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    Habits – wie du mit Hilfe von Yoga Gewohnheiten änderst

    Habits – wie du mit Hilfe von Yoga Gewohnheiten änderst

    Du willst etwas ändern? Mehr Gesundheit, Klarheit, Offenheit und Mitgefühl? Sehr gut 🙂 Aber wie?

    Der sprichwörtliche Schweinehund lässt sich nicht einfach überwinden. Aber mit Hilfe der Inspiration der Yoga Sutren und moderner Forschung zum Thema “Veränderung von Gewohnheiten” schaffen wir das.

    Patanjalis Yoga Sutra

    Der Text wird als einer der Grundlagentexte des klassischen Yoga betrachtet.
    Entstanden wahrscheinlich in den ersten Jahrhunderten n. Chr. erklären sie, wie man den Geist von seinen Fesseln befreit. Das ist ein zeitloses Thema. Trotz all unserer materiellen und technischen Entwicklung hat sich der menschliche Geist grundlegend nicht viel verändert. Neid, Hass, Wut, Scham, Schuld, Eifersucht, Enttäuschung, Stress, Niedergeschlagenheit, Verzweiflung, Einsamkeit, Unsicherheit plagen uns immer noch wie zuvor. Und Depression scheint global pandemische Ausmaße anzunehmen.

    Wir können an den Symptomen arbeiten oder an der Wurzel. Für die „Wurzelbehandlung“ ist eine Transformation des Bewusstseins unumgänglich. Das “Problem”: Es kann niemand für uns machen: weder ChatGPT noch die neuesten Designerdrogen. Man muss an sich selbst arbeiten. Und das fängt mit dem Erkennen und Verändern eigener Gewohnheiten an

    Copy-of-Light-Journey-1280-x-400-px1 im Soma Yoga Freiburg

    Von der Resolution zur (Yogi) Revolution

    Gute Vorsätze sind gut – die die haben wir ja alle – aber dann muss der nächste Schritt folgen: Die Kultivierung einer Praxis über lange Zeit (dīrgha-kāla), ohne Unterbrechung (nairantarya), mit echter Hingabe (satkāra) und konsequentem Dranbleiben (āsevito) – dann wird sie zur „festen Basis“ (dṛḍha-bhūmiḥ).

    Übersetzt ins moderne Leben: Soll die Yoga Praxis wirklich transformierend sein, braucht es über eine lange Zeit Commitment, Regelmäßigkeit, Hingabe – und eine innere Haltung, welche die Praxis als etwas Wertvolles behandelt.

    Commitment und Fokus

    Commitment heißt Verbindlichkeit und Disziplin. Du musst dem Yoga und der Praxis Priorität geben, um weiterzukommen. Dazu braucht es ein Herauskommen aus der Beliebigkeits- und Junkfoodfalle. Es ist ein bischen wie in einer Beziehung. Um das ganze Potenzial einer Beziehung zu erfahren, musst du dich komplett auf sie einlassen. Wenn dir die Person wirklich wichtig ist und du sie wahrhaftig liebst, gibst du nicht auf, wenn Schwierigkeiten oder Hindernisse auftauchen. Du bleibst dabei. Wenn du dich nicht festlegen willst, hast du vielleicht mehr Abwechslung aber nicht wirkliche Tiefe. Du driftest von einem zum anderen ohne Fokus. Commitment entsteht, wenn du etwas als wichtig erachtest und dafür Verantwortung übernimmst. Und was gibt es wichtigeres als dein wahres Selbst zu entdecken und wahre Verbundenheit, Freude und Mitgefühl zu erfahren? 
    Und nebenbei: Mit etwas Commitment und Disziplin wirst du staunen, wie pünktlich du zu den Yogastunden kommst 😉 und wie du zuhause plötzlich jeden Tag Zeit findest für deine Praxis.

    Praktischer Tipp: Verpflichte dich ein Jahr lang regelmäßig Yoga zu machen. Im Studio und zuhause, geh auf Retreats und Workshops etc. Danach schau, wie es dir geht. Betrachte das Ganze als Selbstexperiment. 

    Regelmässigkeit

    Gewohnheiten ändern sich durch Häufigkeit. Je mehr du eine bestimmte Handlung machst, umso mehr wird sie verfestigt. Im positiven wie im negativen: Wenn du täglich einen Doppelwhopper Burger mit extra Majo und Ketchup isst, wirst du gut im Burger essen mit all den Folgen. Wenn du dich täglich ärgerst, wirst du gut im dich ärgern und Ärger wird ein Teil von dir. Wiederholung ist ausschlaggebend. Versuche deshalb kleine tägliche Einheiten mit positiven Gewohnheiten zu trainieren. Z.b. sind tägliche Mini Einheiten Yoga besser als einmal in der Woche eine 2 Stunden Praxis.

    Praktischer Tipp: Mache kleine Schritte und versuche zusätzlich zum Üben im Studio, kleine Yogasessions zuhause zu etablieren um Kontinuität aufzubauen. Fange mit 5 Minuten an und steigere langsam. Versuche nach der Praxis kurz in der Meditation zu sitzen. In unserer On Demand Library findest du viele Praxis Videos dafür.

    Hingabe

    Was immer du machst, ohne Hingabe fehlt die entscheidende Qualität. Es fehlt Erfüllung, Zufriedenheit und Genährtsein. Hingabe hat nichts mit Selbstaufgabe zu tun, sondern sie verbindet dich mit den großen Kräften des Universums: Loslassen, Verbundenheit & Fülle. Erfahrbar wird Hingabe durch Präsenz und Gegenwärtigkeit. Und das ist eine Qualität des Herzens: die Yogis sprechen hier vom “inneren” Herz als Symbol einer ganzheitlichen, fühlenden Erkenntnisfähigkeit jenseits der konditionierten Reaktionen und Anhaftungen des Geistes. Durch Hingabe wirst du von einer grösseren Kraft getragen und was du machst, wird anstrengungslos. Du bist im Flow. Ganz allgemein heißt Hingabe: du bist ganz dabei, lässt dich ohne Widerstand auf die Erfahrung ein und gibst dich hin. 
    Eine der ältesten Übungen zur Hingabe sind Tanzen und Singen. Im Bhakti Yoga wird gesagt, singen zum Höchsten reinigt den Spiegel unserer Herzen.

    Praktischer Tipp: Erforsche mal, wie oft und wann im Alltag Widerstand gegen eine Erfahrung auftaucht. Es ist ein Gefühl der Kontraktion im Herz, starken mentalen Bewertungen, Zweifel und Abgeschnittensein vom Körper.

    Unterstützung

    Umgebe dich mit Menschen, die dir helfen, deine Gewohnheiten zu ändern – oder noch besser, die deine angestrebten Gewohnheiten schon Leben. Vermeide eine Umgebung oder Menschen, die dich runterziehen, Energie kosten oder verwirren. Deshalb ist es wichtig, ins Yogastudio zu kommen: hier ist die ideale Umgebung und Community, die sog. Sangha, die deine Werte teilt und unterstützt.

    Praktischer Tipp: erforsche im Alltag welche Umgebung und welche Menschen dir Energie geben oder rauben.

