Identifikationen tranzendieren – Yoga Aktuell feat. Ralf Schultz Dez. 2020

Identifikationen tranzendieren – Yoga Aktuell feat. Ralf Schultz Dez. 2020

Feat. in yoga Aktuell

Dez 2020

Indentifikationen Tranzendieren - Originaler Text

Yoga - und die destruktive Kraft der Identifikation

Yoga Aktuell Dez 2020

Yoga
und die destruktive Kraft der Identifikation
oder: Warum in jedem von uns ein Rassist schlummert

Yoga als Begriff deutet auf etwas hin was über Kultur, Namen, Geschlecht, Gruppenidentität, Nation, Rasse, Ideologie, Idee und Konzept hinausgeht. Es ist die Erkenntnis dessen, was all die individuellen Ausdrucksformen, Lebensformen und Manifestationen hervorbringt, verbindet und erhält.
Wie viele wissen, Verbindung oder Einheit ist eine der geläufigen Definitionen des Wortes Yoga.
So wie eine individuelle Welle, obwohl einzigartig, in ihrer Essenz immer Wasser bleibt und somit den Ozean in sich trägt. Oder wie Inseln im Ozean durch den Meeresgrund miteinander verbunden sind. Was man sieht sind die individuellen Inseln aber nicht die zugrundeliegende Verbindung oder gar die Identität mit einer fundamentalen Realität.
Je nach Kultur, Zeit und Tradition wurde diese Ebene, dieses Einheitsprinzip unterschiedlich ausgedrückt: Essenz, Leben, Liebe, Bewusstsein, Gott, Shiva, Kali, Wakan Tanka, Selbst, Quantenfeld, Shunya, Purusha, etc…

Wir alle, oder zumindest diejenigen von uns die sich mit Yoga oder Spiritualität beschäftigen, haben diese Worte schon gehört. Aber wie machen wir aus diesen Worten, Ideen und Konzepten eine gelebte Realität?

Manchmal wird gesagt, diese Essenz wird im Herzen erkannt.
Nicht Herz im Sinne von Emotionalität, eher als Ausdruck und Symbol einer inneren ganzheitlichen Erkenntnisfähigkeit, die den Intellekt weit übersteigt.
Wie hier aus einer alten Schrift, der Mundaka Upanishad:

“Hell, aber verborgen wohnt das Selbst im Herzen.
Alles was sich bewegt, atmet, öffnet und schließt,
lebt im Selbst. Es ist die Quelle der Liebe
und mag durch die Liebe erfasst werden,
aber nicht durch das Denken”

Yoga geht in diesem Sinne weit über verschiedene Stile, Lehren, Tradition, Sichtweisen, spirituelle Systeme oder Praktiken hinaus, obwohl es diese natürlich nutzt. Es bezieht sich auf die grundlegende Identität der individuellen „Welle“ mit dem Ozean, mit der Gesamtheit.
So gesehen ist jede Manifestation egal auf welcher Ebene und egal welche Form der Realität sie annimmt ein Ausdruck einer größeren Verbundenheit. Soziale und politischen Aspekte sind keineswegs außerhalb dessen, was wir als Thema von Yoga bezeichnen können. Schlussendlich kann jede Art von Erfahrung, die wir von Moment zu Moment machen, ein Zugang sein, durch den wir Yoga erfahren können. Oder anders ausgedrückt: jeder Moment
ist die einzige Möglichkeit Yoga zu erfahren und die wahrgenommene Trennung zwischen mir und der Welt aufzulösen.

Yoga als Weg der Erforschung Irgendwann müssen wir deshalb auch die Trennung zwischen „Yoga“ – oder meiner Yogapraxis -und dem Rest des Lebens hinterfragen und so unsere Sicht auf Yoga erweitern.

