Ausdruck „Synchronschwimmen“ wirft eine neue Perspektive auf Yoga. Aber auch eben Gottesdienst: Man spielt andachtsvolle Lieder (Mantren) rezitiert Litaneien (Chants) singt zusammen, fĂŒhrt rituelle Gesten aus, der Priester (Yogalehrer) hĂ€lt eine salbungsvolle Predigt und alle bewegen sich synchron zum choreografierten Ablauf.
SpÀtestens am Ende versenkt sich die Gemeinde in die Andacht Gottes. (Meditation, Shavasana)

Desweiteren höre ich immer wieder nach einer Yogastunde ekstatische Äußerungen wie: „göttlich“ „himmlisch“ oder „herrlich“, „Ich fĂŒhle mich total verbunden“, â€žĂŒberirdisch“

Wenn das keine klaren Indizien sind!

Laut Wikipedia definiert sich Gottesdienst so:
Ein Gottesdienst ist eine Zusammenkunft von Menschen mit dem Zweck, mit Gott in Verbindung zu treten, mit ihm Gemeinschaft zu haben


Na also. Obwohl, hier kommen wir vielleicht doch mit gewissen Schwierigkeiten in Kontakt. Die erste ist natĂŒrlich: Was meinen wir eigentlich mit Gott? Und wie treten wir mit ihm in Kontakt?

Schwieriger Gottesbegriff

Gott kann ja alles mögliche Bedeuten und dadurch fast schon wieder gar nichts. Den Begriff “Gott” scheinen viele verschiedene Gruppen, Camps, Religionen und Mannschaften, fĂŒr sich zu beanspruchen und auf ihre eigene Art und Weise exklusiv zu definieren. Es gibt dann einen christlichen, islamischen, evangelikalen, methodistischen, hinduistischen, atheistischen, theologischen, psychoanalytischen, und sonstigen Gottesbegriff; mit bestimmten „special features“, Attributen und Eigenschaften die eher auf eine soziale und kulturelle Funktion schließen lassen. Religion scheint so eher eine Möglichkeit der exklusiven Identifikation, Abgrenzung und empfundenen Sicherheit zu sein als der Verbindung. Die vielen Konflikte und Kriege im Namen Gottes und von Religionen sind leider ein trauriges Zeugnis davon.

Auch wenn man sich selbst als nicht religiös betrachtet, manche sagen dazu, sÀkular und modern, ist die Kraft und Tiefendimension der Gottesidee enorm und nicht zu ignorieren.

Als Yogalehrer kann man das manchmal merken und dosiert einsetzen, um eine dahinplĂ€tschernde Yogaklasse aufzupeppen und emotional interessanter zu gestalten: Ich lasse dann das Wort „Gott“ einfließen. Es ist erstaunlich:
Die Stimmung wird gleich prÀsenter und intensiver.

Trennung zwischen Gott und Schöpfung

Nicht nur auf der Ă€ußeren auch auf der inneren Ebene: die meisten der großen monotheistischen Religionen formulieren eine Trennung zwischen Gott und seiner Schöpfung (also uns und dem Leben hier auf der Erde). Die nach außen transportierte Geschichte geht ungefĂ€hr so: (es gibt noch eine innere, gnostische, aber lassen wir die mal beiseite)

Das Heilige ist irgendwo im Jenseitigen und Transzendenten und eine Verbindung kann nur durch ein befolgen bestimmter Regeln oder durch ein Bekenntnis zu einem auserwĂ€hlten Botschafter, bzw Sohn Gottes (Jesus z.b.) hergestellt werden. Irgendwie fand ich das schon immer verdĂ€chtig. Warum er und nicht ich? Was ist so speziell an Jesus? Er war ja Zimmermann – ein ehrbarer Beruf, aber das ist Bankkaufmann oder Yogalehrer auch. Und: Gott ist nicht hier und in mir, sondern irgendwo „da draußen“? Und nur durch den Glauben an einen bestimmten Gottmenschen, kann ich auch ein bisschen teilhaben? Und wenn ich mich dann zu einer bestimmten Gruppe bekenne, die das gleiche glaubt wie ich, bin ich Teil der Gemeinde. Die anderen sind angeschmiert, weil sie nicht das „richtige“ Glauben! Seltsame Geschichte.