    Erkenntnisse aus moderner Forschung & Habit-Science 

    1. Identität verändern
      Nachhaltige Gewohnheiten entstehen, wenn du sie als Teil deiner Identität lebst: „Ich bin praktizierender Yogi“ statt „Ich bin ein Couch Potatoe und sollte mehr Yoga machen.“
    2. Umgebung ist der geheime Coach
      Was sichtbar und leicht zugänglich ist, passiert häufiger. Lege Matte/Block schon bereit, entscheide die Uhrzeit vorher. Plane im Voraus.
    3. Wenn–Dann Pläne (Implementation Intentions) funktionieren besser als gute Vorsätze. Beispiel: Wenn die Kaffeemaschine läuft, dann mache ich 3 Runden Sonnengrüsse. Konkrete Auslöser machen Commitment alltagstauglich.
    4. kleine Belohnungen & Tracking
      Ein kurzes gutes Gefühl danach (durch Tee, Musik, Häkchen im Kalender) verstärkt die Routine. Nicht weil du Belohnungen “brauchst“, sondern weil so dein Nervensystem lernt und die neue Gewohnheit positiv verankert wird.
    IMG_5346-scaled im Soma Yoga Freiburg

    Buchtipp:
    Atomic Habits – James Clear

    wie kleine, kontinuierliche Veränderungen enorme Auswirkungen auf unser Leben haben können. Das Buch basiert auf wissenschaftlich fundierten Prinzipien der Verhaltenspsychologie und liefert praktische Strategien, um positive Gewohnheiten aufzubauen und destruktive zu überwinden. Clear erklärt, wie man durch das “Four Laws of Behavior Change”-Modell – bestehend aus Auslöser, Attraktivität, Umsetzung und Belohnung – Gewohnheiten nachhaltig etabliert. Das Buch bietet zahlreiche Beispiele und konkrete Tipps, um Hindernisse zu überwinden, Motivation zu fördern (z.b um wieder mehr Yoga zu machen 😉 und langfristig erfolgreich zu sein…na dann…

    Brauche ich einen Guru? Gedanken zur Schüler- Lehrer Beziehung

    Brauche ich einen Guru? Gedanken zur Schüler- Lehrer Beziehung

    Jedes Jahr im Juli wird in Indien Guru Purnima gefeiert. Es ist eine Feierlichkeit um den Lehrern* in seinem Leben zu gedenken und zu danken. Guru ist der Lehrer, Purnima ist der Vollmond. Der Vollmod symbolisiert den “erleuchteten” Geist. Wie der Mond die Sonne reflektiert kann sich unser Geist  für das Licht des höchsten Bewusstseins öffnen und dieses reflektieren. Das wird als ein ekstatisches Erwachen und überwinden persönlicher Grenzen und Limitierungen erfahren. Aber unser Geist ist ein gewiefter Genosse und lässt nicht so einfach von seinen Überzeugungen und Gewohnheiten los, seien sie noch so einschränkend, leidvoll oder negativ. Deshalb war in den Yoga Traditionen die Rolle des Guru fundamental. Der Guru hilft uns, das zu sehen, was wir allein nicht erkennen – und zu lösen, woran wir unbewusst festhalten.

    Guru bedeutet: von der Dunkelheit (gu) ins Licht (ru)

    Der Begriff Guru bedeutet nicht nur einen menschlichen Lehrer sondern ebenso ein universelles Prinzip der Selbsttransformation. Es ist das in der Schöpfung angelegte bestreben Selbstausdruck, Wissen und Wahrheit auszudehnen und zu erfahren. Das kommt schön in dem Guru Stotram (siehe weiter unten) zum Ausdruck: Alles ist unser Lehrer: die Schöpfung, das Leben, die Schwierigkeiten und Hindernisse (die besonders). Wenn unsere Herzen offen sind sehen wir überall die Möglichkeit des Lernens und des Wachstums. 

    Wie Eckhart Tolle so schön sagte: 

    “Ich hatte viele Zen Lehrer – alle von Ihnen Katzen”

    Verehrung ohne Personenkult

    Das Thema Guru ist für viele kein einfaches. Wir verbinden damit Autorität, Hirarchien, Personenkult, Machtmissbrauch. Besonders die Bedeutung eines spirituellen Lehrers* ist in unserer eher materialistisch orientierten westlichen Kultur ein relativ unbekanntes Konzept. Anders sieht es in den östlichen Weisheitstraditionen aus wo der Guru oft eine zentrale Rolle einnimmt. Auch das Yoga ist ursprünglich eine Guru (Lehrer)-Shishya (Schüler) Tradition. Hat es dich auch schon mal irritiert das am Ende einer Yogastunde sich Schüler mit zusammengefalteten Händen leicht vor dem Lehrer verneigen?

    Es ist sehr wichtig folgendes zu erkennen: Wenn wir uns im Yogaunterricht oder auf dem spirituellen Weg vor einem Lehrer verneigen, dann ehren wir nicht die Person, sondern die Lehre, die durch sie wirkt. Wir verneigen uns nicht vor einer Persönlichkeit – sondern vor dem Licht, das durch sie scheint. Dankbarkeit dem Lehrer – aber unsere Hingabe gilt der Wahrheit. Mit diesem Verständnis kann die Übung der Hingabe im (Yoga-) Unterricht, durch Hände zusammenlegen oder einer leichten Verneigung sehr heilsam sein. Deshalb experimentiere doch mal damit. Spüre bewusst deinen Widerstand atme tief ein und aus, bringe dir in das Bewusstsein wofür du dankbar bist: das du es überhaupt ins Studio geschafft hast, für das Lächeln deines Mattennachbarns, deine Katze zuhause, deine Familie, das Leben…und verneige dich!

    Wie finde ich den „richtigen“ Lehrer?

    Durch Entspannung; es gibt das alte Sprichwort: Ist der Schüler bereit, zeigt sich der Lehrer. Normalerweise sind die Personen und Beziehungen in deinem Leben jetzt genau die richtigen Lehrer für dich. Abgesehen davon bietet die Beziehung zu einem spiritueller Lehrer eine potente Möglichkeit die eigene innere Freiheit, die eigene Flamme – den eigenen inneren Lehrer – zu realisieren. Deshalb wird sie in der Yoga Tradition als die höchste mögliche Form menschlicher Beziehung betrachtet. Der Guru fungiert als Portal, als Magnet und Möglichkeit. Er führt den Schüler entsprechend seiner Qualfikation an Schwellen: durchgehen muss der Schüler selbst. Und wie das mit sehr potenten Beziehungen so ist: es kann unser höchstes Potenzial freilegen oder das Gegenteil. Der “äussere” Lehrer fungiert dabei idealerweise als Projektionsfläche durch die sich alte Muster, Verstrickungen und Bindungen  zeigen und aufgelöst werden. Das jedoch braucht eine grosse Reife und das richtige Verständnis, die vor allem beim Schüler, aber auch manchmal beim Lehrer nicht immer vorhanden ist. Ein Klassiker: alte persönliche Projektionen (sehr beliebt: Eltern, Lover) werden aktiviert und ausgelebt  und in dessen komplexen Drama bleibt die Beziehung stecken bzw der Schüler verlässt desillusioniert die Beziehung.

    Guru-Yoga

    Meine persönliche Meinung: Guru Yoga wie es in traditionellen Pfaden gelehrt wurde, ist heute nur für wenige wirklich geeignet. Viele von uns tragen tiefe Verletzungen im Umgang mit Autorität und Beziehung in sich. Wer sich auf diese Art von Schüler-Lehrer-Beziehung einlässt, sollte den inneren Ruf verspüren, schon an sich gearbeitet haben und eine gewisse Selbstkenntnis und Stabilität  mitbringen. Wie sagte es Ramakrishna, ein Heiliger aus Indien so schön: „Suche nicht nach Erleuchtung, es sei denn, du suchst sie so, wie ein Mann, dessen Haare brennen, einen Teich sucht.“ Es gibt wunderbare therapeutische Ansätze die für uns westlich orientierte Menschen oft besser geeignet sind um “kleine” Feuer, wie Selbstwert- und Beziehungsthemen sowie Traumata zu löschen.

     Während die Frage, ob ich einen spirituellen Lehrer brauche für viele “modernen” Fitness- bzw Gesundheitsorientierten Yogaschüler sowieso völlig irrelevant ist, kann es für andere der nächste logische Schritt sein um tiefer einzutauchen.

    Woran erkenne ich einen problematischen Lehrer?