Was hilft mir die schönste Yogapraxis, wenn dabei mein Herz verschlossen bleibt und sich innerlich nichts verändert? Wenn sich weiter alles nur um mich dreht, und die Zuflucht in „mein“ Yoga zu einem Bollwerk wird, genauso wie fixierte politischen Meinungen oder rigide Vorstellungen was man essen soll oder nicht?
Es ist sicherlich nicht damit getan ein- oder zweimal pro Woche zu einem Yoga-Kurs zu gehen, tief zu atmen, das richtige Outfit zu tragen, die richtigen Mantras zu singen oder die richtigen Dinge zu sagen. Positives Instagram und Facebook Profil inklusive.
Traditionell ist Yoga keine eindimensionale Sache. Es gibt viele Formen, Traditionen und Sichtweisen. Viele auch, in denen Asana, die Haltungen, nur eine geringe oder gar keine Bedeutung haben. Das ist unter anderem deshalb, weil Yoga von den Menschen lebt, die es praktizieren und leben und es braucht nicht unbedingt eine elaborierte Asanapraxis dafür.
Die Einzigartigkeit eines jeden Menschen wird zum Portal für die Erkenntnis der zugrundeliegenden Einheit.
Oder wie es in der Rig Veda, eines der ältesten spirituellen Texte der Menschheitsgeschichte, frei übersetzt, heißt:

„Die Wahrheit ist Eins, die Wege dahin sind vielfältig“

Im Kern kann man Yoga als eine offene, undogmatische Untersuchung des Lebens in all seinen Aspekten verstehen. Eine Untersuchung mit einem offenen Ende ohne vorgefertigte Antworten. Wie Untersuche ich das Leben? Indem ich mich selbst erforsche!
Es deutet auf die Möglichkeit hin, dass jeder potenziell fähig ist, innere Barrieren zu überwinden und innerlich frei zu werden. Die spezifischen Praktiken und Methoden sollen uns dabei unterstützen, sind aber nicht das ultimative Ziel.

Diese Form der Erforschung braucht – um fruchtbar zu sein – eine wichtige Voraussetzung: Die Yogis nennen es Satya, Wahrhaftigkeit, oder auch Ehrlichkeit sich selbst gegenüber.
weil – potenziell – tragen wir alle Aspekte des Lebens in uns, auch jene, die wir ablehnen.
Fundamental werden
Die innere Dimension des Yoga erschließt sich, wenn wir erkennen, dass unsere Gefühle, Vorstellungen und Meinungen, obwohl sie sich individuell einzigartig ausdrücken und erfahren werden, gar nicht so persönlich sind wie wir meinen. Sondern sie stellen, jenseits der individuellen Manifestation, Energieformen dar, die einen universellen Charakter haben.
Es gibt Energieformen von Wut, Hass, Freude, Eifersucht, Liebe, Zuneigung usw.
(in früheren Zeiten wurden diese als Götter ausgedrückt), das ganze Spektrum der menschlichen Erfahrung, die jeder von uns erfährt.
Ob ich die „Rechten“ hasse oder die „Linken“, die gemeinsame Ebene, der verbindende Faktor auf mental-emotionaler Ebene, ist Hass und Groll, der auf eine spezifische Gruppierung gerichtet wird. Was ist wichtiger zu bekämpfen? Die Spezifizierung d.h die Gruppe, den Anderen, oder das dahinterliegende, fundamentale Prinzip?
Es ist offensichtlich immer wichtiger die tiefere Ebene zu erkennen und zu transformieren.

Yoga ist so ein alchemistischer Prozess der Transformation von „niederen“ Energieformen (Neid, Hass, Selbstsucht…) in das Licht des Erkennens von Shiva ;).
Yoga verbindet unsere biologische, gegebene Natur, mit all den „vererbten“ Flucht- / Kampfmechanismen, Abwehrstrategien und Urängsten die in den tiefen, alten Gehirnschichten unbewusst wirken, mit dem höchsten spirituellen Potential der Befreiung und der Realisierung von grenzenloser Verbundenheit. Psychologisch ausgedrückt ist es die Verwandlung des Unbewussten und des Schattens in das pure Gold des integrierten Selbst, wir verwandeln unsere eigene Dunkelheit in Licht.
Konzeptionelles Verstehen reicht nicht

Der Schatten ist all das was wir verdrängt oder nach außen projiziert haben. Ein als negativ erkannter Mechanismus zu verstehen reicht allerdings nicht aus, um ihn grundlegend zu verändern, obwohl es sicherlich ein erster Schritt sein kann sich zu bilden und aufzuklären. Man kann auch die Gründe von Krieg, Ungleichheit und Rassismus wunderbar erklären und intellektuell verstehen und viele Doktorarbeiten und Studien darüberschreiben, oder hitzig darüber diskutieren und trotzdem ändert sich auf grundlegender Ebene nicht viel. Dasselbe trifft auch auf unsere inneren Blockaden und Hindernisse zu.