Ich bin das – die Sichtweise des Yoga

Yoga negiert nicht unbedingt Religion, es ist selber verwoben mit einem religiösen Ausdruck, dem des Hinduismus. Allerdings: Yoga betrachtet die Verschiedenheit der Religionen und Gottesvorstellungen als Ausdruck einer tieferen zugrundeliegender Ebene der Einheit. So stoppt Yoga nicht auf der Ebene der Manifestationen d.h. der einzelnen Religionen, sondern nutzt diese um eine tiefere Dimension zu realisieren, die universell ist. Diese Dimension kann sich unterschiedlich, in im Prinzip unendlichen Möglichkeiten, zeigen:

Verschiedenheit in Einheit.
Einheit in Verschiedenheit.

Yoga kann man verstehen als ein praktischer Weg der Realisierung der Einheit.
Aber nicht der Einheit aller Religionen (ein seltsamer, libertÀrer Wunschgedanke meiner Meinung nach), Kulturen und Gruppen, sondern von Ebenen die auf gewisse Weise wichtiger, weil essentieller, sind als die Einheit der Religionen. (und falls uns Religionen nicht damit verbinden verfehlen sie ihren eigentlichen Zweck) Diese sind:

1. Einheit aller Menschen, jenseits aller Religionen, Kulturen, Rassen, Geschlechter, Ideologien und Glaubenssystemen.

2. der Einheit aller Lebensformen, als Tier, Pflanze, Erde, Mineralien


3. die Einheit allen Seins jenseits aller Dualismen wie Individuum und Kollektiv, Sein und Nichtsein, Transzendenz und Immanenz, Geist und Materie, Mikro und Makrokosmos.

Die QualitĂ€t die uns als Menschen diese Einheit spĂŒrbar vermittelt ist Liebe.
Falls Religionen das nicht vermitteln, jenseits aller Glaubensunterschiede, verfehlt sie ihre Aufgabe und wird zu einem Faktor fĂŒr Trennung und Spaltung.

Yoga geht ĂŒber Religion hinaus

Yoga selbst ist eine Tradition mit vielen verschiedenen Perspektiven und “Schulen”. Manche sind theistisch ausgerichtet und benutzen den Gottbegriff Ă€hnlich wie in der christlichen Sichtweise, andere wiederum kommen gĂ€nzlich ohne Gottesbegeriff aus. Generell werden im Yoga Unterschiede und Differenzierungen nicht abgelehnt, sondern als einzigartige ZugĂ€nge und Chancen begriffen. Religiöse Praktiken, wie Rituale, Beten, Singen etc können benutzt werden, sind aber nicht das Endziel. Das Ziel ist ein innerer Prozess der VerĂ€nderung, der Transformation des Bewusstseins und des Herzens. Damit etwas aufscheinen kann was schon immer da war. Unsere IdentitĂ€t mit der unergrĂŒndlichen Quelle allen Seins, der Quelle aller Liebe. Im Yoga als Shiva, Bewusstsein, Purusha und vielen anderen Namen ausgedrĂŒckt. Wir entdecken Jesus in uns – als uns!

Glauben ist dafĂŒr nicht genug, Es gibt auch keine Idee der Konvertierung zu einer bestimmten Religion oder Überzeugung durch ein Bekenntnis oder einem rein Ă€ußeren Ritus. Genauso wenig wie man zum Christen wird, nur weil man einmal in der Woche in der Kirche betet wird man zum Hindu, weil man einmal in der Woche eine Yogaklasse besucht und Om singt.

Es braucht die eigene individuelle Anstrengung und Bestrebung.
Eine spirituelle Praxis, eine sogenannte Sadhana. Es braucht das Feuer der Erforschung ohne Vorurteile. Ein „nach innen schauen“ um Shiva, das „Göttliche“ in uns zu entdecken und all das zu verbrennen was dem im Wege steht. Erforschen bedeutet eine Reise ohne fixiertes Ende. Ohne dogmatisches Festhalten an einer Vorstellung, Symbol oder einem bestimmten „Gott“. Das Objekt dieser Erforschung ist man selbst und kennt kein Ende. Das können wir heute machen. Jeder fĂŒr sich und zusammen.
Jetzt!

In diesem Sinne ist Yoga der wirkliche Gottesdienst indem es das Heilige dahin zurĂŒckbringt, wo es hingehört, nicht in die Kirchen, Moscheen und Tempel, sondern in uns, als uns: in unseren Körper, in die Natur, in jedes Ă€ußere Objekt, in jeden Moment, in jeden Atemzug, in jede Begegnung und Beziehung

Oder wie Pari, ein Musiker und Satsang Lehrer es so schön formulierte:

„Shiva (Gott) steckt in deiner Hose“

In diesem Sinne!

Hari Om Tat Sat
Ralf Schultz