    Hier eine kurze Checkliste – 
    Sei achtsam, wenn du folgende Anzeichen bemerkst:

    • Die gesamte Aufmerksamkeit kreist um den Lehrer
    • Es wird (direkt oder subtil) Unterordnung verlangt.
    • Autoritärer, dogmatischer Unterricht bzw Teaching.
    • emotionale Kälte und Humorlosigkeit
    • Die Gemeinschaft wirkt ängstlich, unlebendig und abgeschottet.
    • Kein echtes Mitgefühl oder Dankbarkeit dem Schüler gegenüber.
    • andere Schulen, Lehrer oder Sichtweisen werden abgewertet
    • Schüler die die Gemeinschaft verlassen haben werden abgewertet
    • spiritueller Chauvinismus: Es wird vermittelt die eigene Methode, Schule, Sichtweise, Lehre ist die Beste, Tiefste, spirituellste…
    • Keine Ermutigung an den Schüler den eigenen Weg zu gehen und das gelernte in die Welt zu tragen
    • Kritik wird nicht akzeptiert, ignoriert oder sonstwie abgeschmettert.
    Ralf-Frawley im Soma Yoga Freiburg

    Charisma lebt von deiner Energie

    Generell sei ebenso achtsam bei sehr charismatischen Lehrern und achte darauf wem du deine Aufmerksamkeit und Lebenskraft schenkst. Charisma braucht Publikum und nährt sich von der Energie und Aufmerksamkeit anderer. Während es Teil einer funktionierenden Lehrer-Schüler Beziehung ist, dass dir der Lehrer Themen wiederspiegelt damit du sie auflösen kannst, wird er nicht versuchen dich an ihn zu binden. Natürlich, wie in  jeder Beziehung gibt es verschiedene Phasen, die ein Committment und einlassen auf die Beziehung beinhaltet und braucht. Aber ebenso ermutigt dich jeder wahre Lehrer irgendwann (ihn / sie) loszulassen und deinem eigenen inneren Licht zu folgen.  Ein guter Check kann sein: öffnet sich (noch) etwas in dir wenn du in der Nähe oder im Kontakt mit ihm / ihr bist, fühlst du Expansion, Inspiration, Neugier, gesteigerte Lebendigkeit? Oder verschliesst sich etwas, fühlst dich eingeengt, unfrei, klein gemacht und eingeschüchtert?…
    Tipp: renn weg so schnell es geht!

    Eine mystische Beziehung

    Alles was wir sind und erreicht haben verdanken wir anderen Menschen, Tieren und Wesen die unsere Lehrer und Mentoren waren. Angefangen von unseren ersten Gurus: Mutter und Vater! Ebenso sind wir immer auch Lehrer für andere und lehren dadurch, wie wir leben, denken und handeln. Es ist gut das ab und zu zu reflektieren.

    Eine Schüler  / Lehrer Beziehung ist eine heilige Beziehung die wir unmöglich ganz erfassen können. Heute an Guru Purnima kann es eine schöne Möglichkeit sein, diese besondere Beziehungen zu würdigen. Es ist eine magische und mystische Angelegenheit des Herzens. In ihrer reinsten Form ist sie auf Liebe, Wahrhaftigkeit und gegenseitigem Respekt gegründet. Wo diese Qualitäten lebendig sind, wird Lehre nicht zur Belehrung, sondern zur Befreiung. Befreiung heisst, du stehst auf deinen eigenen zwei Beinen und folgst deinem eigenen (Seelen-) Licht.

    Danke und Pranam (Verneigung) 🙏 an alle die Lehrer über die ich irgendwie durch Zufall, Glück oder Bestimmung ‘gestolpert’ bin und immer wieder stolper:
    Amir und Samira Ahler, Dr. David Frawley, Yogini Shambhavi, Igor Kufayev, Clive Sheridan, Shri Anish, sowie Indien mit all den Meistern, Saints & crazy wisdom. Ebenso Pranam an Sundari Ma, meine beloved Daisy Bowman, Katzen und vor allem an all den Yoga Schülern die mich immer wieder neu inspirieren!

    Om Jai Ma Guru!

    Guru-Purnima-Praxis – die Lehrer ehren

    Dauer: 10–15 Minuten
    Ort: Ein ruhiger Platz – mit bequemer Sitzhaltung, vielleicht eine Kerze oder ein Bild, das dich inspiriert.

    1. Ankommen & Ausrichten (1–2 Min)

    Schließe deine Augen.
    Spüre den Boden unter dir. Nimm ein paar tiefe, ruhige Atemzüge.
    Lasse dein Gesicht und Körper entspannen

    1. Innere Verneigung – Visualisiere deine Lehrer (3–5 Min)

    Rufe in deinem Herzen einen Menschen oder mehrere ins Bewusstsein, die für dich Lehrer:innen im Leben waren – spirituell, menschlich, schmerzhaft oder inspirierend. (Vielleicht war es eine Yogalehrerin, eine Mentorin, ein Kind, ein Tier, ein Verlust, sogar ein Konflikt.

    Lass jede dieser Figuren innerlich vor dir erscheinen –
    und verneige dich in deinem Herzen.

    Sage innerlich: „Ich danke dir. Du hast mich etwas Wahres über mich selbst gelehrt.“
    sei offen und achtsam für die Gefühle die auftauchen, alle sind erlaubt.

    1. Der innere Guru – das Licht in dir (2–4 Min)

    Lege nun die Hände auf dein Herz.
    Visualisiere ein kleines Licht oder Flamme in dir

    Wiederhole und chante das Mantra „Guru Brahma“ (oder nur innerlich) 3x

    1. Abschließen & Segnen (2 Min)

    Zum Abschluss bringe beide Hände in Namasté oder berühre leicht deine Stirn – als Zeichen der inneren Verneigung.
    Wenn du möchtest, sprich laut oder innerlich: Ich danke allen meinen Lehrer:innen – in dieser Welt und darüber hinaus.“

    Öffne sanft die Augen. Schreibe die wichtigsten Erkenntnisse auf oder schreibe jemand einen Dankesbrief!

     

    Om Shanti Shanti Shanti 
    Ralf,

    Direktor Soma Yoga

     

    Rettet globales Yoga die Welt? –  Von persönlich zu global zu kosmisch – bist du dabei?

    Rettet globales Yoga die Welt? – Von persönlich zu global zu kosmisch – bist du dabei?

    Jedes Jahr wird von der UN am 21. Juni ein Internationaler Yogatag ausgerufen, um die zahlreichen Vorteile und positiven Auswirkungen von Yoga zu verbreiten. Wie immer man auch zu solchen “Tagen” steht, sie können zumindest unser Bewusstsein für bestimmte Themen öffnen und sensibilisieren und vielleicht den ein oder anderen bewegen neues auszuprobieren (wie in unserem Fall Yoga) oder neue Sichtweisen oder Handlungsspielräume zuzulassen. Es gibt übrigens auch einen Tag der Schraubenziege (fantastisch!) einen Tag der Kartoffel (lecker) und einen inoffiziellen Weltkatzentag (überlebenswichtig) am 8. August…unter vielen anderen.