Die Tiefe der Erforschung hängt davon ab ob wir bereit sind mit unseren Identifikationen – und Schatten – in Kontakt zu treten, sie aufzudecken, zu fühlen und zu integrieren.
Nur durch eigene Erforschung, den eigenen Mut und die eigene Anstrengung finden wir unseren ganz eigenen Weg zu Einheit und Verbundenheit. Mut deshalb, weil es nur funktioniert wenn wir aufhören die Schuld anderen zu geben.
Das kann unser Selbstbild erschüttern und uns schlussendlich mit dem Unbekannten und Unsicheren innerlich konfrontieren – mit all dem, was wir vorher nur im Außen gesehen und oft abgelehnt haben. Trauen wir uns den eigenen inneren Rassisten, Sexisten, Diktator und Terroristen zu entdecken, anzuschauen, zu fühlen, anzuerkennen und zu integrieren?

Unangenehme Wahrheit:
In uns allen schlummert ein kleiner Rassist…
Am Beispiel von Rassismus haben Psychologen festgestellt, das rassistische Vorurteile bei jedem Menschen angelegt sind. Es ist eine Art Abwehrmechanismus gegen das potentiell Unbekannte, Fremde und damit potentiell Gefahrvolle.
Schon im Alter von 3 Jahren ordneten die Kleinen heller Haut ohne Zögern positive Eigenschaften zu und dunkler Haut eher negative. Das ist keine böse Absicht, sondern das unbewusste übernehmen von Zuschreibungen durch die Umgebung in Zusammenspiel mit Evolutionsbiologisch verankerten Mechanismen.

Alleine die Unterscheidung zwischen Hell und Dunkel ist vielleicht das älteste Reaktionskette, die wir in uns tragen.
Werden dann äußere Merkmale mit tiefen Emotionen verknüpft entstehen kraftvolle unbewusste Überzeugungen.
Forscher haben in einem „Impliziten Assoziationstest“ gemessen, wie eng zwei Begriffe im Gehirn miteinander verbunden sind. Weil „weiß und gut“ im Gehirn fester verknüpft sind als „schwarz und gut“, reagiert das Gehirn von Menschen auf die erste Kombination deutlich schneller und positiver.

Vorurteile und Diskriminierungstendenzen sind eng mit der Entwicklung der eigenen Identität verwoben, mit dem Gefühl, wohin man gehört und wer man ist. Fühlt man sich in seiner Identität bedroht, dann macht sich das Ablehnungspotential in uns bemerkbar.
Die Kraft der Identifikation und das Ich Identifikation heißt, ich verbinde mein Selbstgefühl, mein Ich-Gefühl und meinen Selbstwert mit bestimmten Attributen und Qualitäten und Vorstellungen und definiere mich durch sie. Das „Ich“ ist aus yogischer (und neurowissenschaftlicher) Sicht keine wirklich statische Einheit, fixiert und abgekapselt, sondern setzt sich aus Erinnerungen, Erfahrungen, Zuschreibungen, und Attributen zusammen die sich immer dynamisch und in Abhängigkeit von Erziehung, Freundeskreis und anderen Umwelteinflüssen und inneren Prädispositionen gebildet haben…und veränderbar sind.

“Ich” identifiziere und erfahre mich als männlich/weiblich, bi, Hetero, queer, als liberal, national, progressiv, konservativ, als Doktor, Arbeiter, Arm, Reich, Sozialist, Wissenschaftler, Familienmensch, Individualist, Sportler, Musiker, Kommunist, Mutter, Hindu, Christ, Jude, Deutscher, Engländer, Lehrer, Schüler, Sohn, Yogi, Yogalehrer…
Wir alle investieren in Vorstellungen, Rollen und Sichtweisen die uns, dem Ich, Sicherheit, Stabilität, Schutz, Geborgenheit und ein gutes Gefühl vermitteln sollen. Es ist zuerst mal ein notwendiger Mechanismus und Teil jeder Persönlichkeitsentwicklung. Es vermittelt uns als getrennte, autonome Wesen ein Gefühl von Sinn und Besonderheit und hilft uns durch die Welt zu navigieren.
Manchmal als Ego ausgedrückt, tendiert es allerdings dazu unbeweglich, dicht und starr zu werden und bringt so Entfremdung und Leiden.
Wie erkennen wir unsere Identifikationen?