    Das Thema des Yogatages letztes Jahr war: Eine Erde, eine Familie, dieses Jahr ist es: Yoga for women empowerment. Beide Themen sind verbunden, komplex und vielschichtig. Und heutzutage, mit all den Krisen die wir erfahren wichtiger denn je.
    Es ist meine Hoffnung das mehr und mehr Menschen die Impulse der persönlichen Yogapraxis nutzen, um über den Mattenrand hinauszuschauen. Wenn wir Yoga nutzten, um uns in einer Art ‘metime’ Wohlfühloase abzuschotten, wie wichtig diese auch manchmal ist, tun wir uns selbst und der Welt keinen Gefallen. Im Gegenteil. Yogapraxis sollte uns ermöglichen mit Klarheit und einem offenen Herzen der Welt zu begegnen und einen positiven Beitrag leisten zum Wohle aller. Mehr noch, Yoga sollte uns zu einer Erfahrung verhelfen wo wir tatsächlich alle Menschen und die ganze Erde als eine Familie betrachten. Globales planetarisches Yoga. Das funktioniert nur wenn wir wieder eine Verbindung zur Erde als Basis jeder wahren Spiritualität herstellen und erkennen, dass wir eingewoben sind in ein grosses Lebensgeflecht, wo alles miteinander verbunden ist – belebt von der gleichen Kraft und dem gleichen Spirit. Wir sind ein Teil der Natur und in uns wirken die gleichen Kräfte. Yoga aktiviert und nutzt die evolutionäre Kraft (Shakti) verborgen in der Natur – und in unserer Seele – um die Anhaftung an eine limitierte Identität zu lösen und die Illusion von Trennung zu beenden.

    Yoga im Zeitalter einer spirituellen Krise

    Die Gegenwärtige Krise und der tragische Zustand der Welt auf gesellschaftlicher, politischer und ökologischer Ebene hat seinen Ursprung in einem Bewusstsein abgekoppelt von der organischen und heiligen Verbundenheit mit Allem. Wir erkennen nicht die Einheit hinter all den Unterschieden. Intellektuell versuchen wir das zwar, aber das macht es nur noch schlimmer. Einheit und Verbundenheit kann man nicht ‚denken‘ oder ‚abstrahieren‘, es ist eine gelebte verkörperte Erfahrung eines rezeptiven und ‚fühlenden‘ Bewusstseins jenseits des Intellekts. So finden wir uns im Kern in einer spirituellen Krise des kollektiven Bewusstseins wieder. Dieses basiert auf falschen Werten, Zielen und Praktiken welches Egoismus, Dominanz und Gier fördern. Wir haben den Kontakt zu unserer inneren und äußeren Natur verloren und zerstören dabei den Planeten und uns selbst. Global ernten wir die karmischen Früchte unter anderem in Form zunehmende Konflikte, der Gefahr eines Krieges, Klimawandel und Artensterben.

    Das dunkle Feuer unserer Zivilisation

    Als Spezies zerstören wir unsere Ökosysteme, die Basis unserer Existenz, beuten die Tierwelt aus und sind bereit für unsere kleinlichen Überzeugungen zu töten und zu morden. Wir haben keine Kultur geschaffen inspiriert von Mitgefühl, Weisheit und Sensitivität, welche alle Lebensformen miteinbezieht, sondern von Konsum, Arroganz und Größenwahn wo die eigene Agenda oder die der gleichen “Interessengruppe” im Vordergrund stehen. Wir finden kaum die Betonung von Tugenden wie Wertschätzung, Selbstdisziplin, Achtsamkeit und Liebe. Im Gegenteil: alles wird noch vulgärer, oberflächlicher und krasser. Mit all unseren modernen Errungenschaften leiden wir unter allerlei körperlichen und psychologischen Beschwerden. Stress und Depression ist eine der größten Epidemien heutzutage und ein deutliches Symptom, dass wir nicht in Harmonie sind mit dem Leben.

    Unheilige Religion, Politik und Technologie

    Unsere Religionen gleichen unheiligen, intoleranten konkurrierenden Glaubenssystemen, wo es darum geht, möglichst viele “Followers” zu bekommen im Kampf gegen die “anderen”. Anstatt wahrer Spiritualität sehen wir einen dumpfen regressiven Fundamentalismus der noch mehr Gewalt und Konflikt schafft. In kaum einer der großen Weltreligionen sehen wir eine Inspiration alle Menschen in ihren Unterschieden zusammenzuführen und mit ihrem inneren Selbst zu verbinden.
    Unsere politische Landschaft gleicht ausgedienten, selbstsüchtigen, korrupten Dinosauriern, gefangen in anorganischen Ideologien und einem anachronistischen System nicht fähig den Anforderungen der Realität gerecht werden. Lebensfeindlicher Radikalismus, Nationalismus und der Rechtsruck in den vergangenen Wahlen sind einige der Ergebnisse davon.
    Unsere Technologie schafft eine virtuelle Realität, die uns immer mehr von der Natur und uns selbst entfremdet und uns isoliert und einsam macht. Wir nutzen sie vermehrt zur Manipulation, Kontrolle und Konformität und sie wird gleichzeitig immer weniger zu kontrollierbar. Unsere angesammelten Nuklearwaffen haben die Kraft den ganzen Planeten zu zerstören und wir bauen KI unterstützte “intelligente” Waffensysteme die immer effizienter, umfassender und präziser töten können. Man fragt sich: was hat das mit Intelligenz zu tun?

    Die gute Nachricht: wir können uns / es ändern

    Diese kurze Bestandsaufnahme mag sich schlimm anhören, aber man kann es auch als Zeichen eines Wandels verstehen. Immer mehr Menschen wachen auf – auch durch Yoga und andere spirituell orientierte Methoden, und erkennen das es einen Bewusstseinswandel braucht. Wir können die gegenwärtigen Probleme nicht mit dem alten Bewusstsein lösen und alles ständig symptomatisch behandeln und hin und her schieben.

    Empowerment von Frauen – die nötige Rückkehr der Göttin

    In diesem Sinne ist ‘Empowerment’ von Frauen nicht nur eine soziale oder politische Frage der besseren Gleichberechtigung. Das weibliche Prinzip ist auch eine mächtige archetypische Kraft – ausgedrückt und repräsentiert als Göttin – die auf allen Ebenen wirkt. Es ist vielleicht eine Frage des Überlebens, ob wir das weibliche Prinzip, das weibliche in jedem von uns, wieder entdecken und ehren, als das, was es ist: eine heilige Kraft der Verkörperung und des Lebens. Das Wertschätzen und Verehren des weiblichen Prinzips als Schöpfungskraft, “Mutter” Erde und generell als kreative Kraft hinter aller Manifestation ist ein Schlüssel für persönliches spirituelles Wachstum aber auch für uns als Spezies generell. In der inneren Energiearbeit des Yoga ist es die Gnade und transformative Kraft der Göttin, der Yoga Shakti, welche unsere Herzen erweckt und zurückführt zu Einheit, Frieden und Gleichgewicht (Shiva). Die Göttin repräsentiert die pulsierende, transformierende Schönheit und verborgene Realität hinter und jenseits aller Kräfte des Universums. Als solche ist sie verantwortlich für die elementaren Lebensprozesse und gibt tiefe Erfüllung, genährt sein auf allen Ebenen, vibrierende Freude und ein tiefes Gefühl für die Kostbarkeit der ‚Verkörperung‘. Leider haben unsere großen Religionen und generell unsere Zivilisation dieser ‘Göttin’ nicht ihren angemessenen Platz eingeräumt, sie unterdrückt oder gleich ganz ignoriert. Die Folge ist Materialismus, Kopflastigkeit und allgemein ein fehlendes Gefühl von Freude und Geborgenheit in einem nährenden Universum. Der Intellekt wurde zum Fetisch zum Verständnis der Welt und unserer selbst. Den Preis, den wir dafür zahlen ist ein Empfinden von Trennung, innerer Leere und Hoffnungslosigkeit. Es ist ein Verlust auf kollektiver Seelenebene. Die Rückkehr der Göttin ist keine Frage des Glaubens, sondern ob wir es schaffen, wieder eine tiefere Verbindung zum Leben herzustellen wo jede Lebensform ihren natürlichen Platz und Berechtigung findet.

    IMG_3559-scaled im Soma Yoga Freiburg

    Planetarisches Yoga

    Auf gesellschaftlicher Ebene braucht es ein zusammenkommen visionärer Politiker, Wissenschaftler, Künstler, spiritueller Lehrer, Geschäftsführer usw. die ein neues Bewusstsein der Einheit verkörpern und die anfangen an Strukturen zu arbeiten, durch die es Formen annehmen kann. Das mag nicht einfach sein und wird noch einige Zeit dauern, aber wir sehen schon viele alternative Grassrootbewegungen, Projekte und Communities in dieser Richtung. Es braucht ebenso ein zusammenkommen als Yoga-Community, welche sich jenseits von Stilen und Traditionen auf der Ebene des Herzens zusammenfindet und sich als Katalysator für einen gemeinsamen Bewusstseinswandel versteht.

    Das Kollektiv wird von den Individuen gespeist. Was jeder von uns hineingibt, hat eine Wirkung. Der imperative Aufruf des Yoga und Ayurveda ist einfach: Übernehme Verantwortung und ändere dich selbst. Dann ändert sich deine Welt. Warte nicht darauf, das es andere tun und trete aus dem halluzinatorischen, destruktiven Kreislauf der Ohnmacht und des Beklagens heraus. Gehe mit dir und dem Leben in Beziehung. Folge nicht Ideen und Ideologien die andere dir einpflanzen, sondern entdecke ein Leben durch die Realität deiner eigenen Wahrheit, die aus einer tieferen Quelle kommt. Löse dich von einengenden Identifikationen, um deinen Selbstwert zu bestätigen. Mach das Universum zu deinem Zuhause. Gehe kleine Schritte und entdecke deine Kraft und dein eigenes Licht. Was immer dann der Ruf deiner Seele ist, es wird gut sein. Wenn du mit dir im Einklang bist, alte Wunden geheilt und dir selbst und anderen Vergeben hast, werden deine Handlungen automatisch dem größeren Dienen. Verbinde und umgebe dich mit Menschen, die deine Werte und Ziele teilen und dir helfen fokussiert und inspiriert zu bleiben. (d.h geh ins Yogastudio, Dojo etc…)

    Wir können lernen das Heilige wieder in den Alltag zu bringen, die Fülle wieder einzuladen. In diesen Moment, diesen Atemzug, diese Begegnung. Die Yoga Asanas können uns öffnen für die Verbundenheit mit der Erde und all seinen Lebewesen. Der Körper ist die Erde, zu der er wieder zurückkehrt, wir haben ihn ja nur geliehen. Die Atemübungen verbinden uns mit der Atmosphäre und dem Sauerstoff, welche die Pflanzen für uns produzieren. Meditation verbindet uns mit dem endlosen Raum von Stille und Weite des Kosmos. Das ist dann planetarisches Yoga.

    Alles ist verbunden
    Wir können uns fragen, wie die Nahrung, die ich esse, den Planeten und seine Lebewesen beeinflusst und nicht nur ob sie gut für mich ist. Wir können berücksichtigen, ob die Kommunikation und meine Handlungen das Wohlergehen und die Harmonie aller Lebewesen unterstützt oder ob sie nur meinem Selbstinteresse dient. Ist die Berufswahl und meine Karriere erhebend und positiv für alle oder ist sie nur ein Mittel zum Geldverdienen auf Kosten anderer? Für wahrhaftiges planetarisches Yoga müssen wir unsere ganze Lebensweise, Beziehungen und Einstellungen anschauen. Integriert unser Leben all die gegensätzlichen Kräfte der Welt in einer größeren Harmonie oder tragen wir zu noch mehr Fragmentation, Isolation und Teilung bei? Diese Integration muss bei uns selbst anfangen, als eine innere Klärung und Heilung, um wirklich nachhaltig zu sein. Alles in allem: Die Lebenszeit, die wir zusammen haben ist ein wertvolles Gut. Wie willst du sie verbringen? Was soll durch dich in die Welt kommen? Kannst du dich selbst als wertvolles Wesen sehen, das du laut Yoga bist: in Perfektion geboren, strahlend, frei und gut?
    Wenn das der Fall ist, dann ist jeder Tag ein internationaler, ja interkosmischer Yogatag 😉

    Dieses (wieder-) erkennen ist eine innere Revolution, deshalb unser programmatischer Titel: Yogi (R)evolution
    Hier nochmal als Inspiration unser Yogi Manifest.

     

    manifesto im Soma Yoga Freiburg
    manifesto-2 im Soma Yoga Freiburg

    Om Shanti Shanti Shanti 
    Ralf,

    Direktor Soma Yoga

     

    Selbstakzeptanz: „du bist genauso richtig wie du bist“ oder nicht?

    Selbstakzeptanz: „du bist genauso richtig wie du bist“ oder nicht?

    Wer kennt ihn nicht, den Aufruf zur Selbstakzeptanz. Er ist nicht nur in Yogastunden zu hören, man findet ihn ständig auf dem großen Selbsthilfe- und Selbstoptimierungs Marktplatz. In esoterischen oder psychologischen Zeitschriften, Blogs und Ratgebern, Kursen, Workshops usw. gehört er zum Standard: „relax, du bist richtig und gut…nimm dich an“. Nun, das ist gar nicht verkehrt, ich teile den Aufruf – so ähnlich – auch ab und zu in Yogastunden. In einem bestimmten Kontext hilft es zu entspannen und loszulassen.

    Doch irgendwie scheint es im Alltag nicht immer so zu funktionieren mit dem Akzeptieren. Für einen Moment, z.b nach einer Yogastunde, fühlt es sich zwar etwas besser an, aber eigentlich ändert sich nicht grundlegend etwas. Der Ärger, die Schuldgefühle oder die Scham tauchen immer noch auf. Warum? Das hat damit zu tun, das Selbstakzeptanz meist nur ein oberflächliches mentales Konzept bleibt, das unser Geist als Ablenkung nutzt. Eigentlich gibt es 2 Arten von Selbstakzeptanz. Eine die dich verändert und freier macht, die andere wo du so bleibst wie du bist und steckenbleibst.

    mentale Halluzinationen

    Die mentale Form des vermeintlichen Annehmens und Akzeptierens hat mehr mit einer beruhigenden Trance gemein. Wir versuchen uns einzureden, dass es schon ok ist. Wir, die anderen, die Welt. An der Oberfläche sieht es ruhig aus, weiter unten brodelt es. Wir benutzen die Idee von Akzeptanz als Anästhetikum und auch Entschuldigung um zu bleiben, wie wir sind. Und wir weichen nötigen wirklichen Veränderungen aus.
    „So bin ich halt, ich werde immer wütend, aber ist ok, da kann man nichts machen, ich hab’s akzeptiert“. Dabei spielen wir uns selbst einen Streich und fallen darauf herein. Warum? Weil es unter Umständen unangenehm, schmerzhaft oder einfach unbequem werden würde, die Wut wirklich zuzulassen.

    Das Phänomen ist nicht nur bezüglich Akzeptanz zu finden: wir benutzen allgemein Konzepte und Ideen damit unser Selbstbild erhalten bleibt.; und um uns selbst und andere zu bestätigen, zu beruhigen, zu überzeugen, aber auch um zu vermeiden, zu täuschen und zu manipulieren. Oder einfach um uns ein Gefühl der Sicherheit und Orientierung zu verschaffen. Manchmal geht das mit einem seltsam unbegründeten und oft infantilen Anspruch einher, die Welt um mich herum soll doch bitte meine Bedürfnisse erkennen und erfüllen.

    Hier kommt man nicht umhin festzustellen, dass besonders „spirituelle“ Konzepte wie Einheit, Akzeptanz, Toleranz, unkonditionierte Liebe oder einfach den Anspruch „gut“ zu sein, verlockend einfach missbraucht werden können. Sie werden zu einer oft toxischen Mischung, mit welcher unser Ego eine halluzinatorische und verlockende Wirklichkeit schafft. Die in sich zusammenfällt, wenn man etwas tiefer bohrt.