Durch die Vorlieben und Abneigungen und den starken Meinungen, Gefühlen und Emotionen die damit verbunden sind. Diese kommen zum Vorschein u.a. wenn wir kritisiert oder in Frage gestellt werden; z.B. wenn ich mich mit der Rolle des Musikers identifiziere macht es mir unter Umständen wenig aus, wenn man mich wegen meiner saloppen Kleidung kritisiert. Wenn man mich aber offen als „schlechten Musiker“ bezeichnet trifft das meinen Selbstwert unter Umständen immens.
Das gleiche gilt natürlich im selben Maße, wenn ich mich als „Yogi‘ oder mit dem Attribut „spirituell“ identifiziere und mich dadurch irgendwie besser oder zumindest „bewusster“ empfinde.

Weitere Hinweise:

– Abwehrreaktionen wie Verleugnung und Projektion
– den Drang sich zu rechtfertigen und zu verteidigen
– starkes „Recht haben“ wollen
– inneres be- und abwerten anderer Meinungen und Personen
– Rationalisieren und Intellektualisieren
– innere Kontraktion, Rückzug, Taubheit
– Ärger, Aggression
– Festhalten an Meinungen und Gewohnheiten

Wir alle fühlen uns natürlicherweise zu der einen oder anderen Ansicht, Person oder Gruppe mehr zugehörig als zu einer anderen. Wir haben unterschiedliche Meinungen und Einstellungen und vertreten unterschiedliche Perspektiven; und genau das macht die Welt zu einem bunten und schönen Ort.

Wenn diese „Besonderheit“, sei es Individuell oder in Form von Gruppenidentität, allerdings zum Maßstab der ultimativen Wahrheit, Sicherheit und Zuflucht wird und dadurch andere Gruppen und Meinungen verachtet, bekämpft und abgewertet werden und keine Verbindung mehr besteht zu der zugrundeliegenden Verbundenheit, wird es destruktiv.
Die Menschheitsgeschichte ist ein Beispiel für den zerstörerischen Effekt auf kollektiver Ebene durch den Wahn von Ideologien und Gruppenidentitäten.

Yoga: mehr als persönliche Wellness und Stressreduzierung
Yoga ist in seinem Kern nicht nur eine Praxis des persönlichen Wohlbefindens und des „Wohlfühlens“, wie wichtig das auch sein mag, sondern wir tragen im Idealfall dazu bei, die Welt um uns herum durch unser Beispiel positiv zu beeinflussen und zu verändern – eben dadurch, weil wir tief erkennen, dass wir nicht von ihr getrennt sind.

In diesem Licht gesehen ist es unmöglich, eine echte positive Kraft zu erzeugen, ohne zuerst diese vereinigende Ebene in uns selbst zu entdecken, was bedeutet, den Griff des Ego und seiner vielen Identifikationen zu lockern.
Dies kann ein unangenehmer und schwieriger Prozess sein, schließlich müssen wir das gesamte Spektrum dessen, was Leben bedeutet, von Schwarz bis Weiss, in uns selbst erfahren und fühlen und uns auf unsere eigene Verletzlichkeit einlassen.

Trotzdem ist das unabdingbar, denn solange wir nicht selbst in diesem Grund der Einheit verankert sind, oder zumindest Schritte in diese Richtung machen, und nicht durch die Unterschiede und äußeren Manifestationen hindurch das Erkennen was uns alle verbindet, werden wir immer von einem Ort der eigenen inneren Fragmentierung und Spaltung agieren beziehungsweise reagieren.
Bewusstsein, Begegnung und Kontakt

In einem Grundschulprojekt in Ostdeutschland wurde mit den Schülern gelesen und erforscht, wie andere Kinder in fremden Ländern leben. Sie übten, Kinder aus anderen Klassen bei ihren Spielen mitmachen zu lassen und möglichst viele „Gruppenzugehörigkeiten“ aufzubauen. Mit Erfolg, Vorurteile wurden enorm abgebaut und die Empathie Fähigkeit stieg an.
Genauso funktioniert es auch auf der inneren Ebene. Nur wenn wir direkt den Kontakt zu unserem Schatten herstellen, zu all den abgespaltenen Anteilen der Psyche und sie uns bewusst machen, kennenlernen und anerkennen, werden wir sie integrieren können.
Beobachten lernen: Meditation
Die Praxis der Meditation kann ein Werkzeug werden, um innere Identifikationen zu erkennen. Wir lernen durch die Lenkung der Achtsamkeit nach Innen unsere Mechanismen, Gedanken und Emotionen zu beobachten, ohne sofort zu reagieren.
Wir schaffen einen inneren Raum der Offenheit in dem alle Bewegungen vorurteilsfrei anerkannt und gesehen werden. Ein erster Geschmack von Freiheit entsteht, wenn wir erkennen, dass wir nicht allen Gedanken und Emotionen ausgeliefert sind, sondern sie in einem Feld größeren Gewahrseins ziehen lassen können.

Diese meditative Grundhaltung kann man auch im aktiven Alltag kultivieren. Man spürt wie sich der Bauch anspannt wenn man in einer Warteschlange steht, bemerkt die negativen Urteile über andere Menschen, bemerkt die Gedanken die daraus resultieren aber man folgt ihnen nicht, sondern konzentriert sich auf den Atem oder auf den inneren Raum der Wahrnehmung selber.
Die Vermittlung von Meditation ist vielleicht eines der wichtigsten Projekte auf gesellschaftlicher Ebene, besonders in Schulen, Jugendeinrichtungen und sozialen Brennpunkten.

Dieses Verbundensein jenseits von allen Grenzen zu erkennen und daraus eine gelebte Realität werden zu lassen ist auch kein wirklicher Luxus mehr, sondern vielleicht eine Frage des Überlebens. Yoga so verstanden hat das Potenzial unsere Werte, Ziele und Sichtweisen auf privater, aber auch gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Ebene grundlegend und positiv zu verändern. Wenn wir die Erde zu einem besseren, bewussteren Ort machen wollen müssen wir mit uns selbst anfangen, Schritt für Schritt.
Wir erfahren uns dann als Teil des großen, holistischen, unergründlichen und magischen Gewebes der Natur, verbunden mit jedem Menschen, den Tieren, Pflanzen, der Erde und dem Himmel, wo alles miteinander in lebendiger Beziehung steht, und alles seinen Platz hat Das bedeutet jedoch nicht das wir passiv alles akzeptieren und zulassen. Im Gegenteil, erst aus der gefühlten ganzheitlichen Verbindung heraus erkennen wir sehr genau die Unterschiede. Wir sehen was diesem Gewebe guttut und positive Impulse gibt und was nicht und können aus diesem direkten erkennen heraus agieren.
So stellen wir unsere ganz individuellen und einzigartigen Talente und Fähigkeiten in den Dienst dieses größeren Organismus dessen wir Teil sind,
Die individuelle Welle erkennt sich selbst im Ozean wieder.
Unser Herz kennt das Geheimnis.

“When I was the stream, when I was the
forest, when I was still the field,
when I was every hoof, foot,
fin and wing, when I
was the sky
itself
No one ever asked me did I have a purpose, no one ever
wondered was there anything I might need,
For there was nothing
I could not
love”
Meister Eckhart

Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Om Namah Shivaya,

much Love,
Ralf Schultz

 

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Lockdown für Yogastudios aufheben. Interne Studie belegt: Yoga ist Gottesdienst!

Lockdown für Yogastudios aufheben. Interne Studie belegt: Yoga ist Gottesdienst!

Lockdown für Yogastudios aufheben.
Interne Studie belegt: Yoga ist Gottesdienst!

Laut Corona Verordnung darf Gottesdienst stattfinden, Yogastudios müssen zumachen. Das ist nicht nachzuvollziehen, Yoga ist Gottesdienst. Das wird in einer von mir selbst durchgeführten internen Studie kraftvoll belegt.
Ich werde nie die Antwort vergessen, die ich bekommen habe, als ich einen jüngeren Mann nach seiner ersten Yogastunde gefragt habe wie die Erfahrung für ihn war:

„Yoga ist wie eine Mischung aus Gottesdienst und Synchronschwimmen“

Wo er Recht hat hat er Recht. Besonders der Ausdruck „Synchronschwimmen“ wirft eine neue Perspektive auf Yoga.
Aber auch eben Gottesdienst:
Man spielt andachtsvolle Lieder (Mantren) rezitiert Litaneien (Chants) singt zusammen, führt rituelle Gesten aus, der Priester (Yogalehrer) hält eine salbungsvolle Predigt und alle bewegen sich synchron zum choreografierten Ablauf.
Spätestens am Ende versenkt sich die Gemeinde in die Andacht Gottes. (Meditation, Shavasana)

Desweiteren höre ich immer wieder nach einer Yogastunde ekstatische Äußerungen wie: „göttlich“ „himmlisch“ oder „herrlich“, „Ich fühle mich total verbunden“, „überirdisch“

Wenn das keine klaren Indizien sind!