     „Ich habe es akzeptiert, Liebe ist universell, ich bin das Licht jenseits von Körper und Geist und muss lernen meine Anhaftungen zu lösen“ nachdem der Partner einen betrogen hat. Nun, das ist auch eine Möglichkeit den Schmerz von sich wegzuhalten. Zumindest oberflächlich.

    Wir alle kennen die Tendenz die Dinge so zu sehen, wie wir es wollen.

    Selbstakzeptanz heißt nicht etwas „gut“ zu finden,

    es ist kein Versuch etwas zu akzeptieren was einem schwerfällt zu akzeptieren. Es ist keine mentale Toleranzgymnastik, kein positives Gutmenschdenken, ja, meistens ist es eben nicht schön, sondern das Gegenteil:

    Es ist die Fähigkeit mit sich und seinen Empfindungen und Gefühlen zu sein. Egal wie diese sich zeigen. Den Ärger oder die Scham wirklich zu spüren. Ungeschminkt und direkt, ohne auszuweichen.
    Das ist oft verblüffend schwierig. Oft ist es sogar unklar welche Gefühle und Empfindungen überhaupt da sind oder wir werden von ihnen weggeschwemmt, ohne dass wir etwas dagegen tun können.

    Oder können wir doch etwas tun? Bewusstsein schaffen

    Yogapraktiken wie die Asanapraxis oder Meditation helfen, wieder in den Empfindungen anzukommen und einen Bewusstseinsraum zu schaffen, um zu erkennen was wirklich abläuft.

    All die wirren Gedanken, all die widersprüchlichen Emotionen brauchen zuerst mal Platz und Anerkennung. Oder die Taubheit und die Gefühllosigkeit. Meditation bedeutet nicht in einen gedankenfreien Raum voller Frieden und Glückseligkeit zu schwelgen…welcher meistens eh nicht eintritt, sondern die Fähigkeit mit dem zu Sein was ist…und es zu spüren. Sich mit den Gefühlen und Gedanken auseinandersetzen und nicht ausweichen, in Beziehung gehen und erforschen.

    Dann kommt vielleicht eine große Erkenntnis in unserer Selbstakzeptanz Reise, man bemerkt: etwas in mir hat gar keine Lust darauf irgendwas zu akzeptieren. Das Einzige, was sich zeigt ist ein großer, wie sagt man so schön, „Stinkefinger“. Das ist eine wunderbare Erkenntnis 

    Denn jetzt kannst du Verantwortung für den Teil in dir übernehmen der sich nicht verändern will. Zu akzeptieren das man sich nicht akzeptieren kann. Es ist die Anerkennung der oft zuerst als deprimierend empfundenen Tatsache, dass etwas in uns so bleiben will und keine Lust auf Akzeptanz oder Veränderung hat. In uns lebt ein zwanghafter Tyrann, der uns die immer gleichen wiederkehrenden Programme von Meinungen, Gefühle und Verhaltensweisen diktiert. Sie sind zu unserer Identität und Teil unseres Selbstbildes geworden. Jetzt habe ich folgende Möglichkeit: ich kann ausweichen oder nicht. Ich kann wegschauen oder mich dem Teil stellen, was heißt, ihn zu spüren und anzuerkennen.
    Es ist eine Wahl zwischen 2 Lebensformen. Eine Wahl, die wir irgendwann treffen müssen und die entscheidend ist, wie sich unser Leben entfaltet. Es ist eine grundlegende Entscheidung:

    1. Entweder ich weiche aus und bleibe weiterhin Sklave meiner Gedanken und Gefühle und mache äußere Faktoren und die Welt für meinen Zustand verantwortlich, bin also das Opfer, oder
    2. Ich bleibe stehen und schaue den „inneren Dämonen“ in die Augen, übernehme Verantwortung und erkenne, dass es nur einen Menschen auf dem Planeten gibt, der sich ändern kann und sollte: Ich selbst

    Raus aus der Selbstverleugnung, Angst hilft!

    Ich muss ganzheitlich erkennen, d.h spüren, dass es nicht gut ist: meine ungezügelte Wut, meine wiederkehrende Depression, meine krankhafte Eifersucht, meine Ignoranz, mein Gefühl von Isolation, meine innere Leere, meine Ziellosigkeit, meine Rechthaberei, meine Kontrollsucht, mein Minderwertigkeitsgefühl, meine Scham, mein Groll, mein Narzissmus, meine Rachegedanken sind nicht gut. Dieses ‚nicht gut‘ muss ich an mich heranlassen, muss erspüren, wie ungesund diese Einstellungen wirklich sind. Sie schaden mir, sie schaden anderen, sie sind nicht das, was ich wirklich bin. Sie limitieren mich und meine Lebensenergie; sie deprimieren und sie decken eine innere Leere ab, welche mir Angst macht.

    Bringe die Angst hinter dich

    Manchmal hilft folgendes: Stelle dir vor, du lebst dein ganzes Leben lang mit diesen miserablen Gefühlen und Gedanken. Und diese Vorstellung macht dir Angst. Diese Angst kannst du nutzen, denn sie ist berechtigt, sie kann dich motivieren. Du kannst sie umwandeln in eine Kraft der Veränderung. Du bringst die Angst hinter dich als Schubkraft. Sie steht nicht mehr als unbewusste Blockade vor dir. Du nimmst die sogenannte Selbstakzeptanz nicht mehr, um lethargisch aufzugeben und dein Versagen und deine Limitierungen zu bestätigen, sondern um aufzuwachen zu deiner wahren Größe. Du unternimmst (kleine) Schritte, um dein Leben auf die Reihe zu bekommen. Die Limitierungen und empfundenen „Probleme“ werden zum Trittstein und zur Voraussetzung für mehr Wachstum und Entfaltung. Es ist keineswegs selbstverständlich, dass man seine Angst überhaupt spürt. Das ist ein fortgeschrittenes Stadium. Viele Menschen wirken nach außen hin unbewegt, selbstbewusst und ruhig – aber haben sich abgeschnitten. Spüren heißt, ich habe mich vom Kopf in den Körper bewegt. Von einem mentalen Konstrukt zu einer aktuellen Empfindung und Erfahrung im Körper. Das ist ein Grund zum Feiern. Etwas in mir ist wieder im Fluss und mit einer existentiellen Ebene verbunden.
    Das ist was ich unter Yoga verstehe: die Einheit mit dem Leben zu spüren auf einer verkörperten, vibrierenden und pulsierenden Ebene.

    Sensibilität zulassen

    Alles hat seinen Preis: Die Angst zu spüren heißt auch wieder Sensibilität zuzulassen. Du öffnest dich deiner Verletzlichkeit. Aber weil die Angst davor verschlossen und stagnierend zu bleiben größer ist, als die Angst sich zu öffnen bist du bereit dazu. Der Schutzpanzer wird weniger, die Emotionen bewegen sich freier, dein Leben gewinnt an Lebendigkeit und Ausdruck. Sensibilität heißt, du achtest und respektierst deine Grenzen und Gefühle. Es ist dein fühlendes Herz nicht dein Verstand, der das bemerkt und deshalb wirst du furchtloser und mutiger.
    Du wirst wahrhaftiger und dadurch ekstatischer, weil du nicht mehr festhalten musst an einem engen Selbstbild.