Laut Wikipedia definiert sich Gottesdienst so:
Ein Gottesdienst ist eine Zusammenkunft von Menschen mit dem Zweck, mit Gott in Verbindung zu treten, mit ihm Gemeinschaft zu haben

Na also,
obwohl, hier kommen wir vielleicht doch mit gewissen Schwierigkeiten in Kontakt.
Die erste ist natürlich: Was meinen wir eigentlich mit Gott? Und wie treten wir mit ihm in Kontakt?
Das scheint kompliziert.

Schwieriger Gottesbegriff

Gott kann ja alles mögliche Bedeuten und dadurch fast schon wieder gar nichts.
Den Begriff Gott scheinen viele verschiedene Gruppen, Camps, Religionen und Mannschaften, für sich zu beanspruchen und auf ihre eigene Art und Weise exklusiv zu definieren. Es gibt dann einen christlichen, islamischen, evangelikalen, methodistischen, hinduistischen, atheistischen, theologischen, psychoanalytischen, und sonstigen Gottesbegriff; mit bestimmten „special features“, Attributen und Eigenschaften die eher auf eine soziale und kulturelle Funktion schließen lassen.
Religion scheint so eher eine Möglichkeit der exklusiven Identifikation, Abgrenzung und empfundenen Sicherheit zu sein als der Verbindung. Die vielen Konflikte und Kriege im Namen Gottes und von Religionen sind leider ein trauriges Zeugnis davon.

Auch wenn man sich selbst als nicht religiös betrachtet, manche sagen dazu, säkular und modern, ist die Kraft und Tiefendimension der Gottesidee enorm und nicht zu ignorieren.

Als Yogalehrer kann man das manchmal merken und dosiert einsetzen, um eine dahinplätschernde Yogaklasse aufzupeppen und emotional interessanter zu gestalten: Ich lasse dann das Wort „Gott“ einfließen. Es ist erstaunlich:
Die Stimmung wird gleich präsenter und intensiver.

Trennung zwischen Gott und Schöpfung

Nicht nur auf der äußeren auch auf der inneren Ebene: die meisten der großen monotheistischen Religionen formulieren eine Trennung zwischen Gott und seiner Schöpfung (also uns und dem Leben hier auf der Erde).
Die nach außen transportierte Geschichte geht ungefähr so: (es gibt noch eine innere, gnostische, aber lassen wir die mal beiseite)

Das Heilige ist irgendwo im Jenseitigen und Transzendenten und eine Verbindung kann nur durch ein befolgen bestimmter Regeln oder durch ein Bekenntnis zu einem auserwählten Botschafter, bzw Sohn Gottes (Jesus z.b.) hergestellt werden.
Irgendwie fand ich das schon immer verdächtig. Warum er und nicht ich?
Was ist so speziell an Jesus? Er war ja Zimmermann – ein ehrbarer Beruf, aber das ist Bankkaufmann oder Yogalehrer auch.
Und: Gott ist nicht hier und in mir, sondern irgendwo „da draußen“?
Und nur durch den Glauben an einen bestimmten Gottmenschen, kann ich auch ein bisschen teilhaben?
Und wenn ich mich dann zu einer bestimmten Gruppe bekenne, die das gleiche glaubt wie ich, bin ich Teil der Gemeinde. Die anderen sind angeschmiert, weil sie nicht das „richtige“ Glauben!
Seltsame Story.

Ich bin das – die Sichtweise des Yoga

Yoga negiert nicht unbedingt Religion, es ist selber verwoben mit einem religiösen Ausdruck, dem des Hinduismus.
Allerdings: Yoga betrachtet die Verschiedenheit der Religionen und Gottesvorstellungen als Ausdruck einer tieferen zugrundeliegender Ebene der Einheit.
So stoppt Yoga nicht auf der Ebene der Manifestationen d.h. der einzelnen Religionen, sondern nutzt diese um eine tiefere Dimension zu realisieren, die universell ist.
Diese Dimension kann sich unterschiedlich, in im Prinzip unendlichen Möglichkeiten, zeigen:

Verschiedenheit in Einheit.
Einheit in Verschiedenheit.

Yoga kann man verstehen als ein praktischer Weg der Realisierung der Einheit.
Aber nicht der Einheit aller Religionen (ein seltsamer, libertärer Wunschgedanke meiner Meinung nach), Kulturen und Gruppen, sondern von Ebenen die auf gewisse Weise wichtiger, weil essentieller, sind als die Einheit der Religionen.
(und falls uns Religionen nicht damit verbinden verfehlen sie ihren eigentlichen Zweck) Diese sind:

1. Einheit aller Menschen, jenseits aller Religionen, Kulturen, Rassen, Geschlechter, Ideologien und Glaubenssystemen.

2. der Einheit aller Lebensformen, jenseits aller Ausformungen als Tier, Pflanze, Erde, Mineralien…

3. die Einheit allen Seins jenseits aller Dualismen wie Individuum und Kollektiv, Sein und Nichtsein, Transzendenz und Immanenz, Geist und Materie, Mikro und Makrokosmos.

Die Qualität die uns als Menschen diese Einheit spürbar vermittelt ist Liebe.
Falls Religionen das nicht vermitteln, jenseits aller Glaubensunterschiede, verfehlt sie ihre Aufgabe und wird zu einem Faktor für Trennung und Spaltung.

Yoga geht über Religion hinaus

Unterschiede und Differenzierungen werden nicht abgelehnt, sondern als einzigartige Zugänge und Chancen begriffen.
Religiöse Praktiken, wie Rituale, Beten, Singen etc können im Yoga benutzt werden, sind aber nicht das Endziel. Das Ziel ist ein innerer Prozess der Veränderung, der Transformation des Bewusstseins und des Herzens.
Damit etwas aufscheinen kann was schon immer da war. Unsere Identität mit der unergründlichen Quelle allen Seins, der Quelle aller Liebe.
Im Yoga als Shiva, Bewusstsein, Purusha und vielen anderen Namen ausgedrückt.
Wir entdecken Jesus in uns – als uns!

Glauben ist dafür nicht genug, Es gibt auch keine Idee der Konvertierung zu einer bestimmten Religion oder Überzeugung durch ein Bekenntnis oder einem rein äußeren Ritus. Genauso wenig wie man zum Christen wird, nur weil man einmal in der Woche in der Kirche betet wird man zum Hindu, weil man einmal in der Woche eine Yogaklasse besucht und Om singt.

Es braucht die eigene individuelle Anstrengung und Bestrebung.
Eine spirituelle Praxis, eine sogenannte Sadhana.
Es braucht das Feuer der Erforschung ohne Vorurteile. Ein „nach innen schauen“ um Shiva, das „Göttliche“ in uns zu entdecken und all das zu verbrennen was dem im Wege steht.
Erforschen bedeutet eine Reise ohne fixiertes Ende. Ohne dogmatisches Festhalten an einer Vorstellung, Symbol oder einem bestimmten „Gott“
Das Objekt dieser Erforschung ist man selbst und kennt kein Ende.
Das können wir heute machen. Jeder für sich und zusammen.
Jetzt!

In diesem Sinne ist Yoga der wirkliche Gottesdienst indem es das Heilige dahin zurückbringt, wo es hingehört, nicht in die Kirchen, Moscheen und Tempel, sondern in uns, als uns: in unseren Körper, in die Natur, in jedes äußere Objekt, in jeden Moment, in jeden Atemzug, in jede Begegnung und Beziehung…
Oder wie Pari, ein Musiker und Satsang Lehrer es so schön formulierte:

„Shiva (Gott) steckt in deiner Hose“

In diesem Sinne:
Bitte den Lockdown für Yogastudios aufheben.

Hari Om Tat Sat
Ralf Schultz

 

 

 

 

 

 

 

 

Artikel von Ralf „Die Verschwörung des Geistes“ in der neuen Ausgabe der Yoga Aktuell!

Artikel von Ralf „Die Verschwörung des Geistes“ in der neuen Ausgabe der Yoga Aktuell!