    Praxis: Die 4 E Meditation

    In der Meditation kann man mit den 4 E’s arbeiten, um langsam wirkliche Selbstakzeptanz zu erreichen:

    Die 4e’s sind: Erkennen, Erlauben, Erforschen, Empathisches loslassen

    Es ist eine aktive Form der Meditation. Ich bringe mir eine Situation in die Erinnerung die Schwierig war, z.b. ein Streit mit dem Partner oder eine unangenehme Situation mit dem Chef und erkenne die Reaktion und die Gefühle, die dabei auftauchen. Das ist die Voraussetzung: Ich bemerke und erlaube es. Ich weiche nicht aus, sondern gebe dem ganzen Raum, ohne es anders haben zu wollen oder zu rationalisieren. Dann kann ich es erforschen:
    Was macht mein Geist, welche Gedanken und Bilder produziert er? Und vor Allem:  Wo spüre ich es im Körper? Was passiert mit dem Atem? Welche Empfindungen sind da? Taubheit, Kribbeln, Kälte, Hitze…
    Die letzte Phase ist das empathische Loslassen. Ich halte nicht weiter daran fest, indem ich analysiere und weiter darüber nachdenke, sondern lass los mit dem empathischen Mitgefühl für alle empfundenen Gefühle und Emotionen.

    Selbstakzeptanz ist nicht etwas, was wir wirklich „tun“ können. Es ist die Folge einer gefühlten Anerkennung und Integration verdrängter Bewusstseinsinhalte. Deshalb ist Meditation so wichtig: Wir trainieren den Geist zu beobachten und „Offen“ zu bleiben damit diese sich zeigen können. Diese Offenheit schafft Raum und Freiheit zu erkennen, dass wir diese Gefühle und Empfindungen haben aber nicht diese Gefühle existenziell sind. Das erlaubt wahre Selbstakzeptanz: Wir entdecken das größere Selbst hinter all den Veränderungen, Emotionen und Bewegungen. Teil des einen großen Lichts das wir alle sind.

    Om Namah Shivaya!

    Ralf Schultz

    slim-banner-newsletter8-582x148 im Soma Yoga Freiburg

    Die 4E Achtsamkeitsmeditation mit Ralf
    Diese geführte Meditation mit den 4e’s kann eine effektive Hilfe sein, um sich selber und seine Gefühle zu erforschen. Langsam schaffen wir so mehr Bewusstheit, Freiheit und Akzeptanz. Die 4 E’s sind: Erkennen, Erlauben, Erforschen & Empathisches loslassen.
    Probiere es doch mal aus! Free Download!

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    Ralf Schultz

    Yogalehrer und Leiter von Soma Yoga Freiburg

    Sein Hauptinteresse liegt in der Erforschung des Potentials, das jedem von uns innewohnt, um innere Freiheit, Fülle, Tiefe, das Mysterium und das Staunen über das Leben zu erkennen und zuzulassen. In diesem Sinne ist Yoga für ihn vorwiegend ein undogmatischer Weg der Selbstkenntnis, Erforschung und Veränderung, um dieses Potenzial hier und jetzt zu einer gelebten Erfahrung werden zu lassen.
    Ralf integriert in seiner Arbeit Ideen und Einsichten der verschiedenen Traditionen des klassischen Yoga und Ayurveda bis hin zu westlichen Weisheitstraditionen, Schamanismus sowie moderne wissenschaftliche und psychologische Ansätze. Yoga ist für ihn alles was hilft um besser zu erkennen und zu verstehen, was es mit dem Leben auf sich hat. Und so Kraft und Inspiration zu finden für die eigene positive Veränderung zum Wohle aller Wesen und der Erde.Seit vielen Jahren bildet Ralf Yogalehrer aus und leitet vertiefende Weiterbildungsseminare im Bereich Vinyasa Yoga, Ayurveda und Soundhealing. Er versteht es, seine Schüler auf humorvolle und undogmatsiche Art und Weise für einen ganzheitlichen spirituellen Weg zu begeistern und zu inspirieren.
    Er schreibt regelmäßig für die Zeitschrift “Yoga Aktuell”

    Mantra, Atem, Fokus – Die Rolle von Konzentration und Japa Mala im Yoga

    Mantra, Atem, Fokus – Die Rolle von Konzentration und Japa Mala im Yoga

    Konzentration, Fokus und Japa Mala

    Den Geist auszurichten und zu fokussieren ist eine der fundamentalen Fähigkeiten für mentale Immunität, Selbstkontrolle und Willenskraft. Sie bestimmt schlussendlich erheblich die Qualität unserer Lebenserfahrung. Statt dem ständigen mentalen und emotionalen auf und ab durch äußere oder innere Ereignisse hilflos ausgeliefert zu sein, bleiben wir verankert, ohne uns ablenken zu lassen.

    Die Kraft der Aufmerksamkeit

    Allerdings ist das oft leichter gesagt als getan. Aufmerksamkeit und die Mechanismen der Wahrnehmung sind eine komplexe Angelegenheit. Sicher ist: Das worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, bekommt mehr Kraft und wird Teil unserer Erfahrung. Deshalb ist es wichtig den Geist, d.h sich selbst, besser kennenzulernen und mehr Kontrolle über die Aufmerksamkeit zu bekommen.
    Nötig ist eine Kombination von vorurteilsfreier Erforschung und Introspektion und zielgerichteter Veränderung.
    Neurophysiologisch ist unsere Aufmerksamkeit wie ein Spotlight, durch das unser Gehirn funktionell und auch physisch ständig stimuliert und verändert wird. Neuronale Strukturen bilden sich vorwiegend durch das was in unserem bewussten Fokus ist. Gleichzeitig ignoriert und verhindert dieses Spotlight das andere Inhalte und Informationen in unser Gehirn bzw Bewusstsein gelangen. Das ist ein sinnvoller Vorgang solange wir unser Spotlight positiv und kreativ nutzen. Aber nicht, wenn wir keine Kapazität haben den Fokus von dem zu lösen was negativ, schädlich und destruktiv auf uns wirkt, wie ängstliches Grübeln, zwanghaftes- und Suchtverhalten, brodelnder Groll oder ungesunde Obsessionen.
    Für psychologische Heilung ist die Fähigkeit sich von dem zu lösen was verletzt und destruktiv ist und sich mit dem zu verbinden was hilft und heilt zentral.

    Dieses Wissen ist für die alten kontemplativen Traditionen der Menschheit nichts neues. Im Gegenteil, die Klärung und Heilung unseres Bewusstseins wird hier meistens als Voraussetzung für jede Art von weiterer spiritueller Erkenntnis gesehen. Moderne Achtsamkeitspraxis, Neurowissenschaft und neue therapeutische Ansätze sowie das alte Wissen des Yoga über die Natur des Geistes zeigen erstaunliche Übereinstimmungen und befruchten sich gegenseitig. Tatsächlich kann man ohne weiteres die alten Yogis als die ersten Gehirn- und Achtsamkeitsforscher bezeichnen. Sie haben herausgefunden, wie man das eigene Bewusstsein durch Veränderung der Gehirnchemie positiv und dauerhaft verändert. Achtsamkeitspraktiken mit Körper, Atem, Klang, Visualisierungen, Introspektion und Meditation, genauso wie Gebet und Ritual, resultieren in nachhaltigen Veränderungen von Einstellungen und Sichtweisen – und zeigen sich im Gehirn. Strukturell in einer Stärkung und ‚Verdickung‘ des Präfrontalen Cortex, desjenigen Gehirnareals das mit der Kontrolle der Aufmerksamkeit, der Handlungen und der Emotionen zu tun hat
    und die Wirkung der Amygdala, des „Angstzentrums“ im Gehirn hemmt.
    So wie ein Muskel bewegt und trainiert werden muss um stärker zu werden, muss auch unsere Aufmerksamkeit trainiert werden. Und dafür ist eine regelmäßige Praxis und Übung (Sadhana) nötig, so dass sich der Geist von seinem ungesunden „default setting“ – der Fixierung auf das Negative – langsam verabschieden kann. Das ist kein Prozess von heute auf morgen, sondern braucht Zeit, Geduld und Disziplin. Anders gesagt, es braucht eine Veränderung der Gewohnheiten durch eine Praxis, die uns hilft, Fokus und Präsenz neu auszurichten.
    Diese Praxis wird im Yoga Dharana genannt. Dharana kommt von der Wortwurzel ‚Dhri‘ und bedeutet stützen, halten, tragen. Es ist im Raja Yoga System das sechste Glied von acht auf dem Weg den den Geist still werden zu lassen. Es bildet mit Dhyana (Meditation) und Absorbtion (Samadhi) die letzten 3 Stufen.

    Das energetische Modell.

    Das mentale Feld ist aus der Sicht des Yoga aufgebaut aus verschiedenen Ebenen von energetischen Schwingungen und Frequenzen. Die tiefsten Schichten sind unsere unbewussten Einstellungen, Überzeugungen, Werte und Ziele. Unsere bewusste Erfahrung mit all den Gedanken, Bewertungen, Einstellungen, Gefühlen und Handlungen sind der erfahrbare Ausdruck von diesem tieferen Pool. Jede Erfahrung, die wir machen steuert zu diesem Schwingungsfeld bei – je nachdem wie bewusst wir die Erfahrung annehmen, verstehen und verdauen wachsen wir daran oder bestätigen und stärken die alten Programmierungen.  Wird eine Ereignis als Überforderung oder zu intensiv erfahren reagieren wir mit einer Stressreaktion bis hin zu Abspaltung der Erfahrung aus unserem Bewusstsein.
    Es ist wichtig einerseits unseren Geist vor negativen, stresserzeugenden und traumatischen Erfahrungen zu schützen und andererseits positive Ressourcen zu schaffen. Diese stärken die Resilienz des Geistes und wir können aus ihnen schöpfen, wenn die Zeiten herausfordernd werden. Die stärkste Schutz- und Widerstandskraft hat Liebe als Folge von Selbstakzeptanz und des Gefühls des getragen- und eingebunden Seins in das Lebensgewebe. Die niedrigste Schwingung und Schutzkraft haben Hass, Neid und Groll.
    Die Veränderung des Schwingungsfelds der tieferen Schichten des Geistes werden im Yoga mit verschiedenen Praktiken angestrebt. Eine der wichtigsten ist die Arbeit und Übung mit Klang (Mantra), Atem (Pranayama) Licht (Visualisierung, Symbol) und Hingabe.

    Mantra

     „Man“: Geist
    „Tra“: Mittel, Instrument

    Mantras sind ein wichtiges Instrument im Yoga, um den Geist auszurichten, zu energetisieren, zu heilen und zu klären.
    Mantrapraxis hat einen heilenden Effekt auf die zugrundeliegenden mentalen Muster und gibt dem Geist Plastizität, Anpassungsfähigkeit und Offenheit und präpariert ihn für die Meditation.

    Mantras helfen den Geist von seinen gewohnheitsmässigen und oft negativen repetitiven alten Gedankenmustern zu lösen und die ganze Psyche neu mit einem energetischen inneren Fluss zu revitalisieren.
    Mantras sind so eine kraftvolle Verjüngungstherapie für Kopf und Herz.

    3 Typen von Mantras kann man unterscheiden:

    1. Bija (Samen) Mantras:
      Z.B. Om, Shrim, Hum oder Hrim; sie wirken vorwiegend durch die innewohnende Klangvibration und haben eine tiefe Wirkung. Sie drücken fundamentale energetische Kräfte und Prinzipien aus. OM z.B. ist die subtilste Vibration und die Basis aller Manifestation, es wirkt ausdehnend und öffnend, Hrim wirkt erwärmend und energetisierend (Sonne), Shrim kühlend und beruhigend (Mond), usw.
    2. Namen Mantras:
      Z.B. ‘Om Namah Shivaya’ oder ‘Om Namo Bhagavate’, angewandt vorwiegend im Bhakti Yoga, dem Yoga der Hingabe, welches einen bestimmten Aspekt des Göttlichen bzw von archetypischen Kräften ausdrückt und auf unserer inneren Herzverbindung beruht.
    3. längere Gebete, Hymnen und Anrufungen wie das Gayatri Mantra oder unterschiedliche Friedensmantras. (Lokah Samastah Sukhino Bhavantu z.B.) mit mehr wörtlicher Bedeutung, z.b. die Hanuman Chalisa

    Diese Mantras schliessen sich nicht aus sondern können auch zusammen kombiniert werden. Allgemein drücken sie persönliche und kollektive Wahrheitsebenen aus die wir energetisch aktivieren und  mehr und mehr in unser Bewusstsein heben können. Und was so in unser Bewusstsein kommt und gestärkt wird, verändert von innen heraus unser Leben.

    Atem

    Mantras können wunderbar mit dem Atem synchronisiert werden. Und wirken dadurch noch besser. Der Atem ist die einzige vitale Funktion, die wir willentlich beeinflussen können und ein Bindeglied zwischen Körper und Geist.
    Es ist einer der wichtigsten Träger von Prana (Energie) und liegt jedem Mantra zugrunde. Langsame und etwas tiefere Atmung spricht direkt den Vagusnerv an und den evolutionär alten Hirnstamm. Es beruhigt die Amygdala und aktiviert das parasympathische Nervensystem, welches unseren Organismus in einen Ruhemodus versetzt. Forscher haben jetzt auch herausgefunden das durch gleichmäßige und bewusste Atmung die neuronale Aktivität des Gehirns in einen Gleichklang kommt und mehr geistige Klarheit daraus resultiert.

    Japa Mala

    Mantra und Atem sind also enorm potente Faktoren zur Veränderung und Stabilisierung unserer Aufmerksamkeit mit vielen positiven Wirkungen auf Körper und Geist.
    Die alte Technik von Japa Mala ist wunderbar dafür geeignet. Dabei wird mit Hilfe einer Gebetskette das Mantra rezitiert. Wenn man dann noch alles mit dem Atem synchronisiert, haben wir Körper, Atem und Geist zusammengeführt.
    Traditionell haben die Malas (Gebetsketten) 108 Steine oder Perlen und für jede Perle wird das Mantra rezitiert.
    Z.b. kann man einatmen mit „Om Namah“, ausatmen „Shivaya“, dann zur nächsten Perle usw. Morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem zu Bett gehen ein paar Runden Japa Mala kann Wunder wirken.
    Frage den Yogalehrer deines Vertrauens für die genaue Technik 😉

    Soma Dharana
    ‚Dhara‘ in Dharana heißt auch Fluss, Bewegung. Yoga ist immer auch eine Auseinandersetzung mit der Frage was mein Lebensfokus ist, wohin meine Lebensreise fließen soll.
    Der Geist folgt natürlicherweise immer dem was ihm Zufriedenheit verspricht. Im Versuch zufrieden zu sein suchen wir meist Erfüllung durch äußere Faktoren.
    Soma ist Fülle und Zufriedenheit, die ins Fließen kommt, wenn wir unser Leben darauf ausrichten dem zu folgen was unsere Seele braucht. Es ist der innere Impuls nach Wahrhaftigkeit den wir durch yogische Selbsterforschung und Transformation freilegen und der es uns ermöglicht einschränkende Kontrolle loszulassen. Es ist die Anerkennung des Wunsches im innersten unserer Herzen nach Wahrheit, Freiheit und Licht und dessen Realisierung als das höchste Ziel im Yoga.
    Yoga Dharana, ist deshalb nicht nur eine Frage der Anstrengung zur Verbesserung der eigenen Gesundheit oder zur persönlichen Heilung, wie wichtig diese auch ist, sondern immer getragen von einer ‚höheren‘ Motivation und Intention zum Wohle aller Wesen und der Erde.

    Sind wir von dieser Motivation getragen dann wird jeder Moment, ob angenehm oder nicht zu einem Moment der Fülle und Dankbarkeit, während wir unabgelenkt und fokussiert unserem inneren Ruf folgen.

    Om Namah Shivaya

    Ralf Schultz