Artikel von Ralf “Die Verschwörung des Geistes”

in der neuen Ausgabe der Yoga Aktuell

Yoga Aktuell August 2020

Wie der Geist die Welt erschafft: Eine yogische Sicht auf unsere Wahrnehmung – und auf die Natur von Verschwörungstheorien in einem größeren Zusammenhang. In Krisenzeiten erwächst aus dem Drang, die Ursachen für die gegenwärtige Situation herauszufinden, eine beinahe süffisante Freude an der Vermutung, es müsse irgendeine Art von Verschwörung hinter all dem stehen. Und tatsächlich halte ich das für ziemlich zutreffend. Hinter den Kulissen sind auf vielen Ebenen versteckte Absichten, Begehrlichkeiten und Interessen am Werke, die an der Oberfläche nicht sichtbar sind. Unsere tieferen Gedanken, Motivationen, Ängste, Hoffnungen und Ambitionen bleiben größtenteils im Verborgenen. Aus yogischer Perspektive ist die Welt eine Manifestation unserer Überzeugungen, Vorstellungen, Meinungen, Werte und Entscheidungen, die ihren Ursprung im Geist nehmen….

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Yoga in the black forest

Yoga in the black forest

A day of yoga in the Black forest

more than just a day of stretching in the open air

🧘‍♀️🌸🧘‍♂️

The clouds parted to just the perfect degree that enabled 10 of us to enjoy a day of togetherness and yoga outdoors, whilst sensibly bumping elbows in lieu of hugs.

Ralf led an intensive extensive practice in the morning, drawing together elements of asana, pranayama, meditation, and sacred sound.

I was cooking and chanting in the kitchen and was happy to notice the increasing glow and upliftment in everyones faces as they emerged from the practice.

After our hearty meal of Dhal, coconut, tofu & veggie curry, we had a walk up the hillside overlooking the valley. It started off in excited chattering but we all then agreed that we might miss it all if we continue to talk and talk, so entered into a comfortable silence, proceeding up to the top through the forest. Immediately as if in celebration of our silence, the birds sang louder and louder, and the wind and sunlight rustled encouragingly. 🐦

The afternoon began with a tiny piece of cake each ( as more yoga asanas were to come!) and a short but profound group consideration on the power of yoga to alleviate our daily tensions.

We considered the issues of physical pain, as well as mental stressors that many of us experience, and that some of us have discovered ways other than yoga asanas like flowing water, running and even jumping up and down on a trampoline… to bring us back to the present moment.

Ralf shared beautifully his experiences where opening up also to a sense of community outside of individual yoga practice; being supported and supporting others on the journey can help to bring the inner work to life and a new meaning and depth.

🌷

And what is this inner work? and why don’t we all just find a lasting sense inner peace by sitting in a river or sharing our problems with our friends
The meaning of yoga- (roughly translated as ‘union’) – feels to me like a deep process of integration through introspection. Body, mind, emotions which are not separate from the world that we live in. So it needs a different approach, a different space to be able to access our inner dimension.

Asanas (physical movements), and a time of dedication and discipline give us strength and courage as well as a healthy system which is in needed when we start to observe our deep rooted tensions and knots.

One participant shared that she has witnessed the direct impact of high mental stress on shutting down her immune system. And perhaps many of us experienced that ourselves too.

And when we start to look into our own shadows, it can feel intense and lonely – hence through the ages – a sangha or spiritual communities have come into being to support this process. Or, just as in our sharing, the feeling of sitting with friends who listen with a non-judgmental mind and an open heart.

Its not a case of spilling out our emotions and burdening each other, but more the cultivation of seeing one another through our layers, and connecting on a heart level with one another despite our quirks and baggage…

To be able to hold one another in a space of love, understanding and conviction that they are more than the sum of emotions standing there is a the work of deep compassion.

🌸

We entered the final part of the afternoon – first by chanting a mantra of remembrance and longing. Longing to know and touch the mystery of the heart which lies beyond the grips of our mind.

A meditative yin yoga session, and Om meditation left us all feeling uplifted, connected and enriched but the whole day together.

And THEN we ate a proper piece of cake each 

Thanks to all who participated at that day.

Love Daisy
🌿🙏💗

There are just a few places remaining for the next yoga day in Gutach – on July 18th so please email info@somayoga-freiburg.de if you would like to join us.

More details on the website somayoga-freiburg.de/workshops.

There are also a just few more mats left as we reopen, starting with yin yoga with Christina. You can book the remaining classes via www.somayoga-freiburg.de/kurse-info.

If you want to explore more with us how you can deepen your inner connect through yoga, meditation and Ayurveda, then do email us…

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